Langzeitfolgen pränataler Immunstimulation auf Depression im Mausmodell
long-term effects of prenatal immune activation on depression-like behavior in the mouse
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)
Keywords
-
Depression,
Animal Model,
Prenatal Infection,
Hippocampal Neurogenesis
Depression gehört weltweit zu den häufigsten und schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen, deren neurobiologischen Grundlagen derzeit nur unvollständig erforscht sind. Die Krankheit ist nicht nur für den Patienten und seine Angehörigen besonders belastend, sondern bringt auch bedeutende sozio-ökonomischen Auswirkungen mit sich. Die fundamentale Bedeutung von Einflüssen sehr früh im Leben, bis in die peri- und pränatale Perioden auf die physische und psychische Entwicklung ist weithin bekannt. In diesem Zusammenhang zeichnen sich besonders traumatische Erlebnisse in diesen sensiblen Phasen als prädisonierende Faktoren für die Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen später im Leben aus. Es ist bekannt, dass mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft wesentlich zur Genese psychischer Störungen, wie Autismus und Schizophrenie beitragen können.Ob die aus der mütterlichen Infektion resultierende pränatale Immunstimulation jedoch auch zum Ausbruch von Depressionen im Erwachsenenleben beiträgt und die zugrunde liegenden neurobiologischen Mechanismen, sind unzureichend untersucht. Ziel dieser Studie ist es daher, die Auswirkungen mütterlicher Immunaktivierung (MIA) während der Schwangerschaft auf depressionsartiges Verhalten im Mausmodell zu testen und deren zelluläre und molekulare Grundlagen zu analysieren. Dafür sollen folgende Hypothesen getestet werden: Erstens, dass MIA zu depressionsartigem Verhalten im späteren Leben führt, welches mit einer Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten und Defizienzen der adulten hippokampalen Neurogenese einhergeht, welche auf mangelnder Unterstützung durch spezifische Wachstumsfaktoren beruhen. Zweitens, dass MIA parallel dazu zu persistierenden strukturellen, anatomischen Veränderungen des Gehirns führt und drittens, dass MIA die Stress-sensitivität und Ansprechbarkeit auf antidepressive Pharmakotherapie im späteren Leben in Wechselwirkung mit dem genetischen Hintergrund beeinflusst. Diese Studie ist die erste umfassende Untersuchung zur Bedeutung mütterlicher Infektionen während der Schwangerschaft auf die Entwicklung von Depressionen im späteren Leben, welche Analysen von der systemischen Eben des Verhaltens bis zur zellulären und molekularen Ebene im Mausmodelleinschließt. Die daraus gewonnen Ergebnisse sind nichtnur für die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung relevant, sondern haben auch einen wesentliche translationalen Wert und können die Grundlage für nachfolgende klinische Studien beim Menschen darstellen sowie Ansatzpunkte auf neue therapeutische Interventionen zur Bekämpfung von Depressionen liefern.
Depression gehört weltweit zu den häufigsten und schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen, deren neurobiologischen Grundlagen derzeit nur unvollständig erforscht sind. Die fundamentale Bedeutung von Einflüssen sehr früh im Leben - zurückreichend bis in die peri - und pränatale Perioden - auf die physische und psychische Entwicklung ist weithin bekannt. In diesem Projekt konnten bedeutende Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Infektionen während der Schwangerschaft und Entwicklung von Depression im späteren Leben der Kinder gewonnen werden. Unter Verwendung eines Mausmodelles für mütterlicherImmunaktivierung (MIA)währendderSchwangerschaftkonnte depressionsartiges Verhalten in den erwachsenen Nachkommen gezeigt werden, welches von einer Beeinträchtigung der adulten hippokampalen Neurogenese mit gleichzeitiger reduzierter Unterstützung durch den Wachstumsfaktor begleitet ist (Khan et al. 2014). Mittels desselben präklinischen Modelles konnte des Weiteren bewiesen werden, dass das maternale Fürsorge-Verhalten von MIA Müttern nach der Geburt beeinträchtigt ist (Ronovsky et al. 2016). Aufgrund der bekannten Bedeutung von Veränderungen des maternalem Fürsorge-Verhalten für die neuronale Entwicklung der Nachkommen mit Relevanz für das emotionale Verhalten im späteren Leben und der sich daraus ergebenden Möglichkeit der Übertragung auf die nächste Generation wurden dann sowohl das maternale Fürsorge-Verhalten in adulten weiblichen MIA Nachkommen der ersten (F1) und depressionsartiges Verhalten in der zweiten Generation (F2) untersucht. Ein Einfluss von MIA auf das maternale Fürsorge-Verhalten der F1 Generation mit möglicher Bedeutung für depressionsartiges Verhalten F2 Generation konnte in zwei verschiedenen ingezüchteten Mausstämmen nachgewiesen werden (Ronovsky et al. 2016; Berger et al. 2018). Diese langandauernden, sogar Generationen überspannenden Auswirkungen von MIA auf das Verhalten der Nachkommen legen eine Grundlage in epigenetischen Prozessen nahe. Diese Möglichkeit wurde durch die Analyse der Expressionsniveaus ausgesuchter miRNAs in Nachkommen der ersten und zweiten Generation untersucht, welche wenig bedeutenden Unterschiede zwischen MIA und Kontroll-Tieren (Berger et al. 2018) zeigte. Interessanterweise, konnten jedoch globale Veränderungen des Histonacetylierungs- Profils im Gehirn von MIA Nachkommen dargestellt werden, welches mit spezifischen Veränderungen am Promoter des Serotonin Transporters (SERT) Gens und entsprechender Regulation der mRNA Levels assoziiert ist (Reisinger et al. 2016). In einem geplanten Nachfolgeprojekt soll die Bedeutung von Histonmodifikationen im Gehirn der MIA Nachkommen der ersten und auch der zweiten und dritten Folgegeneration genauer untersucht werden.
