Die sekundären nominalen Wortbildungsmuster des Altalbanischen
The secondary nominal word-formation patterns of Old Albanian
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (5%); Sprach- und Literaturwissenschaften (95%)
Keywords
-
Albanology,
Word-Formation,
Philology,
Balkan Linguistics,
Lexicography,
Historical Linguistics
Ziel des Projekts ist eine synchrone und diachrone Untersuchung der sekundären nominalen Wortbildungsmuster (Substantive und Adjektive) des Altalbanischen im Rahmen moderner syn- und diachroner Linguistik. Die Untersuchung basiert primär auf dem ältesten albanischen Dokument, dem 1555 vom katholischen Geistlichen Gjon Buzuku in der gegischen Varietät verfassten sogenannten `Missale`. Zusätzlich zu diesem überaus wichtigen Dokument werden auch die sekundären nominalen Wortbildungsmuster in den umfangreichen Werken vier weiterer altalbanischer (altgegischer) Autoren untersucht: Pjetr Budi, Dottrina christiana 1618, Rituale Romanum 1621, Speculum confessionis 1621, Pjetr Bardhi, Dictionarium Latino-Epiroticum 1635, Pjetr Bogdani, Cuneus prophetarum 1685, und das anonyme Kuvendi i Arbnit 1706. Darüberhinaus werden auch zwei repräsentative alt- toskische Dokumente einbezogen: Lek Matrnga, Dottrina cristiana 1592, Jul Variboba, Gjella e Shn Mris Virgjr 1762. Bekanntlich ist durch Verlust und Neuschöpfung lexikalischer Einheiten das Lexikon der dynamischste Teil der Sprache, wobei die Neuschöpfung nach semantisch und morphologisch genau definierten Regeln erfolgt. Eine genaue Untersuchung der Wortbildungsregeln der sekundären nominalen Wortbildung des Altalbanischen ermöglicht einen exakten Einblick in die Dynamiken der nominalen Derivation in der Geschichte des Albanischen überhaupt. Folgende Punkte werden im Detail untersucht: 1) Die Semantik jedes sekundären nominalen Wortbildungsmusters wird auf der Basis verschiedener semantischer Funktionen im Detail untersucht. Besonders untersucht werden Wortartwechsel. 2) Die morphologischen Regeln der jeweiligen Derivationsprozesse werden untersucht und dargestellt. Auch die altalbanischen Pluralbildungen werden untersucht. 3) Die Produktivität der sekundären nominalen Wortbildungsmuster wird beschrieben. 4) Die diachrone Vorgeschichte der Prä- und Suffixe der Wortbildungsmuster wird auf der Basis moderner diachroner Linguistik ermittelt. Untersucht werden auch die türkischen Lehnwörter des Altalbanischen. 5) Zusätzliche Informationen werden zu den möglichen lateinischen Vorlagen der altalbanischen Belege gegeben, die vorhandene Literatur zur albanischen Wortbildung wird eingearbeitet. 6) Es wird ein vollständiges Wörterbuch aller sekundären nominalen Belege des ausgewählten Korpus erstellt. Als Modell für die Darstellung der Wortbildungsmuster wird eine Adaption der Präsentation von deutschen Wortbildungsmustern durch Motsch 2004 angewendet. Mit diesem Projekt erfolgt zum ersten Mal in der Albanologie eine detailierte semantische, morphologische und diachrone Untersuchung und Darstellung der altalbanischen sekundären nominalen Wortbildungsmuster ebenso wie ein vollständiges Belegwörterbuch sekundärer Nomina in den hauptsächlichsten altalbanischen Dokumenten.
