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Kognitive Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung (CODEofWORC)

Cognitive demands of flexible work: Risks and challenges (CODEofWORC)

Bettina Kubicek (ORCID: 0000-0003-0725-1657)
  • Grant-DOI 10.55776/P29408
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2017
  • Projektende 31.08.2022
  • Bewilligungssumme 340.896 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Cognitive Demands, Flexible Work Organization, Work-Home Interface, Well-Being, Psychological Detachment, Resources

Abstract Endbericht

Zahlreiche Organisationen führten in den letzten Jahren eine flexiblere Arbeitsgestaltung ein. Entscheidungen, die früher auf Managementebene getroffen wurden, liegen nun im Verantwortungsbereich der Beschäftigten, die selbständig entscheiden müssen, wann, wo und wie sie ihre Arbeit ausführen. Obgleich der gestiegene Entscheidungsspielraum Beschäftigten mehr Kontrolle in der Arbeit ermöglicht, hat eine flexible Arbeitsgestaltung möglicherweise auch Kehrseiten. Sie stellt Erwerbspersonen vor spezifische kognitive Anforderungen ihre Arbeit selbständig zu planen, zu strukturieren und zu koordinieren. Derartige kognitive Anforderungen einer flexiblen Arbeitsgestaltung können sich sowohl positiv als auch negativ auf Erwerbspersonen auswirken; sie sind mithin in ihrer Wirkungsweise ambivalent. Einerseits können die kognitiven Anforderungen einer flexiblen Arbeitsgestaltung zu einer Kompetenzerweiterung führen, da sie Herausforderungen darstellen und die Möglichkeit bieten komplexe Fähigkeiten in der Arbeit einzusetzen. Andererseits können kognitive Anforderungen Stress erzeugen, da sie geistige Anstrengung erfordern. In dem Forschungsprojekt CODEofWORC werden mittels Beobachtungsdaten, Selbstberichten, kurzfristigen und langfristigen Längsschnittstudien sowie einer Intervention (1) die Einschätzungen von Erwerbstätigen hinsichtlich der kognitiven Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung erforscht, (2) die Auswirkungen kognitiver Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung auf das Wohlbefinden, die Arbeitsleistung und die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben untersucht, (3) die kurzfristigen und langfristigen zugrunde liegenden Prozesse erforscht, die den Zusammenhang zwischen kognitiven Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung und deren Folgen erklären, (4) individuelle und organisationale Ressourcen im Umgang mit kognitiven Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung untersuchen, und (5) Gestaltungsempfehlungen ableiten, um die stresserzeugende Wirkung kognitiver Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung zu reduzieren ohne deren Potential für die Weiterentwicklung bei der Arbeit zu verlieren.

