Entwicklung moderner Kunstmuseen im postsowjetischen Raum
Creating Contemporary Art Museums in the Post-Soviet Space
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (75%)
Keywords
-
Museum Studies,
Cultural Studies,
Post-Soviet States,
1991-2011,
Contemporary art museums
Der postsowjetische Raum verzeichnete in den letzten Jahren einen regelrechten Boom an Museumsum- und - neubauten, Masterplänen, zeitgemäßen innenarchitektonischen Entwürfen und Architekturwettbewerben, die selbst hohen internationalen Standards entsprechen. Von Riga bis Vilnius, von Moskau bis St. Petersburg werden Museen von international bekannten Architekten - wie Rem Koolhaas, Lord Norman Foster, Frank O. Gehry und Zaha Hadid - entwickelt. Slogans wie PermBao - ein Kunstwort aus Perm, der Kapitale im Ural, und der zweiten Silbe von Bilbao - verweisen auf den höheren Stellenwert, den Museumsplaner und Kulturpolitiker Museumsbauten beimessen - auch in Bezug auf Impulse, die von ihnen in einem weiteren Sinn auf die Stadterneuerung ausgehen. In Rußland, hat die Regierungspartei Einiges Rußland 2010 das Programm der "Kulturallianz" angenommen, das die nachhaltige landesweite Entwicklung von zeitgenössischen Kunstmuseen vorsieht. Das Projekt untersucht erstmals die komplexen Beziehungen von Kunst, ökonomischem Kapital und politischer Macht im postsowjetischen Raum. Thematisch liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung der zeitgenössischen Kunstmuseen der letzten zwanzig Jahre - von den Anfängen im alternativen Bereich bis hin zur grundlegenden Neuplanung von Museen und zu zentralen kulturpolitischen Anforderungen der letzten Jahre. Gegenstand der Untersuchung sind ferner die treibenden Kräfte dieser Institutionalisierung Mitglieder der föderalen, regionalen und lokalen Kulturbürokratie, kulturell aktive Repräsentanten der neuen ökonomischen Elite und Einzelpersonen, die nachhaltig diesen Prozeß beeinflußten. Chronologisch umfaßt das Projekt die Zeit von 1991-2011, inklusive eines Überblicks über die grundlegenden kulturpolitischen Weichenstellungen im Zuge der Perestrojka. Geographisch liegt der Fokus auf der Rußländischen Föderation, eingebunden in die allgemeine postsowjetische Entwicklung. Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein Nachfolgeprojekt zu Postsowjetische Kunstmuseen im Zeitalter der Globalisierung, das der FWF bis 2011 finanzierte. Diese Vorgängerstudie analysierte international erstmals die Transformation postsowjetischer Museen seit dem Ende des Kommunismus. Sie deckte einen breiten geographischen Raum ab (Baltische Staaten, Ukraine, Rußland) und inhaltlich ein ebenso breites Spektrum: Die Forschungsergebnisse beschreiben die museologische Neuausrichtung (u. a. die Neubewertung von zuvor tabuisierten Kunstströmungen wie der Avantgarde, der Moderne, der Ikonenmalerei und des Nonkonformismus) ebenso wie regional unterschiedliche Entwicklungen bis hin zur generellen Neupositionierung von Kunstmuseen. Die nun angestrebte Fokussierung auf den zeitgenössischen Museumsbereich greift ein wesentliches Desiderat der internationalen Forschung auf. Das Projekt nutzt Ergebnisse der Vorgängerstudie, verdichtet, erweitert und ergänzt diese im geänderten Kontext; es basiert auf einer umfassenden empirischen Daten- und Quellenlage, großteils in russischer Sprache, und einem breiten komparativen Rahmen. Das thematisch wie methodisch innovative Vorhaben wird disziplinübergreifende Ansätze aus der internationalen museums- und kulturwissenschaftlichen Forschung (u. a. ZKM Karlsruhe) sowie der Kultursoziologie kombinieren. Die Ergebnisse werden in akademischen Foren diskutiert, überprüft und als umfangreiche interdisziplinäre Studie im Einklang mit der Open-Access-Policy des FWF publiziert.
