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Dokumentarische Quellen aus Festlandgriechenland im 13. Jahrhundert

Documentary sources from mainland Greece in the 13th century

Andreas Erich Müller (ORCID: 0000-0002-6727-8854)
  • Grant-DOI 10.55776/P23599
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2011
  • Projektende 31.07.2014
  • Bewilligungssumme 192.244 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)

Keywords

    Diplomatics, Banzantine studies, Mainland Greece, Economic History, 13th century, Political History

Abstract Endbericht

Quellen zur Geschichte von Byzanz fließen im Allgemeinen spärlich; ganz besonders gilt dies für einen der Nachfolgestaaten des Byzantinischen Reiches nach der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1204, Epirus. Die meisten unserer Informationen über Festlandgriechenland im 13. Jahrhundert entstammen neben westlichen Chronisten den Werken jener byzantinischen Historiker, die aus der ideologischen Perspektive des Kaiserreiches von Nikaia berichten. Autoren, die in ihrer Berichterstattung von der nizänischen Propaganda nicht beeinflusst sind (Bardanes, Chomatenos, Apokaukos), kommt daher bei einer Neubewertung der historischen Rolle, die Epirus bei der griechischen Reconquista ehemaliger byzantinischer Gebiete gespielt hat, besondere Bedeutung zu. Aus demselben Grund sind auch dokumentarische Quellen des 13. Jahrhunderts wichtig, die aus Festlandgriechenland stammen, und die in der Forschung bisher nicht die gebührende Beachtung gefunden haben. Der Titel des jeweiligen Herrschers von Epirus in seinen Dokumenten (überliefert sind sechs lateinische Kopien, sechs griechische Kopien und drei Originale aus der Kanzlei der Angeloi-Herrscher vor 1303) reflektiert gut das sich verändernde Ausmaß imperialer Ansprüche der Herrscher von Epirus und Thessalonike. Darüber hinaus bietet auch das reiche dokumentarische Material, das in dem so genannten Chartular der Klöster Makrinitissa und Nea Petra in der Nähe von Volos überliefert ist und sich über nahezu das gesamte 13. Jahrhundert erstreckt, einmalige Einblicke in die politische und wirtschaftliche Geschichte Thessaliens, das von der lokalen Familie der Maliasenoi zunächst im Namen der Herrscher von Epirus regiert wurde. Das Projekt hat zwei Hauptziele: (1) Erstellung neuer, solider instrumenta studiorum, die bestehende Forschungslücken schließen sollen und (2) Beleuchtung der zentrifugalen Kräfte in der politischen Geschichte Festlandgriechenlands im 13. Jahrhundert mit Hilfe des analysierten dokumentarischen Materials. Konkret zu erwartende Forschungsergebnisse sind: (1) Vollregesten der Dokumente der Angeloi-Herrscher in Epirus und Thessalonike nach dem Vorbild des Regestenwerks von F. Dölger (in dem nur die Dokumente des nizänischen Reiches angeführt sind), erstellt auf der Basis einer erneuten, sorgfältigen Auswertung einschlägiger Quellen (Historiographie, Epistolographie, Berichte lateinischer Autoren, epigraphisches Material), die in Artikelform publiziert werden; (2) kritische Neuedition aller Dokumente der Angeloi-Herrscher, die im griechischen Urtext überliefert sind (mit deutscher Übersetzung und Kommentar), auch diese in Artikelform; (3) kritische Neuedition des so genannten Chartulars der Klöster Makrinitissa und Nea Petra mit deutscher Übersetzung und Kommentar in der Form eine Monographie, mit ausführlicher Studie über die Auswirkung der schnell wechselnden politischen Situation in der Region auf die Urkundentätigkeit der unabhängigen oder quasi-unabhängigen Herrscher der Region (Angeloi, Ioannes Palaiologos, Alexios Sthlavos und andere). Vorläufige Ergebnisse von (1) und (2) sollen so rasch wie möglich über Internet zugänglich gemacht werden.

