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Deprovincializing Contemporary Austrian History (MIGRANATION)

Deprovincializing Contemporary Austrian History (MIGRANATION)

Dirk Rupnow (ORCID: 0000-0003-4222-3598)
  • Grant-DOI 10.55776/P24468
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2012
  • Projektende 31.10.2017
  • Bewilligungssumme 325.707 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Sozialwissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (60%); Soziologie (20%)

Keywords

    Migration, Transnational History, National Historiographies, Contemporary History, Austria/Second Republic, Archival Research

Abstract Endbericht

Der österreichische Emigrant und Soziologe Alfred Schütz hat 1944 "the stranger" (immigrant, newcomer) als einen "Mann ohne Geschichte" definiert, dem Exotik zugestanden wird, aber nicht mehr: "Seen from the point of view of the approached group, he [the stranger] is a man without history." In den aktuellen Debatten in den europäischen Einwanderungsgesellschaften wird vielfach eine Auseinandersetzung von MigrantInnen mit der Geschichte der Mehrheitsgesellschaft als eine Voraussetzung für eine gelungene Integration gefordert. Eine Beschäftigung der Mehrheitsgesellschaft mit der Geschichte der Zuwanderer, ihren historischen Erfahrungen und Erinnerungen steht jedoch noch aus. Dabei wird man Schütz` Diktum fortführen können: Der "stranger" wird so lange fremd bleiben, wie er von der Mehrheitsgesellschaft keine eigene Geschichte zugestanden bekommt. Doch auch in der zweiten und dritten Genration von MigrantInnen ist darüber kaum Wissen jenseits familiärer Erinnerungen vorhanden. Das Projekt untersucht Österreich als beispielhaften Fall. Es zielt auf eine transnationale Geschichte der Zweiten Republik seit den 1960er Jahren ab, verstanden als Migrationsgesellschaft. Mit den Theorien und Instrumentarien der transnationalen Geschichte und der Postcolonial Studies soll reflektiert werden, wie eine zeitgemäße österreichische Geschichte geschrieben werden kann, die die Realitäten unserer heutigen Gesellschaften, die nicht zuletzt unter dem Einfluss von Migration den Rahmen des Nationalen auf verschiedenen Ebenen unterlaufen und sprengen, produktiv aufnimmt und widerspiegelt. Da für eine solche Geschichte, die Migration und Minderheiten systematisch einbezieht und integriert, noch wesentliche - vor allem quellenmäßige - Grundlagen fehlen, ist ein wesentlicher Teil des Projekts der empirisch-archivalischen Recherchearbeit in Österreich, aber auch den Herkunftsländern von MigrantInnen gewidmet. Mit ihr sollen mögliche Überlieferungen und Quellen für eine solche Geschichte erstmalig identifiziert und mittels eines online-Repertoriums allgemein für die weitere Forschung zugänglich gemacht werden. In den Blick geraten dabei nicht nur die staatlichen Archive mit ihren verstreuten Beständen zum Thema, sondern auch bisher von der Forschung kaum genutzte institutionelle Archive sowie private Überlieferungen, die zudem durch Oral History ergänzt werden sollen. Vom Thema Migration aus, das in der institutionalisierten Zeitgeschichte bislang marginalisiert ist, lässt sich die österreichische und damit auch eine europäische Zeitgeschichte neu erschließen sowie räumlich und zeitlich neu konfigurieren. Vor allem wird es notwendig sein, die Räume und Geschichten der Herkunftsländer mit der österreichischen Geschichte zu verknüpfen. Das Projekt eröffnet der österreichischen Zeitgeschichte neue europäische und globale Horizonte sowie zugleich vielfältige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit innerhalb des Fachs Geschichte und zur intensiven transdisziplinären Vernetzung.

