Wasser- und Gastransport durch Aquaporine
Water and Gas Transport through Aquaporins
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (70%)
Keywords
-
Water channels,
Channel gating,
Membrane gas transport,
Planar lipid bilayers,
Fluorescence Correlation Spectroscopy (FCS)
Dutzenden Veröffentlichungen in hochrangigen Zeitschriften zufolge weisen einige Mitglieder der Aquaporinfamilie eine CO2 Leitfähigkeit auf. Um physiologisch relevant zu sein, müsste der gaskanalfreie Anteil der aquaporinhaltigen Membranen eine gegenüber Modellmembranen gleicher Zusammensetzung 200 bis 1000- fach reduzierte CO2 Leitfähigkeit besitzen. Allerdings ist der molekulare Mechanismus unbekannt, der ein neutrales Molekül, das einen Hexadekan : Wasser Verteilungskoeffizienten von ~ 1 hat, daran hindern könnte, frei durch biologische Membranen zu diffundieren. Wir werden die Hypothese untersuchen, dass Säugetierepthelien aufgrund einer Proteinbarriere (z. B. Uropklakin) oder einer eingeschränkten Carbonanhydraseaktivitiät ein reduziertes PCO2 aufweisen. In Fortsetzung unserer Bemühungen, die Lipidmoleküle zu identifizieren, die die Gasleitfähigkeit Lipiddoppelschichten zu reduzieren im Stande sind, werden wir Archaealipide rekonstituieren und unsere Studie um Transportuntersuchungen von H2S erweitern. Wenn Archaealipide eine Barriere für H2S darstellen würden, wäre die Funktion der Archaea-Aquaporine geklärt. Außerdem planen wir die erste Studie, die zwischen Ammoniak- und Ammoniumleitfähigkeiten pflanzlicher Aquaporine differenzieren kann. Da eine generelle Diskrepanz zwischen Experiment und molekulardynamischen Simulationen dahingehend besteht, ob die Einzelkanalleitfähigkeit pf orthodoxer Aquaporine oder die von Glyceroquaporinen größer ist, werden wir die Wasserflussdichte durch gereinigtes und in ebene Membranen rekonstituieres AqpZ, GlpF und AQP1 erfassen und simultan die Proteindichte mittels Fluoreszenzkorrelationsspektroskopie erfassen. Sollte sich pf von GlpF als höher erweisen sind die Zweifel an der Anwendbarkeit der Wassermodelle für molekulardynamische Simulationen in eingeschränkten Geometrien unangebracht. Zusätzlich werden wir die aufgrund von Simulationen getroffene Voraussage testen, dass Fluktuationen des in der Aquaporinpore konservierten Arginins durch eine Transmembranspannung beeinflusst werden können, d.h. wir werden den ersten Beweis (oder Gegenbeweis) für ein Schaltverhalten menschlicher Aquaporine erbringen.
Membranen schützen Zellen vor dem unerwünschten Verlust von genetischem Material, Proteinen und Nährstoffen. Damit entsteht im Inneren der Zelle ein individuelles Mikroklima, das diese zur Erfüllung spezifischer Aufgaben in den verschiedenen Geweben und Organen befähigt. Die Membran muss aber auch Nährstoffe in die Zelle hinein und Metabolite heraus- lassen. Beispielsweise müssen H2O und CO2 permanent hin- und hertransportiert werden. Obwohl beide Moleküle durch die Membran diffundieren können, wird häufig von einer Regulation ihres Flusses durch spezialisierte Kanäle, sogenannte Aquaporine ausgegangen. Tatsächlich queren Wassermoleküle die Aquaporine in einer Art Gänsemarsch, d.h. der Kanal ist so schmal, dass die Wassermoleküle einander nicht passieren können. Wenn die Aquaporine wie normale Wasserrohre funktionieren würden, müsste die Reibung mit der Kanalwand zu einer sehr langsamen Strömung führen. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Allerdings ist auch nicht klar, wie das mikroskopische Bild tatsächlich aussieht, d.h. wie schnell das Wasser wirklich den Kanal passiert. Um diese Lücke zu schließen haben wir zwei Messansätze für die Erfassung der Einzelkanalleitfähigkeit entwickelt: zum einen direkt in der Zellmembran und zum anderen in Lipidvesikeln, in die der gereinigte Kanal wieder eingebaut wurde. Einzelmolekültechniken haben die Zählung der Kanäle per Membranfläche übernommen, d.h. jeder Kanal wurde mit einem Farbstoff versehen und er wurde außerdem mit einem Atomkraftmikroskop dargestellt, das gleich einem miniaturisiertem Plattenspieler die Höhenunterschiede zwischen Membran und Kanal erfasst. Auf den Wasserfluss selbst haben wir aus der Verdünnung von kleinen Molekülen am Kanalmund bzw. der Volumenabnahme der Lipidvesikel geschlossen. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass keinerlei Reibung vorliegt. Im Gegenteil, die Wassermoleküle bewegen sich im Kanal drei bis zehnmal schneller als außerhalb. Die Messansätze bieten die Möglichkeit den Effekt von Pharmaka auf die Einzelkanalleitfähigkeit zu testen und sollten damit von Interesse für die Arzneistoffentwicklung sein.CO2 passiert die Membran relative schnell und kann deshalb kaum durch Aquaporine beschleunigt werden. Wir haben untersucht, ob Uroplakin-Plaques auf der Oberfläche epithelialer Zellen den CO2 Transport verlangsamen können. Obwohl diese den Wasser- und Ammoniakfluss durch Harnblase und -leiter verringern, haben sie keinen Effekt auf den CO2 Transport. Letzterer wird stattdessen durch ein Enzym, die Carboanhydrase reguliert. Diese katalysiert die Umwandlung von Bikarbonat in CO2. Wenn in geringer Menge vorhanden, ist die Reaktion sehr langsam - wie in Sodawasser, aus dem die Kohlensäure nur sehr langsam, d.h. über Stunden, entweicht. Große Mengen des Enzyms sorgen für eine rasche Umwandlung in CO2, dass dann die Zelle ungehindert und ohne Mitwirkung von Aquaporinen verlässt.