Nach der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1204 formierte sich der Widerstand der Byzantiner gegen die Lateinerherrschaft in Randgebieten des griechischen Sprachraumes. Aus den Kämpfen der darauffolgenden Jahre gingen drei Staaten hervor, von denen jeder für sich den alleinigen Vertretungsanspruch auf das byzantinische Kaisertum erhob: das Reich der Laskariden in Kleinasien, Trapezunt unter der Herrschaft der Großkomnenen sowie Epeiros unter den Nachfahren der Angeloi-Dynastie. Der ideologische Kampf zwischen diesen Staaten hat in der Forschung starkes Interesse hervorgerufen. Wenig Aufmerksamkeit wurde dabei einem wichtigen Teilaspekt dieses Antagonismus geschenkt, dem Urkundenwesen, das ein aussagekräftiges Kriterium bei der Überprüfung imperialer Ambitionen darstellt. Dem Urkundenmaterial kommt auch insofern eine besondere Bedeutung zu, als die byzantinische Geschichtsschreibung tendenziös ist und unsere Hauptquellen für epirotische Geschichte der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lediglich aus zwei Briefsammlungen und einem juristischen Sammelwerk bestehen.Im Rahmen des Projekts wurden durch umfassende Auswertung aller Primärquellen (Geschichtsschreibung, Briefe, Inschriften, Urkunden) Regesten von Urkunden epirotischer Herrscher aus den Jahren 12051318 erstellt. Das Jahr 1318 wurde als Ende des zu erfassenden Zeitraumes gewählt, weil im Jahre 1318 nach Ermordung des Despoten Thomas I. die Dynastie der Angeloi in Epeiros ausstirbt und die neuen Machthaber neue Akzente in ihrer Politik setzen. Die insgesamt 198 Regestennummern geben Auskunft über außenpolitische Kontakte (Gesandtschaften, Bündnis- und Friedensverträge) und über innenpolitische Verwaltungsmaßnahmen (Privilegienurkunden). Für die epirotische Geschichte des 13. und frühen 14. Jahrhunderts schaffen sie ein wichtiges Arbeitsinstrument. Eine detaillierte Untersuchung der im griechischen Original oder in lateinischer Übersetzung erhaltenen Urkunden, insbesondere ihrer äußeren und inneren Urkundenmerkmale (Beschreibstoff, Tintenfarbe, Schrift, Unterschrift, Titulatur, Sprache), brachte neue Erkenntnisse zum Urkundenwesen epirotischer Herrscher. Es ließen sich sowohl Unterschiede (Fehlen gut ausgebildeten Kanzleipersonals) als auch Übereinstimmungen mit früherer Praxis der Kaiserkanzlei feststellen. Ausgeprägt waren die Ambitionen des Theodoros I. Angelos, der alle Reservatrechte des byzantinischen Kaisers (rote Tinte, voller Kaisertitel, Selbstbezeichnung der Urkunde als chrysobullos logos, Unterfertigung der Prostagmata mit Menologemunterschrift) für sich in Anspruch nahm.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Günter Prinzing, Johannes Gutenberg-Universität Mainz - Deutschland
  • Andreas Schminck, Sonstige - Deutschland
  • Jacques Lefort, Centre National de la Recherche Scientifique - Frankreich
  • Sofia Kotzabassi, Aristotle University of Thessaloniki - Griechenland
  • Spyros Troianos, University of Athens - Griechenland
  • Giuseppe De Gregorio, Università degli Studi di Salerno - Italien
  • Alexander Beihammer, University of Notre Dame - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 2 Publikationen
Publikationen
  • 2013
    Titel Zwei fragmentarische Urkunden aus vatikanischen Handschriften.
    Typ Journal Article
    Autor Stefec Rf
    Journal Miscellanea Bibliothecae Apostolicae Vaticanae
  • 2012
    Titel Ein wiederentdecktes Argyrobull des Despotes Theodoros Palaiologos
    DOI 10.1515/bz.2012.0032
    Typ Journal Article
    Autor Stefec R
    Journal Byzantinische Zeitschrift
    Seiten 813-827

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