PATIS: Ein Patient Safety Intelligence System und Rahmenwerk
PATIS – A patient safety intelligence system and framework
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (100%)
Keywords
-
Medizinische Informatik,
Patientensicherheit,
Sekundärnutzung klinischer Daten
Studien zeigen, dass Fehler in der Patientenversorgung recht häufig geschehen. Das Thema der Patientensicherheit ist damit in den letzten Jahren in das Zentrum wissenschaftlicher Diskussionen gerückt. Eine zentrale Herausforderung ist es, Kennzahlen für die Patientensicherheit in einer Einrichtung zu erheben. Hierbei kommt der Sekundärnutzung eine wichtige Rolle in Zukunft zu. Sekundärnutzung beschreibt die technische und methodische Möglichkeit, aus vorhandenen Daten aus der ärztlichen und pflegerischen Routinedokumentation Daten auszuwählen, aufzubereiten, zusammenzuführen und als Kennzahl zu präsentieren. Die Vision des PATIS-Projekts ist die Entwicklung und Erprobung technischer und methodischer Möglichkeiten, um durch Sekundärnutzung aussagekräftige Kennzahlen für die Patientensicherheit zu entwickeln. Im PATIS-Projekt wird zunächst eine Rahmenwerk und eine Methode zur Nutzung von Routinedaten aus der klinischen Dokumentation entwickelt. Hierbei greifen wir auf frühere Arbeiten im Bereich der Kennzahlenentwicklung und der Sekundärnutzung zurück und entwickeln sie weiter bzw. integrieren sie. Das zu entwickelnde PATIS-Rahmenwerk beschreibt, wie in einem systematischen Prozess aus den vorliegenden Routinedaten Kennzahlen für die Patientensicherheit entwickelt und in einem so genannten Patient Safety Intelligence System geeignet aggregiert dargestellt werden können. In einer klinischen Fallstudie wird das PATIS-Rahmenwerk und die Methode dann umgesetzt und so validiert werden. Konkret wird gemeinsam mit ärztlichen und pflegerischen Partner ein Patient Safety Intelligence System konzipiert und bereitgestellt werden. Das PATIS-Projekt möchte so zur Patientensicherheit in Gesundheitseinrichtungen beitragen. Insbesondere wird es dazu beitragen, Kennzahlen für die Patientensicherheit möglichst effizient aus vorhandenen Routinedaten abzuleiten und in einem Patient Safety Intelligence System darzustellen.
Im Rahmen des PATIS-Projekts haben wir methodische Arbeiten zum Monitoring der Patientensicherheit aus Routinedaten durchgeführt. Patientensicherheit bedeutet, dass das Risiko, dass Patienten während ihres Aufenthalts in einer Gesundheitseinrichtung verletzt werden, so weit wie möglich minimiert wird. Die Patientensicherheit ist ein wichtiges Thema für die Gesundheitsversorgung, da etwa 10% der Patienten in einem Krankenhaus einer solchen Risikosituation ausgesetzt sind oder sogar durch Fehler (z. B. Medikationsfehler) geschädigt werden. Wir haben uns diesem wichtigen Thema aus Sicht der Medizinischen Informatik genähert. Daher haben wir zunächst untersucht, welche Indikatoren zur Messung der Patientensicherheit nützlich sind. Anschließend führten wir Fallstudien in verschiedenen Bereichen wie Neurologie oder Gerontopsychiatrie durch. Wir haben hier festgestellt, dass bereits eine große Menge klinischer Routinedaten verfügbar ist, die zum Monitoring der Patientensicherheit mittels geeigneter Indikatoren hilfreich sein kann, ohne dass zusätzliche Daten erfasst werden müssen. Anschließend haben wir für ausgewählte Indikatoren genauer untersucht, ob es tatsächlich möglich ist, Routinedaten zum Monitoring der Patientensicherheit zu verwenden. Hier verwendeten wir klinische Routinedaten aus der Neurologie oder Gerontopsychiatrie. Wir konnten zeigen, dass wir für einige Patientensicherheitsindikatoren tatsächlich routinemäßige klinische Daten verwenden können. Routinedaten haben den Vorteil, dass sie bereits verfügbar sind, sodass die Patientensicherheit regelmäßig überwacht werden kann. Routinedaten liegen jedoch nicht immer in ausreichender Qualität vor. Wir haben daher einige methodische Arbeiten zur Frage der Qualität routinemäßiger klinischer Daten durchgeführt. Beispielsweise umfassen