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Der Einfluss des Immunsystems auf die peritoneale Ausbreitung von Ovarialkarzinomen

The role of the immune system in the peritoneal spreading of epithelial ovarial cancer

Dietmar Pils (ORCID: 0000-0002-8355-0977)
  • Grant-DOI 10.55776/P28137
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2016
  • Projektende 31.05.2021
  • Bewilligungssumme 304.744 €

Wissenschaftsdisziplinen

Informatik (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)

Keywords

    Ovarian Cancer, Immune System, Integrative Data Analysis, Systems Medicine, Bioinformatics, Metastasis

Abstract Endbericht

Eines der Hauptprobleme bei der Behandlung von Eierstockkrebs ist die früh auftretende, lokale Metastasierung im Peritoneum, die zu einer hohen Sterblichkeitsrate führt. Die zugrundeliegenden Mechanismen für diese peritoneale Metastasierung scheinen sich grundlegend von jenen der Fernmetastasierung (über Blut- oder Lymphgefäße) zu unterscheiden. Laut aktuellen Studien beeinflusst das Immunsystem im Peritoneum das lokale Metastasierungsverhalten stark, wohingegen bei Fernmetastasierung Epithelial-mesenchymale Transition (EMT) bzw. anschließende Mesenchymal epitheliale (MET) Transition die wichtigsten Mechanismen darstellen. In diesem Projekt möchten wir zwei klinisch unterscheidbare Arten von peritonealer Tumorausbreitung molekular definieren: i) miliar, d.h. viele kleine Tumorauflagerungen im Gegensatz zu ii) nicht-miliar, d.h. wenige größere Tumorknoten (oder nur retroperitoneale Lymphknotenmetastasen). Das Ziel dieses Projekts ist eine integrative Analyse mehrerer Omics-Daten (lange RNAs, miRs und Exom), die mit der neuen Standardmethode Next Generation Sequencing generiert werden. Sowohl verschiedene Gewebe (Blut, Aszites und Ovartumor und Peritonealmetastase) als auch deren Subfraktionen (Immun- und Tumorzellen) werden analysiert. Zusätzlich werden die zellulären Bestandteile der Gewebesubfraktionen mittels Durchflusszytometrie und Immunofluoreszenzfärbung charakterisiert; die subzellulären Fraktionen mittels Immunoassays und Metabolomik. Alle Ergebnisse werden schließlich integriert, um die zwei Tumorausbreitungstypen, miliar und nicht-miliar, zu charakterisieren. Erste Daten zeigen drei grobe Unterschiede zwischen Patientinnen mit miliarer Tumorausbreitung im Vergleich zu nicht-miliarer Ausbreitung: i) Die Tumorzellen sind epithelialer. ii) Das Immunsystem ist weniger proinflammatorisch. Und iii) Patientinnen dieser Gruppe haben ein signifikant schlechteres Überleben. Diese Ergebnisse werfen die Frage alternativer Therapien für diese Patientinnen auf. Das Alleinstellungsmerkmal dieses Projekts ist die Etablierung integrativer Analysestrategien, die sowohl Omics-, als auch niedrigdimensionale Daten inkludiert, insbesondere im Hinblick auf biologische Netzwerke. Wir widmen uns damit der klinisch äußerst relevanten Frage, wie sich die zwei verschiedenen Tumorausbreitungstypen unterscheiden. Wir sind überzeugt, dass dieses system- medizinische Konzept der integrativen Analyse die Zukunft der translationalen Krebsforschung darstellt.

