Ligandeninteraktionen und Selektivität der hepatischen OATPs
Elucidating hepatic OATP-ligand interactions and selectivity
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (25%); Informatik (25%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
-
Hepatocellular Oatps,
Docking,
Selectivity,
Tool Compound,
Drug-Drug Interactions,
Structure-Based Ligand Discovery
Die drei humanen Anionen transportierenden Polypeptide (kurz OATPs für "organic anion transporting polypetides") in der Leber (auch hepatische OATPs), genannt OATP1B1, OATP1B3, und OATP2B1, sind für die ordnungsgemäße Funktion der Leber wichtig, da sie die Aufnahme einer Vielzahl von Substanzen in dieses Organ bewerkstelligen. Es ist jedoch nicht genau bekannt, wie diese drei Transporter im Detail funktionieren, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wir wollen daher verstehen, wie verschiedene Moleküle oder Arzneistoffe mit diesen drei Proteinen auf der molekularen Ebene interagieren, um über treibende Kräfte für das Binden und die Selektivität (bevorzugtes Binden) dieser Proteine Aufschluss zu erhalten. Das neuerworbene Wissen soll dann verwendet werden, um neue Moleküle zu identifizieren, welche mit einem oder mehreren dieser hepatischen OATPs interagieren. Welche Hypothesen stellen wir auf? Die drei hepatischen OATPs weisen Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich ihrer Proteinstruktur auf. Diesestrukturellen Unterschiede beeinflussen die Art und Weise in welcher verschiedene Moleküle/Arzneistoffe durch die Transporter erkannt werden. Daher kann ihr biologischer Effekt an den Transportern unterschiedlich sein. Die Aufklärung der Interaktionen von Molekülen mit den OATPs der Leber auf molekularer Ebene wird Einblicke in die Funktionsweise dieser Transporter gewähren, sowie über Gründe für Selektivität Aufschluss geben. Welche Methoden verwenden wir? Dieses Projekt ist als interdisziplinäres Forschungsvorhaben konzipiert, welches Computer-Modelling von Proteinstrukturen und Interaktionen mit Molekülen mit pharmakologischer Testung der Aktivität kombiniert. Computer-generierte Strukturmodelle der drei hepatischen OATPs (OATP1B1, OATP1B3, und OATP2B1) werden auf Basis anderer Proteinstrukturen mit hoher Strukturähnlichkeit konstruiert. Interaktionen der drei hepatischen OATPs mit Molekülen/Arzneistoffen werden mittels "Liganden-Protein Docking" einer großen Anzahl von Molekülen identifiziert, einer Methode, welche mittels Computer die bevorzugte Orientierung chemischer Verbindungen in einem Protein vorhersagt. Neue Moleküle, welche vermeintlich an OATPs binden, werden auf Basis der Computermodelle vorhergesagt und ihre Aktivität experimentell getestet. Was ist neu und besonders an diesem Projekt? Bis heute sind nur sehr wenige Computer-generierte Strukturmodelle von hepatischen OATPs verfügbar und eine großangelegte systematische Docking-Studie wurde noch nie durchgeführt. Unsere Studie vergleicht zum ersten Mal die Molekül-Protein Interaktionen aller drei hepatischer OATPs. Sie wird uns daher Einblicke geben, wie Selektivität dieser Proteine zustande kommt. Zusätzlich wird unsere Studie neue Liganden dieser hepatischen OATPs identifizieren, welche zur funktionellen Charakterisierung der Proteine dienen werden. Zudem wird die Kenntnis über neue OATP-Arzneimittel-Interaktionen dazu beitragen, die Sicherheit von Medikationsschemata in der klinischen Medizin zu erhöhen: wenn ein Arzneistoff den Transporter blockiert, kann ein andere Arzneistoff nicht mehr in die Leber aufgenommen werden. Dies führt häufig zu schwerwiegenden Arzneimittelwechselwirkungen und Nebenwirkungen während einer Arzneimitteltherapie, welche durch die Erkenntnisse unserer Studie verhindert werden können.
