Sexuelle Selektion und Plastizität der Körpergrösse bei Milben
Sexual selection and male body size plasticity in mites
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (20%)
Keywords
-
Phenotypic Plasticity,
Life History,
Sexual Selection,
Size At Maturity,
Canalization,
Predatory Mites
Phänotypische Plastizität in Alter und Körpergröße bei Erreichen der Maturität erlaubt optimale Anpassung an variable Umweltbedingungen. Die meisten Arthropoden inkl. Milben sind sexuell dimorph mit großen Weibchen und kleinen Männchen. Sexueller Größendimorphismus und unterschiedliche Plastizität in der Körpergröße sind meist das Ergebnis unterschiedlicher, aber in Wechselbeziehung stehender, Selektionskräfte. Weibchengröße wird hauptsächlich durch Fekundität selektiert, Männchengröße wird hauptsächlich durch sexuelle Selektion bestimmt. Wir haben kürzlich die geschlechtspezifische Plastizität der Körpergröße bei den sexuell dimorphen Raubmilben Phytoseiulus persimilis und Neoseiulus californicus untersucht. Diese Studien haben ergeben, dass die Plastizität der Weibchen-Körpergröße bei beiden Arten ähnlich ist wohingegen die Männchen-Körpergröße bei P. persimilis weitaus weniger plastisch ist als jene bei N. californicus. Wir vermuten, dass letzteres im unterschiedlichen Paarungssystem der beiden Arten begründet ist. Die Männchen beider Arten sind ähnlich polygyn. Die Weibchen unterscheiden sich stark im Grad der Polyandrie. Weibchen von N. californicus müssen sich mehrmals paaren, um die maximale Anzahl an Nachkommen zu produzieren. Weibchen von P. persimilis paaren sich nur gelegentlich öfter als einmal, weil eine einzige Paarung für die maximale Eiablage ausreicht. Dies bedeutet weniger Paarungsmöglichkeiten und höhere Fitnesskosten für jede aufgrund geringer Größe nicht erfolgte Paarung für Männchen von P. persimilis als für Männchen von N. californicus. In Kooperation mit einem auf Molekularökologie von Milben spezialisiertem Kollegen der Universität Kyoto, Japan, versuchen wir nachzuweisen, dass Plastizität der Körpergröße stärkere negative Auswirkungen auf den Reproduktionserfolg von P. persimilis Männchen hat als auf jenen von N. californicus Männchen. Wir beabsichtigen Experimente über den Einfluss (1) der männlichen Körpergröße auf die Paarungshäufigkeit und die Anzahl der Nachkommen, (2) der Paarungsabfolge (erster, zweiter, dritter oder vierter Paarungspartner eines einzelnen Weibchens) auf den Anteil der Vaterschaft der jeweiligen Männchen, (3) der männlichen Körpergröße auf die Weibchenwahl und/oder die Männchenkonkurrenz um die Weibchen, und (4) der Paarungsabfolge und der männlichen Körpergröße auf den relativen Anteil der Vaterschaft, durchzuführen. Unser Projekt sollte zu einem besseren Verständnis der Evolution phänotypischer Plastizität beitragen, neue molekulare Marker für Milben entwickeln, und im weiteren Sinne helfen die Verwendung der beiden Raubmilbenarten in der biologischen Kontrolle von herbivoren Milben und Insekten zu optimieren.
Die Körpergröße von Männchen spielt im Tierreich eine tragende Rolle, insbesondere bei Vorgängen rund um die Fortpflanzung. Kleine Männchen sind in Konkurrenzsituationen um paarungsbereite Weibchen und beim Fortpflanzungserfolg gegenüber normal großen Männchen oft benachteiligt. Bei Arten, bei denen sich die Weibchen nur selten mit mehreren Männchen paaren, ist die Chance auf eine Verpaarung für kleine Männchen noch geringer als bei Arten mit hohen weiblichen Paarungsraten. Als Folge dieses erhöhten Selektionsdruckes auf die männliche Körpergröße sollten bei Arten mit niedrigen weiblichen Paarungsraten starke Abweichungen von der männlichen Standardgröße im Laufe der evolutionären Zeit geringer werden. Dies sollte sich letztlich in einer geringeren Plastizität der männlichen Körpergröße manifestieren. Genau diese Unterschiede in der Plastizität der männlichen Körpergröße und der weiblichen Paarungshäufigkeit (Polyandrie) liegen bei den beiden Raubmilbenarten Phytoseiulus persimilis (geringe Größenplastizität; mild ausgeprägte Polyandrie) und Neoseiulus californicus (moderate Größenplastizität; moderat ausgeprägte Polyandrie) vor. Wir überprüften daher die Hypothese, dass Abweichungen von der normalen männlichen Körpergröße beim lebenslangen Reproduktionserfolg, bei der Konkurrenz um Weibchen, und dem Vaterschaftserfolg bei mehrfach verpaarten Weibchen höhere Kosten für Männchen von P. persimilis als N. californicus verursachen. Polyandrie brachte bei N. californicus klare direkte und indirekte Vorteile: mehrfach verpaarte Weibchen produzierten mehr Nachkommen, über längere Zeiträume, mit höheren Überlebenschancen als einfach verpaarte Weibchen. Im Gegensatz dazu produzierten einfach und mehrfach verpaarte Weibchen von P. persimilis ähnlich viele Nachkommen mit ähnlich hohen Überlebenschancen. Bei beiden Arten resultierte Mehrfachpaarung der Weibchen in gemischte Vaterschaft der Nachkommen. Die Konkurrenz um paarungsbereite Weibchen und der lebenslange Reproduktionserfolg war bei N. californicus Männchen nicht von ihrer Körpergröße beeinflusst, während kleine P. persimilis Männchen konkurrenzschwächer waren und weniger Nachkommen zeugten als normal große Männchen. Bei Zweifach-Paarungen der Weibchen mit kleinen und großen Männchen war der Vaterschaftserfolg des ersten Paarungspartners nur bei P. persimilis nicht aber bei N. californicus von der männlichen Körpergröße beeinflusst. Zusammenfassend bestätigt unser Projekt die Hypothese, dass eine kleine Körpergröße der Männchen für P. persimilis größere Nachteile bezüglich Fortpflanzung hat als für N. californicus. Die geringere Plastizität der Körpergröße der Männchen von P. persimilis im Vergleich zu N. californicus ist das Resultat des vergangenen stärkeren sexuellen Selektionsdruckes auf dieses Merkmal.