Das Projektziel war die Untersuchung und Darstellung der sekundären nominalen Wortbildung bzw. Wortbildungsmuster des Altalbanischen. Darunter versteht man die auf synchroner Ebene transparente, d.h. für die Sprecher verständliche und analysierbare Bildung von Substantiven und Adjektiven, die nach dem Vorbild bestimmter Kombinationen von formalem Ausdruck und semantischem Inhalt die Ableitung neuer Lexeme ermöglicht. Die Transparenz geht einher mit der Aktivität (Produktivität) dieser Muster und hebt diese Wortbildungskategorie von den inaktiven primären Wortbildungsmustern ab, deren Bildemechanismen und Ableitungen synchron nicht mehr transparent und daher nur mehr im Rahmen etymologischer Untersuchungen zugänglich sind.Untersuchungsgegenstand war das Altalbanische, die vom 16.-18. Jh. nach Chr. in theologischen Werken bzw. Wörterbüchern überlieferte ältere Sprachstufe der heutigen neualbanischen Sprache. Als Textbasis wurde das umfangreiche Seelsorgehandbuch des katholischen Priesters Gjon Buzuku von 1555, das älteste Dokument der altalban. Literatur, gewählt, dessen Wortbildungsmuster ermittelt, klassifiziert und mit dem Befund der übrigen altalbanischen Dokumente verglichen wurden.Die Untersuchung wurde auf philologischer Grundlage durchgeführt. Die Darstellung der Wortbildungsmuster bei Buzuku erfolgt nach synchron-semantischen Kriterien (d.h. es werden An- gaben zur Semantik, Morphologie und Produktivität gemacht, sowie ein Wörterbuch der Belege gegeben). Im Verlauf der Untersuchung zeigte sich, dass die diachronen Hintergründe der bei der Wortbildung verwendeten Affixe, in der Hauptsache Suffixe, intensiver als geplant zu untersuchen waren, da bisherige Stellungnahmen methodisch oft veraltet, wenn nicht sogar falsch sind. Gerade auf Basis einer streng philologischen Bearbeitung können so mehrere neue historische Erklärungen und neue Bewertungen gegeben werden: einige Wortbildungsmuster sind nicht mehr als ererbte Mittel anzusehen, sondern als Entlehnungen aus dem intensiven Sprachkontakt des Albanischen mit den anderen Sprachen Südosteuropas. Ein besonders innovativer Ansatz be- steht unter anderem in einer Neubewertung der altalban. nominalen Kompositionsbildungen, die nicht mehr als Erbe indogermanischer Wortbildung betrachtet werden, sondern als eine im Ver- lauf der alban. Sprachgeschichte aus dem Sprachkontakt mit anderen Sprachen Südosteuropas neu aufgekommene Wortbildungskategorie. Als ein Ergebnis des Sprachkontakts wurden im Übrigen auch die bei Buzuku belegten Turzismen (türkische Lehnwörter) erstmals vollständig erfasst und beschrieben.Die Notwendigkeit einer Untersuchung der sekundären nominalen Wortbildung des Altalbanischen ergab sich daraus, dass bisher nur die sekundäre nominale Wortbildung des modernen Neualbanischen ausführlich untersucht wurde. Eine gründliche, philologisch basierte Untersuchung der sekundären nominalen Wortbildung des Altalbanischen nach moderner linguistischer Methodik stellte bisher eine Lücke in der Erforschung des älteren Albanischen dar, die von einer 1998 in Prishtina publizierten, überaus mangelhaften Monographie zur altalban. nominalen Wortbildung in keiner Weise geschlossen werden konnte. Mit der hier vorgelegten Untersuchung, die 2016 als Monographie erscheint, wird erstmals eine durchgehende Betrachtung der sekundären nominalen Wortbildung des Albanischen möglich, indem Wortbildungsmuster von der Erstbezeugung im 16. Jh. bis zur Gegenwart nachverfolgt werden können. Was die primäre Textbasis, das Seelsorgehandbuch des Buzuku, betrifft, so wurden alle Belegstellen der einzelnen Wortbildungs- derivate vollständig in Form eines Belegwörterbuchs erfasst. Die Einbeziehung der Ableitungen auch in den anderen altalban. Dokumenten macht diese Untersuchung schließlich zu einer Grundlagenforschung im Bereich der altalbanischen Lexikographie.Die Projektergebnisse sind von Interesse nicht nur für die Albanologie, die vielfach die altalban. Dokumente bisher ausgeblendet hat, sondern auch für Fragen der sekundären nominalen Wortbildung im Rahmen der Balkanologie sowie auch der syn- und diachronen Sprachwissenschaft. Mit den hier vorliegenden Ergebnissen wird es für diese Forschungsdisziplinen erstmals möglich, auch das ältere Albanische adäquat bei Fragen der nominalen Wortbildung miteinzubeziehen.
- Stadt Wien - 100%
- Emil Lafe, Sonstige Forschungs- oder Entwicklungseinrichtungen - Albanien
- Irene Balles, Universität Bonn - Deutschland
- Petra Maria Vogel, Universität-Gesamthochschule Siegen - Deutschland
- Monica Genesin, Universita degli Studi di Lecce - Italien
Research Output
- 4 Publikationen
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2014
Titel Das Lexikon der sexuellen Sphäre bei den altalbanischen (altgegischen) Autoren. Typ Journal Article Autor Matzinger J -
2013
Titel Conci?i Provintiaa?i o Cuvendi j Arbenit (Roma 1706). Botim kritik. Teksti kritik - përgatitur dhe pajisur me shënime si edhe me konkordancat leksikore nga BARDHYL DEMIRAJ. DOI 10.29091/kratylos/2013/1/27 Typ Journal Article Autor Matzinger J Journal Kratylos Seiten 223-226 -
2013
Titel Nuovi indizi su Buzuku. Alcune osservazioni sul volume "Shqipria e rigjetur - Albania ritrovata" di Lucia Nadin. Typ Journal Article Autor Matzinger J Journal Hylli i Dritës -
2013
Titel Shqip bei den altalbanischen Autoren des 16.-18. Jahrhunderts. Typ Journal Article Autor Matzinger J