Strukturen von KLK-Protease-Substrat-Übergangszuständen
Structures of KLK protease substrate transition states
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Kallikrein-related peptidase,
Enzyme substrate complex,
Serine protease,
Transition state analogue,
Engineered substrates,
Natural Inhibitors
Kallikrein-Peptidasen (KLKs) sind 15 chymotrypsin-ähnliche Serinproteasen, die unterschiedlich stark in nahezu allen Gewebe des Menschen sekretiert werden. Einige KLKs sind für die Befruchtung, Zahnentwicklung, und Schuppung der Haut erforderlich. Zudem sind sie an Erkrankungen wie Prostatakrebs oder Neurodermitis beteiligt. Darüberhinaus ist KLK3 (PSA) ein weitverbreiter klinischer Marker für Prostatakrebs. Bisher ist über Substraterkennung und Katalysemechanismen der KLKs auf struktureller Ebene wenig bekannt. Daher sind Studien der Enzym-Substrat-Übergangszustände (ÜZ) wünschenswert, insbesondere deren Analyse mittels kristallographischer Methoden. Für die KLKs 1 bis 8 und KLK10 sind Kristallisationsbedingungen bekannt. Als erste Stufe des Projekts werden KLKs nach etablierten Protokollen aus E. coli, L. tarentolae und HEK293-Zellen gereinigt. Glykosylierte KLKs können mit deglykosylierenden Enzymen behandelt werden, um die Kristallisation zu erleichtern. Erhaltene Kristalle werden mit Substratanaloga versetzt, um Komplexe mit dem jeweiligen KLK bilden. Diese Komplexe stellen nicht-kovalente Enzym-Substrat-("Michaelis")-Komplexe, tetraedrische ÜZ, Acyl-zwischenprodukte, oder Enzym-Produktkomplexe dar. Zur Stabilisierung der kurzlebigen ÜZ können inaktive Mutanten eingesetzt werden, z. B. KLK2-Ser195Ala mit Oktapeptiden, bzw. nicht spaltbare Analoga der Peptidbindung, z.B. reduzierte Amide (-CH2-NH-). Tetraedrische ÜZ können durch Difluoromethylenketone (-CO-CF2-) und Phosphinate (-PO(OPhe)- ) nachgeahmt werden. Schließlich können Aldehyd- und Borsäure-Peptid-inhibitoren Acylzwischenprodukte imitieren, während sich Enzym-Produktkomplexe eventuell in Kristallen einfrieren lassen. Labile Komplexe können durch Disulfidverbrückung von KLK-Cys-Mutanten und Cys-haltigen Verbindungen stabilisiert werden. Die geeignetsten Disulfid-positionen wurden durch Modellieren unter Verwendung bekannter Kristallstrukturen bestimmt. Basierend auf der ersten Projektphase wird in der zweiten Phase die Komplexbildung von aktiven KLKs mit KLK- Proformen und anderen natürlichen Substraten unternommen, darunter kommerzielle Produkte oder rekombinante Proteine: Semenogeline, Matrixproteine der Zähne und corneodesmosomale Proteine. Als Spezialfall "langsamer" Substrate sollen Kazal-Inhibitoren (LEKTIs) im Komplex mit KLKs kristallisiert werden. Ausgewählte Substratfragmente können chemisch an geeignete Verbindungen ligiert werden, um stabile KLK-ÜZ-Komplexe zu erhalten, eventuell unterstützt durch Disulfidverbrückung. Idealerweise sollte eine Serie aller ÜZ-Analoga mit einem Vollängesubstrat erzeugt werden. Die Analyse dieser Komplexe wird das Verständnis von Substraterkennung und -Spaltung durch KLKs und Serinproteasen im Allgemeinen stark eweitern. Es ist zu erwarten, dass die vorgeschlagenen Methoden und Strategien neue Wege für die Grundlagenforschung, sowie bioorthogonale und sogar pharmazeutische Anwendungen eröffnen werden.
