Die Kirchenmusikbibliothek von Kurfürst Maximilian
The Sacred Music Library of Elector Maximilian Franz
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (30%); Kunstwissenschaften (60%)
Keywords
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Beethoven,
Cultural Transfer/Histoire Croisée,
Music Library At Bonn Court,
Maximilian Franz,
Elector of Cologne,
Sacred Music,
Modena
Maximilian Franz (1756-1801), jüngster Sohn Maria Theresias und ab 1784 letzter Kurfürst von Köln, genoss den Ruf eines anspruchsvollen Musikmäzens mit einer umfangreichen Musikaliensammlung, die er sowohl für Aufführungen am Hof als auch für den Gebrauch und das Studium durch seine Hofmusiker zugänglich machte. In der Musikgeschichte kennt man Maximilian Franz vor allem als Verehrer Mozarts und als ersten Arbeitgeber und Förderer von Ludwig van Beethoven: Seine Regierungszeit umfasst die Periode am Bonner Hof mit dem pulsierendsten Musikleben, was wiederum zusammenfällt mit Beethovens prägenden Dienstjahren als stellvertretender Organist in der Hofkapelle. Kurz vor der Besetzung Bonns durch französische Truppen wurde die Musikbibliothek des Kurfürsten mit mehr als 3.400 Werken im Jahr 1794 in Sicherheit gebracht. Einige Zeit nach dem Tod von Maximilian Franz wurden die verbliebenen Reste der Sammlung aufgrund von dynastischen Beziehungen nach Modena überstellt, wo sie noch heute in der Bibliotheca Estense Universitaria aufbewahrt werden. Nur war die Provenienz dieser Quellen bis vor kurzem niemals systematisch geprüft oder untersucht worden. Das vorliegende Forschungsprojekt baut organisch auf den Ergebnissen eines Vorgänger-Projekts zum Thema Die Opernbibliothek von Maximilian Franz (http://www.univie.ac.at/opernbibliothek/) auf. Es hat zum Ziel, in Modena jene kirchenmusikalischen Quellen ausfindig zu machen, die ursprünglich in Bonn verwendet wurden. Auch möchte das Projekt diese Quellen im Verbund mit anderen kirchenmusikalischen Dokumenten vom Hof (bzw. aus dem nahen Umfeld) analysieren, um zu einem neuen und tieferen Verständnis der Rolle von Musik in höfischen religiösen Praktiken zu kommen. Die erste Phase des Projekts umfasst eine systematische Identifizierung der musikalischen Quellen, ihrer Papiere und Kopisten; die Ergebnisse werden in einer online Datenbank zugänglich gemacht. Ein zweiter Untersuchungsstrang stellt Fragen nach möglichen Bearbeitungspraktiken für den Bonner Hof und möchte die Kirchenmusik innerhalb der liturgischen und paraliturgischen Praktiken des Hofes verorten. Dies geschieht insbesondere im Blick auf die liturgischen Reformen Kaisers Joseph II. und deren strenger Beschränkung der Aufführung von Orchestermessen, aber auch im Blick auf kleinere liturgische Gattungen und ihrer potentiellen Prägung durch lokale Traditionen sowie schließlich mögliche Transferbeziehungen zu anderen geistlichen Höfen, etwa Mainz und Trier. Auch gilt es zu fragen: Auf welche Weise wurden die Hofmusiker durch die religiösen Haltungen, unter denen sie erzogen und sozialisiert wurden, geprägt? Beethovens lebenslange Faszination von Kirchenmusik ist schon lange bekannt. Zu welchem Grad aber wurden die Wurzeln dafür durch die frühen Erfahrungen in der Bonner Hofkapelle gelegt? Welche Lektionen haben er und seine peers (unter ihnen Anton Reicha, Bernhard und Andreas Romberg oder Ferdinand Ries) von der Musik, die sie tagtäglich spielten, gelernt?
