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Pheromon-Transporter-Proteine und chemosensorische Kommunikation

Major Urinary Proteins: Re-examining the functions in chemosensory communication

Dustin J. Penn (ORCID: 0000-0002-5406-8065)
  • Grant-DOI 10.55776/P24711
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2012
  • Projektende 30.11.2017
  • Bewilligungssumme 547.475 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Chemosensory communication, House mouse (M. musculus), Major urinary proteins (MUPs), Barcode hypothesis, Sexual selection, Quality signaling hypothesis

Abstract Endbericht

Hausmäuse (Mus musculus) kommunizieren durch chemische Signale und ihre Geruchsmarkierungen enthalten einerseits erstaunlich viele Informationen über ein Individuum (z.B.: sozialer Status, Gesundheitszustand, genetische Krankheitsresistenz und Inzuchtgrad), andererseits spielen sie eine Rolle bei Verwandtenerkennung und Inzuchtvermeidung. Zu verstehen, wie chemische Signale diese Informationen kodieren ist eine große Herausforderung. Männliche Hausmäuse scheiden große Mengen Proteine mit dem Urin aus (sog. Major Urinary Proteins oder MUPs), welche Pheromone im Urin binden und transportieren sowie deren Verdunstung von den Geruchsmarkierungen verzögern. MUP-Produktion ist testosteronabhängig und Männchen produzieren drei bis fünf Mal mehr als Weibchen, welches mit substanziellen metabolischen Kosten verbunden ist. MUPs werden von 21 Genen kodiert und Individuen produzieren eine variable Anzahl von MUP-Isoformen im Urin. Studien haben gezeigt, dass MUPs stark polymorph sind und einen einzigartigen, individuellen "Strichcode" darstellen, welcher individuelle Erkennung, Inzuchtvermeidung und Präferenzen für Fortpflanzungsparter vermittelt. Unser allgemeines Ziel ist zu untersuchen, ob MUPs ein individuelles Kompatibilitäts-signal oder ein Qualitätssignal für Fortpflanzungspartner darstellen. Unser erstes Ziel ist dabei die Untersuchung folgender Hypothesen: (1) MUPs zeigen hohe Variation zwischen Individuen und hohe Konsistenz innerhald des Individuums sowie die Vermittlung von individueller Erkennung durch MUPs ("Strichcodehypothese"); (2) MUPs spielen eine entscheidende Rolle bei Verwandtenerkennung und Inzuchtvermeidung; (3) Weibchen verpaaren sich bevorzugt mit Männchen, die eine hohe genetische MUP-Heterozygotie aufweisen. Falls MUPs doch keine hohe Variabilität zwischen Individuen aufweisen, worauf unsere Vorversuche hindeuten, können wir die "Strichcodehypothese" ablehnen und uns einer anderen Hypothese zuwenden. Es wurde argumentiert, dass die MUP-Produktion ein untrügliches Zeichen des Gesundheitszustandes eines Männchen für Fortpflanzungspartner und Rivalen darstellt ("Qualitätsindikatorhypothese"). Wir werden folgende Hypothesen testen: (1) MUP-Produktion erhöht den sozialen Status und den Verpaarungserfolg eines Männchens; (2) MUP-Produktion ist ein untrüglicher Beleg für den Gesundheitszustand und die allgemeine Verfassung eines Männchen; (3) MUP-Produktion ist ein Signal für hohe genetische Qualität und genetische Vorteile bei der Partnerwahl. Wir werden wilde Mäuse und deren Nachkommen im Labor und in halbnatürlichen Gehegen untersuchen und eine Reihe von genetischen und biochemischen Werkzeugen verwenden. Diese Experimente, welche die Zusammenarbeit von Verhaltensbiologen, Genetikern und Chemikern ermöglichen, werden dabei helfen zu verstehen, welche Funktionen MUPs erfüllen und wie chemische Signale Informationen über genetische Qualität und Kompatibilität kodieren.