Routinedaten aus der neurologischen Überwachung eines Intensivpatienten eine große Datenmenge, die jede Sekunde generiert wird. Diese Daten werden automatisch dokumentiert, aber manuelle Aktivitäten (wie die Injektion eines Medikaments) können sich unbemerkt auf diese Daten auswirken. Daher müssen klinische Routinedaten mit den manuellen Aktivitäten synchronisiert dokumentiert werden, um zu vermeiden, dass falsche kausale Schlussfolgerungen gezogen werden. Basierend auf dieser methodischen Arbeit konnten unsere Kooperationspartner in der Neurologie die klinischen Routinedaten für eine eingehende Analyse bestimmter klinischer Fragen verwenden. Beispielsweise stellten sie fest, dass sich das Patientenergebnis möglicherweise verschlechtert, wenn eine bestimmte Standardtherapie bei einer bestimmten Untergruppe von Patienten angewendet wird. Unsere Projektergebnisse zeigen, dass eine sorgfältige Analyse der verfügbaren klinischen Routinedaten dazu beitragen kann, die Qualität der Gesundheitsversorgung zu überwachen und somit zur Patientensicherheit beizutragen. Insgesamt trägt unsere Arbeit auf methodische Weise zur Idee bei, dass verfügbare klinische Routinedaten verwendet werden können, um aussagekräftige Informationen für das Qualitätsmanagement abzuleiten. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr routinemäßige Patientendaten in elektronischer und standardisierter Form verfügbar sind, erwarten wir, dass die Anwendungsbereiche für die Verwendung dieser Daten weiter wachsen werden.
Research Output
- 351 Zitationen
- 25 Publikationen
- 1 Disseminationen
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2021
Titel Association of Dose of Intracranial Hypertension with Outcome in Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.1007/s12028-021-01221-4 Typ Journal Article Autor Carra G Journal Neurocritical Care Seiten 722-730 -
2021
Titel Visual Analytics in Delirium Management. DOI 10.3233/shti210102 Typ Book Chapter Autor Hackl W Verlag IOS Press Seiten 147-148 Link Publikation -
2021
Titel Hyperactive delirium in patients after non-traumatic subarachnoid hemorrhage DOI 10.1016/j.jcrc.2021.02.010 Typ Journal Article Autor Reimann F Journal Journal of Critical Care Seiten 45-52 Link Publikation -
2020
Titel FHIR Analytics - Pragmatic Review of Recent Studies. DOI 10.3233/shti200083 Typ Book Chapter Autor Huber L Verlag IOS Press Seiten 110-112 -
2020
Titel Evaluating Performance and Interpretability of Machine Learning Methods for Predicting Delirium in Gerontopsychiatric Patients. DOI 10.3233/shti200087 Typ Book Chapter Autor Netzer M Verlag IOS Press Seiten 121-128 -
2020
Titel The Importance of PbtO2 Probe Location for Data Interpretation in Patients with Intracerebral Hemorrhage DOI 10.1007/s12028-020-01089-w Typ Journal Article Autor Lindner A Journal Neurocritical Care Seiten 804-813 Link Publikation -
2019
Titel The Importance of Probe Location for the Interpretation of Cerebral Microdialysis Data in Subarachnoid Hemorrhage Patients DOI 10.1007/s12028-019-00713-8 Typ Journal Article Autor Kofler M Journal Neurocritical Care Seiten 135-144 Link Publikation -
2019
Titel A reduced concentration of brain interstitial amino acids is associated with depression in subarachnoid hemorrhage patients DOI 10.1038/s41598-019-39569-5 Typ Journal Article Autor Kofler M Journal Scientific Reports Seiten 2811 Link Publikation -
2019
Titel Early Predictors for Infectious Complications in Patients With Spontaneous Intracerebral Hemorrhage and Their Impact on Outcome DOI 10.3389/fneur.2019.00817 Typ Journal Article Autor Lindner A Journal Frontiers in Neurology Seiten 817 Link Publikation -
2019
Titel Towards a Systematic Construction of a Minimum Data Set for Delirium to Support Secondary Use of Clinical Routine Data. DOI 10.3233/shti190380 Typ Book Chapter Autor Schaller M Verlag IOS Press Seiten 1026-1030 -
2019
Titel Developing a Model for Using Clinical Routine Data to Analyze Nursing Sensitive Patient Outcome Indicators. DOI 10.3233/shti190686 Typ Book Chapter Autor Nantschev R Verlag IOS Press Seiten 1863-1864 -
