Kognitive Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung (CODEofWORC)
Cognitive demands of flexible work: Risks and challenges (CODEofWORC)
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Cognitive Demands,
Flexible Work Organization,
Work-Home Interface,
Well-Being,
Psychological Detachment,
Resources
Zahlreiche Organisationen führten in den letzten Jahren eine flexiblere Arbeitsgestaltung ein. Entscheidungen, die früher auf Managementebene getroffen wurden, liegen nun im Verantwortungsbereich der Beschäftigten, die selbständig entscheiden müssen, wann, wo und wie sie ihre Arbeit ausführen. Obgleich der gestiegene Entscheidungsspielraum Beschäftigten mehr Kontrolle in der Arbeit ermöglicht, hat eine flexible Arbeitsgestaltung möglicherweise auch Kehrseiten. Sie stellt Erwerbspersonen vor spezifische kognitive Anforderungen ihre Arbeit selbständig zu planen, zu strukturieren und zu koordinieren. Derartige kognitive Anforderungen einer flexiblen Arbeitsgestaltung können sich sowohl positiv als auch negativ auf Erwerbspersonen auswirken; sie sind mithin in ihrer Wirkungsweise ambivalent. Einerseits können die kognitiven Anforderungen einer flexiblen Arbeitsgestaltung zu einer Kompetenzerweiterung führen, da sie Herausforderungen darstellen und die Möglichkeit bieten komplexe Fähigkeiten in der Arbeit einzusetzen. Andererseits können kognitive Anforderungen Stress erzeugen, da sie geistige Anstrengung erfordern. In dem Forschungsprojekt CODEofWORC werden mittels Beobachtungsdaten, Selbstberichten, kurzfristigen und langfristigen Längsschnittstudien sowie einer Intervention (1) die Einschätzungen von Erwerbstätigen hinsichtlich der kognitiven Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung erforscht, (2) die Auswirkungen kognitiver Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung auf das Wohlbefinden, die Arbeitsleistung und die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben untersucht, (3) die kurzfristigen und langfristigen zugrunde liegenden Prozesse erforscht, die den Zusammenhang zwischen kognitiven Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung und deren Folgen erklären, (4) individuelle und organisationale Ressourcen im Umgang mit kognitiven Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung untersuchen, und (5) Gestaltungsempfehlungen ableiten, um die stresserzeugende Wirkung kognitiver Anforderungen flexibler Arbeitsgestaltung zu reduzieren ohne deren Potential für die Weiterentwicklung bei der Arbeit zu verlieren.
Flexibles Arbeiten hat zuletzt aufgrund der COVID-19 Pandemie und der weiten Verbreitung von Home-Office erheblich an Bedeutung gewonnen. Das Projekt CODEofWORC "Cognitive demands of flexible work organization: Risks and challenges" untersuchte bereits vor und auch während der Pandemie die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit. Flexible Arbeit bietet Beschäftigten die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wann, wo, wie und mit wem sie ihre Arbeit erledigen. Diese Flexibilität erhöht die individuellen Spielräume, erfordert aber auch zusätzliche Planung, Strukturierung und Koordination und stellt damit kognitive Anforderungen an die Beschäftigten. Die zentrale Annahme von CODEofWORC war es, dass die kognitiven Anforderungen des Planens, Strukturierens und Koordinierens bei flexibler Arbeit sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Einerseits sollten die Anforderungen geistige Ressourcen verbrauchen und damit belastend wirken, andererseits sollten sie Lernpotential bieten und zur persönlichen Entwicklung beitragen. Das Ziel von CODEofWORC war es, zu untersuchen, ob, wann und warum kognitive Anforderungen des Planens, Strukturierens und Koordinierens bei flexibler Arbeit negativ bzw. positiv wirken. In mehreren empirischen Studien mit Beschäftigten aus Österreich konnten wir zeigen, dass die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit mit kognitiver Flexibilität und einer Bereicherung des Privatlebens in Zusammenhang stehen. Personen mit hohen kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit fiel es leichter unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und