Katalog der deutschen Gemälde bis 1540 im KHM
Catalogue of German Paintings before 1540 in the KHM
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (65%)
Keywords
-
Collection Catalogue,
Interdisciplinary Research,
Art History,
German Painting Late 15/Early 16Th Century,
Technical Examinations Of Paintings,
Collection History
Das Kunsthistorische Museum Wien sucht um finanzielle Unterstützung für die Fortsetzung und den Abschluss der Arbeit an einem kritischen Bestandskatalog der bis ca. 1540 entstandenen deutschen Gemälde an. Ziel dieses Vorhabens ist es, diesen bedeutenden Teil der Gemäldegalerie, der weltweit zu den wichtigsten seiner Art zählt, erstmalig zusammenhängend und nach heute gültigen wissenschaftlichen Standards zu publizieren. Der interdisziplinäre Ansatz schließt umfassende technologische Untersuchungen genauso ein wie eine Analyse nach kunsthistorischen Fragestellungen, die deren Ergebnisse berücksichtigt. In den letzten Jahren haben auch mehrere europäische und amerikanische Museen ihre Bestände an altdeutschen Tafelbildern in vergleichbarer Weise erschließen können. Diese Publikationen zeugen ebenso wie die zahlreichen Ausstellungen der jüngeren Zeit, die sich Künstlerpersönlichkeiten wie Dürer und Cranach gewidmet haben, von einem enorm gesteigerten Interesse an der deutschen Malerei der frühen Neuzeit. Zugleich führen sie vor Augen, welches Desiderat eine Katalogisierung des Wiener Bestandes darstellt. Im Zentrum einer ersten Phase des Projektes, die vom FWF gefördert worden war (Projekt-Nr. P 19829-G13), standen umfangreiche gemäldetechnologische Untersuchungen von ca. 120 Werken des frühen 16. Jahrhunderts. Die dabei gewonnenen Ergebnisse bildeten und bilden eine wesentliche Grundlage für die weitere kunsthistorische Katalogarbeit. Im Falle der fast 30 Gemälde Cranachs d. Ä. und seiner Werkstatt hat sich etwa die Kooperation mit dem "Cranach Digital Archive" als bislang sehr gewinnbringend erwiesen. Zudem haben zahlreiche Ergebnisse weitere Nachforschungen erst initiiert, die von großer Bedeutung für unser Bild von der deutschen Malerei der Dürerzeit sind. Darüber hinaus wurde eine Erweiterung des ursprünglich gesteckten Untersuchungsrahmens beschlossen, um den Bestand an altdeutschen Tafelbildern vor ca. 1540 vollständig zu erfassen. Damit werden etwa 40 weitere Gemälde hinzukommen, bei denen es sich zumeist um anonyme, kunst- und kulturhistorisch jedoch wichtige Werke des 15. Jahrhunderts handelt. Der geplante Katalog wird in eine Reihe vergleichbarer wissenschaftlicher Publikationen der Gemäldegalerie erscheinen, die bereits erschienen sind oder kurz vor der Fertigstellung stehen. Er soll einen Kernbestand der Gemäldegalerie des KHM sowohl einer breiten Öffentlichkeit als auch dem Fachpublikum erschließen und dabei nicht allein die einzelnen Werke umfassend beleuchten, sondern auch die spezifische Struktur und die Geschichte dieses Sammlungsteils, der zu den ältesten der Gemäldegalerie zählt, würdigen.
Ziel des Projektes war, die über 170 im Kunsthistorischen Museum Wien befindlichen deutschen Gemälde des 15. sowie des frühen 16. Jahrhunderts erstmals zusammenhängend nach heute gültigen wissenschaftlichen Standards zu untersuchen und zu publizieren. Dieser älteste Teil der Sammlung deutscher Malerei mit Hauptwerken Dürers, Cranachs und Holbeins bildet nicht nur eine der Hauptattraktionen der Gemäldegalerie, sondern gehört auch weltweit zu den wichtigsten Beständen seiner Art. Diese mit Unterbrechungen seit 2013 laufende Projektphase schloss sich an eine erste, von 2007 bis 2012 laufende Pilotphase an, die ebenfalls bereits vom FWF gefördert worden war. Bis heute sind insgesamt 138 in Wien und an anderen Standorten des Museums befindliche Tafelbilder vollständig technologisch untersucht (auch unter Mitwirkung externer Experten) und die Ergebnisse in einer Datenbank dokumentiert worden. Für 88 dieser Werke sind auch bereits die technologischen Berichte verfasst worden, die die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammenfassen. Sie bilden den ersten Teil der Katalogeinträge, die bislang zu 37 Gemälden in einer ersten Fassung ausgearbeitet worden sind. Sie behandeln unter Auswertung der gewonnenen Materialien und bibliographischer Recherchen jeweils Fragen zur Entstehungsgeschichte der Tafelbilder (Künstler und Auftraggeber, Datierung, Funktion und Bildinhalt, Genese der Bildkonzeption, verwendete Materialien), aber auch zu ihrem späteren Schicksal (Schäden, Formatveränderungen) und ihrer Rezeption (Zweitfassungen, Kopien). Gerade die technologischen Untersuchungen mit Infrarot- und Röntgenstrahlen, mit denen sich die im sichtbaren Licht an sich nicht erkennbaren Unterzeichnungen und malerischen Abänderungen studieren lassen, erbrachten eine Fülle von neuen Erkenntnissen zur Entstehungsgeschichte der Werke. Für eine ganze Reihe von Gemälden ließen sich so die möglichen Fertigungsdaten präzisieren und bestehende Zuschreibungen erhärten, während umgekehrt auch einige bislang mit Künstlernamen versehene Tafelbilder nun als anonyme Arbeiten gelten müssen. Darüber hinaus konnten einzelne Werke auch erstmals überhaupt einem bestimmten Maler bzw. einer Werkgruppe zugeordnet werden. Geplant ist in einem nächsten Schritt, die Ergebnisse auf der KHM-Website sukzessive in digitaler Form zur Verfügung zu stellen und sie zudem noch geschlossen in Buchform zu publizieren.
- KHM-Museumsverband - 100%