Mechanismen der Kooperation: Empathie und Reaktion auf ungleiche Behandlung
Proximate Mechanisms of Canine Cooperation: Prosocial attitudes and inequity aversion
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Psychologie (20%)
Keywords
-
Proscial attitudes,
Inequity aversion,
Emotions,
Canines,
Domestication,
Evolution
Soziale Caniden sind bekannt für ihre Kooperation bei der Aufzucht ihrer Jungen, beim Jagen und bei der Verteidigung ihres Reviers (Wölfe) und in Interaktionen mit Menschen (Hunde). Weiterhin sind die miteinander verwandten Wölfe und Hunde an sehr unterschiedliche Lebensbedingungen angepasst: Während Wölfe in Familiengruppen leben und miteinander kooperieren - ähnlich wie frühe menschliche Jäger-/Sammler-Gruppen, sind Hunde domestiziert und leben als Familienmitglied in unserer modernen Gesellschaft. Diese Aspekte machen Wölfe und Hunde zu einem idealen Modellsystem, um die evolutionären Ursprünge und die funktionale Relevanz von Kooperation zu untersuchen. Außerdem ermöglicht der Vergleich zwischen Hund und Wolf eine Untersuchung verschiedener Hypothesen der Domestikation. Im Vergleich zu Primaten ist bei Caniden gerade über die mechanistischen Grundlagen von Kooperation sehr wenig bekannt. Für dieses Projekt schlage ich daher mehrere Experimente mit handaufgezogenen Wölfen (N = 17- 20) und gleichermaßen aufgezogenen Hunden (N=17-20) vor, die sich mit den kognitiven Prozessen befassen, die beim Menschen mit starken Emotionen verbunden sind und maßgeblich bei der Entscheidung zur Kooperation bzw. bei der Aufrechterhaltung einer Kooperation beteiligt sind. Während beim Menschen so Empathie und Toleranz eine positive Auswirkung auf die Entscheidung zur Kooperation zu scheinen haben, wirken sich Reaktionen gegen ungleiche Behandlung und Intoleranz dagegen eher negativ auf die Entscheidung zur Kooperation aus. Im diesem Projekt werden wir bei Wölfen und Hunden testen ob und inwiefern die Tiere prosoziale Tendenzen zeigen und wie sie auf ungleiche Behandlung reagieren, einerseits mit ihresgleichen, andererseits mit Menschen als Partner. Die Experimente werden mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad durchgeführt, um die kognitiven und emotionalen Grenzen bei Wölfen und Hunden zu erforschen. Zusätzlich werden wir untersuchen, wie die Qualität der Beziehungen zwischen den Tieren ihr Verhalten beeinflusst. Das Projekt ist eine Weiterführung meines momentanen Projektes (FWF P21244), in dem wir die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten bei Wölfen und Hunden untersuchen. Alle Studien werden an dem von der Antragstellerin mitgegründeten Wolfsforschungs-Zentrum durchgeführt, wo Wölfe und Hunde gleich aufgezogen und gehalten werden. Dadurch haben die Vergleichsgruppen ähnliche Erfahrungen und etwaige Differenzen zwischen Hunden und Wölfen im Verhalten oder in den kognitiven Fähigkeiten können auf genetische Unterschiede zurückgeführt werden.
