Vom Kaiserforum zum Kulturforum Hofburg-Museums-Quartier
From ´Kaiserforum´ to Culture Forum Hofburg-Museums-Quartier
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Bauwesen (25%); Kunstwissenschaften (50%)
Keywords
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Viennese Hofburg,
Museumsquartier,
Urban culture,
Culture districts,
Urban Development
Das 2011 abgeschlossene FWF-Projekt zur "Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg seit 1918" hat für den ehemaligen Residenzbezirk eine neue Bedeutungssituation herausgestellt: Mit der Errichtung eines Museumsquartiers in den barocken Hofstallungen entstand für den seit 1918 heterogen genutzten ehemaligen Residenzkomplex erneut eine funktionale Klammer die des ,Museums- oder Kulturbezirks`; damit erhielt die auf Planungen des 19. Jahrhunderts zurückgehende Idee eines Forums als kulturelles Zentrum einer modernen Hauptstadt` neue Relevanz. Aus dieser Funktions- und Bedeutungsverlagerung des ehemaligen Residenzquartiers zu einem der wichtigen europäischen Museumsbezirke, in dem historische und zeitgenössische Architektur und Kunst aufeinandertreffen, haben sich neue Fragestellungen ergeben, die Gegenstand des beantragten Projekts sind: Über die Untersuchung der Forumsplanungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Vorprojekt hinaus, gilt es, folgende Aspekte zu untersuchen: den Verkehrs- und urbanistischen Kontext des unvollendeten Forums` zur Stadt seit dem Ende der Residenzfunktion, die Zwiespältigkeit gegenüber der Forums-Idee im 20. Jahrhundert sowie deren neue Bedeutung in Planungen für das Areal seit den 1980er Jahren. Anknüpfend an den Beitrag zur "Musealisierung der Hofburg zwischen 1918 und 1948" im Vorprojekt soll, basierend auf Archivmaterial u.a. im MuseumsQuartier, die enge Verknüpfung der Strukturentwicklung der österreichischen Bundesmuseen mit der Entwicklung des Hofburg-Areals, mit dessen Raumressourcen und dessen Geschichte, untersucht werden. Der Ansatz des Vorprojekts, den ehemaligen Residenz-Komplex nicht nur als bauliches und künstlerisches Objekt zu betrachten, sondern auch in seiner sozialen Bedeutung und seiner Aneignungsgeschichte, soll im Folgeprojekt mit der Untersuchung folgender Aspekte fortgesetzt werden: 1) die Bedeutung des Hofburgbezirks für das urbane Leben hinsichtlich seiner informellen, alltäglichen und performativen Nutzung. 2) "Wohnen & Arbeiten in der Hofburg und im Museumsquartier". 3) "Immaterielles Erbe": Formen höfischer Kultur, die sich als bruchlose Traditionen bis heute erhalten haben dies betrifft vor allem den Tanz und die Pferde- und Reitkultur, letztere als einzigartiges Phänomen einer "longue durée", welche von 1565 bis in die heutige Erlebnisgesellschaft reicht sollen hinsichtlich ihrer Bedeutung und Umdeutung seit 1918 untersucht werden. Schließlich sollen die ehemaligen Residenzareale in Berlin (Museumsinsel und geplantes Humboldtforum), Paris ("Grand Louvre"), St. Petersburg ("Neue Eremitage"), Istanbul (Topkapi und Dolmabahce) sowie der Paseo del Prado in Madrid und die Mall in Washington und ihre Transformationsprozesse seit dem Paradigmenwechsel der 1980er Jahren mit der Wiener Situation in Bezug gesetzt werden, um so Erkenntnisse für das Hofburg-Museums- Quartier zu erhalten Um der Breite und Komplexität des Themas gerecht werden, ist das Projektteam mit den Kunsthistorikerinnen Maria Welzig (Projektleitung), Ingrid Holzschuh und Anna Stuhlpfarrer, mit der Kulturwissenschaftlerin Elke Krasny und der Stadtethnologin Anja Schwanhäußer interdisziplinär zusammengesetzt und die gewählte Methodik eine heterogene.
