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Stark wechelwirkende dipolare Bose Gase

Strongly Interacting Dipolar Bose Gases

Robert Zillich (ORCID: 0000-0003-0157-3890)
  • Grant-DOI 10.55776/P23535
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2011
  • Projektende 30.06.2016
  • Bewilligungssumme 285.548 €

Wissenschaftsdisziplinen

Physik, Astronomie (100%)

Keywords

    Quantum Gas, Quantum Monte Carlo, Dipole Interaction, Many-Body Theory

Abstract Endbericht

Seit den ersten erfolgreichen Experimenten zur Bose-Einstein Kondensation ultrakalter Quantengase ist dieses junge Forschungsgebiet rasch gewachsen und inzwischen über seine Wurzeln in der Atomphysik hinausgewachsen. Insbesondere in Experimenten, die Feshbach Resonanzen ausnutzen, wurden Quanten- gase realisiert, die nicht mehr als schwach wechselwirkend betrachtet werden können und wo Mean-Field Näherungen unzulässig sind. Solche Experimenten werfen daher Fragen auf, die mit Methoden für stark wechselwirkende Systeme behandelt werden müssen, wie sie traditionel in der Physik kondensierter Ma- terie Verwendung ?nden. Wir werden theoretische Methoden für stark korrelierte Quantensysteme vieler Teilchen adaptieren und erweitern, um sie für dipolar Bose Quantengase anzuwenden. Dipolare Quantengase wurden kürzlich exper- imentell realisiert mit Atomen mit grossem magnetischem Dipolmoment; zur Zeit wird intensiv an Quanten- gasen heteronuklearer Moleküle (RbCs, RbK) mit elektrischem Dipolmoment gearbeitet. Eine Vielzahl von experimentellen Arbeitsgruppen arbeiten an diesen Problemen und haben Fortschritte gemacht, ultrakalte Gase von Moleülen im Grundzustand zu erzeugen. Weil deren elektrisches Dipolmoment viel grösser als magnetische Momente sind, kann die Dipol-Dipol Wechselwirkung nicht notwendig als schwache Störung betrachtet werden. Wir haben beispielsweise gezeigt, dass ein zweidimensionales System polarisierter Dipole bei hohen Dichten ein Phonon-Roton Anregungspektrum hat, ähnlich wie die Quanten?üssigkeit Helium-4 [F. Mazzanti et al., Phys. Rev. Lett. 102, 110405 (2009)]. Wir erwarten eine Fülle neuer Phänomene, wenn die Ebene der zwei Dimensionen verlassen oder die Dipole nicht mehr (vollständig) polarisiert sind. Zuverlässige Vorhersagen und ein tieferes Verständnis von Instabilitäten durch die attrak- tiven Potentialregionen von Dipolen ("Kopf-an-Schwanz" Orientierung), wie sie bereits in der Mean-Field Näherung gefunden wurden, verlangen einen theoretischen Zugang der auch bei starken Wechselwirkungen gültig bleibt. Die Berücksichtigung des Freiheitsgrad der Rotation der Moleküle eröffnet möglicherweise ganz neue Wege, Bose-Einstein Kondensation zu untersuchen. Wir werden die Eigenschaften dieser dipolarer Quantengase mit der Hypernetted-chain Euler-Lagrange (HNC-EL) Methode und mit Quanten Monte Carlo (QMC) Simulationen untersuchen. Diese Methoden können stark wechselwirkenden Systeme mit hoher Genauigkeit beschreiben, während die bisher weit ver- breiteten Mean-?eld Näherungen nur im Limes schwacher Wechselwirkung gültig ist. Wir werden den Mean-?eld Zugang benutzen nur um mit obigen Methoden zu vergleichen.