Das aktuelle Forschungsprojekt untersuchte zwei Aspekte, die angeblich Kooperation beeinflussen: Prosoziale Einstellungen und Empfindlichkeit gegenüber Ungleichbehandlung. Während eine großzügige/prosoziale Haltung die Zusammenarbeit fördert, wirkt sich die Wahrnehmung einer Ungleichbehandlung durch den Kooperationspartner möglicherweise negativ auf eine zukünftige Zusammenarbeit aus. Wir haben diese beiden Themen bei Haushunden untersucht, die als Art aufgrund ihrer langen Kooperationsgeschichte mit Menschen als etwas Besonderes angesehen wird. In Bezug auf prosoziale Verhaltensweisen fanden wir in einer Reihe von Experimenten heraus, dass Hunde ein Tablett heranziehen, um Nahrung für einen Partner Hund zur Verfügung zu stellen, der im selben Haushalt lebt aber nicht für einen Hund, den sie gerade erst getroffen haben. Die Hunde zeigen daher prosozial gegenüber einem vertrauten Hundepartner, aber sie neigen auch dazu, kein prosoziales Verhalten gegenüber fremden Hunden zu zeigen. In der nächsten Reihe von Tests fanden wir, dass sich die Hunde überraschender Weise nicht prosozial zeigten, wenn sie mit der Möglichkeit konfrontiert waren, ihrem Besitzer über das selbe Tablett Nahrung zur Verfügung zu stellen. Hunde waren auch nicht prosozial gegenüber fremden Personen. Es ist nicht klar, warum Hunde sich nicht prosozial gegenüber ihren Besitzer verhielten, aber möglicherweise ist die Bereitstellung von Nahrung an Menschen eine zu seltsame Situation für Hunde, die ja eigentlich die andere Richtung gewöhnt sind. Daher müssen weitere Studien durchgeführt werden, um zu testen, ob Hunde auf andere Weise prosozial gegenüber ihrem Besitzer sein können. Hinsichtlich der Wahrnehmung der Ungerechtigkeit haben wir festgestellt, dass, wenn zwei Hunde die gleiche Aufgabe erfüllen, aber nur einer der beiden belohnt wird, sich der benachteiligte Partner verärgert zeigt und aufhört zu arbeiten. Diese Wahrnehmung ungleich behandelt zu werden, beeinflusst auch die späteren Interaktionen. Der ungleich behandelte Partner hat nach der ungleichen Behandlung in der Testsituation weniger Nahrung mit seinem Partner geteilt und sich auch von ihm und dem Experimentator, der für die ungleiche Nahrungsmittelverteilung verantwortlich war, ferngehalten. Die reduzierte Tendenz, Nahrung zu teilen und die Meidung des Partners zeigen, wie ungleiche Behandlung die spätere Zusammenarbeit beeinflussen kann. Zusammenfassend zeigen diese Ergebnisse, dass Hunde prosoziale Verhaltensweisen gegenüber ihren Hundepartnern zeigen können und dass sie empfindlich und potenziell negativ auf die ungleiche Nahrungsverteilung reagieren, wenn sie dieselben Aufgaben durchführen. Diese Studien erlauben uns, die Psychologie der Hunde besser zu verstehen und potenziell sowohl die ethischen Entscheidungen über ihr Wohlgehen als auch die angewandten Aspekte in Bezug auf unsere Beziehung zu Hunden zu beeinflussen.
- Sarah Marshall-Pescini, Veterinärmedizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Simona Cafazzo, University of Parma - Italien
- Simon Gadbois, Dalhousie University - Kanada
- Adam Miklosi, Eötvös Loránd University - Ungarn
- Jeffrey Stevens, University of Nebraska at Lincoln - Vereinigte Staaten von Amerika
- Daniel Mills, University of Lincoln - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 762 Zitationen
- 21 Publikationen
-
2024
Titel Personality traits in companion dogs - Results from the VIDOPET. DOI 10.7892/boris.125156 Typ Journal Article Autor Turcsán Link Publikation -
2016
Titel Investigating Empathy-Like Responding to Conspecifics’ Distress in Pet Dogs DOI 10.1371/journal.pone.0152920 Typ Journal Article Autor Quervel-Chaumette M Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Dogs Do Not Show Pro-social Preferences towards Humans DOI 10.3389/fpsyg.2016.01416 Typ Journal Article Autor Quervel-Chaumette M Journal Frontiers in Psychology Seiten 1416 Link Publikation -