Flexibles Arbeiten hat zuletzt aufgrund der COVID-19 Pandemie und der weiten Verbreitung von Home-Office erheblich an Bedeutung gewonnen. Das Projekt CODEofWORC "Cognitive demands of flexible work organization: Risks and challenges" untersuchte bereits vor und auch während der Pandemie die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit. Flexible Arbeit bietet Beschäftigten die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wann, wo, wie und mit wem sie ihre Arbeit erledigen. Diese Flexibilität erhöht die individuellen Spielräume, erfordert aber auch zusätzliche Planung, Strukturierung und Koordination und stellt damit kognitive Anforderungen an die Beschäftigten. Die zentrale Annahme von CODEofWORC war es, dass die kognitiven Anforderungen des Planens, Strukturierens und Koordinierens bei flexibler Arbeit sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Einerseits sollten die Anforderungen geistige Ressourcen verbrauchen und damit belastend wirken, andererseits sollten sie Lernpotential bieten und zur persönlichen Entwicklung beitragen. Das Ziel von CODEofWORC war es, zu untersuchen, ob, wann und warum kognitive Anforderungen des Planens, Strukturierens und Koordinierens bei flexibler Arbeit negativ bzw. positiv wirken. In mehreren empirischen Studien mit Beschäftigten aus Österreich konnten wir zeigen, dass die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit mit kognitiver Flexibilität und einer Bereicherung des Privatlebens in Zusammenhang stehen. Personen mit hohen kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit fiel es leichter unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und private und familiäre Pflichten zu erfüllen. Allerdings gingen die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit auch mit weniger Abschalten von der Arbeit, häufigerem arbeitsbezogenem Grübeln und dem Gefühl, nicht ausreichend Zeit und Energie für das Privatleben zu haben, einher. Damit zeigen die Ergebnisse, dass kognitive Anforderungen flexibler Arbeit die persönliche Entwicklung fördern, aber auch beanspruchend wirken. Positiv festzuhalten ist, dass sich die entwicklungsförderlichen Effekte nicht nur kurzfristig, sondern auch mittelfristig zeigten. Die kognitive Flexibilität erhöhte sich auch über einen Zeitraum von mehreren Monaten in Folge kognitiver Anforderungen flexibler Arbeit. Die beanspruchenden Effekte waren hingegen von kurzer Dauer. Sie zeigten sich nur an den konkreten Arbeitstagen, nicht jedoch über mehrere Monate hinweg. Dies lässt die Vermutung zu, dass die Beschäftigten lernen mit der Beanspruchung durch kognitive Anforderungen flexibler Arbeit umzugehen und langfristige negative Auswirkungen zu vermeiden. Weiters zeigen die Ergebnisse, dass die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit in verschiedenen Berufsfeldern mit unterschiedlichen positiven bzw. negativen Folgen in Zusammenhang stehen. In vielen Berufsfeldern wurden Strukturierung und Koordination entweder nur als belastend oder nur als lernfördernd wahrgenommen. Interessanterweise waren diese Wahrnehmungen nicht über alle Berufsfelder hinweg konsistent. Spezifische kognitive Anforderungen wurden in einem Berufsfeld nur als belastend und in einem anderen Berufsfeld nur als lernfördernd wahrgenommen. Zur Erklärung dieser Unterschiede sind weitere Untersuchungen erforderlich. Insgesamt zeigt das Projekt, dass kognitive Anforderungen flexibler Arbeit beanspruchend wirken, aber auch das Potential haben, die persönliche Entwicklung von Beschäftigten zu fördern, indem sie zu kognitiver Flexibilität beitragen und das Privatleben bereichern.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 75%
  • Universität Wien - 25%
Nationale Projektbeteiligte
  • Christian Korunka, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Verena Haun, Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Deutschland
  • Jan Dettmers, Universität Hamburg - Deutschland
  • Sabine Sonnentag, Universität Mannheim - Deutschland
  • Nico Van Yperen, Universität Groningen - Niederlande

