Die Österreichische Chronik der Jahre 1454-1467
The Austrian Chronicle from 1454-1467
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Edition and Commentary,
Austrian History,
15th Century
Die Österreichischen Chronik der Jahre 1454 bis 1467 ist schon um 1470 in einer Handschrift überliefert. Vor dem Hintergrund der Stadt- und Reichsgeschichte breitet sie ein faszinierendes Panorama an historischen Details aus. Doch bereits die älteste Handschrift ist überarbeitet, so wie auch die weiteren Handschriften eigene Fassungen des Textes bieten. Das Projekt, bei dessen Vorbereitung eine neue Handschrift des Textes wiederentdeckt wurde, will diese Arbeit an der spätmittelalterlichen Zeitgeschichte nachvollziehbar machen und ins wissenschaftliche Gespräch bringen. Das Projekt verspricht also, sich dem Puls der Zeit des 15. Jahrhunderts zu nähern und zu rekonstruieren, wie die jüngste Geschichte in einen Text verwandelt und dieser Text und damit sein Blick auf die Geschichte schon zeitgenössisch transformiert wurde. Das Projekt wird eine Edition, Kommentierung und Übersetzung der Österreichischen Chronik der Jahre 1454 bis 1467 zugänglich machen. Sie stellt damit der Forschung ein solides Instrument und belastbare Quelle zur Verfügung, lässt aber auch eine breite, interessierte Öffentlichkeit zum Zeugen werden, wie die Geschichte des spätmittelalterlichen Wien auf-, um- und weitergeschrieben wurde. Das Projekt wird als Kooperation von Mattias Meyer und Stephan Müller an der Universität Wien realisiert.
Die 'Österreichische Chronik der Jahre 1454-1467' ist ein Text, der - aus einer Perspektive, die auf die Stadt Wien und die Länder Österreich ob und unter der Enns fokussiert - zentrale Ereignisse der Zeit berichtet. Er beginnt mit dem Tod des Ladislaus Postumus, es folgen u.a. die Ereignisse um den sogenannten 'Bruderzwist im Hause Habsburg' zwischen Kaiser Friedrich III. und Albrecht VI.; Polen, Mähren und Ungarn (vor allem Georg Podiebrad und Matthias Corvinus) spielen auf der Ebene der Reichspolitik ebenfalls wichtige Rollen. Neben der 'großen' Politik sind es vor allem die Ereignisse in und um Wien, die in der Chronik ausführlich dargestellt werden: die unterschiedlichen Allianzen, die die Stadt im Ringen um die Herrschaft zwischen Friedrich und Albrecht einnimmt, die Landtage, die dieses Ringen (und schließlich die Versöhnung mit Friedrich III. nach dem Tode Albrechts) begleiten. Hinzu treten viele Wiener Lokalbelange wie Münzprobleme und die damit zusammenhängende Inflation, die im Detail auch in ihren ökonomischen Auswirkungen berichtet wird. Der Text, der der historischen Forschung durch ungenaue, modernen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügende Abdrucke aus dem 18. Jahrhundert bekannt ist, wurde noch nie philologisch ediert. Das Projekt macht erstmals buchstabengetreue Transkriptionen der drei Überlieferungszeugen digital verfügbar. Außerdem wurde vor allem die Gießener Handschrift, die nach einem gründlichen zeitgenössischen Korrekturdurchgang zwei unterschiedliche Textversionen enthält, differenziert dargestellt. Auf Basis der kollationierten Handschriften wurde - mit der Wiener Handschrift als Grundlage - ein philologisch verlässlicher Text ediert und mit einem detaillierten Lesartenapparat versehen. Ergänzt wurden die Seitenangaben der Handschriften, die mittelalterlichen Datierungen wurden in moderne Datumsangaben aufgelöst. Schließlich haben wir eine auch für sich lesbare Übersetzung erstellt; in einem zweiten Apparat finden sich historische und Sach-erläuterungen, Personen werden identifiziert und Namen werden erklärt. Zwei Vorworte (zur Überlieferung und Rezeption sowie zur Übersetzung und zum Hintergrund) sowie Register ergänzen und erschließen den kommentierten Text. Der Text ist zum einen für Historiker*innen immer noch von nachhaltigem Interesse. Gerade Unklarheiten des Frühneuhochdeutschen werden durch die Übersetzung beseitigt, der Text ist nun auch philologisch zuverlässig, und es ist erstmals eine eindeutige Zitation möglich. Zum andern sind die Transkriptionen für Sprachhistoriker*innen von großem Interesse. In der Germanistik zeigt sich in den letzten Jahren ein verstärktes Interesse an der Gattung Chronik, und schließlich ist er aufgrund seiner erzählenden Passagen auch für die momentan sehr aktive Historische Narratologie relevant. Zu wünschen ist, dass zumindest die Übersetzung aufgrund der realistischen Schilderungen und zahlreichen lebensweltlichen Details der Quelle auch im Geschichtsunterricht verwendet wird.
- Universität Wien - 100%
- Jürgen Wolf, Philipps-Universität Marburg - Deutschland
- Daniel Weidner, Universität Halle - Deutschland
- Alexander Honold, Universität Basel - Schweiz
Research Output
- 3 Publikationen
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2023
Titel Die Österreichische Chronik der Jahre 1454-1467, Edition, Übersetzung, Kommentar DOI 10.7767/9783205218579 Typ Book editors Meyer M, Hödlmoser A, Jackel C, Müller S Verlag Brill Osterreich -
2020
Titel Widersprüchliche Figuren im >Prosalancelot<. Überlegungen zu Interferenzen von romanhaftem und chronikalischem Erzählen DOI 10.25619/bme20203104 Typ Other Autor Meyer M Link Publikation -
2020
Titel Widersprüchliche Figuren im 'Prosalancelot'. Überlegungen zu Interferenzen von romanhaftem und chronikalischen Erzählen Typ Journal Article Autor Meyer M Journal Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung Seiten 385-402 Link Publikation