Nano-Analyse von Kometenstaub - Entschlüsselung der Bausteine des Sonnensystems
Nano-analysis of cometary dust - uncovering the building blocks of the Solar System
Wissenschaftsdisziplinen
Nanotechnologie (20%); Physik, Astronomie (80%)
Keywords
-
Cometary dust,
Morphology,
Atomic force microscopy,
Size distribution,
Rosetta,
Magnetic force microscopy
Die Rosetta-Mission zählt zu den spannendsten Weltraummissionen unserer Zeit: Rosetta schrieb Geschichte als die Sonde im August 2014 den Kometen 67P/Churyumov- Gerasimenko nach 10 Jahren Flugphase erreichte und im November 2014 das Landegerät Philae auf der Kometenoberfläche absetzte. Rosetta und Philae haben bereits beeindruckende Bilder und wissenschaftliche Daten geliefert, obwohl die Mission gerade erst begonnen hat. Bis mindestens Ende 2015 wird Rosetta den Kometen auf seiner Bahn um die Sonne begleiten und das wissenschaftliche Verständnis von Kometen revolutionieren. An Bord des Rosetta Orbiters befindet sich das speziell entwickelte Instrument MIDAS, welches feinsten Kometenstaub einsammelt und mit einem Rasterkraftmikroskop untersucht. Eine Spitze tastet die Oberfläche der Staubteilchen ab und erzeugt 3D-Bilder mit einer Auflösung von einigen Nanometern was tausend mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars ist! Da Kometen zu den ursprünglichsten Körpern des Sonnensystems gehören, bietet eine Nano-Analyse von Kometenstaub die Möglichkeit, fast unverändertes Material aus der Entstehungszeit unserer Sonne und der Planeten zu untersuchen und damit neue Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems zu gewinnen. Mit MIDAS 3D-Bildern können eine Reihe offener Fragen der Kometenforschung aus einer neuen Perspektive untersucht werden. Dieses Projekt wird MIDAS-Daten nutzen um Größe, Form, Zersplitterung und Porosität der kleinsten Bestandteile von Kometen zu bestimmen. Die Untersuchung ihrer Oberflächeneigenschaften mit höchster Auflösung ermöglicht die Bestimmung der Grundbausteine von Kometen. Mit dem magnetischen Betriebsmodus werden magnetische Materialien im Kometenstaub erforscht, was sogar Rückschlüsse auf die magnetischen Felder im frühen Sonnensystem ermöglichen könnte. Außerdem liefert MIDAS Daten über die Veränderungen des Staubs nach dem Verlassen des Kometen, wie etwa die Zersplitterung der kleinen Staubteilchen. Um die wissenschaftliche Kapazität des MIDAS-Instruments voll auszuschöpfen, werden in diesem Projekt neuartige Datenanalysetechniken entwickelt. Da die Rosetta-Mission zu Beginn der 3-jährigen Projektlaufzeit noch aktiv ist und der Antragssteller selbst Principal Investigator von MIDAS ist, besteht die Möglichkeit, speziell für das Projekt weitere Staubsammelkampagnen durchzuführen und zusätzliche Abbildungen von interessanten Teilchen aufzunehmen. Ein(e) Doktorand(in) wird im MIDAS- Team am Institut für Weltraumforschung in Graz (IWF) mitarbeiten und die Chance haben, zu dieser spannenden Weltraummission Entscheidendes beizutragen.
Wie ist unser Sonnensystem entstanden? Obwohl wir die Grundlagen bereits verstanden haben gilt es noch unzählige offene Fragen zu beantworten. Dieses Projekt beschäftigte sich damit wie die kleinsten Staubteilchen, die am Anfang unseres Sonnensystems als Staub- und Gasgemisch um die Sonne gekreist sind, zu immer größeren Objekten wachsen konnten und schließlich die uns heute bekannten Körper wie Kometen, Monde und Planeten geformt haben. Besonders interessant für dieses Projekt waren Kometen, da sie Material aus den früheren Zeiten quasi unberührt bis heute erhalten haben. Die ESA führte zwischen 2014 und 2016 die spannende Rosetta Kometenmission durch, bei der zum ersten Mal ein Komet auf seiner Bahn um die Sonne begleitet wurde. Komet 67P/Tschurjumov-Gerassimenko wurde umfassend erforscht, unter anderem durch MIDAS, ein speziell dafür entworfenes Rasterkraftmikroskop allerkleinste Kometenstaubteilchen zu untersuchen. Das Instrument wurde federführend am Institut für Weltraumforschung in Graz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gebaut und gesteuert. Es sammelte mikrometergroße Staubteilchen - das sind Teilchen die so klein sind, dass sie mit dem menschlichen Auge kaum noch sichtbar sind - und bildete sie in 3D ab. In diesem Projekt wurde erforscht, wie die Staubteilchen aufgebaut sind und wie ihre Struktur im frühen Sonnensystem entstanden ist. Ein erstes bemerkenswertes Ergebnis dieses Projektes war, dass alle Staubteilchen aus kleineren Teilchen, und diese wiederum aus kleineren Teilchen bestehen. Die hierarchische Struktur fängt bei den fundamentalen Bausteinen von etwa 100nm Größe an, was etwa der Größe von Viren entspricht. Über Analysen der Strukturen der Staubteilchen konnte nachvollzogen werden, wie sich die Grundbausteine im frühen Sonnensystem zu sehr porösen, langkettigen Teilchen zusammengefunden haben. Als diese porösen "Staubmäuse" etwa eine Größe von Zentimetern erreicht hatten fingen sie an sich gegenseitig anzustoßen. Diese Kollisionen führten zu kompakteren, etwa millimetergroßen Staubteilchen, die 'pebble' (zu Deutsch 'Kiesel') getauft wurden. Durch die Zusammenarbeit mit vielen