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Strukturen von KLK-Protease-Substrat-Übergangszuständen

Structures of KLK protease substrate transition states

Peter Göttig (ORCID: 0000-0002-2430-1970)
  • Grant-DOI 10.55776/P25003
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2012
  • Projektende 31.07.2016
  • Bewilligungssumme 260.442 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Kallikrein-related peptidase, Enzyme substrate complex, Serine protease, Transition state analogue, Engineered substrates, Natural Inhibitors

Abstract Endbericht

Kallikrein-Peptidasen (KLKs) sind 15 chymotrypsin-ähnliche Serinproteasen, die unterschiedlich stark in nahezu allen Gewebe des Menschen sekretiert werden. Einige KLKs sind für die Befruchtung, Zahnentwicklung, und Schuppung der Haut erforderlich. Zudem sind sie an Erkrankungen wie Prostatakrebs oder Neurodermitis beteiligt. Darüberhinaus ist KLK3 (PSA) ein weitverbreiter klinischer Marker für Prostatakrebs. Bisher ist über Substraterkennung und Katalysemechanismen der KLKs auf struktureller Ebene wenig bekannt. Daher sind Studien der Enzym-Substrat-Übergangszustände (ÜZ) wünschenswert, insbesondere deren Analyse mittels kristallographischer Methoden. Für die KLKs 1 bis 8 und KLK10 sind Kristallisationsbedingungen bekannt. Als erste Stufe des Projekts werden KLKs nach etablierten Protokollen aus E. coli, L. tarentolae und HEK293-Zellen gereinigt. Glykosylierte KLKs können mit deglykosylierenden Enzymen behandelt werden, um die Kristallisation zu erleichtern. Erhaltene Kristalle werden mit Substratanaloga versetzt, um Komplexe mit dem jeweiligen KLK bilden. Diese Komplexe stellen nicht-kovalente Enzym-Substrat-("Michaelis")-Komplexe, tetraedrische ÜZ, Acyl-zwischenprodukte, oder Enzym-Produktkomplexe dar. Zur Stabilisierung der kurzlebigen ÜZ können inaktive Mutanten eingesetzt werden, z. B. KLK2-Ser195Ala mit Oktapeptiden, bzw. nicht spaltbare Analoga der Peptidbindung, z.B. reduzierte Amide (-CH2-NH-). Tetraedrische ÜZ können durch Difluoromethylenketone (-CO-CF2-) und Phosphinate (-PO(OPhe)- ) nachgeahmt werden. Schließlich können Aldehyd- und Borsäure-Peptid-inhibitoren Acylzwischenprodukte imitieren, während sich Enzym-Produktkomplexe eventuell in Kristallen einfrieren lassen. Labile Komplexe können durch Disulfidverbrückung von KLK-Cys-Mutanten und Cys-haltigen Verbindungen stabilisiert werden. Die geeignetsten Disulfid-positionen wurden durch Modellieren unter Verwendung bekannter Kristallstrukturen bestimmt. Basierend auf der ersten Projektphase wird in der zweiten Phase die Komplexbildung von aktiven KLKs mit KLK- Proformen und anderen natürlichen Substraten unternommen, darunter kommerzielle Produkte oder rekombinante Proteine: Semenogeline, Matrixproteine der Zähne und corneodesmosomale Proteine. Als Spezialfall "langsamer" Substrate sollen Kazal-Inhibitoren (LEKTIs) im Komplex mit KLKs kristallisiert werden. Ausgewählte Substratfragmente können chemisch an geeignete Verbindungen ligiert werden, um stabile KLK-ÜZ-Komplexe zu erhalten, eventuell unterstützt durch Disulfidverbrückung. Idealerweise sollte eine Serie aller ÜZ-Analoga mit einem Vollängesubstrat erzeugt werden. Die Analyse dieser Komplexe wird das Verständnis von Substraterkennung und -Spaltung durch KLKs und Serinproteasen im Allgemeinen stark eweitern. Es ist zu erwarten, dass die vorgeschlagenen Methoden und Strategien neue Wege für die Grundlagenforschung, sowie bioorthogonale und sogar pharmazeutische Anwendungen eröffnen werden.