Research Output

  • 151 Zitationen
  • 15 Publikationen
  • 1 Policies
  • 2 Methoden & Materialien
  • 11 Disseminationen
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2022
    Titel The effects of challenge stressors and self-regulation strategies on learning, motivation, and strain
    Typ PhD Thesis
    Autor Lars Uhlig
  • 2023
    Titel When telework is a burden rather than a perk: The roles of knowledge sharing and supervisor social support in mitigating adverse effects of telework during the COVID-19 pandemic
    DOI 10.1111/apps.12491
    Typ Journal Article
    Autor Hodzic S
    Journal Applied Psychology
    Seiten 599-621
    Link Publikation
  • 2023
    Titel A field experiment on the effects of weekly planning behaviour on work engagement, unfinished tasks, rumination, and cognitive flexibility
    DOI 10.1111/joop.12430
    Typ Journal Article
    Autor Uhlig L
    Journal Journal of Occupational and Organizational Psychology
    Seiten 575-598
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Cognitive Demands of Flexible Work
    DOI 10.1007/978-3-030-74128-0_2
    Typ Book Chapter
    Autor Kubicek B
    Verlag Springer Nature
    Seiten 19-37
  • 2018
    Titel Procrastination in Daily Working Life: A Diary Study on Within-Person Processes That Link Work Characteristics to Workplace Procrastination
    DOI 10.3389/fpsyg.2018.01087
    Typ Journal Article
    Autor Prem R
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1087
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Development and Initial Validation of a Scale to Measure Cognitive Demands of Flexible Work
    DOI 10.31234/osf.io/mxh75
    Typ Preprint
    Autor Prem R
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Cognitive demands resulting from worker-oriented and employer-oriented flexibility and their relationship to work-related and work-home outcomes
    Typ PhD Thesis
    Autor Vera Christine Baumgartner
  • 2020
    Titel Activity-based flexible offices: effects on work-related outcomes in a longitudinal study
    DOI 10.1080/00140139.2020.1850882
    Typ Journal Article
    Autor Hodzic S
    Journal Ergonomics
    Seiten 455-473
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Development and validation of a scale to measure team communication behaviors
    DOI 10.3389/fpsyg.2022.961732
    Typ Journal Article
    Autor Hartner-Tiefenthaler M
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 961732
    Link Publikation
  • 2022
    Titel A two-wave study on the effects of cognitive demands of flexible work on cognitive flexibility, work engagement and fatigue
    DOI 10.1111/apps.12392
    Typ Journal Article
    Autor Uhlig L
    Journal Applied Psychology
    Seiten 625-646
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Less Detachment but More Cognitive Flexibility? A Diary Study on Outcomes of Cognitive Demands of Flexible Work
    DOI 10.1037/str0000239
    Typ Journal Article
    Autor Kubicek B
    Journal International Journal of Stress Management
    Seiten 75-87
  • 2022
    Titel Correction to: Cognitive Demands of Flexible Work
    DOI 10.1007/978-3-030-74128-0_14
    Typ Book Chapter
    Autor Kubicek B
    Verlag Springer Nature
  • 2022
    Titel Are all challenge stressors beneficial for learning? A meta-analytical assessment of differential effects of workload and cognitive demands
    DOI 10.1080/02678373.2022.2142986
    Typ Journal Article
    Autor Kubicek B
    Journal Work & Stress
    Seiten 269-298
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Development and Initial Validation of a Scale to Measure Cognitive Demands of Flexible Work
    DOI 10.3389/fpsyg.2021.679471
    Typ Journal Article
    Autor Prem R
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 679471
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Employer-oriented flexible work in health care: A diary study on the resulting cognitive demands and their relationship with work–home outcomes
    DOI 10.1111/joop.12483
    Typ Journal Article
    Autor Baumgartner V
    Journal Journal of Occupational and Organizational Psychology
    Seiten 579-601
    Link Publikation
Policies
  • 2018 Link
    Titel A report on New Way of Working in Public Administration
    Typ Contribution to new or Improved professional practice
    Link Link
Methoden & Materialien
  • 2021 Link
    Titel Scale to measure cognitive demands of flexible work
    Typ Improvements to research infrastructure
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 0
    Titel Plan4Work intervention
    Typ Improvements to research infrastructure
    Öffentlich zugänglich
Disseminationen
  • 2021
    Titel Fachforum Universität - Gewerkschaft, Graz, Österreich
    Typ A talk or presentation
  • 2019
    Titel Presentation for University meets Industry, Wien
    Typ A talk or presentation
  • 2020
    Titel Telearbeit, Homeoffice und Co. Vorteile und Herausforderungen für Führungskräfte
    Typ A magazine, newsletter or online publication
  • 2021
    Titel Kadertag 2021 der Hochschule Luzern, Luzern, Schweiz.
    Typ A talk or presentation
  • 2020
    Titel 20th National Conference of Industrial-Organizational Psychology "Horia D. Pitariu organized by the Association for Industrial-Organizational Psychology (APIO)
    Typ A talk or presentation
  • 2017
    Titel Flexible Arbeit - Chancen und Herausforderungen
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2021 Link
    Titel AK Dialogforum: Flexible Formen der Arbeit
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Presentation at the Wiener Vorlesung
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Telearbeit, Flextime & Co: Chancen und Herausforderungen flexibler Arbeitsformen.
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021
    Titel Wissenschaftstagung des Österreichischen Bundesheers
    Typ A talk or presentation
  • 2021 Link
    Titel Flexibles Arbeiten. Zwischen Wohlbefinden, verschwimmenden Grenzen und verringertem Wissensaustausch
    Typ A magazine, newsletter or online publication
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel Editor of the book series : Praxis der Personalpsychologie
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel Keynote at the Central European University, Wien.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2021
    Titel Action Editor for European Journal of Work and Organizational Psychology (EJWOP)
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2019
    Titel Erasmus+ Staff Mobility for Teaching
    Typ Fellowship
    Förderbeginn 2019
  • 2020
    Titel AK-Projektfonds Arbeit 4.0
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2020
    Geldgeber Austrian Chamber of Labour

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