Pheromon-Transporter-Proteine und chemosensorische Kommunikation
Major Urinary Proteins: Re-examining the functions in chemosensory communication
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Chemosensory communication,
House mouse (M. musculus),
Major urinary proteins (MUPs),
Barcode hypothesis,
Sexual selection,
Quality signaling hypothesis
Hausmäuse (Mus musculus) kommunizieren durch chemische Signale und ihre Geruchsmarkierungen enthalten einerseits erstaunlich viele Informationen über ein Individuum (z.B.: sozialer Status, Gesundheitszustand, genetische Krankheitsresistenz und Inzuchtgrad), andererseits spielen sie eine Rolle bei Verwandtenerkennung und Inzuchtvermeidung. Zu verstehen, wie chemische Signale diese Informationen kodieren ist eine große Herausforderung. Männliche Hausmäuse scheiden große Mengen Proteine mit dem Urin aus (sog. Major Urinary Proteins oder MUPs), welche Pheromone im Urin binden und transportieren sowie deren Verdunstung von den Geruchsmarkierungen verzögern. MUP-Produktion ist testosteronabhängig und Männchen produzieren drei bis fünf Mal mehr als Weibchen, welches mit substanziellen metabolischen Kosten verbunden ist. MUPs werden von 21 Genen kodiert und Individuen produzieren eine variable Anzahl von MUP-Isoformen im Urin. Studien haben gezeigt, dass MUPs stark polymorph sind und einen einzigartigen, individuellen "Strichcode" darstellen, welcher individuelle Erkennung, Inzuchtvermeidung und Präferenzen für Fortpflanzungsparter vermittelt. Unser allgemeines Ziel ist zu untersuchen, ob MUPs ein individuelles Kompatibilitäts-signal oder ein Qualitätssignal für Fortpflanzungspartner darstellen. Unser erstes Ziel ist dabei die Untersuchung folgender Hypothesen: (1) MUPs zeigen hohe Variation zwischen Individuen und hohe Konsistenz innerhald des Individuums sowie die Vermittlung von individueller Erkennung durch MUPs ("Strichcodehypothese"); (2) MUPs spielen eine entscheidende Rolle bei Verwandtenerkennung und Inzuchtvermeidung; (3) Weibchen verpaaren sich bevorzugt mit Männchen, die eine hohe genetische MUP-Heterozygotie aufweisen. Falls MUPs doch keine hohe Variabilität zwischen Individuen aufweisen, worauf unsere Vorversuche hindeuten, können wir die "Strichcodehypothese" ablehnen und uns einer anderen Hypothese zuwenden. Es wurde argumentiert, dass die MUP-Produktion ein untrügliches Zeichen des Gesundheitszustandes eines Männchen für Fortpflanzungspartner und Rivalen darstellt ("Qualitätsindikatorhypothese"). Wir werden folgende Hypothesen testen: (1) MUP-Produktion erhöht den sozialen Status und den Verpaarungserfolg eines Männchens; (2) MUP-Produktion ist ein untrüglicher Beleg für den Gesundheitszustand und die allgemeine Verfassung eines Männchen; (3) MUP-Produktion ist ein Signal für hohe genetische Qualität und genetische Vorteile bei der Partnerwahl. Wir werden wilde Mäuse und deren Nachkommen im Labor und in halbnatürlichen Gehegen untersuchen und eine Reihe von genetischen und biochemischen Werkzeugen verwenden. Diese Experimente, welche die Zusammenarbeit von Verhaltensbiologen, Genetikern und Chemikern ermöglichen, werden dabei helfen zu verstehen, welche Funktionen MUPs erfüllen und wie chemische Signale Informationen über genetische Qualität und Kompatibilität kodieren.