Das Projekt untersuchte die Struktur und Funktion von Serinproteasen aus der Familie der humanen Kallikrein-Proteasen (KLKs). Einige KLK-Familienmitglieder sind bedeutend für Krankheiten wie Prostata- oder Eierstockkrebs. Insbesondere sollten die Schritte des katalytischen Zyklus der Peptid- oder Proteinhydrolyse analysiert werden. Zu diesem Zweck wurden vor allem KLKs mit bekannten Kristallisationsbedingungen strukturell bestimmt und Experimente über ihre Funktion durchgeführt. Strukturen des vermuteten Tumorsuppressors KLK10 in einer aktiven und gehemmten, aber zymogen-artigen Konformation, wurden gelöst und gaben überraschende Einblicke in die ungewöhnliche Aktivierung und einen neuartigen Zn2+-Inhibitionsmechanismus. Besonders einige unstrukturierte Oberflächen-Loops und der N-Terminus sprechen für einen teilweise Induced-Fit-Mechanismus beim Substratumsatzes. Außerdem wurden zwei Strukturen von KLK8 bestimmt, das an neuronalen Synapsen bei der Gedächtnisbildung mitwirkt. Die umfassende Studie enthält eine gründliche Spezifitäts-profilanalyse, Mutationsanalysen, die stimulierende Ca2+ und inhibitorische Zn2+-Bindungs-stellen lokalisierten. Molekulardynamische Berechnungen erklärten die Substratbindung im Vergleich zum Liganden-freien und Inhibitor-gebundenen Zustand. Darüber hinaus zeigten die Berechnungen, dass KLK8 ein allosterisches Oberflächen-Loop-Netzwerk besitzt, von dem ähnliche Komponenten in anderen menschlichen KLKs vorliegen. Hier scheint der Grundmechanismus eher der konformationellen Selektion anzugehören, der bisher von unserer Gruppe für Glykan-freies und glykosyliertes KLK2 in einem anderen Projekt bestätigt wurde. Zudem wurde eine klinische und molekularbiologische Studie in Kooperation durchgeführt, welche die Rolle von KLK6 und KLK8 als wertvolle Biomarker für Eierstockkrebs bestätigte. Die Bedeutung von Glykanen als Regulatoren von Enzymen inspirierte einen Übersichtsartikel zur Glykosylierung von Proteasen und deren Einfluss auf die jeweiligen katalytischen Übergangszustände enzymatischer Aktivität, mit verschiedenen Beispiele von KLKs. Eine weitere Kooperation verwendete reine Computermethoden, um die wahrscheinlichste Substratspezifität von KLK7 zu berechnen. Zusätzlich wurde ein unerwarteter Wechsel des tetraederischen Übergangszustandes in der Molekulardynamik beobachtet, was zu einem umgekehrten Peptidrückgrat des Substrats im aktive Zentrum führte. Dieser Befund kann als Grundlage für die Synthese neuer pharmazeutischer Inhibitoren dienen. Schließlich gelang es in einer Kooperation die NMR-Struktur des humanen Polypeptidinhibitors SPINK6 zu lösen, der unter anderem mit zwei alternativen Konformationen KLK4 ähnlich einem Substrat-Übergangszustand binden kann. Insgesamt verlagerte sich das Projekt stärker auf die Konformationen der KLKs, die durch neue Erkenntnisse zur konformationellen Selektion angeregt wurden. Jedoch kann dieser Mechanismus wie bei anderen Enzymen mechanistisch zum Induced Fit-Modell übergehen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Dmitri I. Svergun, European Molecular Biology Laboratory Hamburg - Deutschland
  • Viktor Magdolen, Technische Universität München - Deutschland
  • Norbert Schaschke, Universität Bielefeld - Deutschland
  • Oliver Schilling, Universitätsklinikum Freiburg - Deutschland
  • Alain Hovnanian, Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale - Frankreich
  • Eleftherios P. Diamandis, Mount Sinai Hospital - Kanada
  • Nediljko Budisa, University of Manitoba - Kanada

