The Liar and its Revenge in Context
The Liar and its Revenge in Context
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Truth,
Liar Paradox,
Non-classical Logics,
Revenge Paradoxes,
Contextualism,
Absolute Generality
Unser Projekt zielt darauf ab, eine einheitliche Lösung für die semantischen Paradoxien zu entwickeln: Semantische Paradoxien sind intuitiv gültige Argumente, welche unsunter minimalen Voraussetzungengestatten, Widersprüche, ja sogar beliebige Sätze zu beweisen. Ein Beispiel dafür ist die Paradoxie des Lügners, die einen Satz L involviert, der von sich selbst sagt, dass er nicht wahr ist. Es folgt, dass L genau dann wahr ist, wenn L nicht wahr istund das ist in den meisten Logiken ein Widerspruch. Semantische Paradoxien stellen jedoch nicht bloßeine intellektuelle Kuriosität dar; sie unterminieren vielmehr die Kohärenz unserer grundlegendsten Begriffe wie etwa Wahrheit, Bezeichnung (Denotation), Notwendigkeit und logische Gültigkeit. Da die Existenz von Sätzen wie L aus einfachen syntaktischen Prinzipien bewiesen werden kann, wird gemeinhin angenommen, dass es nur zwei Auswege aus diesem Problem gibt: Entweder gibt man naive semantische Prinzipien wie die Äquivalenz von A und A ist wahr auf, oder man schwächt die klassische Logik ab, d.h. den üblicherweise anerkannten Kanon korrekten Schließens. Seit Saul Kripkes überaus einflussreichem Werk über Wahrheit aus den 70er Jahren ist die zweite, revisionistische Option zunehmend populär geworden. Wir hingegen wollen zeigen, dass revisionistische Lösungsansätze notwendigerweise das Ziel verfehlen; zu verstehen, warum dies so ist, enthält den Schlüssel für die Lösung der semantischen Paradoxien, ein für allemal. Im ersten Teil unseres Projekts entwickeln wir ein neues und allgemeines Argument gegen revisionistische Lösungsansätze mit dem Ergebnis, dass diese trivial sein müssen, d.h. dass aus ihnen die Wahrheit jedes beliebigen Satzes folgt. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass jeder solche Lösungsansatz zwischen paradoxen und unparadoxen Sätzen unterscheiden muss. Wir werden jedoch zeigen, dass eine solche Unterscheidung neue Paradoxien erzeugt, die durch eine Abschwächung der Logik nicht abgeblockt werden können. Wir vertreten die Auffassung, dass diese neue Form des Revenge-Arguments den Kern der semantischen Paradoxien bildet. Im zweiten Teil des Projekts befürworten wir eine Familie von Lösungenso genannte kontextualistische Lösungenwelche die semantischen Paradoxien, einschließlich der Revenge- Argumente, als konsistente Argumente interpretieren, welche Prinzipien involvieren, deren Anwendung den ursprünglichen Kontext des Schließens zu einem neuen, reichhaltigeren Kontext verschiebt. Wir argumentieren für eine bestimmte neue Lösung dieser Art: nämlich eine, welche (i) sowohl die klassische Logik als auch höchst intuitive Prinzipien bezüglich wahr für gültig erklärt, welche (ii) außerdem nicht am Revenge-Problem leidet und (iii) in wichtigen Fällen absolut uneingeschränkte Quantifikation zulässt (womit einer der Hauptmängel der gegenwärtigen kontextualistischen Theorien überwunden wird). Unser Projekt bildet die erste umfassende Untersuchung von Revenge-Argumenten und außerdem die erste systematische Studie kontextualisticher Lösungsansätze für die semantischen Paradoxien. Unser Gesamtziel besteht in der Abfassung einer Monographie über Paradoxien und Revenge, die bei Oxford University Press erscheinen soll. Zu den von uns angewandten Methoden gehören Begriffsanalyse, formale Logik und Modelltheorie.