Maximilian Franz (1756-1801), jüngster Sohn Maria Theresias und ab 1784 letzter in Bonn residierender Kurfürst von Köln, genoss den Ruf eines anspruchsvollen Musikmäzens mit einer umfangreichen Musikaliensammlung, die er sowohl für Aufführungen am Hof als auch für den Gebrauch und das Studium durch seine Hofmusiker zugänglich machte. In der Musikgeschichte kennt man Maximilian Franz vor allem als Verehrer Mozarts und als ersten Arbeitgeber und Förderer von Ludwig van Beethoven: Seine Regierungszeit umfasst eine Periode pulsierenden Musiklebens am Bonner Hof, die wiederum zusammenfällt mit Beethovens prägenden Dienstjahren als stellvertretender Organist an der Hofkirche. Kurz vor der Besetzung Bonns durch französische Truppen wurden die Notenbestände des Kurfürsten und der Hofmusik, die insgesamt fast 4.000 Werke verteilt auf verschiedene Sammlungen umfassten, im Jahr 1794 zusammengepackt und in Sicherheit gebracht. Einige Zeit nach dem Tod von Maximilian Franz wurden die verbliebenen Reste dieser Bestände aufgrund von dynastischen Beziehungen nach Modena überstellt, wo sie noch heute in der Bibliotheca Estense Universitaria aufbewahrt werden. Die Provenienz dieser Quellen war bis vor kurzem allerdings niemals systematisch geprüft oder untersucht worden. In einem Vorgängerprojekt hatte das Team die Opernbibliothek von Maximilian Franz rekonstruiert. Methodisch daran anknüpfend, war es Ziel des jetzigen Projekts, in Modena jene kirchenmusikalischen Quellen ausfindig zu machen, die ursprünglich in Bonn verwendet worden waren - 459 Signaturen konnten schlussendlich identifiziert werden. Zudem sollten diese Quellen in Zusammenhang mit anderen kirchenmusikalischen Dokumenten des Hofes analysiert werden, um zu einem neuen und tieferen Verständnis der Rolle von Musik in höfischen religiösen Praktiken zu kommen. Die erste Phase des Projekts umfasste eine systematische Identifizierung der musikalischen Quellen, ihrer Papiere und Kopisten; die Ergebnisse wurden in einer online Datenbank (http://www.univie.ac.at/muwidb/sacredmusiclibrary) zugänglich gemacht. In einem zweiten Untersuchungsstrang wurden Fragen nach möglichen Bearbeitungspraktiken für den Bonner Hof gestellt und die Kirchenmusik innerhalb der liturgischen und paraliturgischen Praktiken des Hofes, sowie in ihren verschiedenartigen Verflechtungen zur Kirchenmusik an anderen zeitgenössischen Zentren kontextualisiert. Dies geschah insbesondere mit Blick auf die kirchenpolitischen Reformen Kaisers Joseph II. und der damit verbundenen Beschränkung der Aufführung von Orchestermessen, aber auch mit Blick auf Veränderungen bezüglich kleinerer liturgischer Gattungen. Beethovens lebenslange Faszination von Kirchenmusik ist bekannt. Zu welchem Grad aber liegen die Wurzeln dafür in frühen Erfahrungen in der Bonner Hofkapelle? Was lernten er und seine "peers" (unter ihnen Anton Reicha, Bernhard und Andreas Romberg oder Ferdinand Ries) von der Musik, die sie tagtäglich spielten? Die künftige Beschäftigung mit diesen Fragen kann nun auf einer differenzierten Erfassung der Kirchenmusikpflege am Bonner kurfürstlichen Hof aufbauen, die ein breites stilistisches Spektrum mit zum Teil sehr anspruchsvollen Werken aufweist. Durch diese Arbeit öffnen sich neue Perspektiven auf ein vielfältiges Repertoire, das die schon in früheren Studien festgestellte exzellente Qualität der Bonner Hofmusik eindrucksvoll dokumentiert.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 6 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2020
Titel From the Chapel to the Theatre to the Akademiensaal: Beethoven's Musical Apprenticeship at the Bonn Electoral Court, 1784-1792; In: Beethoven Studies 4 Typ Book Chapter Autor Wilson Jd Verlag Cambridge University Press Seiten 1-23 -
2019
Titel Beethoven als Mitglied einer Hofmusikerfamilie; In: Beethoven: Welt.Bürger.Musik Typ Book Chapter Autor Wilson Jd Verlag Wienand Seiten 44-50 -
2019
Titel The Prince and the Prodigies. On the Relations of Archduke Maximilian Franz with Mozart, Beethoven, and Haydn Typ Journal Article Autor Reisinger E Journal Acta Musicologica Seiten 48-70 Link Publikation -
2018
Titel Höfische Musikpraxis in Wien und Bonn im späten 18. Jahrhundert. Neue Perspektiven auf Handlungsweisen, -räume und Akteure Typ Journal Article Autor Reisinger E Journal Die Musikforschung Seiten 3-18 -
2018
Titel The Operatic Library of Elector Maximilian Franz: Reconstruction, Catalogue, Contexts Typ Book Autor Reisinger E Verlag Beethoven-Haus -
2018
Titel Beethoven und andere Hofmusiker seiner Generation Bericht über den internationalen musikwissenschaftlichen Kongress Bonn, 3. bis 6. Dezember 2015 Typ Book Autor Lodes B editors Lodes B, Reisinger E, WIlson JD Verlag Beethoven-Haus Bonn Link Publikation
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2017
Titel Publication Stipendfrom the Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften Typ National honour e.g. Order of Chivalry, OBE Bekanntheitsgrad National (any country) -
2016
Titel Dissertation Award of the "Verein der Freunde des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien" Typ National honour e.g. Order of Chivalry, OBE Bekanntheitsgrad National (any country)