Die Rolle von Cholesterin in der Regulation von Orai Kanälen
Cholesterol regulates Orai currents via an N-terminal cholesterol binding motif
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (90%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (10%)
Keywords
-
STIM1,
Electrophysiology,
Orai,
Structural Resolution,
Cholesterol,
NMR
Die beiden Proteine STIM1 und Orai sind ausreichend um den sehr gut charakterisierten Kalzium Einstrom "CRAC (Ca 2+ release-activated Ca2+) current" in die Zelle vollständig herzustellen. Zusätzlich regulieren eine Reihe anderer Proteine, wie beispielsweise SARAF, Junctate oder CRACR2A die STIM1/Orai-Signalkaskade. Nachdem STIM1 und Orai1 in Cholesterin-reichen Mikrodomänen in Zellmembranen detektiert wurden, behandelt dieses Projekt die Rolle von Cholesterin in der STIM1/Orai Regulierung. Meine ersten Experimente ergaben, dass eine chemisch induzierte Cholesterinentleerung der Plasmamembran, STIM1/Orai Ca2+ Ströme um das doppelte ansteigen lässt. Die Aminosäurensequenz des Orai N-terminus enthält eine mögliche Cholesterinbindestelle, welche perfekt mit dem Konsensusmotiv der sogenannten Cholesterinbindestelle "CRAC (cholesterol recognition/interaction consensus) motif" übereinstimmt. Weiters ist das Kriterium, dass das CRAC Motiv in der Nähe eine Transmembrandomäne auftreten sollte, erfüllt. An anderen Proteinen wurde bereits nachgewiesen, dass spezifische Punktmutationen das CRAC Motiv schwächen oder zerstören. Eine analoge Mutation in Orai1 zeigte einen vergleichbaren Anstieg des Ca2+ Stroms wie für Wildtyp-Proteine nach der Cholesterinentleerung der Plasmamembran. Desweiteren konnte mit Zirkulardichroismus nachgewiesen werden, dass ein Peptid des Aminoterminus, welcher das CRAC motif enthält, zum Teil eine alpha-helix bildet, welches ein weiteres Kriterium für das CRAC motif darstellt. Erste Fluoreszenzmessungen ergaben, dass die intrinsische Tryptophan- bzw Tryosin-Fluoreszenz in Gegenwart von Cholesterin wesentlich höhere ist, als in dessen Abwesenheit und zudem zeigt das Fluoreszenzmaximum eine Verschiebung, welche möglichweise auf eine stärker gefaltete Struktur hindeutet. Auf der Basis dieser ersten Ergebnisse möchte ich die Rolle von Cholesterin in der Regulation von STIM1/Orai einerseits funktionell mittels Ca2+ Konzentrations- wie auch elektrophysiologischen Messungen bestimmen. Andererseits werde ich mit Hilfe von biochemischen Methoden die direkte Bindung von Cholesterin an den Orai Aminoterminus nachweisen wie auch deren Bindung mittels Zirchulardichroismus und NMR strukturell auflösen. Weiters werden diese Studien durch die Bestimmung der Rolle von Cholesterin in Mastzelllinien wie auch Prostatakrebszelllinien vervollständigt. Zusammenfassend geben diese Analysen Einsicht in die Rolle von Cholesterin in der Regulation von Orai und lösen die Cholesterin Bindungsstelle strukturell auf.
