Numerische Simulation von Semikonvektion in Exoplaneten
Numerical Simulation of Semiconvection in Exoplanets
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (15%); Physik, Astronomie (85%)
Keywords
-
Hydrodynamics,
Exoplanets,
Numerical Simulations,
Stellar Astrophysics,
Convection,
Turbulence
Die Erforschung von Exoplaneten hat sich zu einem der spannendsten Gebiete der Astrophysik entwickelt. Mittlerweile gilt die Existenz von über 700 Planeten außerhalb unseres Sonnen-systems als gesichert und laufend kommen neue Objekte hinzu. Für die Existenz von über doppelt so vielen weiteren Exoplaneten gibt es aus den bisherigen Beobachtungsdaten konkrete Hinweise. Für die Bestimmung der Grundeigenschaften, des Aufbaus und der Entwicklung von Exoplaneten werden die Ergebnisse bodengebundener Instrumente mit Beobachtungen von Satelliten aus kombiniert: Erst die Weltraummissionen COROT und Kepler (so wie MOST und in naher Zukunft hoffentlich BRITE und längerfristig die vorgeschlagene PLATO Mission) erlauben extrem lange Beobachtungsreihen unter optimalen, von der Erdatmosphäre ungestörten Sichtverhältnissen. Diese komplementieren das Datenmaterial bodengebundener Instrumente. Die theoretische Erforschung des Aufbaus und der Entwicklung von Exoplaneten ist unmittelbar mit der stellaren Astrophysik verknüpft, hat aber auch wichtige Verbindungen zur Geophysik. Sie wird durch die enorme Vielfalt von Objekten und Sonnensystemen vor völlig neue Heraus-forderungen gestellt. Wesentlich für das Verständnis der Entstehungs- und Entwicklungs-prozesse aller Planeten ist der Verlauf thermodynamischer Größen (Temperatur, Druck und Dichte) sowie der chemischen Zusammensetzung und auch der Aggregatszustände (gasförmig, flüssig, fest) von den direkt beobachteten äußeren Schichten (der Atmosphäre eines Planeten und eventuell einer festen Oberfläche) bis ins Zentrum dieser Objekte. Letzteres ist der direkten Beobachtung nicht zugänglich und wie bei Sternen kommt deshalb der numerischen, hydrodynamischen Simulation bei der Erforschung des Inneren von Planeten eine entscheidende Rolle zu. Das Forschungsprojekt "Numerische Simulation von Semikonvektion in Exoplaneten" soll anhand solcher numerischer, hydrodynamischer Simulationen für Gasriesen-planeten der Fragestellung nachgehen, welche Rolle konvektiven Prozessen beim Mischen von Material in Planeten und beim Wärmetransport, der sukzessiven Abkühlung des Planeten-inneren, zukommt. Konkret soll dabei folgenden Fragen nachgegangen werden: Sind die von der Geophysik inspirierten Modelle der Semikonvektion mit Schichten auch im Parameterbereich von Gasriesenplaneten gültig, insbesondere auch bei Scherströmungen und unter realistischer Mikrophysik? Wie effizient ist der Transport von Material bei geschichteter Semikonvektion? Kann dieser ausreichend genau in parametrischen Modellen wiedergegeben werden? Gelten diese Modelle auch bei rascher Rotation des Objekts? Die Erkenntnisse aus den numerischen Simulationen sollen somit dazu beitragen, die physikalischen Modelle von Aufbau und Entwicklung von Gasriesenplaneten und damit insbesondere von vielen der bisher bekannten Exoplaneten zu verbessern.
