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Modulation von Wachstum und Bildung von Sekundärstoffen bei Flechten unter stress

Modulating growth and secondary metabolite patterns in lichen under stress

Elfriede Stocker-Wörgötter (ORCID: 0000-0002-3377-6214)
  • Grant-DOI 10.55776/P23570
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2011
  • Projektende 31.07.2016
  • Bewilligungssumme 347.518 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Lichen fungi, Optimized Culture, Ascomycetes, Pks genes, Cdna Library, Modulation of growth, Desiccation Stress And Tolerance

Abstract Endbericht

Viele Organismen, die hochwertige chemische Verbindungen enthalten, sind oftmals schwer zu kultivieren oder es handelt sich um bedrohte Arten, die durch übermäßiges Ernten aussterben könnten. Da Flechten im allgemeinen langsam wachsende Organismen sind, ist die Extraktion von Metaboliten aus den natürlich gewachsenen, zusammengesetzten Thalli in vielen Fällen wirtschaftlich nicht gewinnbringend und wird deshalb auch nur beschränkt angewandt. Mykobionten-Kulturen stellen zum Extrahieren von Flechtenstoffen eine attraktive Alternative im Vergleich zu den Thalli vom natürlichen Standort, dar. Das Labor der Projektwerberin an der Universität Salzburg besitzt eine weltweit für Forschungszwecke anerkannte, und auch für Europa einmalige Kultursammlung mit 150 verschiedenen Flechtenpilzen. Die Modulation ("regulative Manipulation") der Wachstumsbedingungen von Mikroorganismen und Pilzen ist eine in der Biotechnologie und der Mikrobiologie häufig angewandte Strategie, um Erträge und Vielfalt von Sekundär-Metaboliten mit hohem therapeutischen Wert zu verbessern. Das Interesse an Polyketid-Typ Metaboliten ist beträchtlich, da viele dieser Naturstoffe eine große medizinische, industrielle und/oder landwirtschaftliche Bedeutung haben. In Fallstudien haben wir bereits begonnen, die "Wachstums- und Kulturbedingungen" für Flechtenpilze regulativ zu beeinflussen. Wir haben die Kulturbedingungen für einige ausgewählte Flechtenpilze (z.B. Roccella decipiens, Arten der Gattung Xanthoparmelia) bereits erfolgreich optimiert, wobei sie in einer von unseren Kulturkammern genau definierten Umweltbedingungen ausgesetzt werden. In zukünftigen und bereits laufenden Untersuchungen wollen wir weitere Strategien der Kultur-Optimierung testen. Dadurch wird es möglich sein, axenisch gewachsene, kultivierte Mykobionten zu "modulieren", dass sie entweder einzelne Sekundärstoffe oder ein komplettes Metaboliten-Muster ausbilden. Polyketide und Shikimat-Derivate, so konnte und soll gezeigt werden, werden nur unter "erlaubten" ökologischen Bedingungen und mitunter nur unter Stress (z.B. Austrocknungsstress) gebildet. Indem wir das Wissen von früheren Untersuchungen nutzen, und im geplanten Projekt weitere umfangreiche Testserien starten wollen, könnten wir die Produktion von einem bestimmten Polyketid erreichen oder sogar die Produktion eines bestimmten Musters von Polyketiden vorhersagen. Solche Studien sind sehr hilfreich, um die oftmals beobachtete Variation von Sekundär-Metaboliten (chemosyndromische Variation) in einer Flechte/Population, die unter heterogenen Bedingungen gewachsen ist, im Detail erklären zu können. Variationen in der Sekundärstoff-Chemie wiederspiegeln schließlich die mannigfachen Antworten des Organismus Flechte auf physiologische, ökologische und mitunter sogar evolutionäre Veränderungen in der Umgebung und den Klimabedingungen. Die beliebig wiederholbare und in-vitro Produktion von größeren Mengen von Flechten-Metaboliten in Pilz-Zellkulturen hat in unserem Labor bereits begonnen und könnte in naher Zukunft ein wichtiger Meilenstein werden, um die Architektur, Lokalisierung und die Funktion der Polyketid-Synthase-Gene, die die Polyketid-Biosynthese kontrollieren, aufzuklären. Zusätzlich sollen noch unbekannte Gene aufgespürt werden, die an der Shikimat-Derivat Biosynthese beteiligt sind, ganz aufzuklären. In einem neuartigen und holistischen Ansatz sollen Methoden der Funktionellen Genomik (Konstruktion einer cDNA Bibliothek) zum Einsatz kommen, um die molekularen Mechanismen, die an der Austrocknungstoleranz vieler Flechten (z.B. Xanthoparmelia conspersa) beteiligt sind, näher zu untersuchen . Wir planen, "trancriptome-Sampling" durchzuführen, um " neue Gene", die für die Kontrolle bestimmter ökophysiologischer Prozesse und die Bewältigung von Stress verantwortlich sind, zu identifizieren.

