Untersuchung des Märchenerzählens in vier Bantu-Sprachen
Comparative study of story-telling in four Bantu languages
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Kunstwissenschaften (20%); Psychologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
-
Story-Telling,
Oral Literature,
Chantefables,
Minority Languages,
Bantu language zone,
Dilemma Tales
Das Grundanliegen dieses Projekts von einer Dauer von drei Jahren ist die vergleichende, systematische Untersuchung der Praxis des Märchenerzählens, seiner lokalen Organisation, der persönlichen Charakteristika der Erzähler (innen) und der Strukturen und des Inhalts der Märchen in vier verwandten Bantu-Sprachfamilien: (1) Luganda (in Süduganda ); (2) Lucazi (in Ostangola und Nordwest-Zambia) ; (3) Chichewa (gesprochen in Malawi und Zentral-Moçambique und Ost- Zambia) und (4) Ciyao (in Malawi und Nord-Moçambique). Zwei dieser Sprachen haben Minoritäten- Status. Von diesen Sprachen besitzt unser Forschungs-Team aus fünf ständigen Mitarbeitern mit intensiven Felderfahrungen in afrikanischen Kulturen eine besonders umfangreiche Sammlung eigener Feldaufnahmen aus den letzten Jahrzehnten, die frühesten aus den 1960er Jahren, insgesamt 688 Aufnahmen, durchgeführt in den Dörfern. Der Plan ist, diese Aufnahmen nochmals in die Dorfgemeinschaften zu bringen, in denen sie entstanden, um Transkriptionen vor Ort durchzuführen, eine Palette wissenschaftlicher Fragestellungen zu lösen (siehe Liste im Antrag) und die gegenwärtige Situation des Märchenerzählens anhand neuer Aufnahmen, vor dem Hintergrund veränderter Freizeitgestaltung (TV, Internet) etc., abzuschätzen. Wissenschaftlich ist das Projekt interdisziplinär, mit Forschungsfragen aus den Gebieten der Kulturanthropologie, der Bantu-Linguistik, der Oralliteratur-Forschung, der Ethnomusikologie und Erziehungswissenschaft. Der fachliche Hintergrund unseres Teams ist entsprechend gestreut.
Unser Drei-Jahres Audio und Video-Dokumentationsprojekt von Erzählkunst in sieben ost- zentralafrikanischen Ländern, Malawi, Mozambique, Zambia, Angola, Tanzania und Uganda, ergab eine substantielle Bedeckung der Tradition in Minoritäten-Sprachen, die besonders bedroht sind. Unser Fokus war auf den Sprachen Luchazi (ZONE K, Gruppe 10 der Bantu- Sprachen), gesprochen in Ost-Angola und Nordwest-Zambia, Ciyao (ZONE P, Gruppe 20), Khipangwa (G. 65) und gesprochene Versionen des Chichewa-Cinyanja Dialekt-Kontinuums (ZONE N, Gruppe 30). Damit verbunden war auch unsere Dokumentationsarbeit in Uganda über engero (Erzählkunst) in Lusoga (ZONE E, Gruppe 10). Das Grundanliegen unserer Feldforschungen war ein möglichst dichtes Sample der Erzählkultur in diesen Sprachen aufzuzeichnen, als Basis für vergleichende Untersuchungen über Aufführungs-Stil, individuelle Repertoires, Alters- und Geschlechtsunterschiede der Aufgenommenen, Stil und Diktion, Entlehnungen aus benachbarten Sprachen, kulturelle Diffusion von Motiven und Inhalten über sprachliche und ethnische Grenzen hinweg, etc. Unsere Dokumentation verfolgte auch das Ziel Verbindungen mit älteren Dokumentationen der Erzählkunst in der Region durch andere Forscher oder auch unsere früheren Forschungs-Teams herzustellen. Die Auswertung dieser breiten Datenbasis erfolgt interdisziplinär und berührt Oralliteratur-Studien, Kulturanthropologie, Bantu- Linguistik, Soziolinguistik, Kunstgeschichte, Ethnomusikologie, Tiefenpsychologie und weltweite Kulturgeschichte. Unsere dreijährigen Feldforschungs-Trips in hunderte von Gemeinschaften quer durch die Region, mit über 1300 Einzelaufnahmen hat in diesen Gemeinschaften auch das Bewusstsein des Wertes der Erzählkunst wiederbelebt, nicht nur des Märchenerzählens sondern auch anderer Formen von Oratur, als Kunst, Unterhaltung und Transmission von Wissens- Überlieferungen. In diesem Zusammenhang hat das Oral Literature Research Programme, Chileka, Malawi, auch ein Publikationsprogramm initiiert, welches u.a. das Gesamtwerk des ältesten lebenden Kultuträgers der Luchazi-Sprache, Mr. Kayombo kaChinyeka, geboren 1929, miteinschließt, ebenso wie die Texte welche von dem Khipangwa-Sprecher Basilus Saprapason (Tanzania), geboren 1944, als Student 1960-62 niedergeschrieben wurden, einschließlich der Pangwa Schöpfungsmythe.
- Universität Wien - 100%
- Wolfgang Bender, Universität Bayreuth - Deutschland
- Giorgio Adamo, Universita di Roma "Tor Vergata" - Italien
- Kenichi Tsukada, Hiroshima University - Japan
- Renate Daniel, Jung Institute - Zürich - Schweiz
- Diane Thram, Rhodes University - Südafrika
- Mitchel Strumpf, University of Dar es Salaam - Tanzania
- Ruth M. Stone, Indiana University Bloomington - Vereinigte Staaten von Amerika
- David H. Evans, The University of Memphis - Vereinigte Staaten von Amerika
- Kelly Askew, University of Michigan - Vereinigte Staaten von Amerika