Repräsentationen und Wirkungen suizidbezogener Websites
Representations and impact of suicide-related websites
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (25%); Klinische Medizin (50%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%)
Keywords
-
Suicide,
Laboratory Experiment,
Internet,
Austria,
Content Analysis
Ein beträchtlicher Umfang an wissenschaftlicher Literatur beschäftigt sich mit den Effekten von Suiziddarstellungen in traditionelleren Massenmedien wie Film and Tageszeitungen, aber es gibt bisher wenig Forschungsergebnisse bezüglich der Repräsentationen und möglichen Wirkungsweisen deutschsprachiger Internetseiten zum Thema Suizidalität. Im Lichte der steigenden Relevanz des Internets für die Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen ist ein spezifischer Fokus auf das Internet im Hinblick auf Repräsentationen und Effekte von Suiziddarstellungen notwendig. Das Projekt fokussiert auf drei Aspekte bezüglich dieser Fragestellungen, die gegenwärtig von hoher Priorität für die Gesundheitsforschung sind. Im ersten Teil wird der Frage nachgegangen, welche Informationen Personen, die mit gängigen Suchmaschinen nach suizidbezogenen Seiten suchen, am wahrscheinlichsten auffinden. Eine qualitative Inhaltsanalyse basierend auf den aktuellen Medienempfehlungen zur Berichterstattung über Suizid wird zur Anwendung kommen, um die Qualität der Internetseiten zu beurteilen. Im zweiten Projektteil werden Suizidforen, in denen Personen suizidbezogene Informationen austauschen, klassifiziert. Die Postings in einem `pro-Suizid` und einem `anti-Suizid` Forum werden im Hinblick auf die vorhandenen Themen und im hinblick auf Indikatoren von Suizidalität mittels qualitativer Inhaltsanalyse sowie linguistischer Analyse untersucht. Veränderungen von Themen und von Suizidalität über den Zeitraum der Postingaktivität werden analysiert und für `pro-Suizid` und `anti-Suizid`-Foren verglichen. Im dritten Projektteil werden Internetseiten, die über Hintergründe von Suizidalität aufklären, bezüglich der Qualität der zur Verfügung gestellten Information und ihrer Struktur analysiert. Ein Laborexperiment wird dazu dienen, die kurz- und längerfristigen Auswirkungen von verschiedenen Typen von edukativen Internetseiten auf das Wohlbefinden von NutzerInnen, auf deren Wissen über Suizidalität sowie auf deren Einstellung zu Suizid zu erfassen. Darüber hinaus wird der Einfluss von individuellen Persönlichkeitseigenschaften der Rezipienten und Rezipientinnen, deren bevorzugten Rezeptionsmodalitäten sowie von inhaltlichen und strukturellen Charakteristika der Internetseiten auf die Wirkung der Internetseiten untersucht. Diese Fragestellung wird mit quantitativen Fragebögen und qualitativen Interviews untersucht. Die Ergebnisse dieses Projekts sind nicht nur für die Gesundheitswissenschaft von großer Bedeutung, sondern auch für die Kommunikationswissenschaften, für Medienforschung und Soziologie. Das Projekt ermöglicht ein besseres Verständnis der Inhalte und Funktionen sowie der möglichen Effekte von "pro- Suizid" und "anti-Suizid" Suizidforen. Darüber hinaus geben die Ergebnisse Aufschluss darüber, welche strukturellen und inhaltlichen Eigenschaften von Internetseiten am geeignetsten für die Aufklärung von verschiedenen Typen von Nutzern und Nutzerinnen sind. Diese Fragen sind gegenwärtig von großer Bedeutung für die Suizidprävention.