Da die meisten Flechten langsam wachsende Organismen sind, ist die Extraktion von wertvollen, biologisch aktiven Sekundärstoffen aus den in der Natur vorkommenden Lagern (wurde 2016 als eine Symbiose aus 2 Pilzen und Algen erkannt) wirtschaftlich nicht gewinnbringend und wird/wurde deshalb bisher nur in geringem Umfang, wie z.B. in der Parfüm-Industrie, durchgeführt.Ziel des Projektes war es, als Alternative zu den natürlich gewachsenen Flechtenthalli isolierte und kultivierte Pilzreinkulturen einzusetzen, die durch regulative Beeinflussung (Modulation) der Wachstums- und Kulturbedingungen zu höheren Ausbeuten und zu einer größeren Vielfalt an Sekundärmetaboliten führen können. Da es sich bei den Sekundärmetaboliten der Flechten vorwiegend um Polyketide und in einigen Fällen um interessante Shikimat/Pulvinsäure-Derivate handelt (letztere wirken oftmals als effektive Sonnenfilter an exponierten Felsstandorten), die eine nachgewiesen potentielle medizinische und industrielle Anwendung finden könnten, zeigten unsere Testserien, vor allem mit ausgewählten Xanthoparmelia-Arten diesbezüglich sehr interessante Ergebnisse. Mit neuen Nährstoff-Kombinationen in den Kulturmedien und genau definierten, mikroklimatischen Bedingungen in den Kulturschränken (Simulation von Austrocknungsstress und Temperatur-fluktuationen) gelang es, größere Mengen an Xanthoparmelia- Flechtenpilzen heranzuziehen, die entweder einzelne oder komplexe, jedoch auch komplette Sekundärstoff-muster ausbildeten. Besonders die Xanthoparmelia-Arten, die unter semiariden Bedingungen in Australien gewachsen waren, zeigten ein besonders hohes Ausmaß an sogenannter chemo-syndromischer Variation. Dabei werden unter gezieltem Einfluss von Stress z.T. bestimmte Hauptsubstanzen zu Neben/Satellitensubstanzen und umgekehrt. Bei Veränderung der Umweltbedingungen und der Kohlenhydratzufuhr in den Nährmedien konnten in den Kulturschränken an den kultivierten Flechtenpilzen ähnliche Sekundärstoffmuster wie bei den in der Natur gewachsenen Thalli beobachtet werden. Es zeigte sich, dass bei den ausgewählten Pilzen die Ausbildung von bestimmten Chemosyndromen tatsächlich durch Trockenstress und ein geringes Angebot an Nährstoffen aus dem Kulturmedium beeinflusst werden können, was unsere Testserien das erste Mal direkt bewiesen haben. Aus der Sicht der Projektleiterin ist das ein wesentlicher Meilenstein, um chemosydromische Variationen in ihrem Auftreten in bestimmten Flechten-Arten (z.B. Xanthoparmelien) an den verschiedenen Standorten unter gegebenen ökologischen Bedingungen besser interpretieren und verstehen zu können. In weiterer Folge gelang es, die Architektur, Lokalisierung und die Funktion der Polyketid-Synthase-Gene, die die Polyketid-Biosynthese bei ausgewählten Xanthoparmelia-Arten kontrollieren, aufzuklären. Die Suche nach den Trockenresistenz-Genen, die im letzten Teil des Projekts begonnen wurde, ist noch nicht abgeschlossen und soll in einem geplanten Nachfolge-Projekt fortgesetzt werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