private und familiäre Pflichten zu erfüllen. Allerdings gingen die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit auch mit weniger Abschalten von der Arbeit, häufigerem arbeitsbezogenem Grübeln und dem Gefühl, nicht ausreichend Zeit und Energie für das Privatleben zu haben, einher. Damit zeigen die Ergebnisse, dass kognitive Anforderungen flexibler Arbeit die persönliche Entwicklung fördern, aber auch beanspruchend wirken. Positiv festzuhalten ist, dass sich die entwicklungsförderlichen Effekte nicht nur kurzfristig, sondern auch mittelfristig zeigten. Die kognitive Flexibilität erhöhte sich auch über einen Zeitraum von mehreren Monaten in Folge kognitiver Anforderungen flexibler Arbeit. Die beanspruchenden Effekte waren hingegen von kurzer Dauer. Sie zeigten sich nur an den konkreten Arbeitstagen, nicht jedoch über mehrere Monate hinweg. Dies lässt die Vermutung zu, dass die Beschäftigten lernen mit der Beanspruchung durch kognitive Anforderungen flexibler Arbeit umzugehen und langfristige negative Auswirkungen zu vermeiden. Weiters zeigen die Ergebnisse, dass die kognitiven Anforderungen flexibler Arbeit in verschiedenen Berufsfeldern mit unterschiedlichen positiven bzw. negativen Folgen in Zusammenhang stehen. In vielen Berufsfeldern wurden Strukturierung und Koordination entweder nur als belastend oder nur als lernfördernd wahrgenommen. Interessanterweise waren diese Wahrnehmungen nicht über alle Berufsfelder hinweg konsistent. Spezifische kognitive Anforderungen wurden in einem Berufsfeld nur als belastend und in einem anderen Berufsfeld nur als lernfördernd wahrgenommen. Zur Erklärung dieser Unterschiede sind weitere Untersuchungen erforderlich. Insgesamt zeigt das Projekt, dass kognitive Anforderungen flexibler Arbeit beanspruchend wirken, aber auch das Potential haben, die persönliche Entwicklung von Beschäftigten zu fördern, indem sie zu kognitiver Flexibilität beitragen und das Privatleben bereichern.
- Universität Graz - 75%
- Universität Wien - 25%
- Christian Korunka, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Verena Haun, Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Deutschland
- Jan Dettmers, Universität Hamburg - Deutschland
- Sabine Sonnentag, Universität Mannheim - Deutschland
- Nico Van Yperen, Universität Groningen - Niederlande
Research Output
- 151 Zitationen
- 15 Publikationen
- 1 Policies
- 2 Methoden & Materialien
- 11 Disseminationen
- 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 2 Weitere Förderungen
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2022
Titel The effects of challenge stressors and self-regulation strategies on learning, motivation, and strain Typ PhD Thesis Autor Lars Uhlig -
2023
Titel When telework is a burden rather than a perk: The roles of knowledge sharing and supervisor social support in mitigating adverse effects of telework during the COVID-19 pandemic DOI 10.1111/apps.12491 Typ Journal Article Autor Hodzic S Journal Applied Psychology Seiten 599-621 Link Publikation -
2023
Titel A field experiment on the effects of weekly planning behaviour on work engagement, unfinished tasks, rumination, and cognitive flexibility DOI 10.1111/joop.12430 Typ Journal Article Autor Uhlig L Journal Journal of Occupational and Organizational Psychology Seiten 575-598 Link Publikation -
2021
Titel Cognitive Demands of Flexible Work DOI 10.1007/978-3-030-74128-0_2 Typ Book Chapter Autor Kubicek B Verlag Springer Nature Seiten 19-37 -
2018
Titel Procrastination in Daily Working Life: A Diary Study on Within-Person Processes That Link Work Characteristics to Workplace Procrastination DOI 10.3389/fpsyg.2018.01087 Typ Journal Article Autor Prem R Journal Frontiers in Psychology Seiten 1087 Link Publikation -
2020
Titel Development and Initial Validation of a Scale to Measure Cognitive Demands of Flexible Work DOI 10.31234/osf.io/mxh75 Typ Preprint Autor Prem R Link Publikation -
2024
Titel Cognitive demands resulting from worker-oriented and employer-oriented flexibility and their relationship to work-related and work-home outcomes Typ PhD Thesis Autor Vera Christine Baumgartner -
