Asymptotische Analyse extremaler diskreter Strukturen
Asymptotic Analysis of Extremal Discrete Structures
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (10%); Mathematik (90%)
Keywords
-
Extremal discrete structures,
Digital expansions,
Graph theoretic indices,
Elliptic and hyperelliptic curve cryptography,
Analysis of algorithms
Strukturen oder Algorithmen zu optimieren, ist in verschiedenen Bereichen der Mathematik und ihrer Anwendungen von Bedeutung. Dabei sind nicht nur die Lösungen selbst von Interesse, sondern auch ihr qualitatives und quantitatives Verhalten für große Parameterwerte, wodurch ein besseres Verständnis ihrer Eigenschaften sowie ein Vergleich mit anderen Ansätzen und Strategien ermöglicht wird. Dies erfordert jedoch eine genaue asymptotische und probabilistische Analyse diskreter Strukturen und Algorithmen. In diesem Kontext interessieren wir uns besonders für mathematische Probleme aus der Graphentheorie und aus Anwendungen in der Kryptographie. In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine Reihe von unterschiedlichen graphentheoretischen Indices intensiv untersucht. Ein Grund hierfür ist, dass Moleküle als ungerichtete Graphen dargestellt werden können und gewisse physikochemische Eigenschaften von der Struktur dieser Graphen abhängen, was sich wiederum in den Werten ihrer graphentheoretischen Indices widerspiegelt. Es ist nur natürlich, nach den Wertebereichen dieser Indices zu fragen und jene Graphen zu bestimmen, welche die Indices über gewissen Graphenklassen (z.B. Bäume) maximieren bzw. minimieren. Somit ist es ein Ziel dieses Projekts, extremale Graphen bezüglich Indices im Zusammenhang mit dem Wiener-Index (Summe der paarweisen Distanzen), dem Merrifield-Simmons-Index (Anzahl unabhängiger Mengen) sowie dem Hosoya-Index (Anzahl der Matchings) unter verschiedenen Nebenbedingungen zu bestimmen. Solche extremale Graphen können manchmal nur durch Verwendung anderer mathematischer Konzepte beschrieben werden, beispielsweise spezieller Ziffernentwicklungen für die relevanten Parameter wie etwa die Ordnung des Graphen. Andererseits sind Ziffernentwicklungen auch ein zentrales Konzept in unseren Untersuchungen von Fragestellungen in der Kryptographie. Asymmetrische Kryptographie beruht auf der effizienten Berechnung von Einwegfunktionen, wobei wir uns hier auf die Berechnung von skalaren Vielfachen nP eines Elements P einer abelschen Gruppe konzentrieren. Klassischerweise stellt man n durch eine Ziffernentwicklung dar und führt die Skalarmultiplikation mittels Horner-Schemas durch, was zum sogenannten "double-and-add"-Verfahren führt. Neben der multiplikativen Gruppe eines endlichen Körpers ist auch die Punktgruppe einer elliptischen (oder auch hyperelliptischen) Kurve weit verbreitet, wobei hier zusätzliche Strukturen dieser Gruppen viele Variationen des ursprünglichen Verfahrens zulassen. Insbesondere sind Ziffernentwicklungen zu gewissen nicht-rationalen Basen von Interesse. Ein Ziel des Projekts ist es, in verschiedenen Konfigurationen optimale Entwicklungen zu bestimmen und die resultierenden Algorithmen einer präzisen asymptotischen und probabilistischen Analyse im Sinne von D. E. Knuth zu unterziehen.
