Interaktion mit Menschen und positive Emotionen bei Rindern
Gentle human interactions and positive emotions in cattle
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Tierzucht, Tierproduktion (50%)
Keywords
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Positive Emotions,
Human-Animal Interactions,
Perceived Control,
Habituation,
Anti-Stress Effects,
Sensory Channel
Um gutes Wohlergehen zu gewährleisten, sollte Nutztieren die Gelegenheit geboten werden, positive Emotionen wie z. B. Freude zu erfahren. Dies könnte sich weiterhin positiv auf den Gesundheitszustand und somit auf die Produktivität der Tiere auswirken. Es gibt nur wenige Studien zu diesem Thema, da sich die Forschung bisher vor allem auf Möglichkeiten konzentrierte, negative Gefühlszustände bei Tieren zu vermeiden. Man geht davon aus, dass Streicheln und freundliches Sprechen bei Rindern positive Emotionen auslösen, aber die vorhandenen Studien widersprechen sich teilweise und manche Rinder scheinen diese Interaktionen auch nicht als angenehm zu empfinden. Daher ist es nötig herauszufinden, unter welchen Bedingungen Mensch-Tier-Interaktionen positive Emotionen am effektivsten auslösen, und weiterhin zu erforschen, welche physiologischen Prozesse ausgelöst werden, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken könnten. Zu Beginn des Projekts werden wir untersuchen, ob Rinder eine flexible Streichelbehandlung, bei der das Rind mitbestimmen kann, wo es gestreichelt wird, einer standardisierten Streichelbehandlung am unteren Hals vorziehen. Wir möchten weiterhin feststellen, ob das Ausmaß der Kontrolle, die ein Tier über die Situation hat, wichtig ist dafür, dass es die Interaktionen als positiv empfindet. Wir werden dazu zwei Experimente durchführen: Erstens werden wir die Reaktion von Rindern untersuchen, die gestreichelt werden, während sie fixiert sind oder sich frei bewegen können. Um Rückschlüsse auf den emotionalen Zustand der Tiere zu ziehen, werden wir wie in allen anderen Experimenten das Verhalten der Tiere beobachten und die Herzfrequenz messen. Zweitens werden wir untersuchen, ob man Rinder, die es nicht gewohnt sind, von Menschen gestreichelt zu werden, effektiver daran gewöhnen kann, wenn sie fixiert sind oder wenn sie sich frei bewegen können. Wir gehen weiterhin davon aus, dass Interaktionen mit Menschen, bei denen unterschiedliche Sinne angesprochen werden, auch unterschiedlich wahrgenommen werden. Wir werden daher die Reaktionen von Rindern auf Streicheln und auf freundliches Sprechen vergleichen. Interaktionen mit Menschen, die als positiv wahrgenommen werden, können physiologische Reaktionen nach sich ziehen, die der Gesundheit zuträglich sind. Wir werden untersuchen, ob Streicheln und freundliches Sprechen bestimmte physiologische Parameter beeinflussen, die mit Entspannung, Stress und dem Immunsystem in Zusammenhang stehen. Dieses Forschungsprojekt wird wertvolle Informationen über die Zusammenhänge zwischen Emotionen, Verhalten und Physiologie liefern. Die Ergebnisse werden dazu beitragen, das Wohlergehen von Rindern und eventuell anderen Nutztieren zu verbessern.