In diesem Projekt wurde die Biologie zweier Typen von Tumorwachstum im Peritonealraum (der Bauchhöhle) von Eierstockkrebspatientinnen vom häufigsten histologischen Typ, dem hochgradig serösen Eierstockkrebs, untersucht. Der erste mit vielen kleinen Tumoren an den Bauchraumwänden (miliar) mit schlechter Prognose und der zweite mit wenigen großen Tumoren (non-miliar) mit besserer Prognose. Ersterer ist gekennzeichnet durch eine epithelialere (ursprünglichere) Zellcharakteristik, vmtl. abstammend von den Eileitern, einer stärkeren systemischen und lokalen Entzündungsreaktion, einer geringeren erworbenen Immunantwort, daher auch vmtl. einer geringeren Ansprechrate auf klassische Immuntherapien. Zweitere zeichnet sich durch eine mesenchymalere (malignere) Zellcharakteristik aus, die in anderen Tumortypen eher eine schlechtere Prognose verursachen würde, im Eierstockkrebs aber nicht, da die dadurch geföderte Fernmetastasierung eine geringere Rolle spielt. Epithelialere Zellen haben es leichter sich an die Bauchraumwand anzuheften und lokale Metastasen zu bilden, der häufigsten Komplikation beim Eiertockkrebs. Klassische Marker für eine Inhibierung der Immunantwort durch den Tumor (PD-1, PD-L1) korrelieren im Eierstockkrebs mit einer besseren Prognose, anders als in den meisten anderen Tumortypen, wie z.B. dem malignen Melanom oder dem Lungenkrebs. Vmtl. hängt dieser verkehrte Zusammenhang mit der Mutationsrate in den Tumortypen zusammen. Eierstockkrebs ist mit wenigen Mutationen assoziiert, das Melanom oder der Lungenkrebs mit vielen. Zusätzlich ist die Menge der Marker für eine Inhibierung der Immunantwort direkt mit der Menge der Proteine korreliert, die normalerweise ihr gesamtes Selbst dem Immunsystem präsentieren und damit signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Die Tumore mit niedriger Markerkonzentration haben zusätzlich eine verringerte Präsentation, was sie suspekt und daher angreifbar für das Immunsystem macht. Das könnte für die schlechtere Prognose mit verantwortlich sein. Interssanterweiser ist aber eine höhere Frequenz an PD-1 Markern auf tumorinfiltrierenden Immunzellen mit einer besseren Prognose aber eine höhere Frequenz an PD-L1 Markern auf Immunzellen mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Ersteres macht die Immunzellen vmtl. anfälliger auf ihre Inhibierung (gut für den Patienten), zweitere inhibieren vmtl. selbst das Immunsystem (schlecht für den Patienten). Weiters wurde ein Zusammenhang zwischen dem non-miliaren Tumortyp und der Aktivität von neutrophilen Immunzellen (ein Teil der angeborenen Immunantwort) entdeckt, insbesonders mit einer deren Funktionen, der Bildung von Neutrophil Extracellular Traps, abgekürzt NETs. Zusätzlich mit den NETs wird das Protein S100A8 aus den Zellen entlassen und das Verhältnis von S100A8 zu dem klassischen Inflammationsmarker C-Reaktives Protein (CRP) in der Bauchraumflüssigkeit korreliert positiv mit dem non-miliaren Tumortyp und, wenn hoch, mit längerem Überleben.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%

Research Output

  • 275 Zitationen
  • 10 Publikationen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2021
    Titel PD-1 and PD-L1 expression on TILs in peritoneal metastases compared to ovarian tumor tissues and its associations with clinical outcome
    DOI 10.1038/s41598-021-85966-0
    Typ Journal Article
    Autor Bekos C
    Journal Scientific Reports
    Seiten 6400
    Link Publikation
  • 2020
    Titel A Global Gene Body Methylation Measure Correlates Independently with Overall Survival in Solid Cancer Types
    DOI 10.3390/cancers12082257
    Typ Journal Article
    Autor Pils D
    Journal Cancers
    Seiten 2257
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Interrelations of Sphingolipid and Lysophosphatidate Signaling with Immune System in Ovarian Cancer
    DOI 10.1016/j.csbj.2019.04.004
    Typ Journal Article
    Autor Meshcheryakova A
    Journal Computational and Structural Biotechnology Journal
    Seiten 537-560
    Link Publikation
  • 2019
    Titel NECTIN4 (PVRL4) as Putative Therapeutic Target for a Specific Subtype of High Grade Serous Ovarian Cancer—An Integrative Multi-Omics Approach
    DOI 10.3390/cancers11050698
    Typ Journal Article
    Autor Bekos C
    Journal Cancers
    Seiten 698
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Comparative transcriptome analysis links distinct peritoneal tumor spread types, miliary and non-miliary, with putative origin, tubes and ovaries, in high grade serous ovarian cancer
    DOI 10.1016/j.canlet.2016.11.034
    Typ Journal Article
    Autor Auer K
    Journal Cancer Letters
    Seiten 158-166
  • 2018
    Titel Clinical Significance of Organic Anion Transporting Polypeptide Gene Expression in High-Grade Serous Ovarian Cancer
    DOI 10.3389/fphar.2018.00842
    Typ Journal Article
    Autor Svoboda M
    Journal Frontiers in Pharmacology
    Seiten 842
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Neutrophil Extracellular Trap Formation Correlates with Favorable Overall Survival in High Grade Ovarian Cancer
    DOI 10.3390/cancers12020505
    Typ Journal Article
    Autor Muqaku B
    Journal Cancers
    Seiten 505
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Integrative Systemic and Local Metabolomics with Impact on Survival in High-Grade Serous Ovarian Cancer
    DOI 10.1158/1078-0432.ccr-16-1647
    Typ Journal Article
    Autor Bachmayr-Heyda A
    Journal Clinical Cancer Research
    Seiten 2081-2092
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Two different, mutually exclusively distributed, TP53 mutations in ovarian and peritoneal tumor tissues of a serous ovarian cancer patient: indicative for tumor origin?
    DOI 10.1101/mcs.a001461
    Typ Journal Article
    Autor Sukhbaatar N
    Journal Molecular Case Studies
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Absence of PD-L1 on tumor cells is associated with reduced MHC I expression and PD-L1 expression increases in recurrent serous ovarian cancer
    DOI 10.1038/srep42929
    Typ Journal Article
    Autor Aust S
    Journal Scientific Reports
    Seiten 42929
    Link Publikation
Weitere Förderungen
  • 2020
    Titel FFG BRIDGE 880603
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2020

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