2016
Titel Critical issues in experimental studies of prosociality in non-human species DOI 10.1007/s10071-016-0973-6 Typ Journal Article Autor Marshall-Pescini S Journal Animal Cognition Seiten 679-705 Link Publikation -
2016
Titel Investigating the Function of Play Bows in Dog and Wolf Puppies (Canis lupus familiaris, Canis lupus occidentalis) DOI 10.1371/journal.pone.0168570 Typ Journal Article Autor Byosiere S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Inequity Aversion Negatively Affects Tolerance and Contact-Seeking Behaviours towards Partner and Experimenter DOI 10.1371/journal.pone.0153799 Typ Journal Article Autor Brucks D Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Aging effects on discrimination learning, logical reasoning and memory in pet dogs DOI 10.1007/s11357-015-9866-x Typ Journal Article Autor Wallis L Journal AGE Seiten 6 Link Publikation -
2015
Titel Familiarity affects other-regarding preferences in pet dogs DOI 10.1038/srep18102 Typ Journal Article Autor Quervel-Chaumette M Journal Scientific Reports Seiten 18102 Link Publikation -
2017
Titel Is a local sample internationally representative? Reproducibility of four cognitive tests in family dogs across testing sites and breeds DOI 10.1007/s10071-017-1133-3 Typ Journal Article Autor Szabó D Journal Animal Cognition Seiten 1019-1033 -
2017
Titel Dogs’ reaction to inequity is affected by inhibitory control DOI 10.1038/s41598-017-16087-w Typ Journal Article Autor Brucks D Journal Scientific Reports Seiten 15802 Link Publikation -
2017
Titel What Are the Ingredients for an Inequity Paradigm? Manipulating the Experimenter's Involvement in an Inequity Task with Dogs DOI 10.3389/fpsyg.2017.00270 Typ Journal Article Autor Brucks D Journal Frontiers in Psychology Seiten 270 Link Publikation -
2017
Titel Reward type and behavioural patterns predict dogs’ success in a delay of gratification paradigm DOI 10.1038/srep42459 Typ Journal Article Autor Brucks D Journal Scientific Reports Seiten 42459 Link Publikation -
2017
Titel Measures of Dogs' Inhibitory Control Abilities Do Not Correlate across Tasks DOI 10.3389/fpsyg.2017.00849 Typ Journal Article Autor Brucks D Journal Frontiers in Psychology Seiten 849 Link Publikation -
2016
Titel A comparison between wolves, Canis lupus, and dogs, Canis familiaris, in showing behaviour towards humans DOI 10.5167/uzh-134993 Typ Other Autor Heberlein Link Publikation -
2018
Titel Personality traits in companion dogs—Results from the VIDOPET DOI 10.1371/journal.pone.0195448 Typ Journal Article Autor Turcsán B Journal PLOS ONE Link Publikation -
2018
Titel Inequity aversion in dogs: a review DOI 10.3758/s13420-018-0338-x Typ Journal Article Autor Mcgetrick J Journal Learning & Behavior Seiten 479-500 Link Publikation -
2019
Titel A Shared Food Source Is Not Necessary to Elicit Inequity Aversion in Dogs DOI 10.3389/fpsyg.2019.00413 Typ Journal Article Autor Mcgetrick J Journal Frontiers in Psychology Seiten 413 Link Publikation -
2016
Titel A comparison between wolves, Canis lupus, and dogs, Canis familiaris, in showing behaviour towards humans DOI 10.1016/j.anbehav.2016.09.023 Typ Journal Article Autor Heberlein M Journal Animal Behaviour Seiten 59-66 Link Publikation -
2016
Titel Task Differences and Prosociality; Investigating Pet Dogs’ Prosocial Preferences in a Token Choice Paradigm DOI 10.1371/journal.pone.0167750 Typ Journal Article Autor Dale R Journal PLOS ONE Link Publikation -
2015
Titel The Effect of Domestication on Inhibitory Control: Wolves and Dogs Compared DOI 10.1371/journal.pone.0118469 Typ Journal Article Autor Marshall-Pescini S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2015
Titel Training for eye contact modulates gaze following in dogs DOI 10.1016/j.anbehav.2015.04.020 Typ Journal Article Autor Wallis L Journal Animal Behaviour Seiten 27-35 Link Publikation