Die numismatischen Netzwerke der österreichischen Vorgänger Eckhels
The numismatic networks of Eckhel´s Austrian precursors
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
-
Numismatics,
Enlightenment,
Intellectual History,
History Of Scholarship
Die Wissenschaftsgeschichte erschließt sich der Forschung nur zu einem Teil aus gedruckten Publikationen: oft von noch größerer Bedeutung ist das handschriftlich erhaltene Material Buchmanuskripte, Entwürfe zu wissenschaftlichen Arbeiten sowie vor allem wissenschaftliche Korrespondenzen, die uns einen besonders lebendigen Eindruck von Rivalitäten, Freundschaften, Triumphen und Niederlagen in der internationalen Gelehrtenrepublik vergangener Zeiten vermitteln. Im Zuge der digitalen Revolution der Gegenwart, die eine virtuelle Zusammenführung der weit zerstreuten Gelehrtenkorrespondenzen in online-Datenbanken ermöglicht, erlebt vor allem dieser Wissenschaftszweig zur Zeit eine Hochblüte: dementsprechend wurde vor wenigen Jahren in der Numismatik die Initiative Fontes Inediti Numismaticae Antiquae (FINA) ins Leben gerufen, die sich vor allem der Publikation und Erforschung numismatischer Gelehrtenkorrespondenz der Zeit von 1500 bis 1800 widmet. In Wien wurde in einem vom FWF geförderten und von Bernhard Woytek geleiteten Projekt im Rahmen von FINA von 2013 bis 2015 der Briefwechsel des Vaters der antiken Numismatik Joseph Eckhel (17371798) rekonstruiert, transkribiert, kommentiert und zur Herausgabe vorbereitet: das Projekt hat unser Verständnis dieser Forscherpersönlichkeit auf eine neue Grundlage gestellt. Entgegen früheren Rekonstruktionen schuf Eckhel, der Autor unter anderem des bahnbrechenden achtbändigen Grundlagenwerkes Doctrina numorum veterum (Wien 17921798), seine systematischen Arbeiten nicht lediglich ,aus sich heraus, sondern er unterhielt ein ausgedehntes internationales Korrespondenznetzwerk, das sich von Westeuropa bis in das Osmanische Reich erstreckte, aus dem er wichtige wissenschaftliche Informationen für seine Arbeit bezog und in dem er sich mit Sammlern, Kuratoren und Altertumswissenschaftlern austauschte. Im Zuge der Arbeiten an diesem Projekt stellte sich auch heraus, daß Eckhel zwei österreichischen Vorgängern besonders viel verdankte, nämlich den jesuitischen Numismatikern Erasmus Froelich (17001758) und Joseph Khell (17141772). Froelich publizierte vor allem über antike griechische Münzen; er war der erste Numismatiker, der versuchte, ein System zu entwerfen, nach dem man alle antiken Münzen ordnen konnte, und in kritischer Auseinandersetzung mit diesem System entwickelte Eckhel dann sein eigenes. Khell aber war der numismatische Lehrer Eckhels, der über weitgespannte internationale Kontakte verfügte und diese teils an Eckhel weitergab. Man kann Eckhel also nur dann korrekt beurteilen, wenn man das Werk und Wirken seiner beiden großen Vorgänger kennt. In diesem Nachfolgeprojekt wird daher, in Zusammenarbeit mit dem Austrian Centre for Digital Humanities (Österreichische Akademie der Wissenschaften), der Briefwechsel von Froelich und Khell rekonstruiert und ediert, und zwar in kommentierten Ausgaben, die gedruckt und online verfügbar sind. Auf diesem Wege kann erstmals der Entstehungsprozeß der später so einflußreichen Wiener Numismatischen Schule in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachvollzogen werden, der im Rahmen des Projekts auch ein internationaler Workshop in Wien gewidmet sein wird.
