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Gletscher und Klima am Übergang vom Spätglazial zum Holozän in den Alpen

Alpine glacier oscillations and climate at the Lateglacial - Holocene transition

Hanns Kerschner (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P23601
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2011
  • Projektende 31.03.2016
  • Bewilligungssumme 143.359 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (100%)

Keywords

    Palaeoclimatology, 8.2-ka event, Holocene, Surface Exposure Dating, Glacier-Climate-Models, Alps

Abstract Endbericht

Gut datierte Gletschervorstöße sind eine wertvolle klimageschichtliche Informationsquelle, weil Gletscher unmittelbar auf Klimaänderungen reagieren. In diesem Zusammenhang ist der Zeitabschnitt von der ausgehenden Jüngeren Dryas (Grönland-Stadial 1) bis zum Ende des Boreals im frühen Holozän besonders interessant. Er ist durch eine sehr rasche Erwärmung um etwa 11.5 ka charakterisiert, die sich dann etwas gedämpfter weiter fortsetzte. Diese Erwärmung wurde durch eine Reihe von klimatischen "events" (Präboreale Oszillation, Erdalen- event, 9.3 und 8.2 ka event) unterbrochen, die vor allem im europäisch-atlantischen Sektor kurze und kräftige Abkühlung brachten und im Alpenraum in einen Rahmen von allgemein gletscherungünstigen Klimaverhältnissen eingebettet sind. Das Projekt hat zum Ziel, die Gletschervorstöße in diesem Zeitraum näher zu durchleuchten. Der Schwerpunkt wird auf einem System von Moränen liegen, das besonders bei kleineren Gletschern gut erhalten ist, und das eine vermittelnde Stellung zwischen den Moränen der Jüngeren Dryas und denen des "Little Ice Age" (Neuzeit) einnimmt. Bisher sind derartige Moränen erst an drei Stellen datiert, wobei sich widersprechende Alter und damit zeitliche Einstufungen ergaben (PBO, Erdalen event, 8.2 ka event). Besonders interessant ist daher die Frage, ob und wie kleine Alpengletscher auf den 8.2 ka event reagiert haben, und welche klimageschichtlichen Schlußfolgerungen sich daraus ableiten lassen. Die Testgebiete befinden sich in Gebieten, die für eine klimageschichtliche Interpretation günstig gelegen sind und das entsprechende Moräneninventar aufweisen. Es handelt sich dabei vor allem um die westliche Silvrettagruppe (nordwestlicher Alpenrand mit Übergang zum zentralen Alpenraum), das Karwendelgebirge (nördlicher Alpenrand) und die westlichen Ötztaler Alpen (inneralpines Trockengebiet). Die Datierung soll in bewährter Weise mit den kosmogenen Radionukliden 10Be und 36Cl in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Teilchenphysik an der ETHZ erfolgen. Für die klimageschichtliche Interpretation werden die Energie- und Massenbilanzgleichung an der Gleichgewichtslinie, empirische Niederschlags-Temperaturmodelle und positive Gradtagsmodelle herangezogen. Die dafür zusätzlich nötigen Klimainformationen (vor allem Sommertemperatur) werden aus allen sinnvoll verwertbaren Proxydatenquellen der entsprechenden Zeitabschnitte entnommen. Damit können Änderungen der Niederschlagsstrukturen im Alpenraum und Hinweise auf die atmosphärischen Zirkulationsverhältnisse in Zeiträumen eines raschen Klimawandels hergeleitet werden.

Gletscherschwankungen und Klima am Übergang vom Spätglazial zum Holozän in den Alpen. Untersuchung des Zeitabschnittes von der späten Jüngeren Dryas bis zum Boreal in den Alpen von Westösterreich. Gut datierte Gletschervorstöße sind eine wertvolle klimageschichtliche Informationsquelle, weil Gletscher unmittelbar auf Klimaänderungen reagieren. Der Zeitabschnitt von der ausgehenden Kaltphase der Jüngeren Dryas, mit der die letzte Eiszeit endete, bis zum Ende des Boreals im frühen Holozän ist besonders interessant. Ab etwa 11.700 Jahren vor heute setzte eine rasche Erwärmung ein, die sich dann etwas gedämpfter weiter fortsetzte. Diese Erwärmung war im Alpenraum meist ungünstig für Gletscher. Sie wurde aber durch eine Reihe von klimatischen events unterbrochen, die im europäisch-atlantischen Sektor zu kurzer und kräftiger Abkühlung führten. In diesen Abkühlungszeiten stießen Gletscher wieder vor. Die Gletschervorstöße in diesem Zeitraum wurden im Projekt näher untersucht. Der Schwerpunkt lag auf Moränen, die besonders bei kleineren Gletschern gut erhalten sind und eine vermittelnde Stellung zwischen den Gletschern der Jüngeren Dryas und denen der "Kleinen Eiszeit" (Neuzeit) einnehmen. Unsere Testgebiete liegen für eine klimageschichtliche Interpretation besonders günstig. Es handelt sich dabei um die westliche Silvrettagruppe (nordwestlicher Alpenrand mit Übergang zum zentralen Alpenraum), das Karwendelgebirge und die Mieminger Kette (nördlicher Alpenrand), die nördlichen Stubaier Alpen und die westlichsten Ötztaler Alpen (inneralpines Trockengebiet). Die Datierung der Gletscherablagerungen erfolgte in bewährter Weise mit den kosmogenen Radionukliden 10Be und 36Cl in enger Zusammenarbeit mit dem Labor für Ionenstrahlphysik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Dabei wurden in den Zentralalpen mehrere Zeitabschnitte mit Gletschervorstößen erfaßt. Der erste davon fand vor etwa 11.200 Jahren statt und war noch wesentlich größer als alle späteren. Der zweite Vorstoß war einige hundert Jahre jünger und war auch kleiner. Schließlich konnte noch ein Gletschervorstoß erfaßt werden, der etwa 3.500 Jahre alt ist. Er fällt an den Beginn des späten Holozäns und muß die Folge einer ausgeprägten Klimaverschlechterung gewesen sein. In den nördlichen Kalkalpen wurde das Ende der Aktivität von Blockgletschern und damit das Verschwinden von tief herunter reichendem Permafrost auf ca. 11.000 Jahre vor heute datiert. Die Ableitung der Klimageschichte aus den Gletscherdaten ergibt, dass in den Kaltphasen am Beginn des Holozäns die Sommer etwa 2 bis 3 C kühler als am Beginn des 21. Jahrhunderts waren. Die Niederschläge waren den heutigen ungefähr ähnlich. Die Ergebnisse fügen sich gut in das Bild ein, das aus den Westalpen bekannt ist und bilden einen Baustein für das Verständnis der Klimageschichte der Alpen am Ende der letzten Eiszeit.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Susan Ivy-Ochs, ETH Zürich - Schweiz
  • Christian Schlüchter, University of Bern - Schweiz
  • Max Maisch, University of Zurich - Schweiz