Surfen um Hilfe zu finden: Inhalt von Webseiten die mit Suchmaschinen in Österreich und den USA gefunden werden Da immer mehr Menschen das Internet zum Auffinden gesundheitsbezogener Informationen, auch Suizidalität betreffend, nutzen ist die Qualität der gefundenen Informationen ein wichtiges Anliegen von NutzerInnen und auch von Public Health Forschung. Unsere Analyse zeigte dass insgesamt mehr protektive Information (z.B. Kontakte zu Hilfseinrichtungen) als potentiell schädliche Informationen aufscheinen aber die Qualität hängt stark von den Suchbegriffen ab. Suche die sich auf Suizidmethoden beziehen werden vermutlich öfter von suizidalen NutzerInnen verwendet die Hilfe benötigen, resultieren aber in Webseiten mit viel potentiell schädlichen Informationen und wenig hilfreichen Informationen, und diese Seiten sind oft auch besser geranked als protektive Webseiten. Diese Ergebnisse zeigen dass die Auffindbarkeit von Hilfsseiten verbessert werden muss gerade wenn methodenbezogene Suchbegriffe verwendet werden, und wir bieten praktische Empfehlungen an. Welche Kommunikationsinhalte sind mit einer Verbesserung des Wohlbefindens in Suizidforen assoziiert? Nicht-professionelle Suizidforen sind von großer Relevanz weil suizidale NutzerInnen dort ihre Suizidalität kommunizieren. Diese Foren unterscheiden sich bezüglich ihrer Haltung zu Suizid. NutzerInnen in solchen Foren könnten einerseits suizidales Verhalten bei anderen unterstützen, andererseits könnten NutzerInnen dort auch wichtige Unterstützung durch andere NutzerInnen erhalten. Bisher ist wenig bekannt über tatsächliche Kommunikationsinhalte und insbesondere die Antworten die PosterInnen in diesen Foren auf ihre Anliegen erhalten. Unsere Ergebnisse zeigen dass mehrere Kommunikationsinhalte mit einer möglichen Besserung für Nutzerinnen assoziiert waren, insbesondere das explizite Bestärken konstruktiver Hilfesuche das explizite Ablehnen destruktiver Inhalte, werden, konstruktive Ratschläge, sowie Ausdruck von Sympathie gegenüber dem Nutzer / der Nutzerin. Diese Ergebnisse können helfen um adäquate Interventionen in Suizidforen in diesen Settings zu entwickeln, die für lange Zeit von professioneller Seite gemieden wurden. Einfluss edukativer Suizidpräventionswebseiten auf Suizidrisiko Suizidpräventionsorganisationen nutzen oft Webseiten um InternetnutzerInnen aufzuklären, aber diesbezügliche Evaluationen fehlen. Unsere Analyse zeigt dass sogar kurzzeitiges Surfen auf einer Suizidpräventionswebseite zu einem anhaltenden Wissenszuwachs bzgl Suizidalität führen kann, und dass Personen mit höherer Vulnerabilität auch eine anhaltende Reduktion von Suizidalität erfahren. Diese Ergebnisse zeigen, dass educative Suizidpräventionswebseiten einen positiven Effekt auf NutzerInnen haben und relevant für Suizidprävention sind.
- Elmar Etzersdorfer, Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention - Deutschland
Research Output
- 249 Zitationen
- 5 Publikationen
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2016
Titel Predictors of psychological improvement on non-professional suicide message boards: content analysis DOI 10.1017/s003329171600221x Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal Psychological Medicine Seiten 3429-3442 -
2014
Titel Vom Werther- zum Papageno-Effekt. Die Rollen von Medien in der Suizidprävention [From Werther to Papageno effect. The role of the media in suicide prevention]. Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal JATROS - Neurologie & Psychiatrie -
2014
Titel Surfing for suicide methods and help: content analysis of websites retrieved with search engines in Austria and the United States. DOI 10.4088/jcp.13m08861 Typ Journal Article Autor Till B Journal The Journal of clinical psychiatry Seiten 886-92 -
2014
Titel Positive und negative Aspekte des Internets für die Suizidprävention [Positive and negative aspects of the Internet for suicide prevention]. Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal Suizidprophylaxe -
2014
Titel Increasing Help-Seeking and Referrals for Individuals at Risk for Suicide by Decreasing Stigma The Role of Mass Media DOI 10.1016/j.amepre.2014.06.010 Typ Journal Article Autor Niederkrotenthaler T Journal American Journal of Preventive Medicine