Visuelle Kultur der Herrscherrepräsentation in Städten des habsburgischen Reichs
Visual Culture of the Representation of the Ruler in the Cities of the Habsburg Empire
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (20%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (30%); Kunstwissenschaften (50%)
Keywords
-
Visual Representation Of Habsburg Dynasty,
Central Europe,
Medial Communication,
City Space,
Spatial Research,
Pictorial Politics
Im Rahmen des Projektes soll die visuelle Kultur der herrschaftlichen Repräsentation der Habsburger in den bedeutendsten Städten der österreichischen Erbländer, der Länder der böhmischen Krone und des Königreichs Ungarn untersucht werden. Es beginnt 1526 mit der Machtübernahme des Hauses Habsburg in den böhmischen Ländern und im Königreich Ungarn durch Ferdinand I. und endet mit dem Tod Kaiser Josephs I. im Jahr 1711. Die habsburgischen Residenzstädte (Prag, Wien, Innsbruck, Graz, Preßburg) und weitere wichtige Städte aus dem Kreis der freien königlichen Städte Ungarns und der freien Städte der böhmischen Krone werden als öffentliche Räume wahrgenommen, in denen die Repräsentationsstrategien des Herrscherhauses symbolisch kommuniziert wurden. Der Stadtraum soll als Kommunikationsraum wahrgenommen werden, in dem der jeweilige Habsburger (als Kaiser, König oder Landesherr) symbolisch, aber visuell manifest, mit der Kommune, dem Adel und der Kirche, in Konkurrenz tritt. Diese symbolische Vergegenwärtigung von realer Macht oder von Anspruch auf Macht soll dort untersucht werden, wo sie sich in Kunstwerken und Bauten in den öffentlichen Räumen der ausgewählten Städte manifestiert hat: In den Landhäusern der Stände, den Rathäusern der Stadtbürger, an Herrscherdenkmälern in den Städten sowie an ephemeren Architekturen wie Triumphpforten, die anlässlich von Herrschereinzügen errichtet wurden und vorübergehend sehr spezifische Machträume innerhalb des Stadtraumes konstituiert haben. Schließlich sind auch Sakralräume als habsburgische Repräsentationsräume ein wichtiges Untersuchungsfeld, da in einer gegenreformatorischen Offensive der Habsburger vor allem in Wien und Prag viele neue Kirchen errichtet und neue Orden eingeführt worden sind. Methodisch ist das Projekt an der historischen Raumforschung und an medientheoretischen Aspekten orientiert. Das heißt, es nutzt einerseits die heterogenen Raum-Definitionen der Geschichtsforschung wie der Kunstgeschichte. Und es betrachtet andererseits die zu untersuchenden Objekte als Medien, die Botschaften vermitteln, deren Adressaten bzw. Adressanten im Einzelfall zu bestimmen sind. Wichtig ist der Generalblick auf das gesamte Herrschaftsgebiet der Habsburger, der darauf abzielt, die Unterschiede und Verbindlichkeiten der österreichischen, böhmischen und ungarischen Repräsentationskultur der Habsburger herauszuarbeiten.
The wissenschaftliche Generalkonzept war auf die visuelle Kultur der habsburgischen Repräsentation und auf den Versuch, diese im städtischen Raum zu definieren, ausgerichtet. Verschiedene Überlegungen hatten es wahrscheinlich gemacht, dass es im genannten Zeitraum kaum einen in Kunstwerken vermittelten Akt der Repräsentation von Herrschaft gegeben hat, der alleine und ausschließlich von Vertretern des Hauses Habsburg veranlasst und beauftragt wurde. Dies gilt besonders im Kontext der Tatsache der extrem unterschiedlichen politischen Verhältnisse in den zu untersuchenden drei habsburgischen Machtbereichen: Österreichische Erblande, Königreich Böhmen und Königreich Ungarn. Dieser politische Kontext ließ vermuten, dass es wohl möglich war, den Symbolgehalt derartiger Kunstwerke innerhalb des jeweiligen Machtbereichs zu kommunizieren. Es dürfte aber - so die Annahme - deutlich schwieriger gewesen sein, ihn für das gesamte, heterogene Herrschaftsgebiet verbindlich zu machen. Die Entwicklung und Entstehung von Kunstwerken scheint immer in den Händen mehrerer Beteiligter gelegen zu haben, scheint immer eine - kommunikationstechnisch gesehen - Abgleichung von mehreren, eventuell