Research Output
- 113 Zitationen
- 16 Publikationen
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2012
Titel Body size matters in male lifetime reproductive success of the predatory mites Phytoseiulus persimilis and Neoseiulus californicus. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schausberger P Konferenz 7th Symposium of the European Association of Acarologists, abstract book, p. 71 -
2015
Titel Food stress causes sex-specific maternal effects in mites DOI 10.1242/jeb.123752 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Journal of Experimental Biology Seiten 2603-2609 Link Publikation -
2015
Titel Interdependent effects of male and female body size plasticity on mating behaviour of predatory mites DOI 10.1016/j.anbehav.2014.11.017 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Animal Behaviour Seiten 96-105 Link Publikation -
2014
Titel Contrasting patterns of remating, paternity and reproductive success in polyandrous Neoseiulus californicus and Phytoseiulus persimilis. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schausberger P Konferenz XIV International Congress of Acarology, July 14-18 2014, Kyoto, Japan, abstract book -
2013
Titel Species-specific relevance of male body size in the mating behaviour of Phytoseiulus persimilis and Neoseiulus californicus. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schausberger P Konferenz 4th meeting of the IOBC working group "Integrated control of pest mites", abstract book -
2013
Titel Intra- and Trans-Generational Costs of Reduced Female Body Size Caused by Food Limitation Early in Life in Mites DOI 10.1371/journal.pone.0079089 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal PLoS ONE Link Publikation -
2015
Titel Male body size effects on mating behaviour and paternity success in polyandrous Phytoseiulus persimilis and Neoseiulus californicus. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schausberger P Et Al Konferenz 5h meeting of the IOBC working group Integrated Control of Mite Pests, Castello de la Plana, Spain; abstract published online - page accessed September 23, 2015 -
2014
Titel Compensatory growth following transient intraguild predation risk in predatory mites DOI 10.1111/oik.01687 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Oikos Seiten 603-609 Link Publikation -
2014
Titel Sex-specific body size effects on mating behaviour of the predatory mites. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schausberger P Konferenz XIV International Congress of Acarology, Kyoto, Japan; abstract book, p. 44 -
2017
Titel Low level of polyandry constrains phenotypic plasticity of male body size in mites DOI 10.1371/journal.pone.0188924 Typ Journal Article Autor Schausberger P Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Ultimate Drivers and Proximate Correlates of Polyandry in Predatory Mites DOI 10.1371/journal.pone.0154355 Typ Journal Article Autor Schausberger P Journal PLOS ONE Link Publikation -
2016
Titel Magic or Not? Sounds vs. Colors in Sexual Selection and Genetic Divergence of Strawberry Frogs DOI 10.3389/fevo.2016.00099 Typ Journal Article Autor Schausberger P Journal Frontiers in Ecology and Evolution Seiten 99 Link Publikation -
2013
Titel Correction: Intra- and Trans-Generational Costs of Reduced Female Body Size Caused by Food Limitation Early in Life in Mites DOI 10.1371/annotation/c8279f89-2414-4628-af2c-e5e030da11b5 Typ Journal Article Autor Schausberger P Journal PLoS ONE -
2013
Titel Correction: Intra- and Trans-Generational Costs of Reduced Female Body Size Caused by Food Limitation Early in Life in Mites DOI 10.1371/annotation/c8279f89-2414-4628-af2c-e5e030d Typ Journal Article Autor Walzer A Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Canalization of body size matters for lifetime reproductive success of male predatory mites (Acari: Phytoseiidae) DOI 10.1111/bij.12235 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Biological Journal of the Linnean Society Seiten 889-899 Link Publikation -
2014
Titel Sexual selection of male size plasticity in predatory mites: strong canalization suggests high fitness relevance. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Schausberger P Konferenz 15th International Behavioral Ecology Congress, New York City, USA; abstract book