Biologische Hautdübel - Charakterisierung des Zements von Zecken
Biological skin plug system - Characterization of the attachment cement in ticks
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (75%); Medizinische Biotechnologie (25%)
Keywords
-
Ixodidae,
Histology,
Artificial feeding,
Amino acids,
Attachment cement,
Biocompatibility
Eine Vielzahl von Lebewesen produziert Haftsubstanzen um sich an verschiedenen Untergründen zu verankern, Beute zu fangen oder sich zu verteidigen. Auch Schildzecken, blutsaugende Parasiten, produzieren ein schnell aushärtendes Speicheldrüsensekret, genannt Zement, um sich während des Saugakts mit der Haut des Wirtstieres zu verbinden und die Wunde nach außen zu verschließen. Trotz seiner bemerkenswerten Funktionen ist nur wenig über die chemische Zusammensetzung des Zements bekannt und der Prozess seiner Härtung unklar. In diese Forschungsprojekt soll deshalb anhand der beiden Arten Dermacentor marginatus und Amblyomma hebraeum der strukturelle und biochemische Aufbau dieses Speicheldrüsensekrets untersucht werden. Außerdem soll seine Zell- und Gewebeverträglichkeit getestet werden, um eine mögliche Eignung seiner Bestandteile für medizinische Anwendungen (z.B. Verschluss von Verletzungen) zu klären. Zusätzlich erlauben die erwarteten Ergebnisse des Projekts den Vergleich mit anderen, bereits untersuchten biologischen Haftsubstanzen von Muscheln, Vielborstern und Seepocken.
Gewebekleber sind ein wichtiges Hilfsmittel bei der Wundversorgung sowie bei chirurgischen Eingriffen. Die derzeit in klinischer Anwendung befindlichen Produkte sind jedoch unzulänglich, da sie entweder eine schwache Klebekraft aufweisen (z.B. Fibrin) oder toxische Substanzen beinhalten (z.B. Histoacryl), die bei Gewebekontakt die umliegenden Zellen schädigen. Daher besteht ein dringender Bedarf an neuen, stark adhäsiven und gleichzeitig biokompatiblen Substanzen. Die Natur hat viele Mechanismen für erfolgreiches Kleben im trockenen und feuchten Milieu hervorgebracht. Ein Beispiel dafür sind einige Zeckenarten, die ein Klebesekret zur zusätzlichen Verankerung der Mundwerkzeuge in der Haut produzieren. Dieses Sekret ist für die biomedizinische Forschung von besonderem Interesse, da es von Natur aus dafür konzipiert ist, auf Gewebe zu haften. In diesem Projekt sollte die bisher weitgehend unbekannte Substanz anhand von zwei Zeckenarten untersucht werden. Das Zeckensekret, auch Zement genannt, wurde in Zeckenkulturen mit künstlichen Fütterungseinheiten gewonnen, um Verunreinigungen des Sekrets durch die Haut von Wirtstieren zu vermeiden und Tierversuche zu umgehen. Für die darauffolgenden Analysen wurden mehrere Methoden an die Materialeigenschaften und die geringe Größe bzw. Menge des zu gewinnenden Zeckenzements angepasst. Eine der Fragestellungen war die Haftkraft, die bisher unerforscht war. Es galt herauszufinden, ob es sich um einen rein mechanischen Dübel-Effekt oder eine Adhäsion basierend auf molekularen Wechselwirkungen handelt. In Adhäsionstests konnte gezeigt werden, dass beide Mechanismen beteiligt sind und die molekularen Kräfte über jenen vom klinischen Fibrinkleber liegen. Biomechanische Untersuchungen haben viskolelastische Deformierbarkeit mit einer großen Bandbreite an Steifigkeit innerhalb des ausgehärteten Sekrets gezeigt, Materialeigenschafen, die für gewisse Anwendungen als klinischer Gewebekleber gut geeignet wären. Untersuchungen der Zusammensetzung haben ergeben, dass es sich bei dem Zeckensekret der untersuchten Arten um eine protein-basierte Substanz handelt. Eine, aus der Miesmuschel als adhäsive bekannte Aminosäure DOPA, war nicht nachweisbar, womit angenommen werden kann, dass es sich um einen DOPA unabhängigen Klebemechanismus handelt. Der große Anteil an der Aminosäure Glycin sowie glycinreiche Proteine sind bei biologischen Klebstoffen häufig und lassen einen Zusammenhang mit dem Klebemechanismus vermuten. Obwohl einige Proteine identifiziert werden konnten (z.B. antimikrobielle Proteine oder Blutbestandteilte) ist der Großteil unbekannt und wird derzeit über die Analyse der Zement-produzierenden Zellen der Speicheldrüsen genauer untersucht. Auffällig war weiters, dass der Zement sehr lipidreich ist, was vermuten lässt, dass die hydrophoben Eigenschaften zu dem Haftmechanismus beitragen. Langfristiges Ziel dieses Projekts ist es, die adhäsiven Substanzen zu identifizieren und einen biotechnologisch produzierbaren Klebstoff zu entwickeln, der Operationstechniken vereinfacht und eine schnellere Regeneration von Gewebeschäden gewährleistet.
- Martina Marchetti-Deschmann, Technische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Wilhelm H. Stoltsz, University of Pretoria - Südafrika
Research Output
- 71 Zitationen
- 2 Publikationen
- 1 Methoden & Materialien
- 15 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2021
Titel Revisiting amino acid analyses for bioadhesives including a direct comparison of tick attachment cement (Dermacentor marginatus) and barnacle cement (Lepas anatifera) DOI 10.1016/j.ijadhadh.2020.102798 Typ Journal Article Autor Engel B Journal International Journal of Adhesion and Adhesives Seiten 102798 Link Publikation -
2017
Titel Tick attachment cement – reviewing the mysteries of a biological skin plug system DOI 10.1111/brv.12384 Typ Journal Article Autor Suppan J Journal Biological Reviews Seiten 1056-1076 Link Publikation
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0
Titel Histochemical multistainings / Salivary gland staining score Typ Technology assay or reagent Öffentlich zugänglich
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2017
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Titel online article nrk Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
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Titel online article Stuttgarter Zeitung Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
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Titel online article Newscaf Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
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Titel online article Schroedingers Katze Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2017
Titel printed article Heute Typ A magazine, newsletter or online publication -
2017
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Titel TV ORF Newton Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2017
Titel Radio interview Ö1 Radiodoktor Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2017
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Titel online article Der Standard Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
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Titel online article ORF Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
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Titel online article Der Standard Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
Titel TV ARD "Wer weiß denn sowas?" Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) -
2017
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Titel online article MedUni Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2017
Titel printed article Trend Typ A magazine, newsletter or online publication -
2018
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Titel online article National Geographics Typ A magazine, newsletter or online publication Link Link -
2017
Titel printed article Der Standard Typ A magazine, newsletter or online publication
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2019
Titel Presentation at the Shimadzu Science Dialog Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad National (any country) -
2019
Titel Presentation at the ITPD Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International
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2016
Titel European Network of Bioadhesion Expertise: Fundamental Knowledge to Inspire Advanced Bonding Technologies Typ Travel/small personal Förderbeginn 2016