Der Einfluss des Geschlechts auf verhaltensmäßige und neuronale Korrelate von Stress
The impact of gender on behavioral and neural correlates of stress reactions
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (45%); Klinische Medizin (10%); Psychologie (45%)
Keywords
-
Stress,
Gender,
Fmri,
Social Stress,
Achievement Stress,
Cortisol
Weiblich oder männlich - unser Geschlecht ist einer der wichtigsten biologischen Faktoren des Menschen mit weitreichenden Konsequenzen für viele Aspekte von sozial-emotionalen Fähigkeiten bis hin zu Gesundheit. Gerade die physiologischen und psychologischen Reaktionen auf Stress haben einen großen Einfluss auf die menschliche Gesundheit und hier lassen bisherige Studien Geschlechtsunterschiede sowohl in den subjektiven, den physiologischen als auch den neuronalen Korrelaten vermuten. Konfrontiert mit sozialem Stress zeigen Frauen eine reduzierte Kortisolreaktion, aber eine starke subjektive Betroffenheit und erhöhte neuronale Aktivierung in limbischen Regionen. Interessanterweise zeigen Männer während Leistungsstress eine reduzierte subjektive Belastung aber stärkere physiologische Reaktionen. Zudem lässt die stärkere neuronale Aktivierung in präfrontalen Arealen bei Männern im Vergleich zu Frauen eine eher regulatorische Reaktion vermuten. Trotz der behavioralen Evidenz von Geschlechtsunterschieden in Stressreaktionen in Abhängigkeit von der Art des Stressors gibt es keine Studie mit bildgebenden Verfahren, die subjektive, physiologische und neuronale Reaktionen auf Leistungs- und sozialen Stress bei Frauen und Männern direkt vergleicht. Das Ziel der hier präsentierten Studie ist es unter Anwendung von funktioneller Hochfeldmagnetresonanztomografie (fMRT) Geschlechtsunterschiede in Stressreaktionen und deren Modulation durch die Art des Stressors (Leistungs- vs. Sozialer Stress) zu überprüfen. Die Anwendung eines drei Ebenen Ansatzes (subjektiv, physiologisch und neuronal) ermöglicht es komplexe Effekte und Interaktionen im Rahmen eines umfassenden Stressmodels zu erforschen. Die Analyse von neuronale Netzwerkmodellen zusätzlich zu einem rein lokalisationsbasierten Ansatz in der Auswertung der fMRT-Daten kann wichtige Erkenntnisse hinsichtlich stress-regulatorischer sowie geschlechterspezifischer Mechanismen liefern. Die neuronalen Regionen, die hier von besonderem Interesse sind umfassen kortikale (z.B. präfrontal Kortex) sowie subkortikale Areale (z.B. Hippokampus und Amygdala). Auf der physiologischen Ebene soll vor allem der Effekt von Stress- sowie Geschlechtshormonen auf die subjektiven und neuronalen Stressreaktionen systematisch erforscht werden. Die Untersuchung der Mechanismen, die geschlechtsspezifischen Stressreaktionen zugrunde liegen, kann essentiell zu unserem Verständnis von Prävalenzunterschieden bei stressbezogenen Erkrankungen, z.B. Depression bei Frauen und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Männern, beitragen. Zudem hat das hier präsentierte Projekt eine hohe gesellschaftliche Relevanz hinsichtlich der enormen Kosten im Gesundheitssystem, die zur Prävention bzw. Behandlung dieser Erkrankungen aufgewendet werden.
Unser Geschlecht ist eine der wichtigsten Determinanten für viele Aspekte des menschlichen Lebens, z.B. für unsere Gesundheit. Ob auch die Stressreaktion vom Geschlecht beeinflusst wird, wurde im vorliegenden Projekt umfassend untersucht. Obwohl wir keinen Geschlechtereffekt in der Einschätzung des Stresserlebens finden konnten, zeigten sich Geschlechterunterschiede in der Stressreaktion im Gehirn: Männer benutzten jene Hirnareale stärker, die mit Stressverarbeitung und dem Wiedererleben von Emotionen in Verbindung stehen. Ein signifikanter Einfluss des Selbstwerts, der auch geschlechterspezifisch ausfiel, zeigte sich ebenfalls: Frauen mit niedrigem Selbstwert zeigten vermehrt Aktivierung in Gehirnregionen, die mit kognitiver Kontrolle in Verbindung stehen, während Männer stärkere Aktivität in selbstbezogenen Gehirnarealen aufweisen. Somit konnten wir erstmals zeigen, dass Geschlecht und Selbstwert unsere Reaktion auf Stresserlebnisse beeinflussen. In einer weiterführenden Studie wurde die Neubewertung der Stresserfahrung untersucht, in der wir ebenfalls Geschlechterunterschiede zeigen konnten: die zusätzliche Aufforderung negative Gefühle, die während der Bewältigung einer anspruchsvollen Aufgabe auftreten, als weniger belastend zu bewerten, führte zu einer erhöhten subjektiven Stressreaktion in Frauen im Vergleich zu Männern. Zusätzlich unterschied sich die Stressreaktion im Gehirn in Arealen, die für Aufmerksamkeit, Emotionen und Belohnungsverarbeitung relevant sind. Die je nach Geschlecht unterschiedliche Zusammenarbeit dieser Hirnareale auch im Ruhezustand bzw. auch deren geschlechtsspezifische Modulation durch den Kortisolspiegel weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Stresshormonen und Gehirnaktivität sowie -konnektivität geschlechtsspezifische Effekte aufweist, die für die Stressreaktion und den Umgang mit Stress entscheidend sein können. Die Erklärung individueller Stressanfälligkeit stellt aktuell eine große Herausforderung der Stressforschung dar. Wie in diesem Projekt gezeigt, stellt unser Geschlecht diesbezüglich einen wichtigen Faktor dar und beeinflusst unterschiedliche Ebenen der Stressreaktion. Die erzielten Erkenntnisse sollen auch dazu anregen, geschlechtsspezifische Stressmanagement-Konzepte zu erarbeiten, die hohe Relevanz in der Prävention aber auch Behandlung stress-assoziierter Erkrankungen haben. Im Rahmen der Projektförderung wurden auch wichtige Aspekte der funktionellen Bildgebungsmethodik bearbeitet und der störende Einfluss größerer Venen in tiefergelegenen Bereichen des Gehirns auf die neuronal korrelierte Aktivierung in aufgabenbezogenen Studien als auch der sogenannten Ruhebedingung untersucht. Die berichteten Ergebnisse verbessern sowohl die Aufnahme als auch die Analyse und erhöhen dadurch Sensitivität und, vor allem, Spezifität bzw. Reliabilität der Messmethode.
- Medizinische Universität Wien - 48%
- Universität Wien - 52%
- Ewald Moser, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Ute Habel, Universitätsklinikum Aachen - Deutschland
- Ruben C. Gur, University of Pennsylvania - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 1477 Zitationen
- 36 Publikationen
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2015
Titel Psychosocial versus physiological stress — Meta-analyses on deactivations and activations of the neural correlates of stress reactions DOI 10.1016/j.neuroimage.2015.06.059 Typ Journal Article Autor Kogler L Journal NeuroImage Seiten 235-251 Link Publikation -
2015
Titel Identification of Voxels Confounded by Venous Signals Using Resting-State fMRI Functional Connectivity Graph Community Identification DOI 10.3389/fnins.2015.00472 Typ Journal Article Autor Kalcher K Journal Frontiers in Neuroscience Seiten 472 Link Publikation -
2011
Titel Deficits in social cognition: a marker for psychiatric disorders? DOI 10.1007/s00406-011-0244-0 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience Seiten 145 -
2023
Titel Testosterone and the Amygdala’s Functional Connectivity in Women and Men DOI 10.3390/jcm12206501 Typ Journal Article Autor Kogler L Journal Journal of Clinical Medicine Seiten 6501 Link Publikation -
2023
Titel Stressor-Specific Sex Differences in Amygdala–Frontal Cortex Networks DOI 10.3390/jcm12030865 Typ Journal Article Autor Bürger Z Journal Journal of Clinical Medicine Seiten 865 Link Publikation -
2016
Titel Big Data Approaches for the Analysis of Large-Scale fMRI Data Using Apache Spark and GPU Processing: A Demonstration on Resting-State fMRI Data from the Human Connectome Project DOI 10.3389/fnins.2015.00492 Typ Journal Article Autor Boubela R Journal Frontiers in Neuroscience Seiten 492 Link Publikation -
2016
Titel Angry but not neutral faces facilitate response inhibition in schizophrenia patients DOI 10.1007/s00406-016-0748-8 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience Seiten 621-627 -
2016
Titel The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study DOI 10.3389/fnhum.2016.00044 Typ Journal Article Autor Chung K Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 44 Link Publikation -
2016
Titel The influence of androstadienone during psychosocial stress is modulated by gender, trait anxiety and subjective stress: An fMRI study DOI 10.1016/j.psyneuen.2016.02.026 Typ Journal Article Autor Chung K Journal Psychoneuroendocrinology Seiten 126-139 -
2016
Titel The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study DOI 10.18154/rwth-conv-092875 Typ Other Autor Chung K Link Publikation -
2016
Titel Corrigendum: The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study DOI 10.18154/rwth-conv-211867 Typ Other Autor Chung K Link Publikation -
2013
Titel Beyond Noise: Using Temporal ICA to Extract Meaningful Information from High-Frequency fMRI Signal Fluctuations during Rest DOI 10.3389/fnhum.2013.00168 Typ Journal Article Autor Boubela R Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 168 Link Publikation -
2013
Titel The impact of social exclusion vs. inclusion on subjective and hormonal reactions in females and males DOI 10.1016/j.psyneuen.2013.07.021 Typ Journal Article Autor Seidel E Journal Psychoneuroendocrinology Seiten 2925-2932 Link Publikation -
2015
Titel Stress matters! Psychophysiological and emotional loadings of pregnant women undergoing fetal magnetic resonance imaging DOI 10.1186/s12884-015-0448-9 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal BMC Pregnancy and Childbirth Seiten 25 Link Publikation -
2015