2020
Titel Activity-based flexible offices: effects on work-related outcomes in a longitudinal study DOI 10.1080/00140139.2020.1850882 Typ Journal Article Autor Hodzic S Journal Ergonomics Seiten 455-473 Link Publikation -
2022
Titel Development and validation of a scale to measure team communication behaviors DOI 10.3389/fpsyg.2022.961732 Typ Journal Article Autor Hartner-Tiefenthaler M Journal Frontiers in Psychology Seiten 961732 Link Publikation -
2022
Titel A two-wave study on the effects of cognitive demands of flexible work on cognitive flexibility, work engagement and fatigue DOI 10.1111/apps.12392 Typ Journal Article Autor Uhlig L Journal Applied Psychology Seiten 625-646 Link Publikation -
2022
Titel Less Detachment but More Cognitive Flexibility? A Diary Study on Outcomes of Cognitive Demands of Flexible Work DOI 10.1037/str0000239 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal International Journal of Stress Management Seiten 75-87 -
2022
Titel Correction to: Cognitive Demands of Flexible Work DOI 10.1007/978-3-030-74128-0_14 Typ Book Chapter Autor Kubicek B Verlag Springer Nature -
2022
Titel Are all challenge stressors beneficial for learning? A meta-analytical assessment of differential effects of workload and cognitive demands DOI 10.1080/02678373.2022.2142986 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal Work & Stress Seiten 269-298 Link Publikation -
2021
Titel Development and Initial Validation of a Scale to Measure Cognitive Demands of Flexible Work DOI 10.3389/fpsyg.2021.679471 Typ Journal Article Autor Prem R Journal Frontiers in Psychology Seiten 679471 Link Publikation -
2023
Titel Employer-oriented flexible work in health care: A diary study on the resulting cognitive demands and their relationship with work–home outcomes DOI 10.1111/joop.12483 Typ Journal Article Autor Baumgartner V Journal Journal of Occupational and Organizational Psychology Seiten 579-601 Link Publikation
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2021
Titel Fachforum Universität - Gewerkschaft, Graz, Österreich Typ A talk or presentation -
2019
Titel Presentation for University meets Industry, Wien Typ A talk or presentation -
2020
Titel Telearbeit, Homeoffice und Co. Vorteile und Herausforderungen für Führungskräfte Typ A magazine, newsletter or online publication -
2021
Titel Kadertag 2021 der Hochschule Luzern, Luzern, Schweiz. Typ A talk or presentation -
2020
Titel 20th National Conference of Industrial-Organizational Psychology "Horia D. Pitariu organized by the Association for Industrial-Organizational Psychology (APIO) Typ A talk or presentation -
2017
Titel Flexible Arbeit - Chancen und Herausforderungen Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2021
Link
Titel AK Dialogforum: Flexible Formen der Arbeit Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2020
Link
Titel Presentation at the Wiener Vorlesung Typ A talk or presentation Link Link -
2021
Link
Titel Telearbeit, Flextime & Co: Chancen und Herausforderungen flexibler Arbeitsformen. Typ A talk or presentation Link Link -
2021
Titel Wissenschaftstagung des Österreichischen Bundesheers Typ A talk or presentation -
2021
Link
Titel Flexibles Arbeiten. Zwischen Wohlbefinden, verschwimmenden Grenzen und verringertem Wissensaustausch Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link
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2022
Titel Editor of the book series : Praxis der Personalpsychologie Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International -
2021
Titel Keynote at the Central European University, Wien. Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International -
2021
Titel Action Editor for European Journal of Work and Organizational Psychology (EJWOP) Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series Bekanntheitsgrad Continental/International
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2019
Titel Erasmus+ Staff Mobility for Teaching Typ Fellowship Förderbeginn 2019 -
2020
Titel AK-Projektfonds Arbeit 4.0 Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2020 Geldgeber Austrian Chamber of Labour