Rhythmik in der archaischen und klassischen Dichtung Griechenlands
Rhythm in Archaic and Classical Greek Poetry
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (75%)
Keywords
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Ancient Greek Music,
Ancient Greek Metre,
Ancient Greek Rhythm,
Greek Lyrik Poetry,
Prosodic Studies,
European Music History
Das Interesse an antiker Musik ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen, von ihren sozio-politischen und philosophischen Implikationen bis hinab zu technischen Details. Zu einem zentralen Aspekt fehlen jedoch noch immer definitive Ergebnisse, obgleich gerade dieser von größter Bedeutung auch für die frühe Musikgeschichte Europas und ihre Verbindungslinien zu späteren Traditionen ist: der rhythmischen Interpretation griechischer Dichtung. Das vorgestellte Projekt nähert sich den relevanten Problemen mithilfe einer völlig neuen Methodik, die vor allem auch über Abweichungen des Rhythmus von der einfachen "Metrik" der Texte durch Längung und Kürzung von Silben Aufschluss bringen kann. Auf der Basis verlässlicher statistischer Methoden soll so die Frage nach einem kontinuierlichen Wechsel "starker" und "schwacher" Elemente ebenso behandelt werden wie die nach den wahrscheinlichen relativen Silbendauern. Im Mittelpunkt steht dabei die Erstellung einer umfassenden Datenbank metrischer und prosodischer Information für griechische Lyrik von ihren Anfängen bis etwa zum Ende des fünften Jahrhunderts v.Chr. Eingabe und Auswertung erfolgen durch eine vom Antragsteller über die letzten Jahre hinweg entwickelten spezialisierten Software, die gebrauchsfertig vorliegt, in einigen Aspekten aber noch während der Projektlaufzeit weiterentwickelt werden wird. Anhand eines beschränkten Korpus (Pindars Epinikien) konnte die Machbarkeit des Eingabeprozesses ebenso wie die Aussagekraft der wichtigsten Methoden sichergestellt werden, wobei auch die vorläufigen Ergebnisse bereits von höchster Relevanz sind. Um die Forschung nun in einem notwendigen nächsten Schritt auf das gesamte Korpus der archaischen und klassischen griechischen Dichtung auszudehnen, bedarf es einer zusätzlichen qualifizierten Fachkraft für die gesamte Projektdauer von drei Jahren sowie einer oder mehrerer Hilfskräfte für die Vorbereitung der Daten. Nur so wird es möglich sein, zentrale Aspekte des griechischen Rhythmus in seiner Entwicklung über die Jahrhunderte und zwischen den Dichtungsgattungen darzustellen, die in ihrer dialektalen Gebundenheit auch auf eine teilweise unabhängige Vorgeschichte verweisen. Herkömmlichere philologische Methoden kommen ins Spiel, wo die Ergebnisse als neue Basis für die Suche nach soziokulturellen und emotionalen Assoziationen dienen, die sich mit bestimmten Rhythmen verbinden. Hier sollen Detailinterpretation ausgewählter Texte und eine statistische Herangehensweise einander optimal ergänzen. Wichtig ist auch hier der Einbezug einer ethnomusikologischen Perspektive, mit einer vorsichtigen Offenheit für mögliche historische Kontinuität zwischen den Rhythmen der Antike und moderner traditioneller Musik Griechenlands und seiner Nachbarländer. Ingesamt kann das Projekt somit nicht nur ein neues Verständnis einer performativen Hauptkomponente von einigen der für Europa grundlegendsten Texte eröffnen, die zugleich einen neuen Schlüssel zu ihrer Interpretation bereitstellt als auch zukünftige Aufführungen beeinflussen kann, sondern auch zu einer besseren Einschätzung früher europäischer Musikgeschichte beitragen.