Seit dem Millennium befindet sich der postsowjetische Museumsbereich im Umbruch: Neue Museumsprojekte, Erweiterungsbauten, Masterpläne, innenarchitektonische Entwürfe und Architekturwettbewerbe entsprechen hohen internationalen Standards. Von Riga bis Vilnius, von Moskau bis St. Petersburg planen international bekannte Architekten die Neugestaltung wie die Pritzker-Preisträger Rem Koolhaas, Lord Norman Foster, Shigeru Ban, Renzo Piano und Zaha Hadid. Projektentwickler und Politik gehen konzertiert vor: Kultur- und Museumsprojekte werden zunehmend in einen breiteren Kontext gestellt. Sie fungieren als Katalysator für Stadtentwicklung. Slogans wie PermBao ein Kunstwort aus Perm, der Kapitale im Ural, und Bilbao veranschaulichen diesen Trend, der 2008 seinen Anfang mit dem PERMM Projekt nahm. In Russland hat die Regierungspartei Einiges Russland 2010 das Programm der Kulturallianz angenommen, das die nachhaltige landesweite Entwicklung von zeitgenössischen Kunstmuseen vorsah. Die Entwicklung in den Jahren danach verlief wechselhaft und parallel zum staatlichen und jeweiligen lokalen kulturpolitischen Kurs unterschiedlich. Ungeachtet der mit 2012 zunehmenden Repression kam es auf staatlicher wie auf kommunaler Ebene zu einer Expansion und Erneuerung der Museen (etwa durch den regionalen Ausbau des staatlichen Museumsnetzwerks NCCA, den bewilligten Neubau New NCCA, das 2015 bereits realisierte Projekt GARAGE im Moskauer Gorkipark u. a.).Das Projekt untersuchte die komplexen Beziehungen von Kunst, ökonomischem Kapital und Politik im neuen Russland. Thematisch lag der Schwerpunkt auf der Entwicklung der zeitgenössischen Kunstmuseen der letzten zwanzig Jahre von den alternativen Anfängen der Perestroikazeit bis hin zur grundlegenden Neuorientierung von Kunst(-institutionen) im internationalen Kontext. Gegenstand der Studie waren ferner die treibenden Kräfte dieser Institutionalisierung Repräsentanten der föderalen, regionalen und lokalen Kulturbürokratie, der neuen ökonomischen Elite und Einzelpersonen, die diesen Prozess nachhaltig beeinflussten. Von Relevanz erwies sich die Analyse der zeitlich wie regional teils stark variierenden kulturpolitischen Zielsetzungen. Die Fokussierung auf den zeitgenössischen Museumsbereich griff ein wesentliches Desiderat der internationalen Forschung auf. Das Projekt basiert auf einer dichten empirischen Daten- und Quellenlage, großteils in russischer Sprache. Es nutzte digitales amtliches Material, das seit (der in der Ära Medwedew konzipierten) Reform Open Government RU auf einschlägigen Webseiten und Portalen zugänglich ist. Die Ergebnisse der thematisch und methodisch innovativen Arbeit wurden in akademischen Foren mit führenden Experten aus der Praxis diskutiert und überprüft. Sie wurden als umfangreiche interdisziplinäre Studie im Einklang mit der Open-Access-Policy des FWF publiziert. Die Studie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Museums- und Kulturwissenschaft Osteuropas.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 1 Zitationen
- 7 Publikationen
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2015
Titel Glocal Affairs: Art Biennials in Context. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bayer Wm Konferenz Conference report in English [Tagungsbericht], 27.04.2015, Graz, in: H-Soz-Kult, 09.07.2015 -
2017
Titel Moscow Contemporary, FWF-E-Book Typ Other -
2022
Titel Filantropija.ru I Kunst- und Museumsstiftungen der Moskauer Wirtschaftselite DOI 10.5281/zenodo.6631165 Typ Preprint Autor Bayer W Link Publikation -
2022
Titel Filantropija.ru I Kunst- und Museumsstiftungen der Moskauer Wirtschaftselite DOI 10.5281/zenodo.6631164 Typ Preprint Autor Bayer W Link Publikation -
2012
Titel Einschneidende Zäsur: Zum Umbruch in der Moskauer Galerienszene. Typ Journal Article Autor Bayer W Journal PARNASS -
2016
Titel MOSCOW CONTEMPORARY : Museen zeitgenössischer Kunst im postsowjetischen Russland DOI 10.26530/oapen_625410 Typ Book Autor Bayer W Verlag OAPEN Foundation Link Publikation -
2013
Titel Manege frei! Catherine de Zegher kuratierte die V. Moskauer Biennale für zeitgenössische Kunst. Typ Journal Article Autor Bayer W Journal PARNASS