Research Output

  • 330 Zitationen
  • 17 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity
    DOI 10.6084/m9.figshare.5844705
    Typ Other
    Autor Fuchs J
    Link Publikation
  • 2019
    Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity
    DOI 10.6084/m9.figshare.5844705.v2
    Typ Other
    Autor Fuchs J
    Link Publikation
  • 2018
    Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity
    DOI 10.6084/m9.figshare.5844705.v1
    Typ Other
    Autor Fuchs J
    Link Publikation
  • 2012
    Titel In Vivo Tracking of Single Biomolecules: What Trajectories Tell Us About the Acting Forces
    DOI 10.1007/4243_2011_38
    Typ Book Chapter
    Autor Brameshuber M
    Verlag Springer Nature
    Seiten 293-329
  • 2016
    Titel The solution structure of the kallikrein-related peptidases inhibitor SPINK6
    DOI 10.1016/j.bbrc.2016.01.172
    Typ Journal Article
    Autor Jung S
    Journal Biochemical and Biophysical Research Communications
    Seiten 103-108
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Effects of Glycosylation on the Enzymatic Activity and Mechanisms of Proteases
    DOI 10.3390/ijms17121969
    Typ Journal Article
    Autor Goettig P
    Journal International Journal of Molecular Sciences
    Seiten 1969
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Structural basis for the Zn2+ inhibition of the zymogen-like kallikrein-related peptidase 10
    DOI 10.1515/hsz-2016-0205
    Typ Journal Article
    Autor Debela M
    Journal Biological Chemistry
    Seiten 1251-1264
    Link Publikation
  • 2017
    Titel HDL particles incorporate into lipid bilayers – a combined AFM and single molecule fluorescence microscopy study
    DOI 10.1038/s41598-017-15949-7
    Typ Journal Article
    Autor Plochberger B
    Journal Scientific Reports
    Seiten 15886
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Activation and activity of glycosylated KLKs 3, 4 and 11
    DOI 10.1515/hsz-2018-0148
    Typ Journal Article
    Autor Guo S
    Journal Biological Chemistry
    Seiten 1009-1022
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Structural determinants of specificity and regulation of activity in the allosteric loop network of human KLK8/neuropsin
    DOI 10.1038/s41598-018-29058-6
    Typ Journal Article
    Autor Debela M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 10705
    Link Publikation
  • 2018
    Titel An unexpected switch in peptide binding mode: from simulation to substrate specificity
    DOI 10.1080/07391102.2017.1407674
    Typ Journal Article
    Autor Kahler U
    Journal Journal of Biomolecular Structure and Dynamics
    Seiten 4072-4084
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Surface loops of trypsin-like serine proteases as determinants of function
    DOI 10.1016/j.biochi.2019.09.004
    Typ Journal Article
    Autor Goettig P
    Journal Biochimie
    Seiten 52-76
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Chapter nine Detection and Quantification of Biomolecular Association in Living Cells using Single-Molecule Microscopy
    DOI 10.1016/b978-0-12-388448-0.00017-6
    Typ Book Chapter
    Autor Brameshuber M
    Verlag Elsevier
    Seiten 159-186
  • 2012
    Titel Determination of binding curves via protein micropatterning in vitro and in living cells
    DOI 10.1002/cyto.a.22225
    Typ Journal Article
    Autor Sunzenauer S
    Journal Cytometry Part A
    Seiten 847-854
  • 2014
    Titel Sweetened kallikrein-related peptidases (KLKs): glycan trees as potential regulators of activation and activity
    DOI 10.1515/hsz-2014-0140
    Typ Journal Article
    Autor Guo S
    Journal Biological Chemistry
    Seiten 959-976
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Clinical relevance of kallikrein-related peptidase 6 (KLK6) and 8 (KLK8) mRNA expression in advanced serous ovarian cancer
    DOI 10.1515/hsz-2016-0177
    Typ Journal Article
    Autor Ahmed N
    Journal Biological Chemistry
    Seiten 1265-1276
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Expression analysis of multiple myeloma CD138 negative progenitor cells using single molecule microarray readout
    DOI 10.1016/j.jbiotec.2013.01.027
    Typ Journal Article
    Autor Jacak J
    Journal Journal of Biotechnology
    Seiten 525-530
    Link Publikation

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