Die Wissenschaftsgeschichte erschließt sich der Forschung nur zu einem Teil aus gedruckten Publikationen: oft von noch größerer Bedeutung ist das handschriftlich erhaltene Material Buchmanuskripte, Entwürfe zu wissenschaftlichen Arbeiten sowie vor allem wissenschaftliche Korrespondenzen, die uns einen lebendigen Eindruck von Rivalitäten, Freundschaften, Triumphen und Niederlagen in der internationalen Gelehrtenrepublik vergangener Zeiten vermitteln. Dieser Wissenschaftszweig erlebt zur Zeit eine Hochblüte: dementsprechend wurde vor wenigen Jahren in der Numismatik die Initiative "Fontes Inediti Numismaticae Antiquae" (FINA) ins Leben gerufen, die unter der Ägide der Union Académique Internationale steht und sich vor allem der Publikation und Erforschung numismatischer Gelehrtenkorrespondenz der Zeit von 1500 bis 1800 widmet. In Wien wurde in einem vom FWF geförderten und von Bernhard Woytek geleiteten Projekt im Rahmen von FINA von 2013 bis 2015 der Briefwechsel des "Vaters der antiken Numismatik" Joseph Eckhel (17371798) rekonstruiert, transkribiert, kommentiert und zur Herausgabe vorbereitet: das Projekt hat unser Verständnis dieser Forscherpersönlichkeit auf eine neue Grundlage gestellt. Entgegen früheren Rekonstruktionen schuf Eckhel, der Autor unter anderem des bahnbrechenden achtbändigen Grundlagenwerkes "Doctrina numorum veterum" (Wien 17921798), seine systematischen Arbeiten nicht lediglich ,aus sich heraus', sondern er unterhielt ein ausgedehntes internationales Korrespondenznetzwerk, das sich von Westeuropa bis in das Osmanische Reich erstreckte, aus dem er wichtige wissenschaftliche Informationen für seine Arbeit bezog und in dem er sich mit Münzsammlern, Kuratoren und Altertumswissenschaftlern austauschte. Im Zuge der Arbeiten an diesem Projekt stellte sich auch heraus, daß Eckhel zwei österreichischen Vorgängern besonders viel verdankte, nämlich den jesuitischen Numismatikern Erasmus Frölich (17001758) und Joseph Khell (17141772). Frölich publizierte vor allem über antike griechische Münzen; er war einer der ersten Numismatiker, der versuchte, ein System zu entwerfen, nach dem man alle antiken Münzen ordnen konnte, und in kritischer Auseinandersetzung mit diesem System entwickelte Eckhel dann sein eigenes. Khell aber war der numismatische Lehrer Eckhels, der über weitgespannte internationale Kontakte verfügte und diese teils an Eckhel weitergab. Von besonderer Bedeutung ist Khells Briefwechsel mit Joseph Pellerin (1684-1783), der die geographische Ordnung in die griechische Numismatik einführte. Man kann Eckhel also nur dann korrekt beurteilen, wenn man das Werk und Wirken seiner beiden großen Vorgänger kennt. In diesem Nachfolgeprojekt wurde daher, in Zusammenarbeit mit dem Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien und dem Austrian Centre for Digital Humanities (Österreichische Akademie der Wissenschaften), der Briefwechsel von Frölich und Khell rekonstruiert, transkribiert und zur Edition vorbereitet. Derzeit sind daraus insgesamt 293 Briefe bekannt, die Frölich und Khell mit insgesamt 52 Korrespondenten austauschten. Auf diesem Wege konnte erstmals der Entstehungsprozeß der später so einflußreichen "Wiener Numismatischen Schule" in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachvollzogen werden.
- Michael Alram, KHM-Museumsverband , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Francois De Callatay, Bibliotheques de Bruxelles - Belgien
- Ulrike Peter, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften - Deutschland
- John Cunnally, Iowa State University - Vereinigte Staaten von Amerika
- Catherine Nicole Coleman, University of Stanford - Vereinigte Staaten von Amerika
- Howard Hotson, University of Oxford - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 10 Publikationen
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2020
Titel Zur Konzeption, inhaltlichen Zielsetzung und philologischen Ausrichtung der Schau- und Denkmünzen; In: Die Repräsentation Maria Theresias. Herrschaft und Bildpolitik im Zeitalter der Aufklärung Typ Book Chapter Autor Fiska P Verlag Böhlau Seiten 300-309 -
2020
Titel Der Erfurter Johann Michael Bockleth als Kunstagent für das niederösterreichische Stift Göttweig Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Erfurter Münzblätter Seiten 41-65 -
2019
Titel Die Münzsammlung des Stfites Göttweig und ihre Zugewinne unter Abt Gottfried Bessel (1672 - 1749) Typ Conference Proceeding Abstract Autor Mayer M Konferenz Sammlungen und Sammler. Tagungsband zum 8. Österreichischen Numismatikertag Seiten 61-73 -
2019
Titel Die kreuzfahrerzeitlichen Münzen im Wiener Münzkabinett Erster Teil: Die Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land Zugleich ein Beitrag zur Forschungs- und Sammlungsgeschichte der Kreuzfahrernumismatik in ihrer Wiegenzeit Typ Journal Article Autor Schindel N Journal Numismatische Zeitschrift Seiten 267-290 -
2019
Titel Osman Bey of Constantinople: a late 18th century forger of ancient coins Typ Journal Article Autor Williams D Journal Revue Numismatique Seiten 361-383 -
2019
Titel Vom Wien[n]erischen Diarium in die Philosophical Transactions der Royal Society: Joseph Franz SJ und seine astronomischen Beobachtungen Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Wiener Geschichtsblätter Seiten 295-304 -
2019
Titel Joseph Eckhel (1737–1798) and the coin collection of Queen Christina of Sweden in Rome DOI 10.1093/jhc/fhz019 Typ Journal Article Autor Williams D Journal Journal of the History of Collections Seiten 289-302 -
2018
Titel Die Münzsammlung des Johann Christoph Olearius und das niederöster-reichische Benediktinerstift Göttweig Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Neues Archivfürsächsische Geschichte Seiten 207-237 -
2018
Titel Charlotte Sophie, Joseph Eckhel and numismatics DOI 10.21827/5c07c4c47c56d Typ Journal Article Autor Williams D Journal Virtus | Journal of Nobility Studies Seiten 127-143 Link Publikation -
2017
Titel Joseph Eckhel and his correspondents from Sicily and the south of Italy: the Prince of Torremuzza (Palermo) and Michele Vargas Macciucca (Naples) Typ Conference Proceeding Abstract Autor Williams D Konferenz XV International Numismatic Congress. Taormina 2015. Proceedings Seiten 291-295