Einfluss von Lithiumgehalt in Trinkwasser und Verschreibungen auf die Suizidmortalität
Lithium in drinking water and prescriptions effects on suicide mortality
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (20%); Gesundheitswissenschaften (20%); Klinische Medizin (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)
Keywords
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Lithium,
Drinking Water,
Pharmacoepidemiology,
Prescription,
Suicide
Suizide zählen zu den zehn häufigsten Todesursachen. Eine Stadt-Land Analyse der Suizide in Österreich zeigte, dass es zu einer relativen Umverteilung von Suiziden von urbanen zu ländlichen Regionen kommt. Dennoch, die geographische Verteilung der Suizidmortalität ist nicht ausreichend geklärt. Detaillierte geographische Analysen der Suizidraten basierend auf einem Hierarchischen Bayesianischen Modell unter Einbeziehung räumlicher Korrelationen zeigten, dass ein signifikanter Anteil der Varianz der Suizidraten durch die Bevölkerungsdichte (als Urbanitätsmarker), das Pro-Kopf-Einkommen sowie durch die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung erklärt werden kann. Angesichts der Hinweise, dass natürlich enthaltenes Lithium (welches in der Psychopharmakologie als suizidpräventiv bekannt ist) im Trinkwasser eine suizidpräventive Wirkung haben könnte, wurde das Modell um den Einfluss Lithiums erweitert und sowohl in linearen Regressionsmodellen als auch in einer Geographisch Gewichteten Regression (GWR) adaptiert. Lithium zeigte gemäß der Erwartung einen signifikanten inversen Zusammenhang mit der Suizidmortalität. Aufgrund der Evidenz, dass Medikamente ins Abwasser gelangen und so über das Trinkwasser in die Nahrungsmittelkette gelangen können, soll im vorliegenden Projekt untersucht werden, ob Lithiumverschreibungen einen Zusammenhang mit Lithiumspiegeln im Trinkwasser zeigen. Untersuchungen aus Canada und Kalifornien zeigen, dass Substanzen wie Carbamazepin und Ibuprofen ebenso Acetaminophen, Koffein oder Codein im Trinkwasser gemessen werden können. Andere Untersuchungen aus den USA zeigen, dass sich in 4.3% der untersuchten Grundwasserstätten das Antidepressivum Fluoxetin nachweisen lässt. Es konnte auch belegt werden, dass die gemessenen Fluoxetin- und Carbamazepin- Konzentrationen ausreichen um die Gesundheit und das Verhalten von im Wasser lebenden Invertebraten zu beeinflussen. Die Hypothese des vorliegenden Projektes ist, dass die gemessenen Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser auf die Verschreibungspraxis von Lithium zurückgeführt werden können. Dies würde auch ermöglichen zu untersuchen ob die geographische Verteilung der Suizidmortalität durch die Verschreibungspraxis von Lithium selbst und nicht wie bisher angenommen, durch das natürliche Vorkommen von Lithium im Trinkwasser plausibel erklärt werden kann.
Die Studie untersuchte den möglichen präventiven Einfluss von Verschreibungen von Medikamenten mit Lithium-Wirkstoff auf die Häufigkeit von Suiziden in Österreich. Internationale Studien belegten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach, dass Lithium welches natürlicherweise im Trinkwasser in geringen Mengen vorkommt, mit der Suizidsterblichkeit in Zusammenhang steht. Dies bedeutet, je mehr Lithium im Trinkwasser in einer Region enthalten ist, desto geringer ist die Suizidsterblichkeit in der entsprechenden Region. Obwohl der Zusammenhang auch dann signifikant blieb, wenn wirtschaftliche Faktoren der Region berücksichtigt werden (wie Arbeitslosigkeit oder z.B. auch die Dichte von ÄrztInnen) blieb bisher die Frage offen, ob dieser gefundene Zusammenhang nicht doch nur zufällig ist oder durch einen anderen Faktor erklärt werden kann. Eine wichtige Frage dabei war, ob die in Österreich verschriebenen Lithium-Medikamente, die vor allem zur Behandlung von wiederkehrenden Depressionen oder manisch-depressiven Erkrankungen seit 60 Jahren erfolgreich eingesetzt werden, einen Einfluss auf die Suizidsterblichkeit haben könnten. Einerseits werden diese Medikamente von Risikopersonen eingenommen, was die suizidpräventive Wirkung bei Erkrankten senken sollte, andererseits werden sie Ausgeschieden und gelangen in Analogie zu anderen Studien auch ins Trinkwasser, wo sie von der Bevölkerung aufgenommen werden könnten ein ungewünschter aber möglicher positiver (Kohortenschutz-)Effekt. Daher wurden für die Studie die geographischen Verschreibungsdaten aller Lithiummedikamente in Österreich herangezogen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lithiumverschreibungen nur gering mit dem Lithium im Trinkwasser korreliert sind und scheinen die Hypothese nicht zu rechtfertigen, dass der Lithiumgehalt im Trinkwasser durch Verschreibungen beeinflusst wird. Andererseits zeigt sich auch kein Zusammenhang von Lithiumverschreibungen mit den Suizidraten, sodass die ansonsten bekannte suizidprotektive Wirkung der Lithiumbehandlung auf ökologischer Ebene nicht abgebildet werden kann. Es bleibt somit weiterhin die Hypothese aufrecht, dass Lithiumvorkommen im Trinkwasser aus natürlichen Quellen stammen und auf bisher unbekannte Weise mit einer geringeren Suizidsterblichkeit in einem ökologischen Modell assoziiert ist.
- Marco Helbich, Utrecht University - Niederlande
- Michael Leitner, Louisiana State University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 97 Zitationen
- 4 Publikationen
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2015
Titel Lithium in drinking water and suicide mortality: Interplay with lithium prescriptions DOI 10.1192/bjp.bp.114.152991 Typ Journal Article Autor Helbich M Journal British Journal of Psychiatry Seiten 64-71 Link Publikation -
2015
Titel Naturally occurring low-dose lithium in drinking water. DOI 10.4088/jcp.14com09574 Typ Journal Article Autor Kapusta N Journal The Journal of clinical psychiatry Link Publikation -
2014
Titel Die suizidprophylaktischen Effekte von Lithium im Trinkwasser: Eine kurze Übersichtsarbeit. Typ Journal Article Autor Kapusta Nd Et Al Journal Suizidprophylaxe -
2013
Titel Does altitude moderate the impact of lithium on suicide? A spatial analysis of Austria DOI 10.4081/gh.2013.81 Typ Journal Article Autor Helbich M Journal Geospatial Health Seiten 209-218 Link Publikation