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Psychologische Distanz und Imitation

Psychological Distance and Imitation

Jochim Hansen (ORCID: 0000-0003-2097-733X)
  • Grant-DOI 10.55776/P25307
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.06.2013
  • Projektende 30.09.2016
  • Bewilligungssumme 282.356 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Construal Level Theory, Mimicry, Psychological Distance, Action Identification, Imitation

Abstract Endbericht

Die Imitation des Verhaltens anderer Menschen ist ein zentraler Aspekt menschlichen Sozialverhaltens. Neue Aufgaben und komplexes Verhalten können durch Beobachtung gelernt werden, und andere Personen stellen als Rollenmodelle oft wichtige Informationen für eigenes Verhalten in vielen sozialen Situationen zur Verfügung. Dabei wird nicht nur bewusst imitiert, sondern auch unbewusst (in der Literatur als mimicry bezeichnet). Für alle Arten der Imitation gilt, dass die psychologische Distanz zur imitierten Person variieren kann: Die imitierte Person kann räumlich fern oder nah sein (z.B. wenn man eine neue Aufgabe in direkter Interaktion lernt versus von einem Instruktionsfilm). Auch soziale Distanz kann variieren, wenn man Eigengruppenmitglieder versus Fremdgruppenmitglieder imitiert. Das vorgeschlagene Projekt soll untersuchen, inwiefern psychologische Distanz (z.B. räumliche, soziale, zeitliche Distanz), welche zu einer abstrakteren Repräsentation eines Verhaltens führt, Imitation beeinflusst. Ein Verständnis davon, wie psychologische Distanz Imitation beeinflusst ist u.a. deshalb wichtig, weil die Distanz zu Verhaltensmodellen im Alltag oft in vielen Aspekten variieren kann. Es ist geplant in zwei Subprojekten zu testen, ob und wie psychologische Distanz auf Imitation des Verhaltens anderer wirkt. Subprojekt A erforscht, wie Distanz die Imitation von globalen Zielen versus spezifischen Mitteln zur Zielerreichung beeinflusst. Dabei sind zehn Studien geplant, in denen die Hypothese überprüft wird, dass eine große Distanz zu einem beobachteten Verhalten (oder eine direkt manipulierte abstrakte Repräsentation des Verhaltens) eher zur Imitation von Zielen führt, während eine kleine Distanz (oder eine konkrete Repräsentation) eher zur Imitation von Ziel-Mitteln führt. Studien 1 und 2 testen diese Idee auf einer grundlegenden Stufe, d.h. mit einfachen Reaktions-Aufgaben. Studien 3-5 replizieren die Befunde mit sozial relevantem Verhalten, d.h. mit Spenden-Verhalten. Studien 6 und 7 sollen die Befunde generalisieren, indem andere Manipulationen als Distanz verwendet werden, welche die Repräsentation von Verhalten beeinflussen: Es wird angenommen, dass Verhalten von spezifischen Personen (versus von der "Durchschnittsperson", Studie 6) und Verhalten, das bildlich dargestellt ist (versus verbal, Studie 7), eher zur Imitation von Mitteln (versus Zielen) führt. Studien 8-10 untersuchen Situationen, in denen sehr konkrete Verhaltensrepräsentationen mit eigenen Zielen interferieren. Subprojekt B untersucht die Frage, ob psychologische Distanz auch unbewusstes mimicry von motorischem Verhalten beeinflusst. Es wird angenommen, dass motorisches Verhalten, das nur peripher mit einer Interaktion zu tun hat, eher konkret mental repräsentiert ist, während für die Interaktion zentrales motorisches Verhalten eher abstrakt mental repräsentiert ist. In dem vorgeschlagenen Projekt soll getestet werden, ob Distanz zu einer differenzierten Imitation von zentralen (versus peripheren) Gesten führt. Studien 11-13 überprüfen diese basale Hypothese mit der Imitation von Videomaterial. Studien 14 und 15 testen die Idee in einem realen Interaktionskontext. Studie 16 schließlich testet, ob das "Imitiert-Werden" die Wahrnehmung von Distanz beeinflusst. Es wird angenommen, dass, wenn eigene periphere (zentrale) Gesten imitiert werden, man die imitierende Person als näher (ferner) wahrnimmt.