Der Schwerpunkt unseres Projekts lag auf den semantischen Paradoxien: einfache Argumente, die nur minimale Annahmen erfordern - die Möglichkeit, Sätze zu benennen, einige sehr bescheidene logische Ressourcen und naive semantische Prinzipien wie die Interderivierbarkeit eines Satzes eines Satzes "A" und seiner Wahrheitsprädikation "A' ist wahr" -, die es erlauben, Widersprüche und sogar jeden beliebigen Satz herzuleiten. Das Hauptziel unseres Projekts war es, eine neuartige Lösung für die Paradoxien zu entwickeln. Zu diesem Zweck haben wir eine zweiseitige kontextualistische Theorie entwickelt. Das unparadoxe Fragment der Sprache wird in einer Metatheorie höherer Ordnung interpretiert, die den Quantoren unparadoxer Sätze eine absolut uneingeschränkte Interpretation erlaubt. In dem Satz "Alles ist mit sich selbst identisch" zum Beispiel kann der universelle Quantor über absolut alles interpretiert werden, so wie es sein sollte. Im Gegensatz dazu lassen die kontextualistischen Standardtheorien keine absolut uneingeschränkte Interpretation der Quantoren zu - im Wesentlichen deshalb, weil sie eine solide Lehre, die aus den semantischen Paradoxien zu ziehen ist, unserer Ansicht nach übergeneralisieren. Eine Tradition, die auf Russell zurückgeht, interpretiert die Paradoxa als diagonale Argumente, die dazu verwendet werden können, aus einer gegebenen Totalität "herauszugehen": Bei einer beliebigen Totalität von Objekten kann man ein paradoxes Argument verwenden, um ein Objekt zu finden, das nicht in dieser Totalität enthalten war. Daher, so das Argument, kann die Quantifizierung niemals absolut uneingeschränkt sein. Wir akzeptieren Russells Einsicht, nehmen sie aber zum Anlass, um zu zeigen, dass die Quantoren paradoxer Sätze nur auf einem weniger als absolut allgemeinen Gebiet, d. h. über einer Menge, interpretiert werden können. Infolgedessen erhält das paradoxe Fragment der Sprache, das Lügensätze wie den Satz L enthält, der von sich selbst sagt, dass er nicht wahr ist, eine eingeschränkte Interpretation, so dass eine weitgehende Russellsche Interpretation der Paradoxien möglich ist. Aber die Quantoren unparadoxer Sätze können uneingeschränkt interpretiert werden - und das sollten sie auch. Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Theorien über Wahrheit und Paradoxie bestätigt unsere Theorie alle alltäglichen Verwendungen des Begriffs "wahr" für Schlussfolgerungen. Darüber hinaus bietet sie eine einheitliche Behandlung von alltäglichen semantischen Paradoxien wie dem Lügner und von so genannten Racheparadoxien, d.h. Argumenten, die zeigen sollen, dass jede nicht-triviale Behandlung des Lügners neue, dem Lügner ähnliche Paradoxien hervorbringt, die er nicht verhindern kann. Auf dem Weg dorthin formulieren wir ein neues Rezept zur Erzeugung von Rache-Argumenten gegen jede nicht-klassische Theorie T, die die These erfüllt, die wir Klassizitätsprinzipien nennen, d.h. dass es eine endliche Anzahl von klassisch gültigen Prinzipien gibt, so dass ein Satz sie nur dann erfüllt, wenn er alle Prinzipien der klassischen Logik erfüllt. Wie wir zeigen, droht unser Rezept alle wichtigen nicht-klassischen Ansätze zu den Paradoxien zu trivialisieren, einschließlich der kürzlich viel diskutierten substrukturellen.