Hausmäuse scheiden große Mengen an Major Urinary Proteins (MUPs) aus, die die Freisetzung von flüchtigen Pheromonen aus Urin-Duftmarken stabilisieren. Unser Ziel war es, verschiedene Funktionen für diese Proteine zu untersuchen. Unser erstes Ziel war es zu testen, ob MUPs eine individuelle Geruchssignatur oder einen "Strichcode" liefern, der die Erkennung von Individuen und Verwandten (Strichcode-Hypothese) ermöglicht. Wir führten eine große Untersuchung der MUP-Variation in Wildpopulationen von Hausmäusen durch und fanden heraus, dass MUPs, im Gegensatz zu früheren Behauptungen, keine eindeutigen und stabilen individuellen Profile zeigen. Unter Verwendung modernster Proteinanalysen ermittelten wir, dass Mäuse ungefähr neun MUPs pro Individuum produzieren, und mittels DNA-Sequenzierung fanden wir keine individuelle Variation in MUP-Genen. Daher zeigen unsere Ergebnisse, dass die Erkennung von Individuen oder Verwandten nicht auf MUPs basieren kann. Unser zweites Ziel war es, die MUP-Regulierung zu untersuchen und zu testen, ob die MUP-Ausscheidung ein zuverlässiges Signal für den sozialen Status des Männchens liefert (Sozialer Status-Hypothese). Wir studierten Hausmäuse, die in großen halbnatürlichen Gehegen lebten und fanden heraus, dass Männchen die Ausscheidung von MUPs erhöhten, nachdem sie sozial dominant geworden waren. Unter Verwendung von Geruchstests konnten wir zeigen, dass Weibchen mehr vom Geruch dominanter als subordinativer Männchen angezogen wurden, aber dieses Ergebnis war nicht auf die männliche MUP-Konzentration als solche zurückzuführen. Weitere Analysen zeigten, dass dominante Männchen höhere Konzentrationen eines bestimmten MUP (MUP20 oder Darcin, welches Weibchen anlockt) und eines flüchtigen Pheromons (welches die weibliche Reproduktion beeinflusst) ausscheiden. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass männliche Mäuse die gesamte MUP-Ausscheidung die bestimmte Pheromone enthält abhängig von ihrem sozialen Status regulieren, was ihre sexuelle Attraktivität erhöht. Schließlich untersuchten wir die Hypothese, dass MUPs toxische Abfallprodukte binden und transportieren (Giftige Abfälle- Hypothese). Überraschend fanden wir eine industrielle Chemikalie im Urin unserer Mäuse, die durch Proteine im Urin gebunden ist, wie von der Hypothese des toxischen Abfalls vorhergesagt. Zusammenfassend stellen unsere Ergebnisse eine seit langem bestehende Erklärung für die Funktion von MUPs (Individual- und Verwandtschafts-Erkennung) in Frage. Sie stützen die Hypothese, dass MUPs nach dem männlichen sozialen Status reguliert werden, was die olfaktorische Anziehung der Weibchen gegenüber dominanten Männchen erklärt. Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die chemische Kommunikation bei Säugetieren besser zu verstehen und einen unerwarteten Zusammenhang zwischen chemischen Signalen und der Beseitigung giftiger Abfälle herzustellen.
- Pavel Stopka, Charles University Prague - Tschechien
Research Output
- 725 Zitationen
- 27 Publikationen
-
2021
Titel Pheromones that correlate with reproductive success in competitive conditions DOI 10.1038/s41598-021-01507-9 Typ Journal Article Autor Luzynski K Journal Scientific Reports Seiten 21970 Link Publikation -
2016
Titel Regulation of highly homologous major urinary proteins in house mice quantified with label-free proteomic methods DOI 10.1039/c6mb00278a Typ Journal Article Autor Enk V Journal Molecular BioSystems Seiten 3005-3016 Link Publikation -
2016
Titel Are MUPs a Toxic Waste Disposal System? DOI 10.1371/journal.pone.0151474 Typ Journal Article Autor Kwak J Journal PLOS ONE Link Publikation -
2021
Titel Pheromones that Correlate with Reproductive Success in Competitive Conditions DOI 10.21203/rs.3.rs-383389/v1 Typ Preprint Autor Luzynski K Link Publikation -
2015
Titel Female house mice initially shun infected males, but do not avoid mating with them DOI 10.1007/s00265-015-1884-2 Typ Journal Article Autor Zala S Journal Behavioral Ecology and Sociobiology Seiten 715-722 -
2015
Titel Seeking signatures of reinforcement at the genetic level: a hitchhiking mapping and candidate gene approach in the house mouse DOI 10.1111/mec.13301 Typ Journal Article Autor Smadja C Journal Molecular Ecology Seiten 4222-4237 Link Publikation -
2018
Titel The role of equilibrium cost in the evolution of honest signalling: waste or optimal investment? DOI 10.1101/256370 Typ Preprint Autor Számadó S Seiten 256370 Link Publikation -
