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Stupa und Lhatho: Architektur zwischen Buddhismus und Bön

Stupa and Lhatho: Architecture between Buddhism und Bon

Gerald Kozicz (ORCID: 0000-0003-1107-8615)
  • Grant-DOI 10.55776/P25475
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2013
  • Projektende 30.09.2016
  • Bewilligungssumme 197.946 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (50%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)

Keywords

    Architecture, Lhatho, Buddhism, Stupa, Bon, Iconography

Abstract Endbericht

Die erste Verbreitung des Buddhismus in Tibet begann unter König Songsten Gampo, der mit der Einigung der zentraltibetischen Stämme die Yarlung Dynastie gründete und auch das westtibetische Königreich Zhang-zhung, das zu jener Zeit eine Hochburg des Bön Glaubens war, unterwarf. Neben ernsthaften Bemühungen, wie etwa der Einrichtung von Übersetzungsinstitutionen für religiöse Texte und der Errichtung des Kloster Samye nach indischen Vorbildern, den monastischen Buddhismus in der tibetischen Gesellschaft zu etablieren, erlaubten Songtsen Gampo und seine Nachfolgern gleichzeitig auch die Integration alter religiöser Inhalte in den neuen Glauben. Bekanntestes Beispiel ist die "Unterwerfung" der alten tibetischen Schutzgöttinnen durch den Tantriker Padmasambhava, der diese gemäß seiner Hagiographie danach durch Eid zu Beschützerinnen der buddhistischen Lehre transformierte. Solche Übernahmen indigener Mythologien sicherten nicht nur die Position des Buddhismus, sondern ermöglichten auch die Sicherstellung von religiösen Abläufen, auf die die aus Indien stammende Philosophie vermutlich nur unzureichend hin konzipiert war, wie etwa die Kontaktaufnahme und metaphysische Auseinandersetzung mit Berggöttern und anderen Wesenheiten, die nach alter tibetischer Vorstellung die Natur belebten und beherrschten. In der Architektur wird dies besonders am Beispiel des Lahtho (wörtlich: Sitz einer lokalen Gottheit) deutlich. Im Rahmen des FWF-Projekts "Die Architektur des Stupa im Indo-Tibetischen Kontext" wurde festgestellt, dass eine bestimmte Gruppe von buddhistischen Stupas, nämlich jener, welche die drei Beschützer Bodhisattvas Manjusri, Avalokiteshvara und Vajrapani darstellen, gezielt mit Lhathos kombiniert wurden. Meist passierte dies als metaphysische Schutzmaßnahme im Umkreis von Ansiedlungen und Kulturland. In Ladakh wurden Lhathos sogar innerhalb buddhistischer Tempelräume installiert, wie etwa im Alchi Tsatsapuri Lhatho Lhakhang. In Oberladakh, das geographisch an das frühere Zhang-zhung grenzt, verschwimmen dagegen die formalen Unterschiede zwischen Lhathos und Stupas oftmals, und es hat fallweise den Anschein, als ob die beiden Bauwerkstypen austauschbar wären. Hier wurden die drei Bodhisattvas auch durch Lhathos repräsentiert, während Stupas mit Insignien eines Lhatho dekoriert wurden. Unterschiede in Proportion und strukturellem Aufbauf scheinen bisweilen aufgehoben. Da Stupas auch im Bön errichtet wurden, stellt sich damit die Frage nach möglichen nicht-buddhistischen (Bön?) Einflüssen in der westtibetischen Architektur des Buddhismus- und gegebenenfalls umgekehrt. Ziel des Projekts ist eine umfassende architektonische Bestandsdokumentation und die Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte des tibetischen Stupa im Kontext indigener Vorstellungen und damit verbundener lokaler Architekturprinzipien. Darüber hinaus soll die Ikonographie der drei Beschützer Bodhisattvas innerhalb von Tempeln dokumentiert und in ihrem räumlichen Kontext analysiert werden, um so einen Einblick über die Entwicklung dieser speziellen Gruppe in einem vergleichbaren, aber rein buddhistischen Zusammenhang zu erlangen.