Um gutes Wohlbefinden zu ermöglichen, sollte Nutztieren die Gelegenheit geboten werden, positive Emotionen zu erfahren. Dies könnte sich außerdem positiv auf den Gesundheitszustand und somit auch die Produktivität der Tiere auswirken. Streicheln und freundliches Sprechen kann bei Rindern positive Emotionen auslösen, aber nicht immer bei allen Tieren unter allen Umständen. Daher haben wir in diesem Projekt untersucht, unter welchen Bedingungen Mensch-Tier-Interaktionen positive Emotionen am effektivsten auslösen und welche physiologischen Prozesse ausgelöst werden, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken könnten. Zu Beginn haben wir getestet, ob es einen Unterschied macht, ob eine Person direkt freundlich mit einem Jungrind spricht, während sie es streichelt, oder ob die Stimme über ein Aufnahmegerät abgespielt wird. Letzteres hätte Vorteile für zukünftige Experimente im Sinne einer stärkeren Standardisierung. Wir fanden heraus, dass sich zwar das Verhalten der Tiere in den beiden Bedingungen nicht unterschied, die Muster in der Herzfrequenz aber auf eine tiefere Entspannung nach dem Streicheln mit direktem Sprechen hinwiesen. Weiterhin reduzierte die Playback-Bedingung die Variabilität in den Daten nicht konsistent. Somit ist die Wiedergabe des akustischen Stimulus mittels Playback nicht dazu geeignet, die Standardisierung zu verbessern, und ist auch nicht so effektiv wie das direkte Sprechen für das Auslösen eines positiven emotionalen Zustands. Weiterhin haben wir zwei verschiedene Arten zu streicheln verglichen: Streicheln am ventralen Hals, einer Stelle, die laut früheren Studien für das Streicheln von Rindern generell bevorzugt wird, und Streicheln in der gesamten Hals-Kopf-Region, wobei auf das Verhalten und somit die momentanen Vorlieben der Rinder eingegangen wird. Beide Varianten wurden von den Rindern als positiv wahrgenommen, allerdings gab es nur wenige Unterschiede im Verhalten zwischen den Streichel-Stilen; das könnte unter anderem damit zu tun haben, dass es methodologisch schwierig ist, kleine Unterschiede zwischen zwei positiven Situationen festzustellen. In zwei Versuchen haben wir den Effekt der Fixation im Fressgitter während der freundlichen Interaktionen beobachtet. Jungrinder mit einer guten Beziehung zum Menschen zeigten mehr Halsstrecken und eine tendenziell geringere Herzfrequenz während der Interaktionen, wenn sie sich dabei frei bewegen konnten, als wenn sie fixiert waren. Bei Kühe, die gegenüber Menschen furchtsam waren, wurde die Beziehung zum Menschen vor allem dann verbessert, wenn sie sich während der Interaktionen frei bewegen konnten. Fanden die Interaktionen während der Fixation statt, verbesserte sich ihre Beziehung zum Menschen zwar auch, aber in geringerem Maße. Wir haben keine Anzeichen dafür gefunden, dass sich die Oxytocin-, Immunglobulin A- oder Kortisolkonzentration im Speichel nach freundlichen Interaktionen verändert hat, obwohl die Herzfrequenz abnahm. Oxytocin und Immunglobulin A werden derzeit als potentielle Indikatoren positiver emotionaler Zustände bei Tieren untersucht, aber unsere Ergebnisse sprechen eher gegen ihre Anwendung in diesem Bereich.
- Kerstin Barth, Johann Heinrich von Thünen-Institut - Deutschland
- Kerstin Uvnäs-Moberg, Karolinska Institute and Hospital - Schweden
- Marek Špinka, Institute of Animal Science (IAS) - Tschechien
Research Output
- 58 Zitationen
- 4 Publikationen
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2020
Titel Talking to Cows: Reactions to Different Auditory Stimuli During Gentle Human-Animal Interactions DOI 10.3389/fpsyg.2020.579346 Typ Journal Article Autor Lange A Journal Frontiers in Psychology Seiten 579346 Link Publikation -
2020
Titel Effects of Different Stroking Styles on Behaviour and Cardiac Parameters in Heifers DOI 10.3390/ani10030426 Typ Journal Article Autor Lange A Journal Animals Seiten 426 Link Publikation -
2020
Titel Gentle interactions with restrained and free-moving cows: Effects on the improvement of the animal-human relationship DOI 10.1371/journal.pone.0242873 Typ Journal Article Autor Lange A Journal PLOS ONE Link Publikation -
2021
Titel Effects of restraint on heifers during gentle human-animal interactions DOI 10.1016/j.applanim.2021.105445 Typ Journal Article Autor Lange A Journal Applied Animal Behaviour Science Seiten 105445 Link Publikation