Informationen und Konsumentensuch
Information and Consumer Search
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Search,
Vertical Industry Structure,
Learning,
Information sharing
Die Konsumentensuchtheorie bietet ein wohldefiniertes Rahmenwerk, um den Einfluss von Suchfriktionen auf die Marktmacht von Firmen zu untersuchen. Die Theorie hat nunmehr ihr frühes Anfangsstadium hinter sich gelassen, und es ist nun an der Zeit die zugrundeliegenden Annahmen zu hinterfragen und die Theorie auf neue Fragestellungen anzuwenden. Das vorliegende Projekt möchte einen Beitrag zu diesem Unterfangen leisten, indem es die Informationsannahmen der Konsumentensuchtheorie kritisch untersucht. Eine zentrale Informationsannahme der Theorie ist, dass Konsumenten weder die am Markt verfügbaren Produkte noch deren Preise genau kennen. Sie müssen ökonomische Ressourcen aufwenden, um diese kennenzulernen. Andere Aspekte des Marktes werden hingegen als bekannt vorausgesetzt (so wie in den Standardmodellen der Marktinteraktion): die Anzahl der Anbieter, deren Kosten, etc. Darüber hinaus wird angenommen, dass Firmen die Kosten der Mitbewerber und das Suchverhalten von Konsumenten genau kennen. Viele dieser Annahmen scheinen oftmals nicht gerechtfertigt. Vor diesem Hintergrund wollen wir im vorliegenden Projekt die üblichen Informationsannahmen abschwächen und die Anreize von Firmen untersuchen, Informationen mit anderen Marktteilnehmern zu teilen. Der vorliegende Antrag gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teilprojekt schwächen wir Informationsannahmen die üblicherweise auf der Konsumentenseite gemacht ab. Wir entwickeln eine Suchregel die nicht wesentlich von den spezifischen Annahmen über die Suchumgebung abhängt, und wir analysieren inwiefern das Verhalten der Marktteilnehmer von denjenigen Konsumenten beeinflusst wird, die diese von den Modellparametern unabhängige robuste Suchregel verwenden. Im zweiten Teilprojekt untersuchen wir die Anreize von Firmen, Informationen zu teilen. In der Konsumentensuchtheorie wird üblicherweise angenommen, dass Informationen auf Firmenseite exogen vorbestimmt sind wohingegen sich die Informationen der Konsumenten endogen aus ihrem Suchverhalten ergeben. Diesen Aspekt wollen wir ändern indem wir die Informationsstruktur von Firmen endogenisieren. Im dritten Teilprojekt wenden wir die gewonnen Erkenntnisse bezüglich der unterschiedlichen Informationsannahmen auf ein Suchmodell mit vertikaler Industriestruktur an. Dabei gehen wir von einem rezenten Forschungsartikel von Jannsen und Shelegia (2014) aus, in dem das Problem der doppelten Preisaufschläge ("double marginalization problem") in einem Konsumentensuchmodell untersucht wird. Jannsen und Shelegia (2014) zeigen, dass dieses Problem deutlich schlimmer werden kann wenn man explizit die (realistische) Annahme trifft, dass Konsumenten die (Preis-)Vereinbarungen zwischen Einzelhändlern und Produzenten nicht kennen. Jedoch gibt es auch eine große Region in ihrem Modell, wo die üblichen Gleichgewichte mit Reservationspreiseigenschaft nicht existieren. Im dritten Teilprojekt untersuchen wir diese Regionen genauer untersuchen und analysieren Gleichgewichte, die keine Reservationspreiseigenschaft aufweisen.
Klassische ökonomische Theorie geht davon aus, dass Konsumenten Preise und Produkte ohne jegliche Kosten oder Aufwände vergleichen können. Diese Annahme ist jedoch sehr unrealistisch. Die in den letzten Jahrzehnten entstandene Consumer Search-Literatur (Konsumenten-Suche) beschäftigt sich mit der Frage, welche Aspekte der Beschaffenheit von Märkten übersehen werden, wenn man Suchkosten nicht mit berücksichtigt. Die wichtigste Einsicht ist, dass Märkte sehr stark von Suchkosten beeinflusst werden, auch wenn diese sehr klein sind. Im Rahmen dieses Projekts wurden drei Artikel verfasst, die unser Verständnis über die Relevanz von Suchkosten weiter verbessern, insbesondere in Märkten, in denen Konsumenten während der Suche über andere Marktcharakteristka lernen, und in Märkten in denen der Einzelhandelspreis, dem der Konsument gegenübersteht, sowohl von Produzenten als auch von Händlern beeinflusst wird. Der Lern-Aspekt ist in zahlreichen Anwendungen relevant, beispielsweise in Spritpreis-Märkten. Wenn ein Konsument den Preis an einer bestimmten Tankstelle beobachtet, muss er überlegen, ob er hier tanken möchte, oder lieber nach einem besseren Preis an einer anderen Tankstelle sucht. Dabei muss er einschätzen, wie stark der beobachtete Preis von gemeinsamen Faktoren wie dem Ölpreis, aber auch tankstellenspezischen Faktoren abhängt. Wenn der Konsument denkt, dass gemeinsame Faktoren eine größere Rolle spielen, zahlt sich die Suche wahrscheinlich nicht aus, und er tankt sofort an der ersten Tankstelle. Ein zentraler Aspekt bei dieser Anwendung ist, dass der Konsument die genauen Produktionskosten der Tankstellen nicht kennt und durch die Beobachtung von Preisen lernt, ob andere Preise eher hoch oder eher niedrig sind. Der erste Artikel dieses Projekts zeigt dass herkömmliche Methoden zur Analyse von strategischer Preissetzung in diesen Märkten problematisch sind und schlägt eine alternative Lösungsmethode vor. Der zweite Artikel beschäftigt sich mit einer ähnlichen Marktkonstellation, reflektiert aber explizit wie Produktionskosten von Händlern (Tankstellen) durch Produzenten strategisch gewählt werden. Unser Artikel zeigt dass solche Märkte sehr ineffizient sein können. Im dritten Artikel analysieren wir eine Variation davon, in der Produzenten erlauben, unterschiedliche Preise für unterschiedliche Händler zu setzen. Der Artikel liefert eine neue Erklärung dafür, warum Produzenten in ihrer Preissetzung gegenüber Händlern diskriminieren, nämlich um Wettbewerb in einem Markt zu intensivieren, in dem sie nicht selber aktiv sind. Ein Kernpunkt in unserer Analyse ist, dass es Suchfriktionen im Konsumentenmarkt gibt, und dass der Produzent über (teilweise) Commitment-Power verfügt. Das als unverbindliche Preisempfehlung (recommended retail price) bekannte Preisinstrument kann als Quelle der Commitment-Power dienen und vermindert die Konsumentenwohlfahrt.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 25 Zitationen
- 3 Publikationen
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2022
Titel Regulating recommended retail prices DOI 10.1016/j.ijindorg.2022.102872 Typ Journal Article Autor Janssen M Journal International Journal of Industrial Organization Seiten 102872 -
2017
Titel Non-reservation price equilibria and consumer search DOI 10.1016/j.jet.2017.08.003 Typ Journal Article Autor Janssen M Journal Journal of Economic Theory Seiten 120-162 Link Publikation -
2017
Titel The Double Diamond Paradox DOI 10.1257/mic.20150299 Typ Journal Article Autor Garcia D Journal American Economic Journal: Microeconomics Seiten 63-99