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Der Einfluss des Geschlechts auf verhaltensmäßige und neuronale Korrelate von Stress

The impact of gender on behavioral and neural correlates of stress reactions

Birgit Derntl (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P23533
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2011
  • Projektende 30.11.2015
  • Bewilligungssumme 236.282 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (45%); Klinische Medizin (10%); Psychologie (45%)

Keywords

    Stress, Gender, Fmri, Social Stress, Achievement Stress, Cortisol

Abstract Endbericht

Weiblich oder männlich - unser Geschlecht ist einer der wichtigsten biologischen Faktoren des Menschen mit weitreichenden Konsequenzen für viele Aspekte von sozial-emotionalen Fähigkeiten bis hin zu Gesundheit. Gerade die physiologischen und psychologischen Reaktionen auf Stress haben einen großen Einfluss auf die menschliche Gesundheit und hier lassen bisherige Studien Geschlechtsunterschiede sowohl in den subjektiven, den physiologischen als auch den neuronalen Korrelaten vermuten. Konfrontiert mit sozialem Stress zeigen Frauen eine reduzierte Kortisolreaktion, aber eine starke subjektive Betroffenheit und erhöhte neuronale Aktivierung in limbischen Regionen. Interessanterweise zeigen Männer während Leistungsstress eine reduzierte subjektive Belastung aber stärkere physiologische Reaktionen. Zudem lässt die stärkere neuronale Aktivierung in präfrontalen Arealen bei Männern im Vergleich zu Frauen eine eher regulatorische Reaktion vermuten. Trotz der behavioralen Evidenz von Geschlechtsunterschieden in Stressreaktionen in Abhängigkeit von der Art des Stressors gibt es keine Studie mit bildgebenden Verfahren, die subjektive, physiologische und neuronale Reaktionen auf Leistungs- und sozialen Stress bei Frauen und Männern direkt vergleicht. Das Ziel der hier präsentierten Studie ist es unter Anwendung von funktioneller Hochfeldmagnetresonanztomografie (fMRT) Geschlechtsunterschiede in Stressreaktionen und deren Modulation durch die Art des Stressors (Leistungs- vs. Sozialer Stress) zu überprüfen. Die Anwendung eines drei Ebenen Ansatzes (subjektiv, physiologisch und neuronal) ermöglicht es komplexe Effekte und Interaktionen im Rahmen eines umfassenden Stressmodels zu erforschen. Die Analyse von neuronale Netzwerkmodellen zusätzlich zu einem rein lokalisationsbasierten Ansatz in der Auswertung der fMRT-Daten kann wichtige Erkenntnisse hinsichtlich stress-regulatorischer sowie geschlechterspezifischer Mechanismen liefern. Die neuronalen Regionen, die hier von besonderem Interesse sind umfassen kortikale (z.B. präfrontal Kortex) sowie subkortikale Areale (z.B. Hippokampus und Amygdala). Auf der physiologischen Ebene soll vor allem der Effekt von Stress- sowie Geschlechtshormonen auf die subjektiven und neuronalen Stressreaktionen systematisch erforscht werden. Die Untersuchung der Mechanismen, die geschlechtsspezifischen Stressreaktionen zugrunde liegen, kann essentiell zu unserem Verständnis von Prävalenzunterschieden bei stressbezogenen Erkrankungen, z.B. Depression bei Frauen und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Männern, beitragen. Zudem hat das hier präsentierte Projekt eine hohe gesellschaftliche Relevanz hinsichtlich der enormen Kosten im Gesundheitssystem, die zur Prävention bzw. Behandlung dieser Erkrankungen aufgewendet werden.