Kometenforschern wissen wir nun, dass sich Kometen aus dem Reservoir aus kompaktierten und noch nicht (vollständig) kompaktierten porösen Teilchen gebildet haben. In MIDAS Daten konnten die fundamentalen Bausteine nachgewiesen werden, die porösen "Staubmäuse", sowie Bruchstücke der kompakteren Teilchen. Damit erlaubte dieses Projekt Staubteilchen aus dem frühen Sonnensystem aus verschiedenen Entwicklungsphasen zu untersuchen und ihre Entstehungsgeschichte nachzuvollziehen. Zusätzlich konnten viele interessante Eigenschaften der Staubteilchen untersucht werden, wie zum Beispiel die Festigkeit der Grundbausteine oder die an Kartoffeln erinnernden Formen der Staubteilchen. Die Ergebnisse dieses Projektes werden in Zukunft zur weiteren Erforschung von Kometen und der Entwicklung umfassenderer Entstehungstheorien unseres Sonnensystems beitragen
- Martin Hilchenbach, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung - Deutschland
- Anny-Chantal Levasseur-Regourd, Universite Pierre et Marie Curie - Frankreich
- Alessandra Rotundi, Instituto di Astrofisica e Planetologia Spaziali - Italien
Research Output
- 854 Zitationen
- 18 Publikationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2024
Titel Cometary Dust DOI 10.7892/boris.116508 Typ Journal Article Autor Agarwal Link Publikation -
2024
Titel Merging data from Rosetta GIADA and MIDAS dust detectors to characterize 67P’s activity DOI 10.5194/epsc2020-1044 Typ Journal Article Autor Longobardo A Link Publikation -
2020
Titel 67P/Churyumov–Gerasimenko’s dust activity from pre- to post-perihelion as detected by Rosetta/GIADA DOI 10.1093/mnras/staa1464 Typ Journal Article Autor Longobardo A Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Seiten 125-137 Link Publikation -
2019
Titel Dust of comet 67P/Churyumov-Gerasimenko collected by Rosetta/MIDAS: classification and extension to the nanometer scale DOI 10.1051/0004-6361/201834851 Typ Journal Article Autor Mannel T Journal Astronomy & Astrophysics Link Publikation -
2019
Titel Flattened loose particles from numerical simulations compared to Rosetta collected particles DOI 10.48550/arxiv.1903.01206 Typ Preprint Autor Lasue J -
2019
Titel Dust of comet 67P/Churyumov-Gerasimenko collected by Rosetta/MIDAS: classification and extension to the nanometre scale DOI 10.48550/arxiv.1907.01266 Typ Preprint Autor Mannel T -
2019
Titel Synthesis of the morphological description of cometary dust at comet 67P/Churyumov-Gerasimenko DOI 10.1051/0004-6361/201834751 Typ Journal Article Autor Güttler C Journal Astronomy & Astrophysics Link Publikation -
2019
Titel Flattened loose particles from numerical simulations compared to particles collected by Rosetta DOI 10.1051/0004-6361/201834766 Typ Journal Article Autor Lasue J Journal Astronomy & Astrophysics Link Publikation -
2016
Titel Fractal cometary dust – a window into the early Solar System DOI 10.1093/mnras/stw2898 Typ Journal Article Autor Mannel T Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Link Publikation -
2017
Titel Rosetta photoelectron emission and solar ultraviolet flux at comet 67P DOI 10.48550/arxiv.1709.03874 Typ Preprint Autor Johansson F -
2017
Titel The footprint of cometary dust analogs: I. Laboratory experiments of low-velocity impacts and comparison with Rosetta data DOI 10.48550/arxiv.1705.07127 Typ Preprint Autor Ellerbroek L -
2017
Titel Evidence for the formation of comet 67P/Churyumov-Gerasimenko through gravitational collapse of a bound clump of pebbles DOI 10.48550/arxiv.1710.07846 Typ Preprint Autor Blum J -
2017
Titel Aggregate dust particles at comet 67P/Churyumov-Gerasimenko DOI 10.48550/arxiv.1704.00526 Typ Preprint Autor Bentley M -
2016
Titel Aggregate dust particles at comet 67P/Churyumov–Gerasimenko DOI 10.1038/nature19091 Typ Journal Article Autor Bentley M Journal Nature Seiten 73-75 -
2018
Titel Cometary Dust DOI 10.1007/s11214-018-0496-3 Typ Journal Article Autor Levasseur-Regourd A Journal Space Science Reviews Seiten 64 Link Publikation -
2017
Titel Evidence for the formation of comet 67P/Churyumov-Gerasimenko through gravitational collapse of a bound clump of pebbles DOI 10.1093/mnras/stx2741 Typ Journal Article Autor Blum J Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Link Publikation -
2017
Titel The footprint of cometary dust analogues – I. Laboratory experiments of low-velocity impacts and comparison with Rosetta data DOI 10.1093/mnras/stx1257 Typ Journal Article Autor Ellerbroek L Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Link Publikation -
2017
Titel Rosetta photoelectron emission and solar ultraviolet flux at comet 67P DOI 10.1093/mnras/stx2369 Typ Journal Article Autor Johansson F Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Link Publikation
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2016
Titel Invited speaker to represent the Rosetta dust instruments during the Rosetta mission end event in September 2016 at ESOC Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International
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2016
Titel Europlanet Travel Bursary Typ Travel/small personal Förderbeginn 2016