Research Output

  • 166 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Recent Advances in Lichenology, Modern Methods and Approaches in Lichen Systematics and Culture Techniques, Volume 2
    DOI 10.1007/978-81-322-2235-4
    Typ Book
    editors Upreti D, Divakar P, Shukla V, Bajpai R
    Verlag Springer Nature
  • 2015
    Titel Biochemical Diversity and Ecology of Lichen-Forming Fungi: Lichen Substances, Chemosyndromic Variation and Origin of Polyketide-Type Metabolites (Biosynthetic Pathways)
    DOI 10.1007/978-81-322-2235-4_9
    Typ Book Chapter
    Autor Stocker-Wörgötter E
    Verlag Springer Nature
    Seiten 161-179
  • 2015
    Titel Type I NR-PKS Gene Characterization of the Cultured Lichen Mycobiont Xanthoparmelia Substrigosa (Ascomycota)
    DOI 10.1007/978-81-322-2235-4_5
    Typ Book Chapter
    Autor Hametner C
    Verlag Springer Nature
    Seiten 95-110
  • 2013
    Titel Chapter 10 Accumulation of Potential Pharmaceutically Relevant Lichen Metabolites in Lichens and Cultured Lichen Symbionts
    DOI 10.1016/b978-0-444-62615-8.00010-2
    Typ Book Chapter
    Autor Stocker-Wörgötter E
    Verlag Elsevier
    Seiten 337-380
  • 2016
    Titel Hemithecium salacinicum, a New Species in the Family Graphidaceae (Lichenized Ascomycota: Ostropales) from Northern Thailand
    DOI 10.13158/heia.29.2.2016.555
    Typ Journal Article
    Autor Neuwirth G
    Journal Herzogia
    Seiten 555-560
  • 2013
    Titel Development of microsatellite markers in Protoparmeliopsis muralis (lichenized Ascomycete) – a common lichen species
    DOI 10.1017/s002428291300042x
    Typ Journal Article
    Autor Guzow-Krzeminska B
    Journal The Lichenologist
    Seiten 791-798
  • 2013
    Titel Genetic diversity of the lichen-forming alga, Diplosphaera chodatii, in North America and Europe
    DOI 10.1017/s0024282913000510
    Typ Journal Article
    Autor Fontaine K
    Journal The Lichenologist
    Seiten 799-813
  • 2013
    Titel In vitro culturing and resynthesis of the mycobiont Protoparmeliopsis muralis with algal bionts
    DOI 10.1017/s002428291200059x
    Typ Journal Article
    Autor Guzow-Krzeminska B
    Journal The Lichenologist
    Seiten 65-76
  • 2012
    Titel Monophyly of some North American species of Ramalina and inferred polyketide synthase gene function
    DOI 10.1139/b2012-097
    Typ Journal Article
    Autor Timsina B
    Journal Botany
    Seiten 1295-1307
  • 2012
    Titel Photobiont Relationships and Phylogenetic History of Dermatocarpon luridum var. luridum and Related Dermatocarpon Species
    DOI 10.3390/plants1020039
    Typ Journal Article
    Autor Fontaine K
    Journal Plants
    Seiten 39-60
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Coenogonium coronatum (Ostropales: Coenogoniaceae), a new foliicolous species from Thailand, ecological aspects and a key to the species occurring in the country
    DOI 10.1639/0007-2745-117.2.161
    Typ Journal Article
    Autor Neuwirth G
    Journal The Bryologist
    Seiten 161-164

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