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Numerische Simulation von Semikonvektion in Exoplaneten

Numerical Simulation of Semiconvection in Exoplanets

Friedrich Kupka (ORCID: 0000-0002-7285-4801)
  • Grant-DOI 10.55776/P25229
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2012
  • Projektende 31.10.2017
  • Bewilligungssumme 325.647 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Informatik (15%); Physik, Astronomie (85%)

Keywords

    Hydrodynamics, Exoplanets, Numerical Simulations, Stellar Astrophysics, Convection, Turbulence

Abstract Endbericht

Die Erforschung von Exoplaneten hat sich zu einem der spannendsten Gebiete der Astrophysik entwickelt. Mittlerweile gilt die Existenz von über 700 Planeten außerhalb unseres Sonnen-systems als gesichert und laufend kommen neue Objekte hinzu. Für die Existenz von über doppelt so vielen weiteren Exoplaneten gibt es aus den bisherigen Beobachtungsdaten konkrete Hinweise. Für die Bestimmung der Grundeigenschaften, des Aufbaus und der Entwicklung von Exoplaneten werden die Ergebnisse bodengebundener Instrumente mit Beobachtungen von Satelliten aus kombiniert: Erst die Weltraummissionen COROT und Kepler (so wie MOST und in naher Zukunft hoffentlich BRITE und längerfristig die vorgeschlagene PLATO Mission) erlauben extrem lange Beobachtungsreihen unter optimalen, von der Erdatmosphäre ungestörten Sichtverhältnissen. Diese komplementieren das Datenmaterial bodengebundener Instrumente. Die theoretische Erforschung des Aufbaus und der Entwicklung von Exoplaneten ist unmittelbar mit der stellaren Astrophysik verknüpft, hat aber auch wichtige Verbindungen zur Geophysik. Sie wird durch die enorme Vielfalt von Objekten und Sonnensystemen vor völlig neue Heraus-forderungen gestellt. Wesentlich für das Verständnis der Entstehungs- und Entwicklungs-prozesse aller Planeten ist der Verlauf thermodynamischer Größen (Temperatur, Druck und Dichte) sowie der chemischen Zusammensetzung und auch der Aggregatszustände (gasförmig, flüssig, fest) von den direkt beobachteten äußeren Schichten (der Atmosphäre eines Planeten und eventuell einer festen Oberfläche) bis ins Zentrum dieser Objekte. Letzteres ist der direkten Beobachtung nicht zugänglich und wie bei Sternen kommt deshalb der numerischen, hydrodynamischen Simulation bei der Erforschung des Inneren von Planeten eine entscheidende Rolle zu. Das Forschungsprojekt "Numerische Simulation von Semikonvektion in Exoplaneten" soll anhand solcher numerischer, hydrodynamischer Simulationen für Gasriesen-planeten der Fragestellung nachgehen, welche Rolle konvektiven Prozessen beim Mischen von Material in Planeten und beim Wärmetransport, der sukzessiven Abkühlung des Planeten-inneren, zukommt. Konkret soll dabei folgenden Fragen nachgegangen werden: Sind die von der Geophysik inspirierten Modelle der Semikonvektion mit Schichten auch im Parameterbereich von Gasriesenplaneten gültig, insbesondere auch bei Scherströmungen und unter realistischer Mikrophysik? Wie effizient ist der Transport von Material bei geschichteter Semikonvektion? Kann dieser ausreichend genau in parametrischen Modellen wiedergegeben werden? Gelten diese Modelle auch bei rascher Rotation des Objekts? Die Erkenntnisse aus den numerischen Simulationen sollen somit dazu beitragen, die physikalischen Modelle von Aufbau und Entwicklung von Gasriesenplaneten und damit insbesondere von vielen der bisher bekannten Exoplaneten zu verbessern.