Während Menschen üblicherweise an das klassische Dezimalsystem (Basis Zehn mit Ziffern von 0 bis 9) gewöhnt sind, verwenden Computer meist das Binärsystem (Basis Zwei) mit Ziffern 0 und 1. Für spezielle Anwendungen hingegen stellen sich andere Ziffernsysteme als nützlicher heraus. Zum Beispiel ist es in der Kryptographie, die man etwa für die sichere Kommunikation im Internet verwendet, effizienter, Ziffernsysteme in Basis Zwei mit Ziffern -1, 0 und 1 zu verwenden. Das Gewicht, d.h. die Anzahl der von NullverschiedenenZiffern,beeinflusstdanndie Laufzeitdes Verschlüsselungsalgorithmus. Erlaubt man auch die Ziffer -1, kann man ein- und dieselbe Zahl auf viele verschiedene Arten darstellen. Damit ist es möglich, eine Entwicklung minimalen Gewichts auszuwählen. Es ist bekannt, dass das durchschnittliche Gewicht bei Verwendung der Ziffern 0 und 1 gleich der Hälfte der Anzahl der Ziffern ist, während Zulassen von -1 das durchschnittliche Gewicht auf ein Drittel der Anzahl der Ziffern senkt. Benutzt man noch mehr Ziffern, verringert sich das durchschnittliche Gewicht noch weiter. Es war ein zentrales Ziel des Projekts, das durchschnittliche Gewicht für eine große Klasse von Ziffernentwicklungen so präzise wie möglich zu bestimmen. Es stellte sich heraus, dass ein passendes Werkzeug, um solche Entwicklungen zu beschreiben, sogenannte Transduktor-Automaten sind. Diese können durch endlich viele Zustände und Übergänge zwischen diesen Zuständen be- schrieben werden, welche die Eingabedaten (die Standardbinärentwicklung) in die gewünschte Entwicklung übersetzen. Das durchschnittliche Gewicht sowie die zugehörige Standardabweichung kann dann durch Betrachten entsprechender Eigenschaften des Transduktor- Automaten analysiert werden. Die Resultate hängen sehr stark von den Zusammenhangseigenschaften des Transduktors ab. Im einfachsten Fall stellt sich heraus, dass das Gewicht einer zufälligen Entwicklung annähernd normalverteilt ist. Eine solche Analyse ist typisch für das wissenschaftliche Gebiet der mathematischen Analyse von Algorithmen. Dort ist das Ziel, die Laufzeit verschiedener Algorithmen so präzise wie möglich zu bestimmen, wobei üblicherweise Methoden aus verschiedenen Teilgebieten der Mathematik herangezogen werden. Ein anderes Beispiel eines im Rahmen dieses Projekts untersuchten Algorithmus ist der sogenannte Dual-Pivot-Quicksort-Algorithmus. Das Sortieren von Listen von Werten ist ein wesentlicher Baustein in vielen Anwendungen und sollte so effizient wie möglich durchgeführt werden. Die Laufzeit eines Sortieralgorithmus wird üblicherweise durch die Anzahl von erforderlichen Vergleichen gemessen. Indem man die Anzahl der Vergleiche durch einen sogenannten Gitterpfad in einem speziellen Wahrscheinlichkeitsmodell beschreibt, war es möglich zu zeigen, dass eine bestimmte Variante von Dual-Pivot- Quicksort in der Tat optimal in ihrer Klasse ist, und ihre Laufzeit konnte mit sehr hoher Präzision bestimmt werden. Gitterpfade können auch benutzt werden, um gewisse Baumparameter zu beschreiben. Da- bei handelt es sich um Graphen, die aus Knoten und Verbindungen zwischen diesen Knoten bestehen, ohne dass dabei Kreise entstehen. Hier analysierten wir verschiedene Wachstumsparameter dieser Bäume, zum Beispiel die Horton Strahler-Zahl, die auch zur Beschreibung von Flussnetzwerken verwendet wird. Um unsere Resultate zu erzielen, waren ausführliche Computerberechnungen erforderlich. Dazuimplementierten wir zwei Module für das quelloffene Computeralgebrasystem SageMath: eines für Manipulationen von Transduktor- Automaten und das andere für Berechnungen mit asymptotischen Entwicklungen. Das Ziel bei der Implementierung war es, vielseitige Module zu entwickeln, die den vollen Funktionsumfang von SageMath bei Berechnungen mit Transduktor- Automaten bzw. asymptotischen Entwicklungen benutzen.
