Midea, eine Siedlung in der Argolis vom Spätneolithikum bis zur Mittelbronzezeit
Midea, a settlement in the Argolid from the Late Neolithic to Middle Bronze Age Periods
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (35%); Geschichte, Archäologie (65%)
Keywords
-
Aegean,
Ceramic analysis,
Neolithic Period,
Middle Helladic,
Early Helladic,
Argolid
Die mykenische Burg von Midea, welche an der Ostgrenze der argivischen Ebene liegt, wird seit 1983 im Rahmen von griechisch-schwedischen Grabungen unter der Gesamtleitung von Dr. Katie Demakopoulou erforscht. Zwar war von Beginn der Grabungen klar, dass die Besiedlung des Hügels auf das Neolithikum und die Frühbronzezeit zurückgeht. Jedoch ergaben erst die Grabungen auf der oberen Akropolis der Jahre 2004-2006 in den Schnitten A und Aa stratifizierte, voneinander getrennte Kontexte des Frühhelladisch I und II. In FH II datieren auch zwei Mauern, zwischen denen ein Depot von Ess- und Trinkgeschirr lag, sowie der Rest einer massiven Mauer, die wahrscheinlich auf eine Befestigung deutet. In Frühhelladisch III /Mittelhelladisch I gehören drei Gräber. Spätneolithische und chalkolithische Keramik fand sich im gesamten Grabungsareal. Die oberen Schichten enthielt mittelhelladische und sehr wenig mykenische Keramik, die vermutlich die Nivellierung des Geländes vor der Anlage der mykenischen Bauten datiert. Die Funde dieser Schnitte sind Ausgangspunkt für diese Studie, welche die Frühbronzezeit in der Argivischen Ebene vor dem Hintergrund der Befunde von Midea erhellen soll. Neue Aspekte ergeben sich vor allem für die Anfangsphase der Frühbronzezeit (Frühhelladisch I), welche im Material von Midea sowohl in ihrer frühesten Ausprägung, als auch in ihrer fortgeschrittenen Phase, die in der Argolis als Talioti-Phase bezeichnet wird, belegt ist. Anhand der Keramik lässt sich für die ältere Phase eine die gesamte Ägäis umfassende Interaktion fassen, während für die Talioti-Phase regionale Sonderentwicklungen zu beobachten sind. Allerdings weisen nun Gefäßformen wie Kykladenpfannen auf eine Zunahme von Kontakten zu den Kykladen. Die Baureste der Phase Frühhelladisch II wie auch das Vorkommen von Pithoi mit Stempelrollerverzierung zeigen, dass Midea in der Siedlungshierarchie der Argolis einen höheren Stellenwert eingenommen haben muss. Für den keramischen Vergleich ist mit Lerna zwar Referenzmaterial ausgezeichnet publiziert; jedoch weist die Keramik von Midea klare Unterschiede in Form und Dekor auf, welche regional oder aber kontextuell bedingt sein könnten. Sowohl für diese Fragestellung als auch für die Rekonstruktion von interregionaler Interaktion und Außenbeziehungen sind die Keramikanalysen (hauptsächlich petrographische Untersuchungen) von Bedeutung. Abgesehen von bereits vorhandenen Ergebnissen für die Korinthia und Lerna ist dabei eine Analyse von Material aus Tiryns als einer der frühbronzezeitlichen Hauptsiedlungen der Argolis von besonderer Wichtigkeit. Eine Untersuchung der Geräte und der paläozoologischen Reste wird uns helfen, den wirtschaftlichen Hintergrund der Siedlung besser zu verstehen. Während Frühhelladisch III / Mittelhelladisch I scheint das Gelände von Schnitt A und Aa als Begräbnisstätte gedient zu haben. Zu untersuchen sind die unterschiedlichen Grabformen, bei denen es sich um die Gefäßbestattung eines Kindes, ein in den Fels geschnittenes Grab sowie ein Grubengrab handelt, aber auch ihre Beziehung zu den Bestatteten und die damit verbundenen Bestattungssitten. Die Gefäßreste dieser Zeitstellung, welche sich in der Umgebung der Gräber fanden, standen vermutlich in Zusammenhang mit den Bestattungen.