LIGANDENINTERAKTIONEN UND SELEKTIVITÄT DER HEPATISCHEN OATPs Hintergrund & Zielsetzung: Die drei humanen Anionen transportierenden Polypeptide (kurz OATPs für "organic anion transporting polypetides") in der Leber (auch hepatische OATPs), genannt OATP1B1, OATP1B3, und OATP2B1, sind für die ordnungsgemäße Funktion der Leber wichtig, da sie die Aufnahme einer Vielzahl von Substanzen (Liganden) in dieses Organ bewerkstelligen. Die Interaktion von einigen Arzneistoffen mit diesen Proteinen kann zu unerwünschten toxischen Effekten, sogenannten Arzneistoffwechselwirkungen, führen, wenn verschiedene Substanzen gleichzeitig verabreicht werden. Als dieses Projekt begann, war nicht ausreichend bekannt, wie die drei Transporter mit verschiedenen Liganden interagieren. Daher war es das vorrangige Ziel dieses Projektes, über die molekulare Basis der Ligandeninteraktionen und Selektivität dieser Proteine Aufschluss zu erhalten. Dies konnte erreicht werden, durch die Generierung von Computer-basierten Modellen für diese Proteine und durch die Simulation der Bindungsprozesse von Molekülen (mit Hilfe einer Technik, welche man als "Molekulares Docking" bezeichnet). Die Modelle wurden auch verwendet, um neue Moleküle zu identifizieren, welche mit einem oder mehreren dieser hepatischen OATPs interagieren. Zur Validierung der Computer-basierten Vorhersagen wurden biochemische Methode verwendet, um die Bindungsstärke der neuen Moleküle zu bestimmen. Was fanden wir heraus? In diesem Projekt konnten wir wichtige Bindungsregionen für die Erkennung von interagierenden Molekülen in den untersuchten Transportern identifizieren. Wir konnten Unterschiede der Interaktionen zwischen den drei Transportern beobachten, wobei Unterschiede zwischen OATP1B1 oder OATP1B3 gegenüber OATP2B1 stärken ausgebildet sind. Wir konnten außerdem spezifische Aminosäuren lokalisieren, welche für Ligandenselektivität für einen spezifischen Transporter verantwortlich sein könnten. Durch die Untersuchung der dynamischen Bewegungen einer Gruppe von strukturell ähnlichen Proteinen, konnten wir Regionen identifizieren, welche größeren Fluktuationen unterliegen und daher möglicherweise eine größere Rolle für die Erkennung von Molekülen oder in der Funktion der Proteine spielen. Bei Verwendung unserer Modelle zum Zwecke der Identifizierung neuer Liganden (mit Hilfe einer Technik, welche "Virtuelles Screening" genannt wird), konnten wir sechs neue Inhibitoren mit mäßig starker bis starker Affinität identifizieren. Welche Schwierigkeiten mussten wir überwinden? Zu Beginn des Projektes waren noch wenige Bioaktivitätsdaten für OATP2B1 vorhanden und es gab keine vergleichenden Studien aller drei Proteine. Daher mussten wir eine umfangreiche Datensammlung durchführen. Es ist außerdem schwierig Transportproteine zu modellieren, da es keine strukturellen Vorlagen gibt. Daher musste eine Technik verwendet werden, welche Proteinstrukturen verschiedener Proteinfamilien vergleicht. Da Transporter dynamisch sind, war es außerdem notwendig Proteinflexibilität in das Modellieren mit einzubeziehen. Welche Auswirkungen hat das Projekt? Die neu identifizierten Liganden können für zukünftige funktionelle Studien verwendet werden. Erworbenes Wissen über diese Transporter und über ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede trägt zur Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelinteraktionen bei. Die entwickelten computer-basierten Methoden können für die Modellierung anderer Proteintargets verwendet werden.
