Phosphoinositid-Effekte auf Neurotransmittertransporter
Effect of phosphoinositides on neurotransmitter transporters
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)
Keywords
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Phosphatidylinositol 4,5-bisphosphate,
Transporter-mediated substrate flux,
Transporter-mediated current,
Pharmacoinformatics/docking,
Molecular dynamics simulations,
Conformational equilibrium
Neurotransmittertransporter in der Plasmamembran werden engmaschig durch intrazelluläre Kinasen reguliert; jedoch wurden bislang Plasmamembranbestandteile in ihrer Wirkung auf Transporter-mediierten Substratflux kaum beachtet und nur unzureichend untersucht: Es wurde lediglich gefunden, dass durch Cholesterin-Depletion der Plasmamembran Aufnahmeraten und Bindungsaffinität der Transporter reduziert wurden. Dies lässt darauf schließen, dass Lipide der Plasmamembran möglicherweise Effekte auf Neurotransmittertransporter ausüben können. Von anderen Transportern und Ionenkanälen wissen wir, dass Phosphatidylinositol 4,5-bisphosphate (PIP2) deutliche Effekte auf deren Funktion ausübt und dass diese Effekte auf direkter PIP2-Bindung an intrazelluläre Domänen der Transporter oder Ionenkanäle in enger Nachbarschaft zur Plasmamembran beruhen. Neurotransmittertransporter ähneln Ionenkanälen dadurch, dass sie auch einen messbaren Strom generieren. In diesem Projekt werden wir die Bedeutung von Phosphoinositiden wie PIP2 für Transporter-mediierte Substratfluxe und -ströme untersuchen. Nachdem PIP2 auch eine Quelle für intrazellulär wirksame, sekundäre Botenstoffe bildet, werden wir auch potenzielle nachgeschaltete Signaltransduktionselemente untersuchen. Das primäre Ziel dieses Projektantrages ist das Verständnis der Bedeutung von PIP2 für Monoamintransporter-mediierte Funktionen auf molekularer Ebene. Monoamintransporter sind bedeutsame Elemente in der Entstehung von affektiven Erkrankungen (wie z.B. Depression) und Substanzmissbrauch; sie stellen auch eine wichtige Zielstruktur für klinisch effektive Medikamente dar. Bedeutsam ist, dass stimmungsstabilisierende Substanzen wie z.B. Lithiumionen den Phosphoinositid-Zyklus unterbrechen. Daher ist ein besseres molekulares Verständnis der Interaktion zwischen Phosphoinositiden und Neurotransmittertransportern notwendig, um neue Verbindungen zwischen psychopharmakologischen Zielstrukturen zu erschließen, die bis dato als unterschiedliche Entitäten gesehen wurden.
Der Missbrauch von Amphetaminen nimmt stetig zu. In der vorliegenden Studie wurde die Wirkung von Amphetaminen im menschlichen Gehirn untersucht, basierend auf Grundlagenforschung, die sich hauptsächlich in vitro Experimente bediente. Die Ergebnisse dieser medizinischen Grundlagenforschung sind sehr konkret: demnach entfalten Amphetamine ihre Wirkung nur dann, wenn die Zellmembranen die Serotonintransporter mit dem Membranlipid "PIP2" gut schmieren. Beim Serotonintransporter handelt es sich um ein medizinisch bedeutsames Membranprotein, da es das Ziel verschiedener Medikamente (z.B. Antidepressiva), aber auch verschiedener missbräuchlich verwendeter Substanzen etwa Kokain und Amphetamine ist. Letztere Substanzen standen deshalb auch im Fokus der vorliegenden Studie, auch, weil die Verbreitung und missbräuchliche Verwendung dieser Substanzen weltweit im Steigen begriffen ist: Amphetamine sind eine wichtige Substanzgruppe, weil ihr Gebrauch häufig bagatellisiert wird und sie als Wohlfühlsubstanzen und Denkverstärker propagiert werden. Eine weitere Gefahr ist, dass ständig neue Amphetamin-artige Substanzen auf den Markt kommen. In dem Projekt konnte neben der Tatsache, dass PIP2 einen wesentlichen funktionellen Beitrag zur Wirkweise der Amphetamine leistet, auch unterschiedliche Bindungsstellen von PIP2 an dem Serotonintransporter sowie dem Dopamintransporter identifizieren. Die große praktische Relevanz dieser Entdeckungen der Bedeutung der Membranlipide für die Amphetaminwirkung kann uns einen wichtigen Schritt in Richtung der Behandlung von Abhängigkeiten von diesen Amphetaminen und ähnlichen Substanzen bringen.
Research Output
- 677 Zitationen
- 11 Publikationen
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2012
Titel Concomitant facilitation of GABAA receptors and KV7 channels by the non-opioid analgesic flupirtine DOI 10.1111/j.1476-5381.2011.01821.x Typ Journal Article Autor Klinger F Journal British Journal of Pharmacology Seiten 1631-1642 Link Publikation -
2012
Titel Antiepileptic activity and subtype-selective action of flupirtine at GABAAreceptors DOI 10.1186/2050-6511-13-s1-a90 Typ Journal Article Autor Bajric M Journal BMC Pharmacology and Toxicology Link Publikation -
2015
Titel A heterocyclic compound CE-103 inhibits dopamine reuptake and modulates dopamine transporter and dopamine D1-D3 containing receptor complexes DOI 10.1016/j.neuropharm.2015.07.039 Typ Journal Article Autor Sase A Journal Neuropharmacology Seiten 186-196 -
2013
Titel Amphetamine actions at the serotonin transporter rely on the availability of phosphatidylinositol-4,5-bisphosphate DOI 10.1073/pnas.1220552110 Typ Journal Article Autor Buchmayer F Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 11642-11647 Link Publikation -
2015
Titel The anticonvulsant retigabine is a subtype selective modulator of GABAA receptors DOI 10.1111/epi.12950 Typ Journal Article Autor Treven M Journal Epilepsia Seiten 647-657 Link Publikation -
2015
Titel d Subunit-containing GABAA receptors are preferred targets for the centrally acting analgesic flupirtine DOI 10.1111/bph.13262 Typ Journal Article Autor Klinger F Journal British Journal of Pharmacology Seiten 4946-4958 Link Publikation -
2014
Titel A quantitative model of amphetamine action on the 5-HT transporter DOI 10.1111/bph.12520 Typ Journal Article Autor Sandtner W Journal British Journal of Pharmacology Seiten 1007-1018 Link Publikation -
2014
Titel Amphetamines, new psychoactive drugs and the monoamine transporter cycle DOI 10.1016/j.tips.2014.11.006 Typ Journal Article Autor Sitte H Journal Trends in Pharmacological Sciences Seiten 41-50 Link Publikation -
2014
Titel PIP2 regulates psychostimulant behaviors through its interaction with a membrane protein DOI 10.1038/nchembio.1545 Typ Journal Article Autor Hamilton P Journal Nature Chemical Biology Seiten 582-589 Link Publikation -
2014
Titel Salvinorin A regulates dopamine transporter function via a kappa opioid receptor and ERK1/2-dependent mechanism DOI 10.1016/j.neuropharm.2014.07.016 Typ Journal Article Autor Kivell B Journal Neuropharmacology Seiten 228-240 Link Publikation -
2014
Titel Excitation of rat sympathetic neurons via M1 muscarinic receptors independently of Kv7 channels DOI 10.1007/s00424-014-1487-1 Typ Journal Article Autor Salzer I Journal Pflügers Archiv - European Journal of Physiology Seiten 2289-2303 Link Publikation