Titel fMRI measurements of amygdala activation are confounded by stimulus correlated signal fluctuation in nearby veins draining distant brain regions DOI 10.1038/srep10499 Typ Journal Article Autor Boubela R Journal Scientific Reports Seiten 10499 Link Publikation -
2015
Titel Stress matters! Psychophysiological and emotional loadings of pregnant women undergoing fetal magnetic resonance imaging DOI 10.18154/rwth-2015-03376 Typ Other Autor Derntl B Link Publikation -
2015
Titel fMRI measurements of amygdala activation are confounded by stimulus correlated signal fluctuation in nearby veins draining distant brain regions DOI 10.18154/rwth-2015-07014 Typ Other Autor Boubela R Link Publikation -
2014
Titel The impact of sex hormone concentrations on decision-making in females and males DOI 10.18154/rwth-conv-090887 Typ Other Autor Derntl B Link Publikation -
2014
Titel The Spectral Diversity of Resting-State Fluctuations in the Human Brain DOI 10.18154/rwth-conv-154295 Typ Other Autor Boubela R Link Publikation -
2014
Titel The impact of sex hormone concentrations on decision-making in females and males DOI 10.3389/fnins.2014.00352 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal Frontiers in Neuroscience Seiten 352 Link Publikation -
2014
Titel Sex differences in cognitive regulation of psychosocial achievement stress: Brain and behavior DOI 10.1002/hbm.22683 Typ Journal Article Autor Kogler L Journal Human Brain Mapping Seiten 1028-1042 Link Publikation -
2017
Titel Impact of self-esteem and sex on stress reactions DOI 10.18154/rwth-conv-223943 Typ Other Autor Kogler L Link Publikation -
2017
Titel Impact of self-esteem and sex on stress reactions DOI 10.1038/s41598-017-17485-w Typ Journal Article Autor Kogler L Journal Scientific Reports Seiten 17210 Link Publikation -
2016
Titel Corrigendum: The Influence of Menstrual Cycle and Androstadienone on Female Stress Reactions: An fMRI Study DOI 10.3389/fnhum.2016.00293 Typ Journal Article Autor Chung K Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 293 Link Publikation -
2016
Titel Normalised time-to-peak-distribution curves correlate with cerebral white matter hyperintensities – Could this improve early diagnosis? DOI 10.1177/0271678x16629485 Typ Journal Article Autor Nasel C Journal Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism Seiten 444-455 Link Publikation -
2016
Titel Sex differences in the functional connectivity of the amygdalae in association with cortisol DOI 10.1016/j.neuroimage.2016.03.064 Typ Journal Article Autor Kogler L Journal NeuroImage Seiten 410-423 Link Publikation -
2013
Titel Weiblicher vs. männlicher Stresstyp? Ein aktueller Überblick zur neuropsychologischen Stressforschung DOI 10.1024/1661-4747/a000144 Typ Journal Article Autor Seidel E Journal Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie Seiten 71-79 -
2013
Titel Empathic competencies in violent offenders DOI 10.1016/j.psychres.2013.08.027 Typ Journal Article Autor Seidel E Journal Psychiatry Research Seiten 1168-1175 Link Publikation -
2012
Titel Culture but not gender modulates amygdala activation during explicit emotion recognition DOI 10.18154/rwth-conv-039552 Typ Other Autor Derntl B Link Publikation -
2012
Titel Menstrual Cycle Phase and Duration of Oral Contraception Intake Affect Olfactory Perception DOI 10.1093/chemse/bjs084 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal Chemical Senses Seiten 67-75 Link Publikation -
2012
Titel Association of menstrual cycle phase with the core components of empathy DOI 10.1016/j.yhbeh.2012.10.009 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal Hormones and Behavior Seiten 97-104 Link Publikation -
2012
Titel How specific are emotional deficits? A comparison of empathic abilities in schizophrenia, bipolar and depressed patients DOI 10.1016/j.schres.2012.09.020 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal Schizophrenia Research Seiten 58-64 Link Publikation -
2012
Titel Culture but not gender modulates amygdala activation during explicit emotion recognition DOI 10.1186/1471-2202-13-54 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal BMC Neuroscience Seiten 54 Link Publikation -
2014
Titel The Spectral Diversity of Resting-State Fluctuations in the Human Brain DOI 10.1371/journal.pone.0093375 Typ Journal Article Autor Kalcher K Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel On the generalizability of resting-state fMRI machine learning classifiers DOI 10.3389/fnhum.2014.00502 Typ Journal Article Autor Huf W Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 502 Link Publikation -
2014
Titel Scanning fast and slow: current limitations of 3 Tesla functional MRI and future potential DOI 10.3389/fphy.2014.00001 Typ Journal Article Autor Boubela R Journal Frontiers in Physics Seiten 1 Link Publikation