- Universität Wien - 76%
- Medizinische Universität Wien - 24%
- Gergely Szakacs, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Bruno Stieger, University of Zurich - Schweiz
Research Output
- 168 Zitationen
- 11 Publikationen
- 4 Methoden & Materialien
- 3 Datasets & Models
- 1 Disseminationen
- 6 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 2 Weitere Förderungen
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2021
Titel Identifying Novel Inhibitors for Hepatic Organic Ani-on Transporting Polypeptides by Machine-learning based Virtual Screening DOI 10.26434/chemrxiv-2021-whpsw Typ Preprint Autor Tuerkova A Link Publikation -
2019
Titel Current Advances in Studying Clinically Relevant Transporters of the Solute Carrier (SLC) Family by Connecting Computational Modeling and Data Science DOI 10.1016/j.csbj.2019.03.002 Typ Journal Article Autor Türková A Journal Computational and Structural Biotechnology Journal Seiten 390-405 Link Publikation -
2019
Titel Identification of anticancer OATP2B1 substrates by an in vitro triple-fluorescence-based cytotoxicity screen DOI 10.1007/s00204-019-02417-6 Typ Journal Article Autor Windt T Journal Archives of Toxicology Seiten 953-964 Link Publikation -
2018
Titel Identification of novel cell-impermeant fluorescent substrates for testing the function and drug interaction of Organic Anion-Transporting Polypeptides, OATP1B1/1B3 and 2B1 DOI 10.1038/s41598-018-20815-1 Typ Journal Article Autor Patik I Journal Scientific Reports Seiten 2630 Link Publikation -
2020
Titel Structural dissection of 13-epiestrones based on the interaction with human Organic anion-transporting polypeptide, OATP2B1 DOI 10.1016/j.jsbmb.2020.105652 Typ Journal Article Autor Laczkó-Rigó R Journal The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology Seiten 105652 Link Publikation -
2018
Titel Integrative Data Mining, Scaffold Analysis, and Sequential Binary Classification Models for Exploring Ligand Profiles of Hepatic Organic Anion Transporting Polypeptides DOI 10.1021/acs.jcim.8b00466 Typ Journal Article Autor Tu¨Rkova´ A Journal Journal of Chemical Information and Modeling Seiten 1811-1825 Link Publikation -
2020
Titel Combining In Vivo Data with In Silico Predictions for Modeling Hepatic Steatosis by Using Stratified Bagging and Conformal Prediction DOI 10.1021/acs.chemrestox.0c00511 Typ Journal Article Autor Jain S Journal Chemical Research in Toxicology Seiten 656-668 Link Publikation -
2022
Titel Identifying Novel Inhibitors for Hepatic Organic Anion Transporting Polypeptides by Machine Learning-Based Virtual Screening DOI 10.1021/acs.jcim.1c01460 Typ Journal Article Autor Tuerkova A Journal Journal of Chemical Information and Modeling Seiten 6323-6335 Link Publikation -
2021
Titel Data-Driven Ensemble Docking to Map Molecular Interactions of Steroid Analogs with Hepatic Organic Anion Transporting Polypeptides DOI 10.1021/acs.jcim.1c00362 Typ Journal Article Autor Tuerkova A Journal Journal of Chemical Information and Modeling Seiten 3109-3127 Link Publikation -
2021
Titel Cancer Drug Resistance – Targets and Therapies DOI 10.1002/0471266949.bmc215.pub2 Typ Book Chapter Autor Zdrazil B Verlag Wiley Seiten 1-27 -
2017
Titel How Open Data Shapes In Silico Transporter Modeling DOI 10.3390/molecules22030422 Typ Journal Article Autor Montanari F Journal Molecules Seiten 422 Link Publikation
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2021
Link
Titel Structural modeling pipeline built on basis of open source software Typ Improvements to research infrastructure Öffentlich zugänglich Link Link -
2021
Link
Titel Machine-learning based virtual screening pipeline Typ Improvements to research infrastructure Öffentlich zugänglich Link Link -
2019
Link
Titel Semi-automatic pipeline for collecting, integrating and curating bioactivity data Typ Improvements to research infrastructure Öffentlich zugänglich Link Link -
2018
Link
Titel New fluorescence-based assay Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich Link Link
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2021
Link
Titel Hepatic OATP ML-models Typ Computer model/algorithm Öffentlich zugänglich Link Link -
2019
Link
Titel Hepatic OATP ligand data sets Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link -
2019
Link
Titel Automated pipeline for bioactivity data collection, integration, and analysis from the public domain Typ Data analysis technique Öffentlich zugänglich Link Link
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2017
Titel Blog about the project on the website of the University of Vienna Typ Engagement focused website, blog or social media channel
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2021
Titel Invited speaker at the AI3SD Autumn seminar series (virtual) Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2021
Titel Member of the Scientific Advisory Board of the International Conference on Chemical Structures 2022 (ICCS) Typ Prestigious/honorary/advisory position to an external body Bekanntheitsgrad Continental/International -
2020
Titel Open Data for Chemistry Symposium (virtual) Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2020
Titel Associate Editor for Journal of Cheminformatics Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel CINF Scholarship for Scientific Excellence Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2018
Titel CINF Scholarship for Scientific Excellence Typ Poster/abstract prize Bekanntheitsgrad Continental/International
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2018
Titel CINF scholarship for scientific excellence Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2018 -
2019
Titel CINF scholarship for scientific excellence Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2019