Das Projekt basiert auf dem Vorgängerprojekt Die Wiener Hofburg seit 1918 (P20023- G08), welches die Bau- und Funktionsgeschichte der Hofburg nach dem Ende ihrer Residenzfunktion untersuchte. Das übergeordnete Ziel des Folgeprojekts war es, die Forschungsthematik mit urbanistischen, museologischen und kulturellen Diskursen zu verknüpfen, den Blick mittels kulturwissenschaftlicher Perspektiven zu weiten und die Entwicklung der Wiener Hofburg von der Residenz zum Museumsquartier in einen internationalen Kontext zu stellen. Der städtebauliche Kontext: Anna Stuhlpfarrer and Maria Welzig analysierten die Wiener Stadtentwicklungspläne in ihrem Bezug zum staatlichen Hofburgareal sowie die zahlreichen architektonischen Planungen, die sich auf das unvollendete Forum der ehemaligen Residenz bezogen. Dabei zeigte sich, dass der Hofburgbezirk Anknüpfungspunkt für wesentliche Debatten zur urbanisitischen und kulturellen Entwicklung der Stadt seit 1918 war. Eine Spezifikum des ehemaligen Wiener Residenzbezirks ist seine Integration in das Stadtleben: Maria Welzig untersuchte die Rolle des Hofburgareals für das urbane Leben: informelle & performative Aneignungen. Ingrid Holzschuhs Forschung zur Aneignung des imperialen Erbes der Hofburg durch das NS-Regime setzte zusammen mit A. Stuhlpfarrers Forschung zur Hofburg in der NS-Zeit im Vorgängerprojekt und mit Martin Fritz und Anja Schwanhäußers Forschung diesen Zeitabschnitt betreffend einen neuen Standard für die Forschung zur Geschichte der Hofburg und ihrer Institutionen in der NS- Zeit. Martin Fritz Untersuchung zu Museumsnutzungen im Großraum Hofburg und Museumsreformen von 1936 bis 1978 unter besonderer Berücksichtigung der Neuen Burg stellt zusammen mit Andreas Nierhaus Forschung zur Musealisierung der Hofburg zwischen 1918 und 1950 und Welzigs Forschung zu den Museumsreformplänen im Zusammenhang mit der Neunutzung der ehemaligen Hofstallungen seit den 1970er-Jahren im Vorgängerprojekt eine zusammenhängende Geschichte der Reform and (Re-)organisation der österreichischen Bundesmuseen seit 1918 dar. Basierend auf teilweise unpublizierten Plänen beschrieb Ingrid Holzschuh den Ballhausplatz als symptomatischen politischen Bauplatz: Im Wechselspiel der Politik: Die Planungen zur Verbauung der Baulücke am Ballhausplatz von 1937 bis 1986. Die Stadtethnologin Anja Schwanhäußer erforschte Die Wiener Hofburg seit 1918 im kulturgeschichtlichen Spiegel der Spanischen Hofreitschule wobei sie folgende Zäsuren erarbeitete: Die Erfindung der Spanischen Hofreitschule in der Ersten Republik, Militarisierung und Inszenierung im Nationalsozialismus, Amerikanisierung und Kalter Krieg in der Zweiten Republik, Eventisierung und Öffnung zum urbanen Raum heute. Maria Welzig und Elke Krasny untersuchten die Entwicklung ehemaliger Residenzen zu Kulturquartieren seit dem Paradigmenwechsel der 1980er-Jahren anhand der Beispiele Paris, Madrid, Berlin, St. Petersburg, Istanbul, Turin und als demokratisches Role Model der National Mall in Washington, D.C. Die Transformationen folgen einerseits den globalisierten Tendenzen der Kultur- and Museumsentwicklung. Andererseits spiegeln sie spezifische nationale Intentionen.
- Privat - Inland - 100%
Research Output
- 2 Zitationen
- 1 Publikationen
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2015
Titel Legitimacy through History and Architecture. The Vienna Hofburg as Dynastic Hub and Seat of Government between Tradition and Innovation DOI 10.1179/1462971215z.00000000017 Typ Journal Article Autor Kurdiovsky R Journal The Court Historian Seiten 109-136