- Thomas Wanek, Austrian Institute of Technology - AIT , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 783 Zitationen
- 15 Publikationen
-
2019
Titel Influence of poly(I:C) variability on thermoregulation, immune responses and pregnancy outcomes in mouse models of maternal immune activation DOI 10.1016/j.bbi.2019.04.019 Typ Journal Article Autor Mueller F Journal Brain, Behavior, and Immunity Seiten 406-418 -
2020
Titel VEGF Treatment Ameliorates Depression-Like Behavior in Adult Offspring after Maternal Immune Activation DOI 10.3390/cells9041048 Typ Journal Article Autor Sideromenos S Journal Cells Seiten 1048 Link Publikation -
2018
Titel Characterization of Ras k 1 a novel major allergen in Indian mackerel and identification of parvalbumin as the major fish allergen in 33 Asia-Pacific fish species DOI 10.1111/cea.13069 Typ Journal Article Autor Ruethers T Journal Clinical & Experimental Allergy Seiten 452-463 -
2018
Titel Impact of maternal immune activation on maternal care behavior, offspring emotionality and intergenerational transmission in C3H/He mice DOI 10.1016/j.bbi.2018.02.008 Typ Journal Article Autor Berger S Journal Brain, Behavior, and Immunity Seiten 131-140 Link Publikation -
2019
Titel Transgenerational consequences of maternal immune activation DOI 10.1016/j.semcdb.2019.06.006 Typ Journal Article Autor Pollak D Journal Seminars in Cell & Developmental Biology Seiten 181-188 -
2019
Titel Combined Fully Contactless Finger and Hand Vein Capturing Device with a Corresponding Dataset DOI 10.3390/s19225014 Typ Journal Article Autor Kauba C Journal Sensors Seiten 5014 Link Publikation -
2019
Titel Maternal immune activation during pregnancy impacts on brain structure and function in the adult offspring DOI 10.1016/j.bbi.2019.09.011 Typ Journal Article Autor Kreitz S Journal Brain, Behavior, and Immunity Seiten 56-67 Link Publikation -
2019
Titel Sex and gender bias in the experimental neurosciences: the case of the maternal immune activation model DOI 10.1038/s41398-019-0423-8 Typ Journal Article Autor Coiro P Journal Translational Psychiatry Seiten 90 Link Publikation -
2018
Titel Enhanced synaptic plasticity and spatial memory in female but not male FLRT2-haplodeficient mice DOI 10.1038/s41598-018-22030-4 Typ Journal Article Autor Cicvaric A Journal Scientific Reports Seiten 3703 Link Publikation -
2015
Titel The Poly(I:C)-induced maternal immune activation model in preclinical neuropsychiatric drug discovery DOI 10.1016/j.pharmthera.2015.01.001 Typ Journal Article Autor Reisinger S Journal Pharmacology & Therapeutics Seiten 213-226 Link Publikation -
2017
Titel Disrupted Ultradian Activity Rhythms and Differential Expression of Several Clock Genes in Interleukin-6-Deficient Mice DOI 10.3389/fneur.2017.00099 Typ Journal Article Autor Monje F Journal Frontiers in Neurology Seiten 99 Link Publikation -
2016
Titel Maternal immune activation transgenerationally modulates maternal care and offspring depression-like behavior DOI 10.1016/j.bbi.2016.10.016 Typ Journal Article Autor Ronovsky M Journal Brain, Behavior, and Immunity Seiten 127-136 Link Publikation -
2016
Titel Maternal immune activation epigenetically regulates hippocampal serotonin transporter levels DOI 10.1016/j.ynstr.2016.02.007 Typ Journal Article Autor Reisinger S Journal Neurobiology of Stress Seiten 34-43 Link Publikation -
2016
Titel Animal Models of Maternal Immune Activation in Depression Research DOI 10.2174/1570159x14666151215095359 Typ Journal Article Autor Ronovsky M Journal Current Neuropharmacology Seiten 688-704 Link Publikation -
2015
Titel Fluoxetine normalizes disrupted light-induced entrainment, fragmented ultradian rhythms and altered hippocampal clock gene expression in an animal model of high trait anxiety- and depression-related behavior DOI 10.3109/07853890.2015.1122216 Typ Journal Article Autor Schaufler J Journal Annals of Medicine Seiten 17-27 Link Publikation