In unserem Projekt haben wir ultrakalte Quantengase mit theoretischen und numerischen Methoden untersucht, um entsprechende Experimente zu verstehen, ihre Ergebnisse vorherzusagen, und neue Experiment vorzuschlagen. Anders als in einem klassischen Gas, wie die uns umgebende Luft, ist die Temperatur in diesen Experimenten so niedrig (von der Größenordnung Nanokelvin), dass die Quantenmechanik eine wesentliche und spannende Rolle spielt.Bose und Einstein sagten 1925 vorher, dass identische Teilchen einer bestimmtem Sorte (jene mit geradzahligem Spin) in einen eigentümlichen makroskopischen Quantenzustand kondensieren, wenn die Temperatur niedrig genug ist. Aus dieser Vorhersage ist 70 Jahre später ein neues Gebiet der Physik geboren, das Gebiet der ultrakalten Quantengase. Seit nunmehr 20 Jahren werden Bose- Einstein Kondensate aus Atomen beinahe routinemäßig in vielen Laboren weltweit produziert, ihre Eigenschaften werden untersucht, und dabei immer wieder Neues entdeckt. Inzwischen werden Experimente vorgeschlagen, die als Quantensimulator Systeme aus ganz anderen Gebieten der Physik wie Materialwissenschaften emulieren, und die eines Tages numerische Berechnungen auf Basis der Theorie kondensierter Materie ergänzen. In all diesen Experimenten mit Gasen aus (neutralen) Atomen ist die Dichte so gering, dass die Wechselwirkung zwischen den Atomen sehr geringe Reichweite hat, die Atome also nur dann wechselwirken, wenn sie sich praktisch am gleichen Ort befinden.In neueren Experimenten wurden ultrakalte Gase aus Molekülen erzeugt. Moleküle, die aus unterschiedlichen Arten von Atomen bestehen, haben automatisch ein elektrisches Dipolmoment. Anders als neutrale Atome, reicht die Wechselwirkung zwischen diesen Molekülen sehr weit und fallt mit der inversen dritten Potenz des Abstands ab. Außerdem kann die Wechselwirkung zwischen polaren Molekülen ziemlich stark sein, sogar unter den typischen experimentellen Bedingungen geringer Dichte. Und anders als Atome sind Moleküle nicht nur punktförmige herumfliegende Teilchen, sondern sie rotieren auch.In unserem Projekt haben wir den Einfluss einer starken dipolaren Wechselwirkung auf die Eigenschaften solcher molekularer Quantengase untersucht. Zum Beispiel haben wir herausgefunden, dass die Anisotropie der dipolaren Wechselwirkung (d.h. sie hangt nicht nur vom Abstand ab, sondern auch von der Ausrichtung der Dipolmomente) zu Streifen führen kann, im Quantengas entstehen also statische Oszillationen der Dichte. Besonders interessiert haben uns dynamische Eigenschaften. Um beim Beispiel der Streifenphase zu bleiben, haben wir eine energetische Anregung, genannt Roton, entdeckt, deren Energie genau dann verschwindet, wenn die Streifen auftreten. Das System wird also weich und empfänglich für diese Streifenphase, wenn es einfach keine Energie mehr kostet, ein Rotonanregung zu erzeugen. Für diese und andere Untersuchungen haben wir das numerische Handwerkszeug entwickelt, und die zugrundeliegenden Theorien wenn nötig erweitert.Quantengasexperimente werden den Schritt zu Anwendung machen, z.B. um sehr genaue Zeitstandards zu definieren Quantengase sind schon jetzt genauer als herkömmlichen Atomuhren - und vielleicht werden zukünftige Physiker Quantensimulatoren verwenden, um Phänomene in den Materialwissenschaften, der Kosmologie oder der Hochenergiephysik zu verstehen. Solch ein Fortschritt benötigt die theoretische Physik als Fundament, um experimentelle Ergebnisse zu verstehen und sie zu berechnen und vorherzusagen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Linz - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Francesca Ferlaino, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Gregory Astrakharchik, Universitat Politecnica de Catalunya - Spanien
  • Jordi Boronat, Universitat Politecnica de Catalunya - Spanien
  • Ferran Mazzanti, Universitat Politècnica de Catalunya - Spanien
  • Jonathan L. Dubois, University of California - Vereinigte Staaten von Amerika
  • K. Birgitta Whaley, University of California Berkeley - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 316 Zitationen
  • 17 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Excitations and Stripe Phase Formation in a Two-Dimensional Dipolar Bose Gas with Tilted Polarization