Unser Geschlecht ist eine der wichtigsten Determinanten für viele Aspekte des menschlichen Lebens, z.B. für unsere Gesundheit. Ob auch die Stressreaktion vom Geschlecht beeinflusst wird, wurde im vorliegenden Projekt umfassend untersucht. Obwohl wir keinen Geschlechtereffekt in der Einschätzung des Stresserlebens finden konnten, zeigten sich Geschlechterunterschiede in der Stressreaktion im Gehirn: Männer benutzten jene Hirnareale stärker, die mit Stressverarbeitung und dem Wiedererleben von Emotionen in Verbindung stehen. Ein signifikanter Einfluss des Selbstwerts, der auch geschlechterspezifisch ausfiel, zeigte sich ebenfalls: Frauen mit niedrigem Selbstwert zeigten vermehrt Aktivierung in Gehirnregionen, die mit kognitiver Kontrolle in Verbindung stehen, während Männer stärkere Aktivität in selbstbezogenen Gehirnarealen aufweisen. Somit konnten wir erstmals zeigen, dass Geschlecht und Selbstwert unsere Reaktion auf Stresserlebnisse beeinflussen. In einer weiterführenden Studie wurde die Neubewertung der Stresserfahrung untersucht, in der wir ebenfalls Geschlechterunterschiede zeigen konnten: die zusätzliche Aufforderung negative Gefühle, die während der Bewältigung einer anspruchsvollen Aufgabe auftreten, als weniger belastend zu bewerten, führte zu einer erhöhten subjektiven Stressreaktion in Frauen im Vergleich zu Männern. Zusätzlich unterschied sich die Stressreaktion im Gehirn in Arealen, die für Aufmerksamkeit, Emotionen und Belohnungsverarbeitung relevant sind. Die je nach Geschlecht unterschiedliche Zusammenarbeit dieser Hirnareale auch im Ruhezustand bzw. auch deren geschlechtsspezifische Modulation durch den Kortisolspiegel weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Stresshormonen und Gehirnaktivität sowie -konnektivität geschlechtsspezifische Effekte aufweist, die für die Stressreaktion und den Umgang mit Stress entscheidend sein können. Die Erklärung individueller Stressanfälligkeit stellt aktuell eine große Herausforderung der Stressforschung dar. Wie in diesem Projekt gezeigt, stellt unser Geschlecht diesbezüglich einen wichtigen Faktor dar und beeinflusst unterschiedliche Ebenen der Stressreaktion. Die erzielten Erkenntnisse sollen auch dazu anregen, geschlechtsspezifische Stressmanagement-Konzepte zu erarbeiten, die hohe Relevanz in der Prävention aber auch Behandlung stress-assoziierter Erkrankungen haben. Im Rahmen der Projektförderung wurden auch wichtige Aspekte der funktionellen Bildgebungsmethodik bearbeitet und der störende Einfluss größerer Venen in tiefergelegenen Bereichen des Gehirns auf die neuronal korrelierte Aktivierung in aufgabenbezogenen Studien als auch der sogenannten Ruhebedingung untersucht. Die berichteten Ergebnisse verbessern sowohl die Aufnahme als auch die Analyse und erhöhen dadurch Sensitivität und, vor allem, Spezifität bzw. Reliabilität der Messmethode.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 48%
  • Universität Wien - 52%
Nationale Projektbeteiligte
  • Ewald Moser, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Ute Habel, Universitätsklinikum Aachen - Deutschland
  • Ruben C. Gur, University of Pennsylvania - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 1477 Zitationen
  • 36 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Psychosocial versus physiological stress — Meta-analyses on deactivations and activations of the neural correlates of stress reactions
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2015.06.059
    Typ Journal Article
    Autor Kogler L
    Journal NeuroImage
    Seiten 235-251
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Identification of Voxels Confounded by Venous Signals Using Resting-State fMRI Functional Connectivity Graph Community Identification
    DOI 10.3389/fnins.2015.00472
    Typ Journal Article
    Autor Kalcher K
    Journal Frontiers in Neuroscience
    Seiten 472
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Deficits in social cognition: a marker for psychiatric disorders?
    DOI 10.1007/s00406-011-0244-0
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience
    Seiten 145
  • 2023
    Titel Testosterone and the Amygdala’s Functional Connectivity in Women and Men
    DOI 10.3390/jcm12206501
    Typ Journal Article
    Autor Kogler L
    Journal Journal of Clinical Medicine
    Seiten 6501
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Stressor-Specific Sex Differences in Amygdala–Frontal Cortex Networks
    DOI 10.3390/jcm12030865
    Typ Journal Article
    Autor Bürger Z
    Journal Journal of Clinical Medicine
    Seiten 865
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Big Data Approaches for the Analysis of Large-Scale fMRI Data Using Apache Spark and GPU Processing: A Demonstration on Resting-State fMRI Data from the Human Connectome Project
    DOI 10.3389/fnins.2015.00492
    Typ Journal Article
    Autor Boubela R
    Journal Frontiers in Neuroscience
    Seiten 492
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Angry but not neutral faces facilitate response inhibition in schizophrenia patients
    DOI 10.1007/s00406-016-0748-8
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience
    Seiten 621-627
  • 2016
    Titel The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study
    DOI 10.3389/fnhum.2016.00044
    Typ Journal Article
    Autor Chung K
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 44
    Link Publikation
  • 2016
    Titel The influence of androstadienone during psychosocial stress is modulated by gender, trait anxiety and subjective stress: An fMRI study
    DOI 10.1016/j.psyneuen.2016.02.026
    Typ Journal Article
    Autor Chung K
    Journal Psychoneuroendocrinology
    Seiten 126-139
  • 2016
    Titel The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study
    DOI 10.18154/rwth-conv-092875
    Typ Other
    Autor Chung K
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Corrigendum: The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study
    DOI 10.18154/rwth-conv-211867
    Typ Other
    Autor Chung K
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Beyond Noise: Using Temporal ICA to Extract Meaningful Information from High-Frequency fMRI Signal Fluctuations during Rest
    DOI 10.3389/fnhum.2013.00168
    Typ Journal Article
    Autor Boubela R
