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Einfluss von PACAP/PAC1 bei Stress- und Angstmechanismen

Impact of PACAP/PAC1 signaling in stress and anxiety regulation

Karl Ebner (ORCID: 0000-0002-8662-2817)
  • Grant-DOI 10.55776/P28146
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2015
  • Projektende 30.09.2019
  • Bewilligungssumme 354.848 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (15%); Biologie (10%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (75%)

Keywords

    PACAP, Neuropeptides, Stress, Anxiety, Neuropsychiatric disorders, CNS

Abstract Endbericht

Das Neuropeptid PACAP (Pituitary Adenylate Cyclase Activating Polypeptide) ist ein Neuropeptid, welches 1989 erstmals aus Hypothalamusgewebe von Schafen extrahiert wurde. Es ist ein Mitglied der Vasointestinal Polypeptid (VIP) /Secretin/Glucagon Familie von Neuropeptiden und kommt vor allem im Gehirn vor, wo es möglicherweise als Neurotransmitter und/oder Neuromodulator in verschiedenste Funktionen involviert ist, wie die Verarbeitung verhaltensbiologischer und kognitiver Prozesse einschließlich der Regulation von Stress- und Angstreaktionen. Obwohl in neuroanatomischen Studien sowohl PACAP als auch dessen bevorzugter Rezeptor der PAC1 Rezeptor in Hirngebieten nachgewiesen wurde, die für die Regulation von Stress- und Angstreaktionen von entscheidender Wichtigkeit sind, sind direkte funktionelle Hinweise für eine solche Rolle bis dato eher gering. Im Rahmen des vorliegenden Projektes soll nun untersucht werden, welche Rolle das PACAP/PAC1 Rezeptor System bei der Regulation von Stress- und Angstreaktionen spielt. Im speziellen soll untersucht werden, ob Stress- und/oder Angst- erzeugende Situationen Auswirkungen auf die PACAP Neurotransmission in Hirnregionen des Stress/Angst-Schaltkreises wie Septum, Hippocampus, Amygdala oder Hypothalamus haben. Nach der Charakterisierung Stress-induzierter PACAP Freisetzungsprofile in ausgewählten Hirnregionen, soll die physiologische und verhaltensbiologische Relevanz von endogen freigesetztem PACAP für die Regulation von Stress- und Angstreaktionen ermittelt werden. Weiters soll geklärt werden, ob durch eine selektive Aktivierung oder Hemmung von PACAP Neuronen Stress- und Angstreaktionen moduliert werden können. Abschließend soll in einem psychopathologischen Tiermodell untersucht werden, ob in Tieren mit angeborener erhöhter Ängstlichkeit Veränderungen der PACAP Neurotransmission festzustellen sind und ob diese Veränderungendurch die Behandlungmit verschiedenenklassischen Antidepressiva und Anxiolytika rückgängig gemacht werden können. Die Ergebnisse dieses Projektes sollen zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden neurobiologischen Mechanismen beitragen, wie durch PACAP Stress und Angstreaktionen moduliert werden. Diese Informationen sind von entscheidender Wichtigkeit für die kürzlich vorgeschlagene Rolle von PACAP als therapeutischer Ansatzpunkt bei der Behandlung Stress-assoziierter Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen und sollen dadurch die Entwicklung neuer Pharmaka auf diesem Gebiet fördern.