Das Projekt untersuchte die Struktur und Funktion von Serinproteasen aus der Familie der humanen Kallikrein-Proteasen (KLKs). Einige KLK-Familienmitglieder sind bedeutend für Krankheiten wie Prostata- oder Eierstockkrebs. Insbesondere sollten die Schritte des katalytischen Zyklus der Peptid- oder Proteinhydrolyse analysiert werden. Zu diesem Zweck wurden vor allem KLKs mit bekannten Kristallisationsbedingungen strukturell bestimmt und Experimente über ihre Funktion durchgeführt. Strukturen des vermuteten Tumorsuppressors KLK10 in einer aktiven und gehemmten, aber zymogen-artigen Konformation, wurden gelöst und gaben überraschende Einblicke in die ungewöhnliche Aktivierung und einen neuartigen Zn2+-Inhibitionsmechanismus. Besonders einige unstrukturierte Oberflächen-Loops und der N-Terminus sprechen für einen teilweise Induced-Fit-Mechanismus beim Substratumsatzes. Außerdem wurden zwei Strukturen von KLK8 bestimmt, das an neuronalen Synapsen bei der Gedächtnisbildung mitwirkt. Die umfassende Studie enthält eine gründliche Spezifitäts-profilanalyse, Mutationsanalysen, die stimulierende Ca2+ und inhibitorische Zn2+-Bindungs-stellen lokalisierten. Molekulardynamische Berechnungen erklärten die Substratbindung im Vergleich zum Liganden-freien und Inhibitor-gebundenen Zustand. Darüber hinaus zeigten die Berechnungen, dass KLK8 ein allosterisches Oberflächen-Loop-Netzwerk besitzt, von dem ähnliche Komponenten in anderen menschlichen KLKs vorliegen. Hier scheint der Grundmechanismus eher der konformationellen Selektion anzugehören, der bisher von unserer Gruppe für Glykan-freies und glykosyliertes KLK2 in einem anderen Projekt bestätigt wurde. Zudem wurde eine klinische und molekularbiologische Studie in Kooperation durchgeführt, welche die Rolle von KLK6 und KLK8 als wertvolle Biomarker für Eierstockkrebs bestätigte. Die Bedeutung von Glykanen als Regulatoren von Enzymen inspirierte einen Übersichtsartikel zur Glykosylierung von Proteasen und deren Einfluss auf die jeweiligen katalytischen Übergangszustände enzymatischer Aktivität, mit verschiedenen Beispiele von KLKs. Eine weitere Kooperation verwendete reine Computermethoden, um die wahrscheinlichste Substratspezifität von KLK7 zu berechnen. Zusätzlich wurde ein unerwarteter Wechsel des tetraederischen Übergangszustandes in der Molekulardynamik beobachtet, was zu einem umgekehrten Peptidrückgrat des Substrats im aktive Zentrum führte. Dieser Befund kann als Grundlage für die Synthese neuer pharmazeutischer Inhibitoren dienen. Schließlich gelang es in einer Kooperation die NMR-Struktur des humanen Polypeptidinhibitors SPINK6 zu lösen, der unter anderem mit zwei alternativen Konformationen KLK4 ähnlich einem Substrat-Übergangszustand binden kann. Insgesamt verlagerte sich das Projekt stärker auf die Konformationen der KLKs, die durch neue Erkenntnisse zur konformationellen Selektion angeregt wurden. Jedoch kann dieser Mechanismus wie bei anderen Enzymen mechanistisch zum Induced Fit-Modell übergehen.