Research Output

  • 268 Zitationen
  • 13 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Gletscherschwankungen und Klima am Übergang vom Spätglazial zum Frühholozän in den Ostalpen.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kerschner H Et Al
    Konferenz 36. Hauptversammlung der Deutschen Quartärvereinigung DEUQUA, Umwelt, Mensch, Georisiken im Quartär, Universität Bayreuth, 16.-20. September 2012, Tagungsband. Bayreuther Forum Ökologie
  • 2015
    Titel Redating the moraines in the Kromer Valley (Silvretta Mountains) – New evidence for an early Holocene glacier advance
    DOI 10.1177/0959683615612571
    Typ Journal Article
    Autor Moran A
    Journal The Holocene
    Seiten 655-664
  • 2016
    Titel Rock glacier development in the Northern Calcareous Alps at the Pleistocene-Holocene boundary
    DOI 10.1016/j.geomorph.2016.08.017
    Typ Journal Article
    Autor Moran A
    Journal Geomorphology
    Seiten 178-188
  • 2014
    Titel Lateglacial and Holocene advance record of the Gepatschferner, Kaunertal, Tyrol.
    Typ Book Chapter
    Autor Kerschner
  • 2013
    Titel Klimawandel und Klimageschichte - Die Gletscher der Silvretta unter wandelnden Klimabedingungen.
    Typ Journal Article
    Autor Groß G Et Al
    Journal Heimatschutzverein Montafon: Silvretta Historica - Zeitreise durch die Silvretta
  • 2014
    Titel Re-evaluation of the moraines in the Kromer Valley (Silvretta Mountains, Austria).
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Kerschner H Et Al
    Konferenz 37. Hauptversammlung der Deutschen Quartärvereinigung DEUQUA, Abstractband
  • 2014
    Titel Kapitel 3: Vergangene Klimaänderung in Österreich
    DOI 10.1553/aar14s227
    Typ Book Chapter
    Autor Auer I
    Verlag Osterreichische Akademie der Wissenschaften, Verlag
    Seiten 227-300
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Evidence of central Alpine glacier advances during the Younger Dryas–early Holocene transition period
    DOI 10.1111/bor.12170
    Typ Journal Article
    Autor Moran A
    Journal Boreas
    Seiten 398-410
  • 2016
    Titel Younger Dryas equilibrium line altitudes and precipitation patterns in the Alps
    Typ Other
    Autor Kerschner Hanns
  • 2012
    Titel Klimainformationen aus Gletscherdaten - Möglichkeiten und Grenzen am Beispiel des alpinen Spätglazials.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Ivy-Ochs S
    Konferenz 36. Hauptversammlung der Deutschen Quartärvereinigung DEUQUA, Umwelt, Mensch, Georisiken im Quartär, Universität Bayreuth, 16.-20. September 2012, Tagungsband. Bayreuther Forum Ökologie
  • 2012
    Titel Timing of deglaciation in the northern Alps based on cosmogenic nuclide data
    Typ Other
    Autor Ivy-Ochs S.
    Seiten 12790
  • 2014
    Titel Alpine Glacier Oscillations and Climate in the Early Holocene
    Typ Other
    Autor Ivy-Ochs Susan
    Seiten 5019
  • 2014
    Titel Palaeoclimate records 60–8 ka in the Austrian and Swiss Alps and their forelands
    DOI 10.1016/j.quascirev.2014.05.021
    Typ Journal Article
    Autor Heiri O
    Journal Quaternary Science Reviews
    Seiten 186-205

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