Die mykenische Burg von Midea liegt auf einem Hügel am Rand der argivischen Ebene und wird seit 1983 im Rahmen von griechisch-schwedischen Grabungen unter der Gesamtleitung von Dr. Katie Demakopoulou erforscht. Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dass dieser Fundort auf das Neolithikum und die Frühbronzezeit zurückgeht. Jedoch ergaben erst Grabungen in den Jahren 2004-2006 im oberen Teil der Akropolis stratifizierte Kontexte der Jungsteinzeit (Spät- und Endneolithikum; 4800-3100 v. Chr.), der Frühbronzezeit (Frühhelladisch [FH] I und II; 3100-2200 v. Chr.) sowie der beginnenden Mittelbronzezeit (FH III Spät Mittelhelladisch I; 2200-1900 v. Chr.). Das vom FWF geförderte Projekt hatte zum Ziel, diese Befunde zu erforschen und in einen Kontext mit bereits bekannten Funden Südgriechenlands und der Ägäis zu setzen. Die älteste Nutzung datiert in die jüngere Phase des Spätneolithikums (4800-4500 v. Chr.), von der eine Füllung mit kleingeschlagenen Keramikfragmenten erhalten ist. In diese war ein Grubengrab eingetieft, das die vermutlich sekundäre Körperbestattung einer Frau zwischen 40 und 50 Jahren enthielt. Nach Radiokarbon-Daten ist die Beisetzung zwischen 4350 und 4270 v.Chr. zu datieren. Ein gestörtes Felskammergrab dürfte in die Zeit zwischen dem Endneolithikum und FH II zu setzen sein. Für FH I (3100-2700 v. Chr.) ist ein Nutzungshorizont belegt. FH II (2700-2200 v. Chr.) ist in seiner entwickelten Periode gesichert. In diese Periode gehören der Abschnitt einer mächtigen Mauer, welche möglicherweise Teil einer Befestigung war, sowie das Depot eines Speiseservices. Vom späten FH II bis zum späten FH III ist im Bereich der Grabung eine Unterbrechung in der Nutzung festzustellen. Für die beginnende Mittelbronzezeit ist ein Boden- horizont gesichert, auf dem in größerem Abstand voneinander ganz erhaltene Gefäße standen. Die archäologische und naturwissenschaftliche Analyse der Keramik (Petrographie, chemische und Neutronenaktivierungsanalyse) ergab interessante Aspekte zur Stellung von Midea in der Nordostpeloponnes. Für FH I wurden mehrere lokale und regionale Fabrikate identifiziert. Ein wichtiges Produktionszentrum, das auf Fruchtständer spezialisiert war, lag im Talioti-Tal. Ein Import stammt von der Insel Ägina. Während FH II überwiegt das Talioti-Fabrikat, jedoch sind in geringerem Umfang als während der vorhergehenden Perioden auch andere lokale Fabrikate belegt. Ca. 10% der Keramik dürfte aus der Korinthia importiert sein. Bei dieser hoch gebrannten Keramik mit dunklem Überzug handelt es sich hauptsächlich um Saucieren und Schalen, die auf Zusammenkünfte mit gemeinschaftlichem Essen und Trinken weisen. Tonstatuetten, Schmuck, Spinnwirtel, Mattenabdrücke, Steingeräte sowie paläozoologische Reste geben Auskunft über die vielfältigen Aktivitäten von Midea. Aufgrund von Abschlagresten dürfte Midea ein sekundäres Produktionszentrum von Obsidian gewesen sein. Das häufige Auftreten von Obsidian spricht für die engen Beziehungen von Midea zu nahe gelegenen Küstensiedlungen. Gleichzeitig zeigen Fragmente von Vorratsgefäßen mit Stempelrollerabdrücken, Marmorgewichte und die Reste der Befestigung, dass Midea eine bedeutende Stellung im FH II- zeitlichen Siedlungsnetzwerk der Argolis eingenommen hat.
- Joseph Maran, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg - Deutschland
- Peter Day, The University of Sheffield - Vereinigtes Königreich