2019
Titel Protocolized Brain Oxygen Optimization in Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.1007/s12028-019-00753-0 Typ Journal Article Autor Rass V Journal Neurocritical Care Seiten 263-272 Link Publikation -
2019
Titel Subarachnoid Hemorrhage is Followed by Pituitary Gland Volume Loss: A Volumetric MRI Observational Study DOI 10.1007/s12028-019-00764-x Typ Journal Article Autor Rass V Journal Neurocritical Care Seiten 492-501 Link Publikation -
2019
Titel Risk Factors for Dysphagia and the Impact on Outcome After Spontaneous Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.1007/s12028-019-00874-6 Typ Journal Article Autor Keser T Journal Neurocritical Care Seiten 132-139 Link Publikation -
2019
Titel An Observational Study on the Use of Intravenous Non-Opioid Analgesics and Antipyretics in Poor-Grade Subarachnoid Hemorrhage: Effects on Hemodynamics and Systemic and Brain Temperature DOI 10.1089/ther.2018.0046 Typ Journal Article Autor Ianosi B Journal Therapeutic Hypothermia and Temperature Management Seiten 27-36 -
2019
Titel Delayed Resolution of Cerebral Edema Is Associated With Poor Outcome After Nontraumatic Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.1161/strokeaha.118.024283 Typ Journal Article Autor Rass V Journal Stroke Seiten 828-836 Link Publikation -
2019
Titel Fluid Intake But Not Fluid Balance Is Associated With Poor Outcome in Nontraumatic Subarachnoid Hemorrhage Patients. DOI 10.1097/ccm.0000000000003775 Typ Journal Article Autor Rass V Journal Critical care medicine -
2018
Titel Improving Patient Safety by Reusing Clinical Routine Data - An Expert Survey on Patient Safety Indicators. Typ Journal Article Autor Hackl Wo Journal Studies in health technology and informatics Seiten 300-306 -
2018
Titel Systemic Inflammatory Response Syndrome as Predictor of Poor Outcome in Nontraumatic Subarachnoid Hemorrhage Patients DOI 10.1097/ccm.0000000000003429 Typ Journal Article Autor Rass V Journal Critical Care Medicine -
2018
Titel Brain Extracellular Interleukin-6 Levels Decrease Following Antipyretic Therapy with Diclofenac in Patients with Spontaneous Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.1089/ther.2018.0001 Typ Journal Article Autor Schiefecker A Journal Therapeutic Hypothermia and Temperature Management Seiten 48-55 Link Publikation -
2018
Titel Early thrombosis prophylaxis with enoxaparin is not associated with hematoma expansion in patients with spontaneous intracerebral hemorrhage DOI 10.1111/ene.13830 Typ Journal Article Autor Ianosi B Journal European Journal of Neurology Seiten 333-341 -
2020
Titel Guiding principles for the use of knowledge bases and real-world data in clinical decision support systems: report by an international expert workshop at Karolinska Institutet DOI 10.1080/17512433.2020.1805314 Typ Journal Article Autor Hoffmann M Journal Expert Review of Clinical Pharmacology Seiten 925-934 Link Publikation -
2020
Titel The Effect of Temperature Increases on Brain Tissue Oxygen Tension in Patients with Traumatic Brain Injury: A Collaborative European NeuroTrauma Effectiveness Research in Traumatic Brain Injury Substudy DOI 10.1089/ther.2020.0027 Typ Journal Article Autor Rass V Journal Therapeutic Hypothermia and Temperature Management Seiten 122-131 Link Publikation -
2020
Titel Early alterations in heart rate are associated with poor outcome in patients with intracerebral hemorrhage DOI 10.1016/j.jcrc.2020.10.027 Typ Journal Article Autor Rass V Journal Journal of Critical Care Seiten 199-206 Link Publikation -
2020
Titel Hemodynamic response during endotracheal suctioning predicts awakening and functional outcome in subarachnoid hemorrhage patients DOI 10.1186/s13054-020-03089-w Typ Journal Article Autor Rass V Journal Critical Care Seiten 432 Link Publikation
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2019
Titel Public University Campus Magazine Typ A magazine, newsletter or online publication