- Universität Salzburg - 100%
- NA Field Hartry, New York University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Jc Beall, University of Notre Dame - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 177 Zitationen
- 22 Publikationen
- 1 Weitere Förderungen
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2019
Titel De Finettian Logics of Indicative Conditionals DOI 10.48550/arxiv.1901.10266 Typ Preprint Autor Egré P -
2021
Titel Grounding, Quantifiers, and Paradoxes DOI 10.1007/s10992-021-09604-w Typ Journal Article Autor Genco F Journal Journal of Philosophical Logic Seiten 1417-1448 Link Publikation -
2021
Titel Non-reflexivity and Revenge DOI 10.1007/s10992-021-09625-5 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Journal of Philosophical Logic Seiten 201-218 Link Publikation -
2021
Titel Modes of Truth: The Unified Approach to Truth, Modality, and Paradox Typ Book Autor Nicolai Carlo Verlag Routledge -
2021
Titel Higher-Order Evidence and the Dynamics of Self-Location: An Accuracy-Based Argument for Calibrationism Typ Other Autor Topey B Link Publikation -
2025
Titel Best Laid Plans: Idealization and the Rationality–Accuracy Bridge DOI 10.1086/718275 Typ Journal Article Autor Topey B Journal The British Journal for the Philosophy of Science Seiten 477-494 -
2019
Titel A UNIFIED THEORY OF TRUTH AND PARADOX DOI 10.1017/s1755020319000078 Typ Journal Article Autor Rossi L Journal The Review of Symbolic Logic Seiten 209-254 Link Publikation -
2019
Titel Generalized Revenge DOI 10.1080/00048402.2019.1640323 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Australasian Journal of Philosophy Seiten 153-177 Link Publikation -
2018
Titel Model-theoretic semantics and revenge paradoxes DOI 10.1007/s11098-018-1041-7 Typ Journal Article Autor Rossi L Journal Philosophical Studies Seiten 1035-1054 Link Publikation -
2018
Titel Classical Harmony and Separability DOI 10.1007/s10670-018-0032-6 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Erkenntnis Seiten 391-415 Link Publikation -
2018
Titel Non-contractability and Revenge DOI 10.1007/s10670-018-0056-y Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Erkenntnis Seiten 905-917 Link Publikation -
2018
Titel Conservative deflationism? DOI 10.1007/s11098-018-1193-5 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Philosophical Studies Seiten 535-549 Link Publikation -
2020
Titel De Finettian Logics of Indicative Conditionals Part I: Trivalent Semantics and Validity DOI 10.1007/s10992-020-09549-6 Typ Journal Article Autor Égré P Journal Journal of Philosophical Logic Seiten 187-213 Link Publikation -
2020
Titel Realism, reliability, and epistemic possibility: on modally interpreting the Benacerraf–Field challenge DOI 10.1007/s11229-020-02984-7 Typ Journal Article Autor Topey B Journal Synthese Seiten 4415-4436 Link Publikation -
2022
Titel Higher-Order Evidence and the Dynamics of Self-Location: An Accuracy-Based Argument for Calibrationism DOI 10.1007/s10670-022-00589-9 Typ Journal Article Autor Topey B Journal Erkenntnis Seiten 1407-1433 Link Publikation -
2021
Titel Saving Sensitivity DOI 10.1093/pq/pqab015 Typ Journal Article Autor Topey B Journal The Philosophical Quarterly Seiten 177-196 -
2021
Titel The Expressive Power of Contextualist Truth DOI 10.4324/9780429030208-5 Typ Book Chapter Autor Murzi J Verlag Taylor & Francis Seiten 88-114 Link Publikation -
2021
Titel De Finettian Logics of Indicative Conditionals Part II: Proof Theory and Algebraic Semantics DOI 10.1007/s10992-020-09572-7 Typ Journal Article Autor Égré P Journal Journal of Philosophical Logic Seiten 215-247 Link Publikation -
2021
Titel Surprise, surprise: KK is innocent DOI 10.1002/tht3.473 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Thought: A Journal of Philosophy Seiten 4-18 Link Publikation -
2021
Titel Categoricity by convention DOI 10.1007/s11098-021-01606-3 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Philosophical Studies Seiten 3391-3420 Link Publikation -
2017
Titel Principles for Object-Linguistic Consequence: from Logical to Irreflexive DOI 10.1007/s10992-017-9438-x Typ Journal Article Autor Nicolai C Journal Journal of Philosophical Logic Seiten 549-577 Link Publikation -
2017
Titel Naïve validity DOI 10.1007/s11229-017-1541-6 Typ Journal Article Autor Murzi J Journal Synthese Seiten 819-841 Link Publikation
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2021
Titel Stand-alone grant Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021