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 168
    Link Publikation
  • 2013
    Titel The impact of social exclusion vs. inclusion on subjective and hormonal reactions in females and males
    DOI 10.1016/j.psyneuen.2013.07.021
    Typ Journal Article
    Autor Seidel E
    Journal Psychoneuroendocrinology
    Seiten 2925-2932
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Stress matters! Psychophysiological and emotional loadings of pregnant women undergoing fetal magnetic resonance imaging
    DOI 10.1186/s12884-015-0448-9
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal BMC Pregnancy and Childbirth
    Seiten 25
    Link Publikation
  • 2015
    Titel fMRI measurements of amygdala activation are confounded by stimulus correlated signal fluctuation in nearby veins draining distant brain regions
    DOI 10.1038/srep10499
    Typ Journal Article
    Autor Boubela R
    Journal Scientific Reports
    Seiten 10499
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Stress matters! Psychophysiological and emotional loadings of pregnant women undergoing fetal magnetic resonance imaging
    DOI 10.18154/rwth-2015-03376
    Typ Other
    Autor Derntl B
    Link Publikation
  • 2015
    Titel fMRI measurements of amygdala activation are confounded by stimulus correlated signal fluctuation in nearby veins draining distant brain regions
    DOI 10.18154/rwth-2015-07014
    Typ Other
    Autor Boubela R
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The impact of sex hormone concentrations on decision-making in females and males
    DOI 10.18154/rwth-conv-090887
    Typ Other
    Autor Derntl B
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The Spectral Diversity of Resting-State Fluctuations in the Human Brain
    DOI 10.18154/rwth-conv-154295
    Typ Other
    Autor Boubela R
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The impact of sex hormone concentrations on decision-making in females and males
    DOI 10.3389/fnins.2014.00352
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal Frontiers in Neuroscience
    Seiten 352
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Sex differences in cognitive regulation of psychosocial achievement stress: Brain and behavior
    DOI 10.1002/hbm.22683
    Typ Journal Article
    Autor Kogler L
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 1028-1042
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Impact of self-esteem and sex on stress reactions
    DOI 10.18154/rwth-conv-223943
    Typ Other
    Autor Kogler L
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Impact of self-esteem and sex on stress reactions
    DOI 10.1038/s41598-017-17485-w
    Typ Journal Article
    Autor Kogler L
    Journal Scientific Reports
    Seiten 17210
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Corrigendum: The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study
    DOI 10.3389/fnhum.2016.00293
    Typ Journal Article
    Autor Chung K
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 293
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Normalised time-to-peak-distribution curves correlate with cerebral white matter hyperintensities – Could this improve early diagnosis?
    DOI 10.1177/0271678x16629485
    Typ Journal Article
    Autor Nasel C
    Journal Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism
    Seiten 444-455
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Sex differences in the functional connectivity of the amygdalae in association with cortisol
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2016.03.064
    Typ Journal Article
    Autor Kogler L
    Journal NeuroImage
    Seiten 410-423
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Weiblicher vs. männlicher Stresstyp? Ein aktueller Überblick zur neuropsychologischen Stressforschung
    DOI 10.1024/1661-4747/a000144
    Typ Journal Article
    Autor Seidel E
    Journal Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie
    Seiten 71-79
  • 2013
    Titel Empathic competencies in violent offenders
    DOI 10.1016/j.psychres.2013.08.027
    Typ Journal Article
    Autor Seidel E
    Journal Psychiatry Research
    Seiten 1168-1175
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Culture but not gender modulates amygdala activation during explicit emotion recognition
    DOI 10.18154/rwth-conv-039552
    Typ Other
    Autor Derntl B
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Menstrual Cycle Phase and Duration of Oral Contraception Intake Affect Olfactory Perception
    DOI 10.1093/chemse/bjs084
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal Chemical Senses
    Seiten 67-75
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Association of menstrual cycle phase with the core components of empathy
    DOI 10.1016/j.yhbeh.2012.10.009
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal Hormones and Behavior
    Seiten 97-104
    Link Publikation
  • 2012
    Titel How specific are emotional deficits? A comparison of empathic abilities in schizophrenia, bipolar and depressed patients
    DOI 10.1016/j.schres.2012.09.020
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal Schizophrenia Research
    Seiten 58-64
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Culture but not gender modulates amygdala activation during explicit emotion recognition
    DOI 10.1186/1471-2202-13-54
    Typ Journal Article
    Autor Derntl B
    Journal BMC Neuroscience
    Seiten 54
    Link Publikation
  • 2014
    Titel The Spectral Diversity of Resting-State Fluctuations in the Human Brain
    DOI 10.1371/journal.pone.0093375
    Typ Journal Article
    Autor Kalcher K
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2014
    Titel On the generalizability of resting-state fMRI machine learning classifiers
    DOI 10.3389/fnhum.2014.00502
    Typ Journal Article
    Autor Huf W
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 502
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Scanning fast and slow: current limitations of 3 Tesla functional MRI and future potential
    DOI 10.3389/fphy.2014.00001
    Typ Journal Article
    Autor Boubela R
    Journal Frontiers in Physics
    Seiten 1
    Link Publikation

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