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Verwenden Algen Arsen, um Membranlipide zu bilden?

Do algae use arsenic in membrane lipids?

Kevin A. Francesconi (ORCID: 0000-0002-2536-0542)
  • Grant-DOI 10.55776/P23761
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2011
  • Projektende 30.09.2015
  • Bewilligungssumme 164.493 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (100%)

Keywords

    Arsenic Metabolism, Metabolomics, Arsenolipid, Membrane Lipids

Abstract Endbericht

Arsen, einem berüchtigten Gift, wurden auch positive Eigenschaften zugeschrieben, wenn es in kleinen Dosen verabreicht wurde. Dies führte zur Vermutung, dass Arsen im Spurenbereich nützlich oder sogar essentiell für Organismen sein könnte. Die Ergebnisse zweier aktueller unabhängiger Studien haben uns dazu veranlasst, diese Hypothese zu untersuchen. Die erste Studie, die vom Woods Hole Ozeanographischen Institut durchgeführt wurde, zeigte, dass in Meeren mit niedrigem Phosphatgehalt Algen Stickstoff und Schwefel statt Phosphor zur Biosynthese von Membranlipiden verwenden, um auf diese Weise Phosphor für essentielle Prozesse zu bewahren. Die zweite Untersuchung, die von unserer Forschungsgruppe in Graz durchgeführt wurde, identifizierte neuartige arsenhaltige Lipide ("Arsenlipide") in Proben marinen Ursprungs. Auf der Basis dieser Erkenntnisse wird im Zuge des Projektes die Hypothese untersucht werden, dass Algen in phosphatarmen Wässern Arsen, welches in allen Meeren als Arsenat vorkommt, statt Phosphor für die Biosynthese von Arsen-Membranlipiden verwenden. Die Untersuchungen werden in Kollaboration mit dem Woods Hole Ozeanographischen Institut und einer Australischen Forschungsgruppe durchgeführt werden. Die Australische Forschungsgruppe wird ergänzende Laboruntersuchungen mit keimfreien Algenkulturen, die unterschiedlichen Phosphat- und Arsenkonzentrationen ausgesetzt werden, durchführen. Wenn die postulierte Hypothese korrekt ist, wird diese Studie den ersten Hinweis erbringen, dass Arsen unter normalen Umweltbedingungen eine wertvolle Rolle in biologischen Prozessen spielen kann, und damit völlig neue Aspekte in der biochemischen Beurteilung von Arsenverbindungen eröffnen.

