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Die Hügelgräber von Zentraltibet

The Burial Mounds of Central Tibet

Guntram Hazod (ORCID: 0000-0003-1265-3925)
  • Grant-DOI 10.55776/P25066
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2013
  • Projektende 28.02.2017
  • Bewilligungssumme 272.399 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (10%); Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (35%); Sprach- und Literaturwissenschaften (45%)

Keywords

    Tibet, Archaeology, Historical anthropology, Burial mound, History, Ritual

Abstract Endbericht

Lange vor der Gründung des tibetischen Reiches begann man in den politischen Kerngebieten des Hoch-landes die Verstorbenen in Hügelgräbern zu bestatten. Die Gräberfelder liegen im Umkreis der alten, von patrilinearen Klans dominierten Lokalherrschaften des frühen Zentraltibet. Einige dieser Anlagen aus aufgeschütteter Erde konnten in der Zeit des Reiches (7. - 9.Jh. n.u.Z.) beträchtliche Ausmaße annehmen, - vergleichbar mit den bekannten Erd- Mausoleen der tibetischen Reichskönige im Tal von Chongye. Der Beginn dieser Bestattungsform in Tibet ist unklar, doch ist sie für Zentraltibet zumindest für das 4. Jh. n.u.Z. anzusetzen. Sie endete Anfang 10.Jh. Das Forschungsprojekt beabsichtigt eine erste umfassende Studie und Dokumentation zu dieser "Tumulus Tradition", die innerhalb des Hochlandes in Zentraltibet (den heutigen Provinzen von Ü Tsang) die größte Verbreitung und vermutlich auch ihren Ursprung hatte. Die Ausgangssituation für die Forschung bilden die Daten aus jüngsten Erhebungen in Zentraltibet; das bezieht sich einerseits auf die Ergebnisse von ersten Besuchen von Dutzenden von Gräberfeldern durch den Antragsteller in den vergangenen Jahren, andererseits auf die Daten aus den im Zuge des Projektes geplanten Feldforschungen von weiteren 4050 Feldern, die heute bereits durch Satellitenaufnahmen identifiziert werden konnten. Diese einmaligen neuen Zeugnisse der vorbuddhisti-schen Geschichte des Landes sind großteils der Forschung unbekannt, und neben der Feldforschung bildet daher ihre Dokumentation eine vorrangige Aufgabe in dem Projekt, in Form einer detaillierten Beschreibung, sowie einer photographischen, graphischen und kartographische Illustration. Die Aufnahmen inkludieren auch eine erstmalige (westliche) archäologische Untersuchung der tumulus von Central Tibet, bezogen auf den Bereich der Landschaftsarchäologie. Die empirischen Daten bilden ge-meinsam mit den relevanten textlichen Quellen und den heute zugänglichen archäologischen Funden die Grundlage für historische und anthropologische Studien zu diesen Monumenten und zu ihren Kontext von Ritual, Klan and politischer Geographie zur Zeit des Reiches und davor. Diese Studien berücksichti-gen auch die Perspektiven aus Nachbardisziplinen (Architektur, Kunstgeschichte, Geographie) und inkludieren in ihren Analysen historisch vergleichbare Daten aus dem Hochland und den Kulturen des innerasiatischen Raumes. Die interdisziplinäre Forschung kooperiert mit mehreren Einrichtungen im In- und Ausland, allen voran mit der tibetischen Akademie für Sozialwissenschaften in Lhasa (TASS), und wird am Institut für Sozialanthropologie (ISA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eingerichtet. Neben Einzelstudien in wissenschaftlichen Zeitschriften ist eine Präsentation der Ergebnisse in Buchform geplant, sowie die Erstellung einer detaillierten "Tibetan Tumulus" website, worin unter anderen auch ein umfassender Platznamenkatalog zu Zentraltibet in digitalisierter Form zugänglich gemacht werden wird.