auch gegensätzlichen Interessenlagen gewesen zu sein. Die Entstehung des Kunstwerkes basierte, so die Grundannahme des Projektes, auf einem in viele Richtungen laufenden Kommunikationsprozess zwischen mehreren Kommunikatoren und deren Interessen. Der Versuch, diese These zu verifizieren bzw. falsifizieren, sollte zur Klärung der künstlerischen Repräsentationsmechanismen im Haus Habsburg zwischen 1526 und 1711 beitragen. Dabei zielte das Projekt darauf ab, die Unterschiede zwischen den österreichischen, böhmischen und ungarischen Spezifika durch Gegenüberstellung herauszuarbeiten. Gleichzeitig aber auch die Existenz von Verbindlichkeiten und übergeordneten Kriterien einer gemeinsamen habsburgischen Repräsentationskultur des Visuellen zu ergründen. Die Frage nach dem tatsächlichen persönlichen Entstehungsanteil habsburgischer Herrscher an der eigenen oder der dynastischen Repräsentation dienenden Kunstwerken war durch die Projektarbeit nur sehr schwer und nur in wenigen Fällen eindeutig zu beantworten. Definitive Willenskundgebungen ließen sich in den Quellen nicht verlässlich erschließen! Vielmehr hat sich das Gesamtbild einer vielschichtigen, nicht immer leicht aufzulösenden Gemengelage ergeben: Repräsentation durch Kunstwerke im öffentlichen (städtischen) Raum wurde von mehreren Gruppen von Akteuren als offensives politisches Instrument gehandhabt. Die andere Frage, jene nach den Charakteristika der Repräsentationskunst in Stadträumen Böhmens, Ungarn und Österreichs, hat die als Eingangsthese aufgestellte Vermutung weitestgehend bestätigt: Die bedingt durch die politischen Bedingungen sehr unterschiedlichen Zugriffsrechte der Habsburger in den drei Machtbereichen haben wesentlich die politische Schärfe und die dynastische Präsenz, die über die Kunstwerke vermittelt werden konnte, mitbestimmt.
- Ivan Gerat, Slovak Academy of Science - Slowakei
- Barbara Murovec, Jewish Archive Center Slovenia (JAS) - Slowenien
- Martin Holy, Academy of Sciences of the Czech Republic - Tschechien
- Martin Madl, Academy of Sciences of the Czech Republic - Tschechien
- Fodor Pal, Hungarian Academy of Sciences - Ungarn
Research Output
- 7 Publikationen
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2019
Titel Der Sakralraum im 17. Jahrhundert als konfessionelles Tropaion. Anmerkungen zum lutherischen Kirchenbau in den habsburgischen Ländern um 1600 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Herbert Karner Konferenz Faith, Politics and the Arts. Early Modern Cultural Transfer between Catholics and Protestants Seiten 209-237, 370 -
2019
Titel Habsburgische Trauerkultur im Stadtraum am Beispiel Wiens in der frühen Neuzeit Typ Conference Proceeding Abstract Autor Markus Jeitler Konferenz Leben mit dem Tod Der Umgang mit Sterblichkeit in Mittelalter und Neuzeit Seiten 331-349 -
2019
Titel Zur Sakralisierung von frühneuzeitlichem Stadtraum am Beispiel Wiens Typ Conference Proceeding Abstract Autor Helmut Halb Konferenz Sakralisierung der Landschaft Seiten 74-90 -
2019
Titel Eine unbekannte Zeichnung der böhmischen Krönung Ferdinands II. im Jahr 1617 - ein mögliches Werk von Aegidius Sadeler Typ Journal Article Autor Štěpán Vácha Journal Studia Rudolphina Seiten 114-127 -
2019
Titel Triumphal arches in court festivals under the new Holy Roman Emperor, Habsburg Ferdinand I Typ Conference Proceeding Abstract Autor Borbála Gulyás Konferenz Occasions of State: Early Modern European Festivals and the Negotiation of Power Seiten 54-82 -
2019
Titel A hatalom képei - a képek hatalma: a Habsburgok emlékezete és elfeledett portréik jrafelfedezése (Die Bilder der Macht - die Macht der Bilder: das Gedächtnis der Habsburger (in Ungarn) und die Wiederentdeckung ihrer vergessenen Porträts) Typ Journal Article Autor Szabolcs Serfözö Journal Magyar Muzeumok -
2020
Titel Minden önmagban meghasonlott orszg elpusztul" A pozsonyi Mihly-kapu különleges felirata és reprezentcis szerepe a kora jkorban Typ Journal Article Autor Géza Pálffy Journal Urbs: Magyar várostörténeti évkönyv