Über die Werke der klassischen griechischen Dramatiker wird seit mehr als zwei Jahrtausenden nachgedacht kann die moderne Forschung da noch auf bahnbrechende Ergebnisse hoffen? Computertechnologie kann das möglich machen: Mit der Hilfe eigens erstellter Software wurden die alten Texte in eine Datenbank verwandelt, die neben dem Formenreichtum antiker Dichtkunst vor allem auch die sprachlichen Feinheiten zugänglich macht, die diese Formen lebendig machen. Eine auf die Besonderheiten des Altgriechischen und der antiken Dichtkunst abgestimmte Suchmaschine macht so sehr detailgenaue Abfragen über ein großes Textkorpus möglich. Eines der Hauptziele war dabei die Entdeckung kleiner, doch statistisch signifikanter Unterschiede im Ge brauch verschiedener Lautkombinationen. Während die Regeln der Dichtung oberflächlich nur zwischen kurzen und langen Silben unterscheiden, verfügt die Sprache über ganz verschiedene Formen vor allem letzterer. Das kann besonders bei jenen Texten wichtig sein, die ursprünglich gesungen wurden, also nicht nur für alle Chorlieder des antiken Dramas, sondern auch für die teilweise sehr komplexen Soloarien der Schauspieler. Es konnte nun tatsächlich nachgewiesen werden, dass Dichter-Komponisten wie Aischylos, Sophokles und Euripides die Sprachlaute nicht unterschiedslos einsetzten, sondern sicher stellten, dass ihre Lieder auch gut sangbar waren. Speziell unterlegten sie besonders lange Töne bevorzugt auch mit Silben, die einen durchgehenden Ton tragen können. Dies machte es umgekehrt möglich, solche extralangen Silben in den Texten zu bestimmen, und das wiederum ist eine Voraussetzung für das Verständnis des authentischen Rhythmus (der sich in der rein sprachlichen Metrik nur unvollkommen spiegelt) und damit ein wesentlicher Schritt zum Verstehen der musikalischen Formensprache antiker Tragödien und Komödien. Damit verbunden ist auch die Frage nach den emotionalen und kulturellen Assoziationen, die sich mit den verschiedenen rhythmischen Formen verknüpften. Auch hier hilft der Computer weiter, wo die Fülle des teilweise widersprüchlichen Materials bisher einem Verständnis im Weg stand. Mit seiner Hilfe konnten relevante Wortfelder erstellt und deren Verbindung mit den einzelnen Rhythmusarten untersucht werden. Auf diese Weise werden geschlechtsspezifische Verteilungen ebenso sichtbar wie die Dichotomie zwischen Chor und Schauspielern, auf deren musikalische Komponente schon in der Antike hingewiesen wurde. So werden neue Interpretationszugänge geschaffen. Denn nur wenn man die kulturelle Bedeutung der verschiedenen Metren besser kennt, kann man zum Beispiel auch vom Dichter gesetzte Kontrasteffekte zwischen den Worten und der Musik würdigen, also eine subtile Ironie, die dem ursprüngliche Publikum noch ganz selbstverständlich zugänglich gewesen wäre.
Research Output
- 185 Zitationen
- 7 Publikationen
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2019
Titel OSL surface exposure dating of a lithic quarry in Tibet: Laboratory validation and application DOI 10.1016/j.quageo.2018.04.012 Typ Journal Article Autor Gliganic L Journal Quaternary Geochronology Seiten 199-204 Link Publikation -
2016
Titel ARSIS AND THESIS IN ANCIENT RHYTHMICS AND METRICS: A NEW APPROACH* DOI 10.1017/s0009838816000756 Typ Journal Article Autor Lynch T Journal The Classical Quarterly Seiten 491-513 -
2017
Titel Variations in luminescence properties of quartz and feldspar from modern fluvial sediments in three rivers DOI 10.1016/j.quageo.2017.06.005 Typ Journal Article Autor Gliganic L Journal Quaternary Geochronology Seiten 70-82 -
2017
Titel Timing of fluvial terrace formation and concomitant travertine deposition in the upper Sutlej River (Tirthapuri, southwestern Tibet) and paleoclimatic implications DOI 10.1016/j.quascirev.2017.06.009 Typ Journal Article Autor Wang Z Journal Quaternary Science Reviews Seiten 357-377 -
2015
Titel Musical Education in Greece and Rome DOI 10.1002/9781119023913.ch27 Typ Book Chapter Autor Hagel S Verlag Wiley Seiten 401-412 -
2018
Titel Lithological controls on light penetration into rock surfaces – Implications for OSL and IRSL surface exposure dating DOI 10.1016/j.radmeas.2018.03.004 Typ Journal Article Autor Meyer M Journal Radiation Measurements Seiten 298-304 Link Publikation -
2020
Titel Landscape dynamics and human-environment interactions in the northern foothills of Cho Oyu and Mount Everest (southern Tibet) during the Late Pleistocene and Holocene DOI 10.1016/j.quascirev.2019.106127 Typ Journal Article Autor Meyer M Journal Quaternary Science Reviews Seiten 106127