Das Projekt Deprovincializing Contemporary Austrian History. Migration and the transnational challenges to national historiographies (ca. 1960-today) hatte sich vorgenommen, Grundlagen für eine quellengesättigte Neuinterpretation der österreichischen Nachkriegsgeschichte als Geschichte einer Migrationsgesellschaft in einer transnationalen europäischen und globalen Perspektive zu schaffen. Der Fokus wurde dabei auf die so genannte Gastarbeitermigration aus Jugoslawien und der Türkei gelegt: Sie führte dazu, dass mit Beginn der1960er Jahre Österreich zu einem Einwanderungsland wurde, obwohl diese Tatsache bis heute geleugnet wird und politisch umstritten ist. Nicht zuletzt die 50jährigen Jubiläen der Anwerbeabkommen mit der Türkei (2014) und Jugoslawien (2016) boten Anlass für eine verstärkte Aufmerksamkeit für das Thema. Das Projekt spielte in diesem Zusammenhang in der Wissenschaftscommunity, aber auch in der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Es fungierte immer wieder als eine Art Orientierungspunkt, Schrittmacher und Motor für die Debatten um die Bedeutung einer Migrations- und Diversitätsgeschichte im Rahmen der österreichischen Zeitgeschichte. Mitglieder des Projektteams waren an praktisch allen wichtigen Diskussionen und Veranstaltungen beteiligt.Im Laufe des Projekts wurde noch einmal deutlich, wie komplex und vor allem lückenhaft die relevante archivalische Überlieferung zum Thema ist. Dennoch war es möglich, eine Vielzahl von neuen Quellen für die Forschung zu erschließen in Österreich wie auch den Herkunftsländern. Damit konnten die Anwerbeabkommen und die offiziellen Anwerbeprozeduren genau analysiert und Schlaglichter auf eine Gesellschaftsgeschichte der Migration vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren geworfen werden. Die frühen 1970er Jahre haben sich währenddessen als zentrale Phase für ein Verständnis des Wandels Österreich zu einer Migrationsgesellschaft herauskristallisiert: mit der Höchstzahl ausländischer Arbeitskräfte, unmittelbar vor dem Einbremsen der Anwerbung im Zuge der Anwerbestopps in anderen westeuropäischen Staaten, mit dem Beginn sozialwissenschaftlicher Forschung zuGastarbeitern, in der Problem-, aber auch Integrationsszenarien ausführlich diskutiert wurden. Sie werden ebenso im Fokus vertiefter weiterer Forschungen stehen wie auch die 1990er Jahre mit den jugoslawischen Kriegsflüchtlingen als einer Nachgeschichte der Gastarbeitermigration.Insgesamt ist es mit dem Projekt gelungen, auch über die Wissenschaftscommunity hinaus nachhaltige Impulse für eine Neubetrachtung und -bewertung der österreichischen Migrationsgeschichte zu setzen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 29 Publikationen
Publikationen
  • 0
    Titel Migration in Austria (Contemporary Austrian Studies).
    Typ Other
    Autor Bischof G
  • 2016
    Titel Orte, Räume und das Gedächtnis der Mi-gration. Erinnern in der (post-)migrantischen Gesellschaft.
    Typ Journal Article
    Autor Hintermann C
  • 2016
    Titel "Die Gastarbeiter leben ihr Leben, wir das unsere." Türkische "GastarbeiterInnen" in Vorarlberg.
    Typ Book Chapter
    Autor Gfader N
  • 2017
    Titel Migration - Archiv - Geschichte. Herausforderungen und Perspektiven.
    Typ Book Chapter
    Autor Eva Pfanzelter/Dirk Rupnow (Eds.)
  • 2017
    Titel "Hall in Bewegung". Ein kleinstädtisches Ausstellungsprojekt im österreichischen Jubiläumsjahr 2014.
    Typ Journal Article
    Autor Rupnow D
    Journal Christoph A. Rass (ed.), Die Szenographie der Migration in stadt- und regionalgeschichtlicher Ausstellungspraxis (IMIS-Beiträge / Themenheft)
  • 2017
    Titel The History and Memory of Migration in Post-War Austria:; In: Migration in Austria
    DOI 10.2307/j.ctt1t89kvv.5
    Typ Book Chapter
    Verlag University of New Orleans Press
  • 2017