Hausmäuse scheiden große Mengen an Major Urinary Proteins (MUPs) aus, die die Freisetzung von flüchtigen Pheromonen aus Urin-Duftmarken stabilisieren. Unser Ziel war es, verschiedene Funktionen für diese Proteine zu untersuchen. Unser erstes Ziel war es zu testen, ob MUPs eine individuelle Geruchssignatur oder einen "Strichcode" liefern, der die Erkennung von Individuen und Verwandten (Strichcode-Hypothese) ermöglicht. Wir führten eine große Untersuchung der MUP-Variation in Wildpopulationen von Hausmäusen durch und fanden heraus, dass MUPs, im Gegensatz zu früheren Behauptungen, keine eindeutigen und stabilen individuellen Profile zeigen. Unter Verwendung modernster Proteinanalysen ermittelten wir, dass Mäuse ungefähr neun MUPs pro Individuum produzieren, und mittels DNA-Sequenzierung fanden wir keine individuelle Variation in MUP-Genen. Daher zeigen unsere Ergebnisse, dass die Erkennung von Individuen oder Verwandten nicht auf MUPs basieren kann. Unser zweites Ziel war es, die MUP-Regulierung zu untersuchen und zu testen, ob die MUP-Ausscheidung ein zuverlässiges Signal für den sozialen Status des Männchens liefert (Sozialer Status-Hypothese). Wir studierten Hausmäuse, die in großen halbnatürlichen Gehegen lebten und fanden heraus, dass Männchen die Ausscheidung von MUPs erhöhten, nachdem sie sozial dominant geworden waren. Unter Verwendung von Geruchstests konnten wir zeigen, dass Weibchen mehr vom Geruch dominanter als subordinativer Männchen angezogen wurden, aber dieses Ergebnis war nicht auf die männliche MUP-Konzentration als solche zurückzuführen. Weitere Analysen zeigten, dass dominante Männchen höhere Konzentrationen eines bestimmten MUP (MUP20 oder Darcin, welches Weibchen anlockt) und eines flüchtigen Pheromons (welches die weibliche Reproduktion beeinflusst) ausscheiden. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass männliche Mäuse die gesamte MUP-Ausscheidung die bestimmte Pheromone enthält abhängig von ihrem sozialen Status regulieren, was ihre sexuelle Attraktivität erhöht. Schließlich untersuchten wir die Hypothese, dass MUPs toxische Abfallprodukte binden und transportieren (Giftige Abfälle- Hypothese). Überraschend fanden wir eine industrielle Chemikalie im Urin unserer Mäuse, die durch Proteine im Urin gebunden ist, wie von der Hypothese des toxischen Abfalls vorhergesagt. Zusammenfassend stellen unsere Ergebnisse eine seit langem bestehende Erklärung für die Funktion von MUPs (Individual- und Verwandtschafts-Erkennung) in Frage. Sie stützen die Hypothese, dass MUPs nach dem männlichen sozialen Status reguliert werden, was die olfaktorische Anziehung der Weibchen gegenüber dominanten Männchen erklärt. Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die chemische Kommunikation bei Säugetieren besser zu verstehen und einen unerwarteten Zusammenhang zwischen chemischen Signalen und der Beseitigung giftiger Abfälle herzustellen.

Forschungsstätte(n)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Pavel Stopka, Charles University Prague - Tschechien