Das Projekt "Numerische Simulation von Semikonvektion in Exoplaneten" hat sich mit einer besonderen Art der Konvektion beschäftigt, die in der Astrophysik unter der Bezeichnung Semikonvektion bekannt ist. Entscheidend für ihr entstehen ist, dass es in Richtung der Schwerkraft einen Unterschied sowohl in der Temperatur als auch in der chemischen Zusammensetzung gibt. Strömt vom unteren Rand eines betrachteten Gebietes Wärme in das System und befindet sich am oberen Rand kühleres Fluid etwa Wasser, ein Gas, oder ein Plasma kann dies zum Einsetzen von Konvektion führen. Das passiert im Alltag (Kochtopf) genau so wie in der Meteorologie (Wolken, Thermik). Befindet sich aber leichteres Fluid (z.B. Wasserstoff) über schwerem (z.B. Helium), kann zunächst bei ausreichendem Konzentrationsgefälle der leichteren Komponente das Einsetzen von Konvektion ausbleiben. Semikonvektion entsteht nun dadurch, dass sich Wärme durch Diffusion im Fluid schneller ausbreitet als die Konzentration. Dadurch setzt Konvektion letztlich doch ein. Allerdings in einer besonderen Form: Es entstehen oft, aber nicht immer, Schichten, in denen das Fluid ganz durchgemischt wird und die von Bereichen getrennt werden, in denen Konvektion kaum auftritt. An diesen Stellen entsteht ein Konzentrations- und Wärmegefälle und damit Abstufungen (Schichten) im Fluid. Dieses Phänomen ist von den Ozeanen und großen Meeren bekannt, aber auch von Seen. In der Astrophysik tritt es am äußeren Rand von thermonuklearen Fusionszonen im Sterninneren auf, wenn diese konvektiv sind und sich dadurch ein Konzentrationsgefälle aufbaut. In Planeten, die zu den Gasriesen gezählt werden (wie etwa Jupiter oder Saturn oder zahlreiche weitere Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die daher als Exoplaneten bezeichnet werden), tritt das Phänomen im Prinzip ebenfalls auf, weil sich das schwere Material im Planetenkern schon bei der Entstehung ansammelt. Die Semikonvektion ist aber weniger effektiv als normale Konvektion: Radius und Wärmeabgabe des Planeten entwickeln sich daher verschieden. Das Projekt zielte darauf ab, den Einfluss verschiedener Anfangsschichtungen und von zusätzlichen, horizontal gerichteten Strömungen zu untersuchen, wie sie etwa durch die Rotation von Planeten entstehen. Im Projekt wurden zahlreiche Simulationsrechnungen durchgeführt, die den Einfluss dieser Effekte quantitativ beschreiben lassen. Der Einfluß einer Rotationsbewegung oder Scherströmung war dabei oft überraschend: Stabilisierende und destabilisierende Effekte können auftreten und erfordern eine genaue Beschreibung des physikalischen Systems. Die gewonnen Ergebnisse sind für die Astrophysik bedeutsam, primär für die Physik der Exoplaneten, aber auch für die Ozeanographie. Bei den für diese Simulationsarbeiten nötigen Entwicklungen wurden auch mathematische Rechenverfahren verbessert. Diese finden auch außerhalb der Astro- und Geophysik Verwendung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Florian Zaussinger, Hochschule Mittweida - Deutschland
  • Gilles Chabrier, U.M.P.A. - Frankreich
  • Inmaculada Higueras, Universidad Pública de Navarra - Spanien
  • Isabelle Baraffe, University of Exeter - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 234 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Semi-convection in the ocean and in stars: A multi-scale analysis
    DOI 10.1127/metz/2015/0643
    Typ Journal Article
    Autor Kupka F
    Journal Meteorologische Zeitschrift
    Seiten 343-358
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Mixing and overshooting in surface convection zones of DA white dwarfs: first results from antares
    DOI 10.1093/mnras/stx3119
    Typ Journal Article
    Autor Kupka F
    Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society
    Seiten 4660-4671
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Modelling of stellar convection
    DOI 10.1007/s41115-017-0001-9
    Typ Journal Article
    Autor Kupka F
    Journal Living Reviews in Computational Astrophysics
    Seiten 1
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Semi-convective layer formation
    DOI 10.1088/1742-6596/837/1/012012
    Typ Journal Article
    Autor Zaussinger F
    Journal Journal of Physics: Conference Series
    Seiten 012012
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Numerical simulation of DA white dwarf surface convection
    DOI 10.1088/1742-6596/1031/1/012013
    Typ Journal Article
    Autor Zaussinger F
    Journal Journal of Physics: Conference Series
    Seiten 012013
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Solar p-mode damping rates: Insight from a 3D hydrodynamical simulation
    DOI 10.1051/0004-6361/201834223
    Typ Journal Article
    Autor Belkacem K
    Journal Astronomy & Astrophysics
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Layer formation in double-diffusive convection over resting and moving heated plates
    DOI 10.1007/s00162-019-00499-7
    Typ Journal Article
    Autor Zaussinger F
    Journal Theoretical and Computational Fluid Dynamics
    Seiten 383-409
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Curvilinear grids for WENO methods in astrophysical simulations
    DOI 10.1016/j.cpc.2013.11.005
    Typ Journal Article
    Autor Grimm-Strele H
    Journal Computer Physics Communications
    Seiten 764-776
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Optimized strong stability preserving IMEX Runge–Kutta methods
    DOI 10.1016/j.cam.2014.05.011
    Typ Journal Article
    Autor Higueras I
    Journal Journal of Computational and Applied Mathematics
    Seiten 116-140
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Achievable efficiency of numerical methods for simulations of solar surface convection
    DOI 10.1016/j.cpc.2014.10.009
    Typ Journal Article
    Autor Grimm-Strele H
    Journal Computer Physics Communications
    Seiten 7-20
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Pulsation – convection interaction
    DOI 10.1017/s1743921313014294
    Typ Journal Article
    Autor Kupka F
    Journal Proceedings of the International Astronomical Union
    Seiten 177-184
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Multidimensional realistic modelling of Cepheid-like variables – II. Analysis of a Cepheid model
    DOI 10.1093/mnras/stv434
    Typ Journal Article
    Autor Mundprecht E
    Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society
    Seiten 2539-2552
    Link Publikation

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