Variabilität und Trends in arktischen Energie- und Süßwasserhaushalten
Variability and change of arctic energy and fresh water budgets
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
-
Meteorology,
Climate variability,
Climate change,
Energy balance,
Reanalysis,
Homogeneity
Ein Forschungsprojekt zur Abschätzung interannueller bis dekadischer Schwankungen in gekoppelten Energie- und Frischwasserhaushalten wird beantragt. Genaue Schätzwerte der Koppelung zwischen Atmosphäre, Hydrosphäre und Kryosphäre durch vertikale Energie- und Frischwasserflüsse, sowie durch horizontale Flüsse durch die seitlichen Ränder der Arktis ist für das Verständnis der Klimavariabilität und Klimaänderung in der Arktis und den angrenzenden Gebieten sehr wesentlich. Mehrere internationale Forschungsplattformen halten sie für wissenschaftlich äußerst bedeutsam. Existierende diagnostische Untersuchungen von Teilen des gekoppelten Energiehaushaltes der Arktis weisen große Unsicherheiten auf und decken nur kurze Perioden ab, sodass interannuelle oder dekadische Schwankungen nicht verlässlich geschätzt werden können. Auch konnten viele Terme nur indirekt geschätzt werden. Um diese Einschränkungen zu beseitigen schlagen wir die eine Abschätzung der ozeanischen und atmosphärischen Energie- und Frischwasserhaushalte durch verschiedene diagnostische Ansätze vor, die direkte ozeanische Messungen am Arctic Gateway Array ebenso beinhalten wie die Verwendung atmosphärischer, ozeanischer und kryosphärischer Reanalysen. Insbesondere ist die direkte Berechnung ozeanischer Flussdivergenzen vorgesehen. Für sie existieren bisher kaum Abschätzungen, obwohl sie zur Untersuchung der Klimavariabilität und zum Vergleich mit Klimamodellen dringend benötigt werden. Die Auswertungen sollen auf Reanalysen basierend auf einem dynamischen Datenassimilationssystem inkl. Meereismodell aufbauen, die gerade produziert werden, sowie auf den direkten ozeanischen Messungen. Für die Zeit vor 1950 stehen zusätzliche frisch digitalisierte Daten zur Verfügung, die homogenisiert werden sollen, um die Basis für genauere atmosphärische Reanalysen und in der Folge von Haushaltsberechnungen in dieser Zeit zu liefern. Die Arbeitsgruppe des Antragstellers hat in den letzten Jahren Methoden zur atmosphärischen Haushaltsberechnung erstellt, die bereits jetzt wesentlich besser sind als der publizierte Stand der Kunst, und die nun auf den Ozean ausgeweitet werden sollen. Sie hat auch Expertise bei der Homogenisierung von Daten, insbesondere Radiosonden. Dies ist wesentlich zur Korrektur der frühen arktischen Radiosondendatensätze. Das Projekt ist eingebettet in internationalen und nationalen Forschungsnetzwerken, z.B. dem International Arctic Science Committee oder dem Austrian Polar Research Panel. Die vorgeschlagene Forschung wird voraussichtlich zu statistisch signifikant genaueren Auswertungen der arktischen Energie- und Frischwasserhaushalte auf Skalen von 50km zurück bis 1979 führen. Noch weiter zurück bis etwa 1950 sollten zumindest atmosphärische Haushalte mit ausreichender Genauigkeit für sinnvolle Vergleiche mit Klimamodellen bestimmbar sein. Der Wert der Ergebnisse wird anhand von Studien zur Klimavariabilität und des Vergleichs mit unabhängigen Messungen und Klimamodellen demonstriert werden. Mittel in der Höhe von EUR 230.895 für 2 Jahre, fast ausschließlich Personal- und Reisekosten, werden beantragt.