Research Output

  • 725 Zitationen
  • 27 Publikationen
Publikationen
  • 2021
    Titel Pheromones that correlate with reproductive success in competitive conditions
    DOI 10.1038/s41598-021-01507-9
    Typ Journal Article
    Autor Luzynski K
    Journal Scientific Reports
    Seiten 21970
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Regulation of highly homologous major urinary proteins in house mice quantified with label-free proteomic methods
    DOI 10.1039/c6mb00278a
    Typ Journal Article
    Autor Enk V
    Journal Molecular BioSystems
    Seiten 3005-3016
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Are MUPs a Toxic Waste Disposal System?
    DOI 10.1371/journal.pone.0151474
    Typ Journal Article
    Autor Kwak J
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Pheromones that Correlate with Reproductive Success in Competitive Conditions
    DOI 10.21203/rs.3.rs-383389/v1
    Typ Preprint
    Autor Luzynski K
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Female house mice initially shun infected males, but do not avoid mating with them
    DOI 10.1007/s00265-015-1884-2
    Typ Journal Article
    Autor Zala S
    Journal Behavioral Ecology and Sociobiology
    Seiten 715-722
  • 2015
    Titel Seeking signatures of reinforcement at the genetic level: a hitchhiking mapping and candidate gene approach in the house mouse
    DOI 10.1111/mec.13301
    Typ Journal Article
    Autor Smadja C
    Journal Molecular Ecology
    Seiten 4222-4237
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The role of equilibrium cost in the evolution of honest signalling: waste or optimal investment?
    DOI 10.1101/256370
    Typ Preprint
    Autor Számadó S
    Seiten 256370
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Does the handicap principle explain the evolution of dimorphic ornaments?
    DOI 10.1016/j.anbehav.2018.01.005
    Typ Journal Article
    Autor Számadó S
    Journal Animal Behaviour
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Sex-dependent modulation of ultrasonic vocalizations in house mice (Mus musculus musculus)
    DOI 10.1371/journal.pone.0188647
    Typ Journal Article
    Autor Zala S
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Inhibition of atherogenesis by the COP9 signalosome subunit 5 in vivo
    DOI 10.1073/pnas.1618411114
    Typ Journal Article
    Autor Asare Y
    Journal Proceedings of the National Academy of Sciences
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Automatic mouse ultrasound detector (A-MUD): A new tool for processing rodent vocalizations
    DOI 10.1371/journal.pone.0181200
    Typ Journal Article
    Autor Zala S
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Male scent but not courtship vocalizations induce estrus in wild female house mice
    DOI 10.1016/j.physbeh.2022.114053
    Typ Journal Article
    Autor Wölfl S
    Journal Physiology & Behavior
    Seiten 114053
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Regulation of Sexually Dimorphic Expression of Major Urinary Proteins
    DOI 10.3389/fphys.2022.822073
    Typ Journal Article
    Autor Penn D
    Journal Frontiers in Physiology
    Seiten 822073
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Author Correction: Regulation of volatile and non-volatile pheromone attractants depends upon male social status
    DOI 10.1038/s41598-019-41666-4
    Typ Journal Article
    Autor Thoß M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 6185
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Regulation of volatile and non-volatile pheromone attractants depends upon male social status
    DOI 10.1038/s41598-018-36887-y
    Typ Journal Article
    Autor Thoß M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 489
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Sexual experience has no effect on male mating or reproductive success in house mice
    DOI 10.1038/s41598-019-48392-x
    Typ Journal Article
    Autor Thonhauser K
    Journal Scientific Reports
    Seiten 12145
    Link Publikation
  • 2019
    Titel The Handicap Principle: how an erroneous hypothesis became a scientific principle
    DOI 10.1111/brv.12563
    Typ Journal Article
    Autor Penn D
    Journal Biological Reviews
    Seiten 267-290
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Multiple paternity does not depend on male genetic diversity
    DOI 10.1016/j.anbehav.2014.04.028
    Typ Journal Article
    Autor Thonhauser K
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 135-141
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Female partner preferences enhance offspring ability to survive an infection
    DOI 10.1186/1471-2148-14-14
    Typ Journal Article
    Autor Raveh S
    Journal BMC Evolutionary Biology
    Seiten 14
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Multiple paternity in wild house mice (Mus musculus musculus): effects on offspring genetic diversity and body mass
    DOI 10.1002/ece3.920
    Typ Journal Article
    Autor Thonhauser K
    Journal Ecology and Evolution
    Seiten 200-209
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Female partner preferences enhance offspring ability to survive an infection
    DOI 10.5451/unibas-ep50425
    Typ Other
    Autor Raveh
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Does multiple paternity influence offspring disease resistance?
    DOI 10.1111/jeb.12854
    Typ Journal Article
    Autor Thonhauser K
    Journal Journal of Evolutionary Biology
    Seiten 1142-1150
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Diversity of major urinary proteins (MUPs) in wild house mice
    DOI 10.1038/srep38378
    Typ Journal Article
    Autor Thoß M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 38378
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Major urinary protein (MUP) profiles show dynamic changes rather than individual “barcode” signatures
    DOI 10.3389/fevo.2015.00071
    Typ Journal Article
    Autor Thoß M
    Journal Frontiers in Ecology and Evolution
    Seiten 71
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Why do female mice mate with multiple males?
    DOI 10.1007/s00265-013-1604-8
    Typ Journal Article
    Autor Thonhauser K
    Journal Behavioral Ecology and Sociobiology
    Seiten 1961-1970
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Scent marking increases male reproductive success in wild house mice
    DOI 10.1016/j.anbehav.2013.09.004
    Typ Journal Article
    Autor Thonhauser K
    Journal Animal Behaviour
    Seiten 1013-1021
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Why does costly signalling evolve? Challenges with testing the handicap hypothesis
    DOI 10.1016/j.anbehav.2015.06.005
    Typ Journal Article
    Autor Számadó S
    Journal Animal Behaviour
    Link Publikation

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