- Universität Linz - 100%
- John Mathai, Harvard Medical School - Vereinigte Staaten von Amerika
- Mark L. Zeidel, Harvard Medical School - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 1844 Zitationen
- 20 Publikationen
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2012
Titel Modeling of non-covalent complexes of the cell-penetrating peptide CADY and its siRNA cargo DOI 10.1016/j.bbamem.2012.09.006 Typ Journal Article Autor Crowet J Journal Biochimica et Biophysica Acta (BBA) - Biomembranes Seiten 499-509 Link Publikation -
2011
Titel Monitoring Single-channel Water Permeability in Polarized Cells* DOI 10.1074/jbc.m111.291864 Typ Journal Article Autor Erokhova L Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 39926-39932 Link Publikation -
2018
Titel Single-file transport of water through membrane channels DOI 10.1039/c8fd00122g Typ Journal Article Autor Horner A Journal Faraday Discussions Seiten 9-33 Link Publikation -
2018
Titel Interfacial water molecules at biological membranes: Structural features and role for lateral proton diffusion DOI 10.1371/journal.pone.0193454 Typ Journal Article Autor Nguyen T Journal PLOS ONE Link Publikation -
2018
Titel Positively charged residues at the channel mouth boost single-file water flow DOI 10.1039/c8fd00050f Typ Journal Article Autor Horner A Journal Faraday Discussions Seiten 55-65 Link Publikation -
2018
Titel Label-free and charge-sensitive dynamic imaging of lipid membrane hydration on millisecond time scales DOI 10.1073/pnas.1719347115 Typ Journal Article Autor Tarun O Journal Proceedings of the National Academy of Sciences Seiten 4081-4086 Link Publikation -
2018
Titel Driving Forces of Translocation Through Bacterial Translocon SecYEG DOI 10.1007/s00232-017-0012-9 Typ Journal Article Autor Knyazev D Journal The Journal of Membrane Biology Seiten 329-343 Link Publikation -
2016
Titel The Sodium Glucose Cotransporter SGLT1 Is an Extremely Efficient Facilitator of Passive Water Transport* DOI 10.1074/jbc.m115.706986 Typ Journal Article Autor Erokhova L Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 9712-9720 Link Publikation -
2016
Titel Water Transport by the Sodium Glucose Cotransporter SGLT1 DOI 10.1016/j.bpj.2015.11.778 Typ Journal Article Autor Erokhova L Journal Biophysical Journal Link Publikation -
2013
Titel Local Partition Coefficients Govern Solute Permeability of Cholesterol-Containing Membranes DOI 10.1016/j.bpj.2013.11.003 Typ Journal Article Autor Zocher F Journal Biophysical Journal Seiten 2760-2770 Link Publikation -
2013
Titel 9th EBSA European Biophysics Congress, 13-17 July 2013, Lisbon, Portugal - Abstracts DOI 10.1007/s00249-013-0917-x Typ Journal Article Journal European Biophysics Journal Seiten 1-236 Link Publikation -
2015
Titel The mobility of single-file water molecules is governed by the number of H-bonds they may form with channel-lining residues DOI 10.1126/sciadv.1400083 Typ Journal Article Autor Horner A Journal Science Advances Link Publikation -
2014
Titel Interaction of fengycin with stratum corneum mimicking model membranes: A calorimetry study DOI 10.1016/j.colsurfb.2014.05.019 Typ Journal Article Autor Eeman M Journal Colloids and Surfaces B: Biointerfaces Seiten 27-35 Link Publikation -
2014
Titel Ion Conductivity of the Bacterial Translocation Channel SecYEG Engaged in Translocation* DOI 10.1074/jbc.m114.588491 Typ Journal Article Autor Knyazev D Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 24611-24616 Link Publikation -
2014
Titel High-Speed AFM Images of Thermal Motion Provide Stiffness Map of Interfacial Membrane Protein Moieties DOI 10.1021/nl504478f Typ Journal Article Autor Preiner J Journal Nano Letters Seiten 759-763 Link Publikation -
2017
Titel Origin of proton affinity to membrane/water interfaces DOI 10.1038/s41598-017-04675-9 Typ Journal Article Autor Weichselbaum E Journal Scientific Reports Seiten 4553 Link Publikation -
2016
Titel Water Determines the Structure and Dynamics of Proteins DOI 10.1021/acs.chemrev.5b00664 Typ Journal Article Autor Bellissent-Funel M Journal Chemical Reviews Seiten 7673-7697 Link Publikation -
2016
Titel Protons and Hydroxide Ions in Aqueous Systems DOI 10.1021/acs.chemrev.5b00736 Typ Journal Article Autor Agmon N Journal Chemical Reviews Seiten 7642-7672 Link Publikation -
2012
Titel Uroplakins Do Not Restrict CO2 Transport through Urothelium* DOI 10.1074/jbc.m112.339283 Typ Journal Article Autor Zocher F Journal Journal of Biological Chemistry Seiten 11011-11017 Link Publikation -
2012
Titel Design of Peptide-Membrane Interactions to Modulate Single-File Water Transport through Modified Gramicidin Channels DOI 10.1016/j.bpj.2012.08.059 Typ Journal Article Autor Portella G Journal Biophysical Journal Seiten 1698-1705 Link Publikation