Ein zentraler Aspekt des sozialen Miteinanders ist die Imitation des Verhaltens anderer Personen. Zum Beispiel werden neue Aufgaben oft durch Imitation erlernt; und anderer Personen dienen in vielen Situationen als soziale Modelle. Dabei kann die psychologische Distanz zwischen imitierender und imitierter Person variieren. Beispielsweise kann die imitierte Person räumlich nah oder fern sein (wenn man etwas in direkter Interaktion lernt im Vergleich zu aus einem Instruktionsfilm) oder zeitlich nah oder fern sein (wenn der Instruktionsfilm alt oder neu ist). In diesem Projekt untersuchten wir, wie sich die verschiedenen Dimensionen psychologischer Distanz auf das Imitationsverhalten auswirken. Unsere Forschung basiert auf der Construal Level Theory (Trope & Liberman, 2003, 2010), die einen Zusammenhang zwischen psychologischer Distanz und dem Abstraktionsgrad mentaler Repräsentationen postuliert. So führt psychologische Nähe eher zu konkreten Repräsentationen eines beobachteten Verhaltens, die mehr Details und Kontext-Aspekte (wie z.B. die Umsetzung eines Verhaltens und die konkreten Bewegungen) enthält. Psychologische Distanz begünstigt hingegen abstrakte Repräsentationen eines beobachteten Verhaltens, die u.a. Verhaltensziele beinhalten. Da unterschiedliche Distanzen zu einem beobachteten Verhalten zu unterschiedlichen mentalen Repräsentationen dieses Verhaltens führen, beeinflusst die Distanz auch die Imitation? Unser Projekt ging dieser Frage nach und fand, dass psychologische Nähe zu einer präziseren Imitation führt.Zum Beispiel zeigte sich, dass Versuchsteilnehmer, die eine neue Aufgabe per Video lernten, das im Video gezeigte Verhalten detaillierter und genauer imitierten, wenn ihnen zuvor gesagt wurde, dass Video sei in räumlicher Nähe oder erst vor Kurzem aufgezeichnet worden, als wenn ihnen zuvor gesagt wurde, das Video sei in räumlicher Ferne oder vor langer Zeit aufgezeichnet worden. Zusätzlich zeigte sich (in Kontexten, in denen es nicht um Lernen ging), dass Distanz eher als Nähe die Fehlerquote bei der Imitation von Zielen reduziert. Insgesamt kann also festgehalten werden, dass Nähe Bewegungsimitation fördert, während Distanz Zielimitation begünstigt. Dieser Einfluss von Nähe versus Distanz zeigte sich auch dahingehend, dass in einer direkten Interaktion Nähe eher als Distanz zur Imitation von (bedeutungsvollen) Gesten führt. Auch die unbewusste Imitation von Gesichtsausdrücken kann durch Distanz beeinflusst werden. So zeigte sich, dass Ärger -- eine Emotion, die eher mit dem Hier-und-Jetzt verknüpft ist als Traurigkeit -- eher imitiert wird, wenn ein gezeigter Gesichtsausdruck zeitlich nah erscheint, Traurigkeit hingegen eher imitiert wird, wenn der Gesichtsausdruck zeitlich fern erscheint. Unsere Forschung hat breitere Implikationen in denjenigen angewandten Feldern, in denen Distanzwahrnehmung kontrolliert werden kann, wie zum Beispiel bei E-Learning oder beim Einfluss von Rollen-Modellen. Da Nähe eher detaillierte Bewegungsimitationen fördert, Distanz jedoch eher die Übernahme genereller Verhaltensziele, sollte die Darstellung eines Verhaltens als "nah" oder "fern" das Lernen von Bewegungen oder von abstrakten Zielen begünstigen, je nach dem, was entsprechend der jeweiligen Stufe im Lernprozess gewünscht ist.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Yaacov Trope, New York University - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 107 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2020
    Titel The Snacking Chameleon: Psychological Proximity Increases Imitation of Food Intake Independently of Brand Choice
    DOI 10.5451/unibas-ep75750
    Typ Other
    Autor Bischoff
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Facial mimicry is independent of stimulus format: Evidence for facial mimicry of stick figures and photographs.
    DOI 10.1016/j.actpsy.2020.103249
    Typ Journal Article
    Autor Hansen J
    Journal Acta psychologica
    Seiten 103249
    Link Publikation
  • 2022
    Titel sj-docx-1-gpi-10.1177_13684302221128229 - Supplemental material for Existential threat and responses to emotional displays of ingroup and outgroup members
    DOI 10.25384/sage.21511178
    Typ Other
    Autor Wessler J
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Psychological Distance Reduces Literal Imitation: Evidence From an Imitation-Learning Paradigm
    DOI 10.1037/xhp0000150
    Typ Journal Article
    Autor Hansen J
    Journal Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance
    Seiten 320-330
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Temporal Closeness Promotes Imitation of Meaningful Gestures in Face-to-Face Communication
    DOI 10.1007/s10919-017-0256-1
    Typ Journal Article
    Autor Wessler J
    Journal Journal of Nonverbal Behavior
    Seiten 415-431
  • 2020
    Titel The Snacking Chameleon: Psychological Proximity Increases Imitation of Food Intake Independently of Brand Choice
    DOI 10.3390/foods9020228
    Typ Journal Article
    Autor Bischoff C
    Journal Foods
    Seiten 228
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Psychological Distance Modulates Goal-Based Versus Movement-Based Imitation
    DOI 10.1037/xhp0000654
    Typ Journal Article
    Autor Genschow O
    Journal Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance
    Seiten 1031-1048
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Existential threat and responses to emotional displays of ingroup and outgroup members
    DOI 10.1177/13684302221128229
    Typ Journal Article
    Autor Wessler J
    Journal Group Processes & Intergroup Relations
    Seiten 1866-1887
    Link Publikation
  • 2016
    Titel The effect of psychological distance on automatic goal contagion
    DOI 10.1080/23743603.2017.1288877
    Typ Journal Article
    Autor Wessler J
    Journal Comprehensive Results in Social Psychology
    Seiten 51-85
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Influencing support of charitable objectives in the near and distant future: delay discounting and the moderating influence of construal level
    DOI 10.1080/15534510.2016.1232204
    Typ Journal Article
    Autor Bischoff C
    Journal Social Influence
    Seiten 217-229
  • 2020
    Titel Imitation of counter-goal behavior: The role of psychological distance and level of construal
    DOI 10.1016/j.actpsy.2020.103164
    Typ Journal Article
    Autor Hansen J
    Journal Acta Psychologica
    Seiten 103164
    Link Publikation

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