Die genaue Beschreibung von regionalen Energie- und Wassertransporten in Atmosphäre, Ozeanen und Eis, insbesondere in die sich sehr schnell verändernden Arktis, ist zentral für das Verständnis und die Quantifizierung des Klimawandels. Diese Transporte können nicht direkt gemessen werden. Sie erfordern die Kombination verschiedenster Beobachtungen vom Weltraum aus, in der Atmosphäre, an der Erdoberfläche und auch in der Tiefsee. Vor Beginn dieses Forschungsprojektes existierende Abschätzungen des gekoppelten Energiehaushaltes der Arktis wiesen große Unsicherheiten auf. Die Haushalte, i.e. die Summe des Energietransports und der Energiespeicherung, wiesen ein ungeklärtes Defizit von 25% der Einzeltransporte auf. Zusätzlich deckten sie nur kurze Perioden von wenigen Jahren ab, sodass interannuelle oder dekadische Schwankungen nicht verlässlich geschätzt werden können. Durch Verwendung der besten zur Verfügung stehenden atmosphärischen, ozeanischen und Meereisdaten, sowie durch Verbesserungen in der numerischen Berechnung der Haushalte konnte die Diskrepanz in den mehrjährigen Energiehaushalten auf weniger als 2% der Einzeltransporte reduziert werden. Auch die Diagnose der jahreszeitlichen Schwankungen der arktischen Haushalte wurde um 50% genauer, auch wenn immer noch Unsicherheiten vor allem in der Beobachtung der Eisschmelze bestehen. Auch in den Abschätzungen des arktischen Süßwasserhaushaltes konnten erhebliche Verbesserungen erzielt werden. Ein wesentliches Ergebnis des Projektes ist auch, dass die großteils die klimawandelbedingte Energiespeicherung in der Arktis nicht größer ist als außerhalb der Arktis, obwohl die Temperaturen an der arktischen Erdoberfläche wesentlich rascher steigen als in den meisten übrigen Regionen. Die wahrscheinliche Ursache dafür ist, dass die zusätzliche Energie vom arktischen Klimasystem großteils oberflächennah gespeichert oder zur Meereisschmelze verwendet wird, während in den globalen Ozeanen die zusätzliche Energie in große Tiefen hinuntergemischt wird. Die neuen Abschätzungen können nun als Referenz zum Vergleich mit Simulationen von Klimamodellen verwendet werden. Unsicherheiten auch nach Projektende bestehen vor allem wegen fehlender Beobachtungen unterhalb des arktischen Meereises, sowie durch die arktischen Wasserstraßen. Auch die angestrebte Verlängerung der diagnostischen Energietransportabschätzungen zurück bis 1950 konnte nicht realisiert werden, weil die dafür notwendigen Eingangsdaten bis Projektende nicht fertiggestellt waren. In dem Projekt wurde versucht, die Beobachtungsdaten nicht nur zu verwenden, sondern auch zu verbessern. Insbesondere wurden Radiosondendaten in hohen nördlichen Breiten homogenisiert. Damit meint man das Eliminieren von nicht klimabedingten Sprüngen aus den Beobachtungszeitreihen, die durch Wechsel in der Instrumentierung oder der Beobachtungspraxis verursacht werden können. Erst dadurch können diese Daten zuverlässig für die Beobachtung des Klimawandels berücksichtigt werden. Die so homogenisierten Daten gehen in neue zeitlich hochauflösende Analysen des globalen Klimas ein, bei das europäische Klima- und Umweltmonitoringprogramm Copernicus weltweit führend ist.
- Universität Wien - 100%
- Takamasa Tsubouchi, University of Bergen - Norwegen
- Kevin E. Trenberth, National Centre for Atmospheric Research - Vereinigte Staaten von Amerika
- Mark Serreze, University of Colorado Boulder - Vereinigte Staaten von Amerika
- Dick Dee, European Center for Medium-Range Weather Forecasts - Vereinigtes Königreich
- Magdalena Balmaseda, European Center for Medium-Range Weather Forecasts - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 1299 Zitationen
- 24 Publikationen
- 2 Weitere Förderungen
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2020
Titel Observed Temperature Changes in the Troposphere and Stratosphere from 1979 to 2018 DOI 10.1175/jcli-d-19-0998.1 Typ Journal Article Autor Steiner A Journal Journal of Climate Seiten 8165-8194 Link Publikation -
2019
Titel Long-term trends in marine boundary layer properties over the Atlantic Ocean Long-term trends in marine boundary layer properties over the Atlantic Ocean DOI 10.1175/jcli-d-18-0219.1 Typ Journal Article Autor Díaz J Journal Journal of Climate Seiten 2991-3004 Link Publikation -
2019
Titel Ocean Reanalyses: Recent Advances and Unsolved Challenges DOI 10.3389/fmars.2019.00418 Typ Journal Article Autor Storto A Journal Frontiers in Marine Science Seiten 418 Link Publikation -
2019
Titel An improved estimate of the coupled Arctic energy budget An improved estimate of the coupled Arctic energy budget DOI 10.1175/jcli-d-19-0233.1 Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Journal of Climate Seiten 7915-7934 Link Publikation -
2019
