Thesaurus Inscriptionum Raeticarum
Thesaurus Inscriptionum Raeticarum
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
-
Online Presentation Of Linguistic Content,
Epigraphy,
Fragmentarily Attested Languages,
Alphabet History,
Etruscology
Der Terminus `Rätisch` bezieht sich auf ca. 230 Inschriften, die in Norditalien, Tirol, Graubünden und Bayern gefunden wurden. Diese Inschriften werden ungefähr in das 6. bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert und sind die einzigen Zeugnisse des Rätischen, einer nichtindogermanischen Sprache, deren Verwandtschaft mit dem Etruskischen heute feststeht. Trotz einiger Bemühungen in der Vergangenheit ist die Dokumentation des Rätischen nach wie vor inadäquat, und unsere Bemühungen, die Texte zu interpretieren, stecken noch in den Kinderschuhen. Ziel des Projekts ist eine vollständige Sammlung, Präsentation und linguistische Analyse der rätischen Inschriften in Form einer Online-Datenbank vom MediaWiki-Typ. Im Rahmen dieser web-basierten interaktiven Plattform wird das gesammelte Material gespeichert, aufbereitet und präsentiert. In einzelnen umfasst das Projekt folgende Arbeitsschritte: (1) Sammlung aller bis jetzt bekannten Inschriften, einschließlich der Inschriften von zweifelhaftem Status. (2) Überprüfung der Inschriften im Original und vollständige Dokumentation mithilfe von Fotos, Zeichnungen und, falls notwendig, mithilfe von laser scans. (3) Sammlung und Überprüfung der Sekundärliteratur, d.h. sowohl der Literatur, die sich auf die Inschriften bezieht, als auch der Literatur, die sich mit der Sprache, dem Schriftsystem, archäologischen Daten und historischen Fakten im allgemeinen beschäftigt. (4) Erstellung einer interaktiven online-Datenbank, in der die Inschriften als online-Korpus präsentiert werden, wobei alle Aspekte der Inschriften (linguistische, archäologische und graphematische Daten) ausführlich dokumentiert werden. Dieses Projekt basiert auf Lexicon Leponticum, einem FWF-unterstützten Projekt, das ebenfalls am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien durchgeführt wurde, und stellt den nächsten Schritt zu einer umfassenden Online-Edition der Zeugnisse der sogenannten Norditalischen Alphabete dar. Durch das Projekt wird die Verwendung freier open-source Software für die online-Präsentation geisteswissenschaftlicher Inhalte weiterentwickelt und verbessert. Das Projekt soll neue Standards setzen für der Anwendung von Web 2.0-tools in der Linguistik, und den Gebrauch solcher Hilfsmittel zur Kommunikation und Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Kontext fördern.
In dem Projekt Thesaurus Inscriptionum Raeticarum wurden die sogenannten rätischen Inschriften in einer Online-Datenbank erfasst und öffentlich zugänglich gemacht. Die rätischen Inschriften sind eine Gruppe von ungefähr 400 Inschriften aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr., die vor allem in Norditalien und Westösterreich gefunden wurden. Es handelt sich dabei um die einzigen Zeugnisse des Rätischen, einer nicht-indogermanischen Sprache des östlichen Alpenraumes. Das Rätische gehört zur Familie der tyrrhenischen Sprachen, wozu noch das Etruskische in Mittelitalien und das Lemnische in der Ägäis zählen. Geschrieben ist es in zwei unterschiedlichen Alphabeten, die vom etruskischen Alphabet abgeleitet sind.Im Rahmen des Projekts wurden alle bisher bekannten rätischen Inschriften (einschließlich der Neufunde, des Depotmaterials und der Problemfälle) im Original untersucht und vollständig mit Fotos, archäologischen Zeichnungen und in einem Fall mithilfe von Fotogrammetrie dokumentiert, was 15 Reisen zu Museen und Fundorten in Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz erforderte. Die dabei gesammelten Daten und Bilder wurden in die Datenbank eingetragen und linguistisch, paläographisch und archäologisch kommentiert. Ferner enthält die Datenbank Einführungstexte zu Epigraphik, Linguistik, Paläographie, Archäologie und Geschichte. Dabei konnten viele Lesungen verbessert werden und neue Erkenntnisse über die Stellung der rätischen Schriftkultur im Kontext der vorrömischen Völker Norditaliens gewonnen werden. Obwohl es schon frühere Sichtungen des Inschriftenmaterials in Buchform gibt, ist keine davon so umfassend wie die jetzige, ganz abgesehen davon, dass Bücher nicht erweitert werden können.Für den Augenblick kann die Edition als vollständig angesehen werden. Alle Inschriften und die Objekte, auf denen sie eingetragen sind, wurden mit Ausnahme der verschollenen Stücke in Augenschein genommen und in den Thesaurus aufgenommen. Die Website wird trotzdem weiterhin bearbeitet, verbessert und gewartet werden, und sie wird wahrscheinlich auch von der Universität Wien permanent gespeichert werden. Zusätzlich zu geringfügigen Korrekturen werden weiterführende Informationen zur rätischen Schriftkultur, zur rätischen Sprache und zur Archäologie der Region sowie zusammenfassende Überblickstexte hinzu- gefügt werden. Vor allem aber werden Neufunde auch in Zukunft sobald wie möglich in die Datenbank auf- genommen werden.Dieses Projekt ist als Folgeprojekt zu Lexicon Leponticum entstanden und repräsentiert einen weiteren Schritt in Richtung einer vollständigen Online-Sammlung und -Edition der vorrömischen Inschriften Norditaliens. Ferner wurden dadurch die Möglichkeiten des Gebrauchs von open-source-Software für die Online- Präsentation wissenschaftlicher Inhalte in den Geisteswissenschaften weiterentwickelt. Das speziell für den Thesaurus adaptierte Programm wurde gegenüber der im Lexicon Leponticum verwendeten Probeversion deutlich verbessert; und obwohl es in seiner jetzigen Form auf die Anforderungen des rätischen Korpus zu- geschnitten ist, bietet es einen flexiblen Rahmen für die Edition von epigraphischem Material. Aufgrund der jetzt gemachten Erfahrungen befürwortet das Projektteam ausdrücklich die Verwendung von MediaWiki und ähnlichen Online-Werkzeugen zur Aufbereitung und Weitergabe von Daten in den Geisteswissenschaften.Auch nach dem Abschluss bleibt das Projekt Teil des COST-Projekts AELAW Ancient European Languages and Writings (ISCH COST Action IS1407, 13. April 2015 bis 12. April 2019).
- Universität Wien - 100%
- Gerhard Meiser, Martin-Luther-Universität Halle - Deutschland
- David Stifter, National University of Ireland Maynooth - Irland
- Rex Wallace, University of Massachusetts Amherst - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 1 Zitationen
- 3 Publikationen
-
2020
Titel Raetic and Runes DOI 10.1075/nowele.00038.sal Typ Journal Article Autor Salomon C Journal NOWELE Seiten 153-192 -
2015
Titel Ausgewählte Funde aus Dercolo im Kontext der rätischen Inschriften. Typ Book Chapter Autor Kluge S -
0
Titel Online database. Typ Other