Das Neuropeptid PACAP (Pituitary Adenylate Cyclase Activating Polypeptide) ist ein Peptid aus der Sekretin-Glukagon-Familie, welches 1989 erstmals aus Hypothalamusgewebe von Schafen extrahiert wurde. Dieses Peptid existiert in zwei Formen (PACAP-27 und PACAP-38) und erfüllt speziell in neuronalen Geweben wie dem Gehirn eine wichtige Funktion als Neurotransmitter und/oder Neuromodulator. Obwohl in neuroanatomischen Studien sowohl PACAP als auch dessen bevorzugter Rezeptor der PAC1 Rezeptor in Hirngebieten nachgewiesen wurde, die für die Regulation von Stress- und Angstreaktionen von entscheidender Wichtigkeit sind, waren direkte funktionelle Hinweise für eine solche Rolle bis dato eher gering. Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurde nun untersucht, welche Rolle PACAP bei der Regulation bzw. Modulation von Stress und Angstreaktionen hat. Dabei konnten wir zeigen, dass bestimmte emotionale Stressoren zu einer erhöhten Expression von PACAP und dessen Rezeptoren (einschließlich PAC1, VPAC1 und VPAC2) in bestimmten Vorderhirnarealen, wie dem hypothalamischen Nucleus paraventricularis (PVN), lateralem Septum (LS), Bed Nucleus of Stria Terminalis (BNST) und Amygdala kommt. Außerdem konnten wir nachweisen, dass die intrazerebrale Applikation von PACAP in bestimmte Vorderhirnareale, wie dem PVN und dem LS, zu einer Veränderung der neuroendokrinen und verhaltensbiologischen Stressreaktion führt. In immunhistologischen Studien haben wir die Lokalisation von PAC1-Rezeptoren neuroanatomisch näher untersucht und konnten zeigen, dass diese Rezeptoren im PVN auf stress-aktivierten CRF Neurone exprimiert werden. Die Ergebnisse unseres Projekts deuten somit darauf hin, dass die stressregulatorischen Eigenschaften von PACAP im PVN direkt über die Modulation von stress-sensitiven CRF Neurone vermittelt werden. In zusätzlichen Experimenten haben wir untersucht, ob sich durch eine selektive Aktivierung bzw. Inhibierung der PAC1 Rezeptoren im LS möglicherweise das Angst- und Motivationsverhalten von Ratten ändert. Dazu wurde Ratten PACAP lokal in das LS verabreicht und anschließend etablierten Verhaltenstests zur Untersuchung von Angst- und Motivationsverhalten getestet. Dabei konnten wir zeigen, dass PACAP-behandelte Tiere im Vergleich zu Kontrolltieren weniger Grooming-Verhalten zeigen, was auf ein vermindertes Motivationsverhalten in diesem Test schließen lässt. Weiters zeigen PACAP-behandelte Tiere ein erhöhtes Angstverhalten. Insgesamt tragen diese Ergebnisse zu einem besseren Verständnis bei, wie durch PACAP bestimmte Stressreaktionen moduliert werden. Diese Informationen sind von entscheidender Wichtigkeit für die kürzlich vorgeschlagene Rolle von PACAP als therapeutischer Ansatzpunkt bei der Behandlung Stress-assoziierter neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Depression und Angsterkrankungen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Jens Hannibal, University of Copenhagen - Dänemark
  • David Vaudry, Université Rouen - Frankreich

Research Output

  • 315 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2024
    Titel PACAP regulates neuroendocrine and behavioral stress responses via CRF-containing neurons of the rat hypothalamic paraventricular nucleus
    DOI 10.1038/s41386-024-02016-9
    Typ Journal Article
    Autor Ebner K
    Journal Neuropsychopharmacology
    Seiten 519-530
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Differential Effects of Novel Dopamine Reuptake Inhibitors on Interference With Long-Term Social Memory in Mice
    DOI 10.3389/fnbeh.2019.00063
    Typ Journal Article
    Autor Camats-Perna J
    Journal Frontiers in Behavioral Neuroscience
    Seiten 63
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Individual differences in stress susceptibility and stress inhibitory mechanisms
    DOI 10.1016/j.cobeha.2016.11.016
    Typ Journal Article
    Autor Ebner K
    Journal Current Opinion in Behavioral Sciences
    Seiten 54-64
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Entorhinal Cortex dysfunction can be rescued by inhibition of microglial RAGE in an Alzheimer’s disease mouse model
    DOI 10.1038/srep42370
    Typ Journal Article
    Autor Criscuolo C
    Journal Scientific Reports
    Seiten 42370
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Exploring the role of neuropeptide S in the regulation of arousal: a functional anatomical study
    DOI 10.1007/s00429-015-1117-5
    Typ Journal Article
    Autor Adori C
    Journal Brain Structure and Function
    Seiten 3521-3546
  • 2020
    Titel Social interaction reward in rats has anti-stress effects
    DOI 10.1111/adb.12878
    Typ Journal Article
    Autor Lemos C
    Journal Addiction Biology
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Structure–Activity Relationships of Novel Thiazole-Based Modafinil Analogues Acting at Monoamine Transporters
    DOI 10.1021/acs.jmedchem.9b01938
    Typ Journal Article
    Autor Kalaba P
    Journal Journal of Medicinal Chemistry
    Seiten 391-417
  • 2018
    Titel Activity-Induced Amyloid-ß Oligomers Drive Compensatory Synaptic Rearrangements in Brain Circuits Controlling Memory of Presymptomatic Alzheimer's Disease Mice
    DOI 10.1016/j.biopsych.2018.10.018
    Typ Journal Article
    Autor Pignataro A
    Journal Biological Psychiatry
    Seiten 185-195

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