Das historische und anthropologische Forschungsprojekt, das am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt wurde widmete sich erstmalig in umfassender Weise der Geschichte der tibetischen Hügelgräbertradition. Diese geht auf die Zeit der prähistorischen Kleinfürstentümer im Hochland (ca. 4. - 6. Jh. u.Z.) zurück und fand in Hinblick auf Bauweise der Gräber und Ritual eine bedeutende Erweiterung in der Zeit des tibetischen Reiches (7.-9. Jh.). Geographisch konzentrierte sich die Arbeit auf Zentraltibet, das Gebiet um Lhasa und die Seiten-täler des Brahamputra. Diese vorwiegend agrarische Region bildete seit jeher das kulturelle und politische Zentrum im tibetischen Hochland und abgesehen von einem kleineren Gebiet in Nordosttibet war es auch das Hauptverbreitungsgebiet der tibetischen Hügelgräber. Eine unmittelbare Verwandtschaft mit den Hügelgräbern benachbarter älterer Kulturen in Zentralasien und der Seidenstraßen-region gilt als sehr wahrscheinlich; die Dichte an Gräberfeldern und auch bestimmte äußerliche Kriterien wie die charakteristische Trapezform machen die tibetischen Hügelgräber aber einzigartig. Das Projekt konnte mehrere hundert Gräberorte identifizieren, von deren Existenz die Forschung großteils nichts wusste. Es handelt sich bei den regionalen, außerhalb der kaiserlichen Nekropole liegenden Stätten meist um gemischte Felder, mit kleineren runden Gräbern und gemauerten, größeren, oft mit mehreren Kammern versehenen Anlagen, die der militärischen und zivilen Elite aus der Zeit des Reiches zuzuordnen sind. Viele dieser Gräberfelder wurden mittels hochauflösender Satellitenaufnahmen entdeckt, die auch den Ausgangspunkt für ausgewählte systematische vor Ort Untersuchungen bildeten. Trotz behördlicher Einschränkungen betreffend Zugang zu den Orten in der Autonomen Region Tibet und auch in Hinblick auf den Einsatz technischer Mittel brachten die Feldforschungen reichhaltige Ergebnisse im Bereich der ethnographischen Datensammlung, der oberflächen- und landschaftsarchäologischen Untersuchungen sowie auch der architektonischen Re-konstruktion von (historisch) geöffneten Gräbern. Angesichts der enormen Datensammlung lag zu-nächst der Schwerpunkt auf der Dokumentation der Gräberfelder, zu der nach und nach Analysen kombiniert mit textlichen Quellenstudien hinzutraten, die sich auf den historischen Kontext der regionalen Felder konzentrierten, auf Fragen der sozialen und politischen Implikationen sowie der rituellen Aspekte von Bestattung, die auch eine erste Klärung des komplexen Sachverhaltes der Gräberorientierung beinhalteten. Die Daten geben insgesamt Einblick in eine bisher unbekannte Dimension der vor-buddhistischen Kulturen Tibets und enthalten bedeutendes Vergleichsmaterial zur Archäologie und Geschichte der Hügelgräbertraditionen in den größeren euroasiatischen kulturellen Kontexten.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

Research Output

  • 18 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2017
    Titel Reconstruction of the West Tibetan temples of Khorchag: The Lhakhang Chen-mo.
    Typ Book Chapter
    Autor Allinger
  • 2016
    Titel Shul bzhag 'khyam po lha sa'i rdo ring gi gnas gzhi dang po rnyed pa (Revised version in Tibetan of "Wandering Monuments", Hazod 2010).
    Typ Journal Article
    Autor Hazod G
    Journal Orientations.
  • 2022
    Titel Material Aspects of Building and Craft Traditions
    DOI 10.1553/978oeaw82184
    Typ Book
    Autor Feiglstorfer H
    Verlag Osterreichische Akademie der Wissenschaften, Verlag
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Art and Architecture in Ladakh
    DOI 10.1163/9789004271807
    Typ Book
    Autor Lo Bue E
    Verlag Brill Academic Publishers
  • 2014
    Titel From the “Good Tradition” to Religion on Some Basic Aspects of Religious Conversion in Early Medieval Tibet and the Comparative Central Eurasian Context
    DOI 10.1080/02757206.2014.933107
    Typ Journal Article
    Autor Hazod G
    Journal History and Anthropology
    Seiten 36-54
  • 2013
    Titel The plundering of the Tibetan royal tombs: An analysis of the event in the context of the uprisings in Central Tibet of the 9th/ 10th century,
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Hazod G
    Konferenz Cüppers, Mayer (eds), Between Empire and Phyi dar: The Fragmentation and Reconstruction of Society and Religion in Post-imperial Tibet (LIRI Seminar Proceeding).
  • 2013
    Titel Review: "Alex McKay and Anna Balikci-Denjongpa (eds). 2011. Buddhist Himalaya: Studies in Religion, History and Culture.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Hazod G
    Konferenz Proceedings of the Golden Jubilee Conference of the Namgyal Institute of Tibetology, Gangtok, 2008 (Gangtok: Namgyal Institute of Tibetology). Volume I: Tibet and the Himalaya (Hazod), and volume II: The Sikkim Papers (Vandenhelsken), European Bulletin of Himalayan Studies
  • 2015
    Titel Architecture and Conservation: Proceedings of the 13th Seminar of the International Association for Tibetan Stuies, Ulaanbaatar 2013.
    Typ Journal Article
    Autor Heiglstorfer H
    Journal Herausgabe Proceedings.
  • 2015
    Titel The lions of 'Chad kha: A note on new findings of stone monuments in Central Tibet from the Tibetan imperial period,
    Typ Book Chapter
    Autor Hazod G
  • 2014
    Titel The stele in the centre of the Lhasa Mandala: About the position of the 9th-century Sino-Tibetan treaty pillar of Lhasa in its historical-geographical and narrative context.
    Typ Book Chapter
    Autor Hazod G
  • 0
    Titel The Illuminating Mirror: Tibetan Studies in Honour of Per K. Sørensen on the Occasion of his 65th Birthday (Contributions to Tibetan Studies).
    Typ Other
    Autor Czaja O

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