    DOI 10.1103/physrevlett.109.235307
    Typ Journal Article
    Autor Macia A
    Journal Physical Review Letters
    Seiten 235307
    Link Publikation
  • 2011
    Titel A Ground State Monte Carlo Approach for Studies of Dipolar Systems with Rotational Degrees of Freedom
    DOI 10.1007/s10909-011-0398-1
    Typ Journal Article
    Autor Abolins B
    Journal Journal of Low Temperature Physics
    Seiten 249-260
  • 2015
    Titel Combination of the pair density approximation and the Takahashi–Imada approximation for path integral Monte Carlo simulations
    DOI 10.1016/j.jcp.2015.08.020
    Typ Journal Article
    Autor Zillich R
    Journal Journal of Computational Physics
    Seiten 111-118
  • 2015
    Titel Correlations in the low-density Fermi gas: Fermi-liquid state, dimerization, and Bardeen-Cooper-Schrieffer pairing
    DOI 10.1103/physreva.92.023640
    Typ Journal Article
    Autor Fan H
    Journal Physical Review A
    Seiten 023640
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Bose and Fermi Gases with Lennard–Jones Interactions
    DOI 10.1007/s10909-011-0402-9
    Typ Journal Article
    Autor Egger J
    Journal Journal of Low Temperature Physics
    Seiten 275
  • 2011
    Titel Microscopic description of anisotropic low-density dipolar Bose gases in two dimensions
    DOI 10.1103/physreva.84.033625
    Typ Journal Article
    Autor Macia A
    Journal Physical Review A
    Seiten 033625
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Homogeneous Bose gas of dipolar molecules in the mean field approximation
    DOI 10.1039/c1cp21331h
    Typ Journal Article
    Autor Zillich R
    Journal Physical Chemistry Chemical Physics
    Seiten 18835-18843
  • 2011
    Titel Roton-Roton Crossover in Strongly Correlated Dipolar Bose-Einstein Condensates
    DOI 10.1103/physrevlett.107.065303
    Typ Journal Article
    Autor Hufnagl D
    Journal Physical Review Letters
    Seiten 065303
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Self-bound Bose mixtures
    DOI 10.1103/physreva.98.023633
    Typ Journal Article
    Autor Staudinger C
    Journal Physical Review A
    Seiten 023633
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Quantum phases of dipolar rotors on two-dimensional lattices
    DOI 10.1063/1.5005522
    Typ Journal Article
    Autor Abolins B
    Journal The Journal of Chemical Physics
    Seiten 102338
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Solvation of Mg in helium-4: Are there meta-stable Mg dimers?
    DOI 10.1063/1.4972811
    Typ Journal Article
    Autor Krotscheck E
    Journal The Journal of Chemical Physics
    Seiten 244317
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Dipolar bilayer with antiparallel polarization: A self-bound liquid
    DOI 10.1103/physreva.93.013611
    Typ Journal Article
    Autor Hebenstreit M
    Journal Physical Review A
    Seiten 013611
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Laser-Induced Rotation of Iodine Molecules in Helium Nanodroplets: Revivals and Breaking Free
    DOI 10.1103/physrevlett.118.203203
    Typ Journal Article
    Autor Shepperson B
    Journal Physical Review Letters
    Seiten 203203
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Multicomponent correlated-basis-function method and its application to multilayered dipolar Bose gases
    DOI 10.1103/physreva.95.033625
    Typ Journal Article
    Autor Rader M
    Journal Physical Review A
    Seiten 033625
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Gapped spectrum in pair-superfluid bosons
    DOI 10.1103/physreva.94.063630
    Typ Journal Article
    Autor Astrakharchik G
    Journal Physical Review A
    Seiten 063630
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Stability and excitations of a bilayer of strongly correlated dipolar bosons
    DOI 10.1103/physreva.87.033624
    Typ Journal Article
    Autor Hufnagl D
    Journal Physical Review A
  • 2017
    Titel Rotational dissociation of impulsively aligned van der Waals complexes
    DOI 10.1063/1.4990616
    Typ Journal Article
    Autor Søndergaard A
    Journal The Journal of Chemical Physics
    Seiten 074304

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