Das Projekt "Numerische Simulation von Semikonvektion in Exoplaneten" hat sich mit einer besonderen Art der Konvektion beschäftigt, die in der Astrophysik unter der Bezeichnung Semikonvektion bekannt ist. Entscheidend für ihr entstehen ist, dass es in Richtung der Schwerkraft einen Unterschied sowohl in der Temperatur als auch in der chemischen Zusammensetzung gibt. Strömt vom unteren Rand eines betrachteten Gebietes Wärme in das System und befindet sich am oberen Rand kühleres Fluid etwa Wasser, ein Gas, oder ein Plasma kann dies zum Einsetzen von Konvektion führen. Das passiert im Alltag (Kochtopf) genau so wie in der Meteorologie (Wolken, Thermik). Befindet sich aber leichteres Fluid (z.B. Wasserstoff) über schwerem (z.B. Helium), kann zunächst bei ausreichendem Konzentrationsgefälle der leichteren Komponente das Einsetzen von Konvektion ausbleiben. Semikonvektion entsteht nun dadurch, dass sich Wärme durch Diffusion im Fluid schneller ausbreitet als die Konzentration. Dadurch setzt Konvektion letztlich doch ein. Allerdings in einer besonderen Form: Es entstehen oft, aber nicht immer, Schichten, in denen das Fluid ganz durchgemischt wird und die von Bereichen getrennt werden, in denen Konvektion kaum auftritt. An diesen Stellen entsteht ein Konzentrations- und Wärmegefälle und damit Abstufungen (Schichten) im Fluid. Dieses Phänomen ist von den Ozeanen und großen Meeren bekannt, aber auch von Seen. In der Astrophysik tritt es am äußeren Rand von thermonuklearen Fusionszonen im Sterninneren auf, wenn diese konvektiv sind und sich dadurch ein Konzentrationsgefälle aufbaut. In Planeten, die zu den Gasriesen gezählt werden (wie etwa Jupiter oder Saturn oder zahlreiche weitere Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die daher als Exoplaneten bezeichnet werden), tritt das Phänomen im Prinzip ebenfalls auf, weil sich das schwere Material im Planetenkern schon bei der Entstehung ansammelt. Die Semikonvektion ist aber weniger effektiv als normale Konvektion: Radius und Wärmeabgabe des Planeten entwickeln sich daher verschieden. Das Projekt zielte darauf ab, den Einfluss verschiedener Anfangsschichtungen und von zusätzlichen, horizontal gerichteten Strömungen zu untersuchen, wie sie etwa durch die Rotation von Planeten entstehen. Im Projekt wurden zahlreiche Simulationsrechnungen durchgeführt, die den Einfluss dieser Effekte quantitativ beschreiben lassen. Der Einfluß einer Rotationsbewegung oder Scherströmung war dabei oft überraschend: Stabilisierende und destabilisierende Effekte können auftreten und erfordern eine genaue Beschreibung des physikalischen Systems. Die gewonnen Ergebnisse sind für die Astrophysik bedeutsam, primär für die Physik der Exoplaneten, aber auch für die Ozeanographie. Bei den für diese Simulationsarbeiten nötigen Entwicklungen wurden auch mathematische Rechenverfahren verbessert. Diese finden auch außerhalb der Astro- und Geophysik Verwendung.
- Universität Wien - 100%
- Florian Zaussinger, Hochschule Mittweida - Deutschland
- Gilles Chabrier, U.M.P.A. - Frankreich
- Inmaculada Higueras, Universidad Pública de Navarra - Spanien
- Isabelle Baraffe, University of Exeter - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 234 Zitationen
- 12 Publikationen
-
2015
Titel Semi-convection in the ocean and in stars: A multi-scale analysis DOI 10.1127/metz/2015/0643 Typ Journal Article Autor Kupka F Journal Meteorologische Zeitschrift Seiten 343-358 Link Publikation -
2017
Titel Mixing and overshooting in surface convection zones of DA white dwarfs: first results from antares DOI 10.1093/mnras/stx3119 Typ Journal Article Autor Kupka F Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Seiten 4660-4671 Link Publikation -
2017
Titel Modelling of stellar convection DOI 10.1007/s41115-017-0001-9 Typ Journal Article Autor Kupka F Journal Living Reviews in Computational Astrophysics Seiten 1 Link Publikation -
2017
Titel Semi-convective layer formation DOI 10.1088/1742-6596/837/1/012012 Typ Journal Article Autor Zaussinger F Journal Journal of Physics: Conference Series Seiten 012012 Link Publikation -
2018
Titel Numerical simulation of DA white dwarf surface convection DOI 10.1088/1742-6596/1031/1/012013 Typ Journal Article Autor Zaussinger F Journal Journal of Physics: Conference Series Seiten 012013 Link Publikation -
2019
Titel Solar p-mode damping rates: Insight from a 3D hydrodynamical simulation DOI 10.1051/0004-6361/201834223 Typ Journal Article Autor Belkacem K Journal Astronomy & Astrophysics Link Publikation -
2019
Titel Layer formation in double-diffusive convection over resting and moving heated plates DOI 10.1007/s00162-019-00499-7 Typ Journal Article Autor Zaussinger F Journal Theoretical and Computational Fluid Dynamics Seiten 383-409 Link Publikation -
2014
Titel Curvilinear grids for WENO methods in astrophysical simulations DOI 10.1016/j.cpc.2013.11.005 Typ Journal Article Autor Grimm-Strele H Journal Computer Physics Communications Seiten 764-776 Link Publikation -
2014
Titel Optimized strong stability preserving IMEX Runge–Kutta methods DOI 10.1016/j.cam.2014.05.011 Typ Journal Article Autor Higueras I Journal Journal of Computational and Applied Mathematics Seiten 116-140 Link Publikation -
2015
Titel Achievable efficiency of numerical methods for simulations of solar surface convection DOI 10.1016/j.cpc.2014.10.009 Typ Journal Article Autor Grimm-Strele H Journal Computer Physics Communications Seiten 7-20 Link Publikation -
2013
Titel Pulsation – convection interaction DOI 10.1017/s1743921313014294 Typ Journal Article Autor Kupka F Journal Proceedings of the International Astronomical Union Seiten 177-184 Link Publikation -
2015
Titel Multidimensional realistic modelling of Cepheid-like variables – II. Analysis of a Cepheid model DOI 10.1093/mnras/stv434 Typ Journal Article Autor Mundprecht E Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Seiten 2539-2552 Link Publikation