    Titel "Austria Attractive for Guest Workers?"; In: Migration in Austria
    DOI 10.2307/j.ctt1t89kvv.8
    Typ Book Chapter
    Verlag University of New Orleans Press
  • 2017
    Titel "50 ans de migration du travail: des archives, maintenant!" Le défi des migrations pour les historiens en Autriche.
    Typ Book Chapter
    Autor Gwénola Sebaux (Ed.)
  • 2017
    Titel Introduction.
    Typ Book Chapter
    Autor Günter Bischof/Dirk Rupnow (Eds.)
  • 2016
    Titel Vorwort.
    Typ Book Chapter
    Autor Arif Akkiliç/Vida Bakondy/Ljubomir Bratic/Regina Wonisch (Eds.)
  • 2014
    Titel Wie Abfall Geschichte schreibt.
    Typ Journal Article
    Autor Bratic L
    Journal SAN
  • 2014
    Titel Geschichte, Gedächtnis, Migration. Herausforderungen und Perspektiven.
    Typ Journal Article
    Autor Rupnow D
    Journal Tiroler Chronist
  • 2014
    Titel Ein Fotofund und die Geschichte dahinter.
    Typ Journal Article
    Autor Bakondy V
    Journal Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten
  • 2014
    Titel Migration - Geschichte - Archiv. Aktuelle Herausforderungen und Projekte aus Anlass von 50 Jahren Anwerbeabkommen Österreich - Türkei 1964.
    Typ Book Chapter
    Autor Brigitte Truschnegg (Ed.)
  • 2014
    Titel Die Arbeitenden und die Diaspora.
    Typ Journal Article
    Autor Bratic L
    Journal MALMOE
  • 2014
    Titel Keine Arbeitsvisa an jugoslawische Roma.
    Typ Journal Article
    Autor Bakondy V
    Journal Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten
  • 2016
    Titel Arbeitsmigration in Österreich mit Blick auf Vorarlberg/Labor Migration in Austria with references to Vorarlberg
    DOI 10.15203/historia.scribere.8.484
    Typ Journal Article
    Autor Gfader N
    Journal historia.scribere
    Seiten 289-318
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Beschäftigung mit Geschichte ist kein Luxus. Wieso Österreich ein "Archiv der Migration" braucht.
    Typ Journal Article
    Autor Rupnow D
    Journal Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten
  • 2013
    Titel "Und was hat das mit mir zu tun?" Perspektiven einer transnationalen Geschichtsvermittlung zu Nazismus und Holocaust in der Migrationsgesellschaft.
    Typ Journal Article
    Autor Garnitschnig I Et Al
  • 2013
    Titel Deprovincializing Contemporary Austrian History. Plädoyer für eine transnationale Geschichte Österreichs als Migrationsgesellschaft.
    Typ Journal Article
    Autor Böhler I
  • 2013
    Titel Einleitung.
    Typ Journal Article
    Autor Böhler I
  • 2015
    Titel Der Traum vom Melange, Ein Beitrag zur Geschichte der Rückkehr der jugoslawischen ArbeitsmigratInnen.
    Typ Book Chapter
    Autor Ivanovic V
  • 2015
    Titel Geschichte, Gedächtnis, Migration. Über einige Herausforderungen und Perspektiven für die österreichische Zeitgeschichte
    DOI 10.7767/9783205203353-071
    Typ Book Chapter
    Autor Rupnow D
    Verlag Brill Osterreich
    Seiten 903-913
  • 2014
    Titel Planquadrat. "Gastarbeiterquartiere" im Visier.
    Typ Journal Article
    Autor Bakondy V
    Journal Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten
  • 2014
    Titel X-Large und das Wir, anno 1989.
    Typ Journal Article
    Autor Bakondy V
    Journal Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten
  • 0
    Titel einheimisch - zweiheimisch - mehrheimisch. Geschichte(n) der neuen Migration in Tirol.
    Typ Other
    Autor Pfanzelter E
  • 0
    Titel Stimme. Zeitschrift der Initiative Minderheiten.
    Typ Other
    Autor Rupnow D
  • 0
    Titel Schere Topf Papier. Objekte zur Migrationsgeschichte.
    Typ Other
    Autor Akkilic A
  • 0
    Titel Arbeitsmigration in Österreich. Historische Perspektiven und methodische Herausforderungen.
    Typ Other
    Autor Böhler I

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