Das Projekt hatte zum Ziel, die Architektur des Lhatho im Spiegel der Geschichte des Buddhismus im westlichen Himalaya zu untersuchen und neben den gestalterischen Prinzipien diese vergleichsweise archaische Form der Sakralarchitektur im topographischen und architektonischen Kontext zu untersuchen. Dabei wurde davon ausgegangen, dass Lhathos vor allem in der buddhistisch geprägten Alltagskultur eine große Rolle spielen und mit lokalen Glaubensströmungen, aufbauend auf vorbuddhistische Konzepte und zusammengefasst unter dem Begriff Bon, in Verbindung gebracht werden. Die Ergebnisse der Feldforschung zeichnete ein wesentlich komplexeres Bild. So war die Formenvielfalt wesentlich größer als angenommen. Wie in der Stupaarchitektur wurden Lhathos als solitäre Objekte, aber auch als Dreierkonfigurationen errichtet, bisweilen auch als mandalaartige Fünfergebilde. Weiters wurden auch begehbare Lhathoschreine dokumentiert. Auch dass Lhathos im Wesntlichen oder gar ausschließlich mit lokalen oder Gottheiten tibetisch-indigenen Ursprungs assoziiert wurden, muss revidiert werden. So wurden etwa Lhathos von klassisch buddhistische Gottheiten wie etwa Vajravarahi oder die Könige der vier Himmelsrichtungen aufgenommen. Besonders auffällig ist, dass die tibetischen Orden bei ihrer Ausdehnung in den westlichen Himalaya (untersucht wurden die Regionen des Industals, Nubra sowie das Spitital sowie das Sutlejtal im indischen Teil der Großregion) gezielt mächtige zentraltibetische territoriale Gottheiten einluden und an strategisch wichtigen Punkten positionierten. So wurden einerseits über hunderte Kilometer reichende Netzwerke angelegt, wie etwa die Lhathos von Nezer Gyapo, die im Industal mit Mittelpunkt Kikutak vor Leh errichtet wurden. Hier spielt die Zahl Sieben eine wesentliche Rolle. Bisher war nur ein solches Netzwerk dokumentiert worden. Im Zuge des Projekts wurden zwei weitere identifiziert, eines davon vollständig dokumentiert. Anhand einzelner Fallstudien zu gesamten Ortschaften konnte gezeigt werden, wie Lhathos unterschiedlicher Gewichtung innerhalb einer Ortschaft Netzwerke bilden. So gibt es nebeneinander Lhathos regional wirkender Gottheiten auch Familienlhathos. Erstere bilden oft mit bestimmten Stupas, den Rigsum Gonpo, ein gemeinsames Netzwerk. Letztere stehen wiederum mit einem System von Hausschreinen in Verbindung. Unter diesen - sowohl Lhathos als auch Schreinen - haben jene der Astrologen (Onpos), traditionellen Ärzte (Amchis) und jene der Königsfamilien einen Sonderstatus. Damit haben sich die Lhathos als Teil eines komplexen topographischen wie auch sozio-kulturellen Netzwerks erwiesen. Alle diese Verknüpfungen waren an einem besonderen Ort besondern stark ausgeprägt: Tashigang im oberen Spitital. Dort befindet sich neben einem dem Buddha des ewigen Lebens gewidmeter und mit einer Mandalakultkammer ausgestatteten Stupa auch drei Lhathos, die die drei Dharma Beschützer des Gelug Ordens repräsentieren: Nezer Gyapo, den mit Pferdeköpfen gekennzeichneten Hayagriva und Palden Lamo, ihres Zeichens auch Schutzgottheit des Dalai Lama. Hier konnte nicht nur aufgezeigt werden, wie ein solches Ensemble in die Landschaft integriert wurde. Hier war es auch möglich, die Interaktion des internen Mandalas des Stupas mit dem Umraum exemplarisch zu analysieren.

Forschungsstätte(n)
  • Bundesland Steiermark - 100%

Research Output

  • 6 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Lost and Gone Forever: Notes on the Demolition of the Red Temple of Hunder.
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
  • 2016
    Titel The Old Stupa of Matho.
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
  • 2016
    Titel 2.3. Geometric Pattern and Proportional Frame
    DOI 10.7767/9783205203674-008
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 148-155
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The Tsugla Khang of Tabo and the Three-Dimensionality of the Vajradhatu Mandala.
    Typ Book Chapter
    Autor Kozicz G
  • 2014
    Titel 5 The Chorten (mChod rten) with the Secret Chamber near Nyarma; In: Art and Architecture in Ladakh - Cross-cultural Transmissions in the Himalayas and Karakoram
    DOI 10.1163/9789004271807_007
    Typ Book Chapter
    Verlag BRILL
  • 2016
    Titel Rangrigtse Temple at Charang, Western Tibet: West Tibetan Art Periods Combined.
    Typ Journal Article
    Autor Kozicz G
    Journal Orientations

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