- Universität Salzburg - 100%
- Dmitri I. Svergun, European Molecular Biology Laboratory Hamburg - Deutschland
- Viktor Magdolen, Technische Universität München - Deutschland
- Norbert Schaschke, Universität Bielefeld - Deutschland
- Oliver Schilling, Universitätsklinikum Freiburg - Deutschland
- Alain Hovnanian, Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale - Frankreich
- Eleftherios P. Diamandis, Mount Sinai Hospital - Kanada
- Nediljko Budisa, University of Manitoba - Kanada
Research Output
- 330 Zitationen
- 17 Publikationen
-
2019
Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity DOI 10.6084/m9.figshare.5844705 Typ Other Autor Fuchs J Link Publikation -
2019
Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity DOI 10.6084/m9.figshare.5844705.v2 Typ Other Autor Fuchs J Link Publikation -
2018
Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity DOI 10.6084/m9.figshare.5844705.v1 Typ Other Autor Fuchs J Link Publikation -
2012
Titel In Vivo Tracking of Single Biomolecules: What Trajectories Tell Us About the Acting Forces DOI 10.1007/4243_2011_38 Typ Book Chapter Autor Brameshuber M Verlag Springer Nature Seiten 293-329 -
2016
Titel The solution structure of the kallikrein-related peptidases inhibitor SPINK6 DOI 10.1016/j.bbrc.2016.01.172 Typ Journal Article Autor Jung S Journal Biochemical and Biophysical Research Communications Seiten 103-108 Link Publikation -
2016
Titel Effects of Glycosylation on the Enzymatic Activity and Mechanisms of Proteases DOI 10.3390/ijms17121969 Typ Journal Article Autor Goettig P Journal International Journal of Molecular Sciences Seiten 1969 Link Publikation -
2016
Titel Structural basis for the Zn2+ inhibition of the zymogen-like kallikrein-related peptidase 10 DOI 10.1515/hsz-2016-0205 Typ Journal Article Autor Debela M Journal Biological Chemistry Seiten 1251-1264 Link Publikation -
2017
Titel HDL particles incorporate into lipid bilayers – a combined AFM and single molecule fluorescence microscopy study DOI 10.1038/s41598-017-15949-7 Typ Journal Article Autor Plochberger B Journal Scientific Reports Seiten 15886 Link Publikation -
2018
Titel Activation and activity of glycosylated KLKs 3, 4 and 11 DOI 10.1515/hsz-2018-0148 Typ Journal Article Autor Guo S Journal Biological Chemistry Seiten 1009-1022 Link Publikation -
2018
Titel Structural determinants of specificity and regulation of activity in the allosteric loop network of human KLK8/neuropsin DOI 10.1038/s41598-018-29058-6 Typ Journal Article Autor Debela M Journal Scientific Reports Seiten 10705 Link Publikation -
2018
Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity DOI 10.1080/07391102.2017.1407674 Typ Journal Article Autor Kahler U Journal Journal of Biomolecular Structure and Dynamics Seiten 4072-4084 Link Publikation -
2019
Titel Surface loops of trypsin-like serine proteases as determinants of function DOI 10.1016/j.biochi.2019.09.004 Typ Journal Article Autor Goettig P Journal Biochimie Seiten 52-76 Link Publikation -
2012
Titel Chapter nine Detection and Quantification of Biomolecular Association in Living Cells using Single-Molecule Microscopy DOI 10.1016/b978-0-12-388448-0.00017-6 Typ Book Chapter Autor Brameshuber M Verlag Elsevier Seiten 159-186 -
2012
Titel Determination of binding curves via protein micropatterning in vitro and in living cells DOI 10.1002/cyto.a.22225 Typ Journal Article Autor Sunzenauer S Journal Cytometry Part A Seiten 847-854 -
2014
Titel Sweetened kallikrein-related peptidases (KLKs): glycan trees as potential regulators of activation and activity DOI 10.1515/hsz-2014-0140 Typ Journal Article Autor Guo S Journal Biological Chemistry Seiten 959-976 Link Publikation -
2016
Titel Clinical relevance of kallikrein-related peptidase 6 (KLK6) and 8 (KLK8) mRNA expression in advanced serous ovarian cancer DOI 10.1515/hsz-2016-0177 Typ Journal Article Autor Ahmed N Journal Biological Chemistry Seiten 1265-1276 Link Publikation -
2013
Titel Expression analysis of multiple myeloma CD138 negative progenitor cells using single molecule microarray readout DOI 10.1016/j.jbiotec.2013.01.027 Typ Journal Article Autor Jacak J Journal Journal of Biotechnology Seiten 525-530 Link Publikation