Titel Assessing PM2.5 concentrations in Tehran, Iran, from space using MAIAC, deep blue, and dark target AOD and machine learning algorithms DOI 10.1016/j.apr.2018.12.017 Typ Journal Article Autor Nabavi S Journal Atmospheric Pollution Research Seiten 889-903 Link Publikation -
2019
Titel Evolution of ocean heat content related to ENSO Evolution of ocean heat content related to ENSO DOI 10.1175/jcli-d-18-0607.1 Typ Journal Article Autor Cheng L Journal Journal of Climate Seiten 3529-3556 Link Publikation -
2016
Titel Facets of Arctic energy accumulation based on observations and reanalyses 2000–2015 DOI 10.1002/2016gl070557 Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Geophysical Research Letters Seiten 10,420-10,429 Link Publikation -
2016
Titel ENSO-driven energy budget perturbations in observations and CMIP models DOI 10.1007/s00382-016-3057-z Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Climate Dynamics Seiten 4009-4029 Link Publikation -
2016
Titel Erratum to: ENSO-driven energy budget perturbations in observations and CMIP models DOI 10.1007/s00382-016-3159-7 Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Climate Dynamics Seiten 1399-1400 Link Publikation -
2017
Titel Sensitivity of WRF-chem predictions to dust source function specification in West Asia DOI 10.1016/j.aeolia.2016.12.005 Typ Journal Article Autor Nabavi S Journal Aeolian Research Seiten 115-131 Link Publikation -
2017
Titel Volume and temperature transports through the main Arctic Gateways: A comparative study between an ocean reanalysis and mooring-derived data DOI 10.5194/os-2017-98 Typ Preprint Autor Pietschnig M Seiten 1-32 Link Publikation -
2016
Titel Climatology of dust distribution over West Asia from homogenized remote sensing data DOI 10.1016/j.aeolia.2016.04.002 Typ Journal Article Autor Nabavi S Journal Aeolian Research Seiten 93-107 Link Publikation -
2018
Titel Critical Southern Ocean climate model biases traced to atmospheric model cloud errors DOI 10.1038/s41467-018-05634-2 Typ Journal Article Autor Hyder P Journal Nature Communications Seiten 3625 Link Publikation -
2018
Titel Publisher Correction: Critical Southern Ocean climate model biases traced to atmospheric model cloud errors DOI 10.1038/s41467-018-06662-8 Typ Journal Article Autor Hyder P Journal Nature Communications Seiten 4105 Link Publikation -
2018
Titel Radiosondes Show That After Decades of Cooling, the Lower Stratosphere Is Now Warming DOI 10.1029/2018jd028901 Typ Journal Article Autor Philipona R Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres Seiten 12,509-12,522 Link Publikation -
2018
Titel Prediction of aerosol optical depth in West Asia using deterministic models and machine learning algorithms DOI 10.1016/j.aeolia.2018.10.002 Typ Journal Article Autor Nabavi S Journal Aeolian Research Seiten 69-84 Link Publikation -
2018
Titel Corrigendum DOI 10.1175/jcli-d-17-0855.1 Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Journal of Climate Seiten 2977-2978 -
2018
Titel Observations for Reanalyses DOI 10.1175/bams-d-17-0229.1 Typ Journal Article Autor Brönnimann S Journal Bulletin of the American Meteorological Society Seiten 1851-1866 Link Publikation -
2018
Titel Unprecedented 2015/2016 Indo-Pacific Heat Transfer Speeds Up Tropical Pacific Heat Recharge DOI 10.1002/2018gl077106 Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Geophysical Research Letters Seiten 3274-3284 Link Publikation -
2018
Titel CERA-20C: A Coupled Reanalysis of the Twentieth Century DOI 10.1029/2018ms001273 Typ Journal Article Autor Laloyaux P Journal Journal of Advances in Modeling Earth Systems Seiten 1172-1195 Link Publikation -
2017
Titel Evaluation of satellite and reanalysis-based global net surface energy flux and uncertainty estimates DOI 10.1002/2017jd026616 Typ Journal Article Autor Liu C Journal Journal of Geophysical Research: Atmospheres Seiten 6250-6272 Link Publikation -
2017
Titel The potential value of early (1939–1967) upper-air data in atmospheric climate reanalysis DOI 10.1002/qj.3040 Typ Journal Article Autor Hersbach H Journal Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society Seiten 1197-1210 Link Publikation -
2017
Titel Ocean heat content variability in an ensemble of twentieth century ocean reanalyses DOI 10.1007/s00382-017-3845-0 Typ Journal Article Autor De Boisséson E Journal Climate Dynamics Seiten 3783-3798 -
2017
Titel Towards consistent diagnostics of the coupled atmosphere and ocean energy budgets DOI 10.1175/jcli-d-17-0137.1 Typ Journal Article Autor Mayer M Journal Journal of Climate Seiten 9225-9246 Link Publikation
-
2019
Titel Ocean Monitoring Indicators for the Copernicus Marine Environment Monitoring Service Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2019 -
2018
Titel Copernicus Early Upper Air Service Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2018