Das Projekt untersuchte die biologische Signifikanz von Arsenlipiden, vor allem in Verbindung mit Phosphat und Phospholipiden, und deren Rolle in der Membranchemie von Meeresalgen. Sowohl unsere Feldstudien als auch unsere Laborexperimente mit einzelligen Algen unter variierenden Phosphat- und Arsenat-Konzentrationen im Meerwasser haben eine faszinierende Verbindung zwischen den Phosphat-und Arsenat-Konzentrationen und den Typen von dabei Bio-synthetisierten Arsenlipiden aufgezeigt. Zusätzlich hat unsere Forschung gezeigt, dass Algen völlig neuartige Arsenlipide synthetisieren. Diese Entdeckung wurde durch massenspektrometrische Untersuchungen, chemische Derivatisierungen und Vergleiche mit synthetisierten Modellverbindungen erreicht. Im Rahmen dieses Projektes wurden 20 neue Arsenlipide identifiziert, von welchen die meisten zu zwei völlig neuartigen Klassen von Arsenlipiden gehören. Die zuletzt identifizierten Arsenlipid-Gruppen umfassen Arsen-haltige Phosphatidylcholine und Phosphatidylethanolamine. Diese Verbindungen sind integraler Bestandteil von biologischen Membranen. Die letztgenannten Verbindungen wurden in Fischroggen gefunden, welche aufgrund ihres hohen Membran-Anteils gewählt wurden. Die Entdeckungen dieser Verbindungen unterstützen die Hypothese, dass Arsenlipide eine Rolle in der Membranchemie spielen. Neben diesen Verbindungen wurden im Rahmen des Projektes in Algen auch Arsenlipide identifiziert, welche an sogenannte Arsenzucker gebunden sind. Somit konnte ein Zusammenhang zwischen den bisher in Algen identifizierten Arsenzuckern und den Lipiden hergestellt werden. Die Arsenzucker werden allgemein als Schlüsselverbindungen bei der Umwandlung von toxischem anorganischem Arsenat in weniger giftige Organo-Arsenverbindungen angesehen, welche hauptsächlich in Meeresorganismen gefunden werden. Wir haben außerdem eine analytische Methode entwickelt, um einige dieser Arsenlipide in einem Standardreferenzmaterial zu quantifizieren. Diese Untersuchungen haben aufgrund von Gesundheitsaspekten, die in Verbindung mit dem Verzehr von Nahrung marinen Ursprungs stehen, vermehrt Bedeutung erhalten. Ein weiteres Highlight des Projektes war die Entwicklung einer hochempfindlichen analytischen Methode, um Organoarsen-Verbindungen in Meerwasser zu bestimmen. Zukünftige Anwendungen dieser Methode werden die Untersuchung der Rolle von Arsenlipiden in der marinen Umwelt ermöglichen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 90%
  • Technische Universität Graz - 10%
Nationale Projektbeteiligte
  • Erich Leitner, Technische Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • William Maher, University of Canberra - Australien
  • Benjamin Van Mooy, Woods Hole Oceanographic Institution - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 499 Zitationen
  • 13 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Arsenosugar phospholipids and arsenic hydrocarbons in two species of brown macroalgae
    DOI 10.1071/en11164
    Typ Journal Article
    Autor García-Salgado S
    Journal Environmental Chemistry
    Seiten 63-66
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Arsenolipid biosynthesis by the unicellular alga Dunaliella tertiolecta is influenced by As/P ratio in culture experiments†
    DOI 10.1039/c7mt00249a
    Typ Journal Article
    Autor Glabonjat R
    Journal Metallomics
    Seiten 145-153
  • 2016
    Titel A method for determining arsenolipids in seawater by HPLC-high resolution mass spectrometry
    DOI 10.1016/j.talanta.2016.03.030
    Typ Journal Article
    Autor Khan M
    Journal Talanta
    Seiten 301-305
  • 2016
    Titel Arsenic-Containing Phosphatidylcholines: A New Group of Arsenolipids Discovered in Herring Caviar
    DOI 10.1002/anie.201512031
    Typ Journal Article
    Autor Viczek S
    Journal Angewandte Chemie International Edition
    Seiten 5259-5262
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Arsenic-Containing Phosphatidylcholines: A New Group of Arsenolipids Discovered in Herring Caviar
    DOI 10.1002/ange.201512031
    Typ Journal Article
    Autor Viczek S
    Journal Angewandte Chemie
    Seiten 5345-5348
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Quantification of Arsenolipids in the Certified Reference Material NMIJ 7405-a (Hijiki) using HPLC/Mass Spectrometry after Chemical Derivatization
    DOI 10.1021/ac502488f
    Typ Journal Article
    Autor Glabonjat R
    Journal Analytical Chemistry
    Seiten 10282-10287
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Biosynthesis of arsenolipids by the cyanobacterium Synechocystis sp. PCC 6803
    DOI 10.1071/en14069
    Typ Journal Article
    Autor Xue X
    Journal Environmental Chemistry
    Seiten 506-513
    Link Publikation
  • 2017
    Titel A 2-O-Methylriboside Unknown Outside the RNA World Contains Arsenic
    DOI 10.1002/anie.201706310
    Typ Journal Article
    Autor Glabonjat R
    Journal Angewandte Chemie International Edition
    Seiten 11963-11965
  • 2017
    Titel A 2-O-Methylriboside Unknown Outside the RNA World Contains Arsenic
    DOI 10.1002/ange.201706310
    Typ Journal Article
    Autor Glabonjat R
    Journal Angewandte Chemie
    Seiten 12125-12127
  • 2017
    Titel Arsenobetaine in Seawater: Depth Profiles from Selected Sites in the North Atlantic
    DOI 10.1021/acs.est.7b03939
    Typ Journal Article
    Autor Glabonjat R
    Journal Environmental Science & Technology
    Seiten 522-530
  • 2017
    Titel Arsenic Methyltransferase is Involved in Arsenosugar Biosynthesis by Providing DMA
    DOI 10.1021/acs.est.6b04952
    Typ Journal Article
    Autor Xue X
    Journal Environmental Science & Technology
    Seiten 1224-1230
  • 2017
    Titel Arsenic biotransformation by a cyanobacterium Nostoc sp. PCC 7120
    DOI 10.1016/j.envpol.2017.05.005
    Typ Journal Article
    Autor Xue X
    Journal Environmental Pollution
    Seiten 111-117
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Arsenolipids in oil from blue whiting Micromesistius poutassou – evidence for arsenic-containing esters
    DOI 10.1038/srep07492
    Typ Journal Article
    Autor Taleshi M
    Journal Scientific Reports
    Seiten 7492
    Link Publikation

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