Kalzium (Ca2+) Ionen spielen eine bedeutende Role im Immunsystem. Einer der bekanntesten Eintrittswege für Ca2+ in die Zelle sind die sogenannten Ca2+-release-activated Ca2+ (CRAC) - Ionenporen, welche sich in der Zellmembran befinden. Dieser Ca2+ Ionenkanal setzt sich aus zwei Komponenten: das STIM1- and Orai1-Protein zusammen. Im Rahmen dieses FWF-Projektes (P25210) wurde ein neues Konzept der Regulation dieser CRAC Ionenkanäle durch Cholesterin im Fachmagazin Science Signaling publiziert. Es wurde zum ersten Mal gezeigt, dass Cholesterin den Transport von Ca2+ über das Orai Protein in die Zelle senkt. Hiermit kann möglicherweise erklärt werden, warum Patienten mit einer beeinträchtigten Synthese von Cholesterin anfälliger für Allergien sind. Cholesterin zählt zu einem wichtigen Baustein der Zellmembranen bei Mensch und Tier. Wir haben zusammen mit einem internationalen Team das Cholesterin in der Zellmembran von Immunsystem- und Nierenzellen chemisch stark verringert und im Anschluss die Aktivität der Orai1 Kalzium-Ionenporen in der Zellmembran beobachtet. Normalerweise lassen diese Ionenporen nur dann Kalzium in die Zelle hinein, wenn es dort knapp wird. Hier konnten wir zeigen, dass eine Senkung des Cholesterinspiegels in den Membranen zu einer erhöhten Aktivität dieser Kalzium-Poren und somit zu einem erhöhten Kalzium- Einstrom in die Zelle führt. Daraufhin schütten sogenannte Mastzellen (das sind Immunzellen, welche eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen spielen) vermehrt Allergie-erregende Stoffe wie Histamine aus. Diese Abläufe könnten erklären, warum Personen mit einer Stoffwechselkrankheit namens Smith- Lemli-Opitz-Syndrom zu Allergien neigen. Diese Patienten weisen ein defektes Enzym auf, wodurch die Cholesterinsynthese nicht richtig ablaufen kann. Aus diesem Grund haben diese Patienten sehr wenig Cholesterin in den Zellmembranen, und bei ihnen wurde schon von einer anderen Forschungsgruppe eine erhöhte Freisetzung von Histaminen und anderen Allergie-erregenden Stoffen beobachtet. Cholesterin hemmt den Kalzium-Einstrom durch direkten Kontakt mit der Orai1-Pore. Mutationen an Orai1, welche die Bindung von Cholesterin hemmen, führen ebenfalls zu einer erhöhten Aufnahme von Kalzium, wie die Linzer Wissenschafter gemeinsam mit zwei anderen Forschungsgruppen in Graz und in Toronto (Kanada) zeigen konnte.
- Universität Linz - 100%
Research Output
- 559 Zitationen
- 9 Publikationen
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2016
Titel Cholesterol modulates Orai1 channel function DOI 10.1126/scisignal.aad7808 Typ Journal Article Autor Derler I Journal Science Signaling Link Publikation -
2017
Titel Communication between N terminus and loop2 tunes Orai activation DOI 10.1074/jbc.m117.812693 Typ Journal Article Autor Fahrner M Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 1271-1285 Link Publikation -
2017
Titel Authentic CRAC channel activity requires STIM1 and the conserved portion of the Orai N terminus DOI 10.1074/jbc.m117.812206 Typ Journal Article Autor Derler I Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 1259-1270 Link Publikation -
2017
Titel The STIM-Orai Pathway: The Interactions Between STIM and Orai DOI 10.1007/978-3-319-57732-6_4 Typ Book Chapter Autor Fahrner M Verlag Springer Nature Seiten 59-81 -
2012
Titel The action of selective CRAC channel blockers is affected by the Orai pore geometry DOI 10.1016/j.ceca.2012.11.005 Typ Journal Article Autor Derler I Journal Cell Calcium Seiten 139-151 Link Publikation -
2016
Titel Molecular mechanisms of STIM/Orai communication DOI 10.1152/ajpcell.00007.2016 Typ Journal Article Autor Derler I Journal American Journal of Physiology-Cell Physiology Link Publikation -
2013
Titel The STIM1/Orai signaling machinery DOI 10.4161/chan.26742 Typ Journal Article Autor Fahrner M Journal Channels Seiten 330-343 Link Publikation -
2013
Titel The Extended Transmembrane Orai1 N-terminal (ETON) Region Combines Binding Interface and Gate for Orai1 Activation by STIM1* ? DOI 10.1074/jbc.m113.501510 Typ Journal Article Autor Derler I Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 29025-29034 Link Publikation -
2015
Titel A calcium-accumulating region, CAR, in the channel Orai1 enhances Ca2+ permeation and SOCE-induced gene transcription DOI 10.1126/scisignal.aab1901 Typ Journal Article Autor Frischauf I Journal Science Signaling Link Publikation