2018
Titel Does the handicap principle explain the evolution of dimorphic ornaments? DOI 10.1016/j.anbehav.2018.01.005 Typ Journal Article Autor Számadó S Journal Animal Behaviour Link Publikation -
2017
Titel Sex-dependent modulation of ultrasonic vocalizations in house mice (Mus musculus musculus) DOI 10.1371/journal.pone.0188647 Typ Journal Article Autor Zala S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2017
Titel Inhibition of atherogenesis by the COP9 signalosome subunit 5 in vivo DOI 10.1073/pnas.1618411114 Typ Journal Article Autor Asare Y Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Link Publikation -
2017
Titel Automatic mouse ultrasound detector (A-MUD): A new tool for processing rodent vocalizations DOI 10.1371/journal.pone.0181200 Typ Journal Article Autor Zala S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2022
Titel Male scent but not courtship vocalizations induce estrus in wild female house mice DOI 10.1016/j.physbeh.2022.114053 Typ Journal Article Autor Wölfl S Journal Physiology & Behavior Seiten 114053 Link Publikation -
2022
Titel Regulation of Sexually Dimorphic Expression of Major Urinary Proteins DOI 10.3389/fphys.2022.822073 Typ Journal Article Autor Penn D Journal Frontiers in Physiology Seiten 822073 Link Publikation -
2019
Titel Author Correction: Regulation of volatile and non-volatile pheromone attractants depends upon male social status DOI 10.1038/s41598-019-41666-4 Typ Journal Article Autor Thoß M Journal Scientific Reports Seiten 6185 Link Publikation -
2019
Titel Regulation of volatile and non-volatile pheromone attractants depends upon male social status DOI 10.1038/s41598-018-36887-y Typ Journal Article Autor Thoß M Journal Scientific Reports Seiten 489 Link Publikation -
2019
Titel Sexual experience has no effect on male mating or reproductive success in house mice DOI 10.1038/s41598-019-48392-x Typ Journal Article Autor Thonhauser K Journal Scientific Reports Seiten 12145 Link Publikation -
2019
Titel The Handicap Principle: how an erroneous hypothesis became a scientific principle DOI 10.1111/brv.12563 Typ Journal Article Autor Penn D Journal Biological Reviews Seiten 267-290 Link Publikation -
2014
Titel Multiple paternity does not depend on male genetic diversity DOI 10.1016/j.anbehav.2014.04.028 Typ Journal Article Autor Thonhauser K Journal Animal Behaviour Seiten 135-141 Link Publikation -
2014
Titel Female partner preferences enhance offspring ability to survive an infection DOI 10.1186/1471-2148-14-14 Typ Journal Article Autor Raveh S Journal BMC Evolutionary Biology Seiten 14 Link Publikation -
2013
Titel Multiple paternity in wild house mice (Mus musculus musculus): effects on offspring genetic diversity and body mass DOI 10.1002/ece3.920 Typ Journal Article Autor Thonhauser K Journal Ecology and Evolution Seiten 200-209 Link Publikation -
2014
Titel Female partner preferences enhance offspring ability to survive an infection DOI 10.5451/unibas-ep50425 Typ Other Autor Raveh Link Publikation -
2016
Titel Does multiple paternity influence offspring disease resistance? DOI 10.1111/jeb.12854 Typ Journal Article Autor Thonhauser K Journal Journal of Evolutionary Biology Seiten 1142-1150 Link Publikation -
2016
Titel Diversity of major urinary proteins (MUPs) in wild house mice DOI 10.1038/srep38378 Typ Journal Article Autor Thoß M Journal Scientific Reports Seiten 38378 Link Publikation -
2015
Titel Major urinary protein (MUP) profiles show dynamic changes rather than individual “barcode” signatures DOI 10.3389/fevo.2015.00071 Typ Journal Article Autor Thoß M Journal Frontiers in Ecology and Evolution Seiten 71 Link Publikation -
2013
Titel Why do female mice mate with multiple males? DOI 10.1007/s00265-013-1604-8 Typ Journal Article Autor Thonhauser K Journal Behavioral Ecology and Sociobiology Seiten 1961-1970 Link Publikation -
2013
Titel Scent marking increases male reproductive success in wild house mice DOI 10.1016/j.anbehav.2013.09.004 Typ Journal Article Autor Thonhauser K Journal Animal Behaviour Seiten 1013-1021 Link Publikation -
2015
Titel Why does costly signalling evolve? Challenges with testing the handicap hypothesis DOI 10.1016/j.anbehav.2015.06.005 Typ Journal Article Autor Számadó S Journal Animal Behaviour Link Publikation