- Universität Klagenfurt - 40%
- Technische Universität Graz - 60%
- Peter Grabner, Technische Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Helmut Prodinger, University of Stellenbosch - Südafrika
- Stephan Wagner, University of Stellenbosch - Südafrika
- Hua Wang, Georgia Southern University - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 48 Zitationen
- 20 Publikationen
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2016
Titel Analysis of Bidirectional Ballot Sequences and Random Walks Ending in Their Maximum DOI 10.1007/s00026-016-0330-0 Typ Journal Article Autor Hackl B Journal Annals of Combinatorics Seiten 775-797 Link Publikation -
2016
Titel Analysis of carries in signed digit expansions DOI 10.1007/s00605-016-0917-x Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Monatshefte für Mathematik Seiten 299-334 Link Publikation -
2015
Titel Variances and covariances in the Central Limit Theorem for the output of a transducer DOI 10.1016/j.ejc.2015.03.004 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal European Journal of Combinatorics Seiten 167-187 Link Publikation -
2015
Titel Canonical Trees, Compact Prefix-Free Codes, and Sums of Unit Fractions: A Probabilistic Analysis DOI 10.1137/15m1017107 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal SIAM Journal on Discrete Mathematics Seiten 1600-1653 Link Publikation -
2017
Titel Protection number in plane trees DOI 10.2298/aadm1702314h Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Applicable Analysis and Discrete Mathematics Seiten 314-326 Link Publikation -
2017
Titel Elliptic curves with isomorphic groups of points over finite field extensions DOI 10.1016/j.jnt.2017.05.028 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Journal of Number Theory Seiten 89-98 Link Publikation -
2017
Titel An Extended Note on the Comparison-optimal Dual-Pivot Quickselect DOI 10.1137/1.9781611974775.11 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Krenn D Seiten 115-123 Link Publikation -
2017
Titel Iterative Cutting and Pruning of Planar Trees DOI 10.1137/1.9781611974775.6 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Hackl B Seiten 66-72 Link Publikation -
2017
Titel On the Monoid Generated by a Lucas Sequence DOI 10.1007/978-3-319-55357-3_14 Typ Book Chapter Autor Heuberger C Verlag Springer Nature Seiten 281-301 -
2017
Titel Non-minimality of the width- w w non-adjacent form in conjunction with trace one t \tau -adic digit expansions and Koblitz curves in characteristic two DOI 10.1090/mcom/3227 Typ Journal Article Autor Krenn D Journal Mathematics of Computation Seiten 821-854 Link Publikation -
2017
Titel Computing J-ideals of a matrix over a principal ideal domain DOI 10.1016/j.laa.2017.03.028 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Linear Algebra and its Applications Seiten 12-31 Link Publikation -
2014
Titel Symmetric digit sets for elliptic curve scalar multiplication without precomputation DOI 10.1016/j.tcs.2014.06.010 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Theoretical Computer Science Seiten 18-33 Link Publikation -
2014
Titel Analysis of the Binary Asymmetric Joint Sparse Form DOI 10.1017/s0963548314000352 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Combinatorics, Probability and Computing Seiten 1087-1113 Link Publikation -
2016
Titel Variance and Covariance of Several Simultaneous Outputs of a Markov Chain DOI 10.46298/dmtcs.1341 Typ Journal Article Autor Kropf S Journal Discrete Mathematics & Theoretical Computer Science Link Publikation -
2015
Titel Compositions into Powers of b: Asymptotic Enumeration and Parameters DOI 10.1007/s00453-015-0061-3 Typ Journal Article Autor Krenn D Journal Algorithmica Seiten 606-631 Link Publikation -
2015
Titel The height of multiple edge plane trees DOI 10.1007/s00010-015-0380-0 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Aequationes mathematicae Seiten 625-645 Link Publikation -
2015
Titel Multi-base representations of integers: Asymptotic enumeration and central limit theorems DOI 10.2298/aadm150917018k Typ Journal Article Autor Krenn D Journal Applicable Analysis and Discrete Mathematics Seiten 285-312 Link Publikation -
2018
Titel Higher dimensional quasi-power theorem and Berry–Esseen inequality DOI 10.1007/s00605-018-1215-6 Typ Journal Article Autor Heuberger C Journal Monatshefte für Mathematik Seiten 293-314 Link Publikation -
2018
Titel Reductions of binary trees and lattice paths induced by the register function DOI 10.1016/j.tcs.2017.09.015 Typ Journal Article Autor Hackl B Journal Theoretical Computer Science Seiten 31-57 Link Publikation -
2018
Titel Fringe analysis of plane trees related to cutting and pruning DOI 10.1007/s00010-017-0529-0 Typ Journal Article Autor Hackl B Journal Aequationes mathematicae Seiten 311-353 Link Publikation