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Vertiefende Erforschung kryptischer Biodiversität

Filling gaps in cryptic-biodiversity research

Birgit C. Schlick-Steiner (ORCID: 0000-0003-4026-5778)
  • Grant-DOI 10.55776/P23409
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 07.03.2012
  • Projektende 06.03.2017
  • Bewilligungssumme 252.569 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Cryptic Species, Multidisciplinarity, Evolutionary Profile, Species Delimitation, Online Routine Identification Tools

Abstract Endbericht

Kryptische Arten sind einander morphologisch sehr ähnliche Arten, die zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung nur sehr schwer unterscheidbar sind. Im vergangenen Jahrzehnt wurden kryptische Arten in den meisten Organismengruppen entdeckt. Diese Forschung war allerdings überwiegend deskriptiv - die Analyse evolutionärer Trends bei kryptischen Arten ist überfällig. Wir schlagen ein dreiteiliges Konzept zur Erforschung der Evolution eines Komplexes von mindestens sieben kryptischen Ameisenarten vor. Erstens werden wir die derzeit geringe Präzision in der Artabgrenzung mittels Integrativer Taxonomie wesentlich erhöhen. Information von traditioneller Morphometrie und nuklearen und mitochondrialen DNA-Sequenzen wird separat bearbeitet und dann integriert. Bei evolutionsbiologisch nicht erklärbarem Datenkonflikt zwischen Disziplinen können zusätzliche Disziplinen herangezogen werden: geometrische Morphometrie und Infrarot- Spektroskopie. Zweitens werden wir Bestimmungsroutinen testen und nach Minimieren der Fehlerrate im Internet frei zugänglich machen. Die Bestimmungsroutinen werden auf die auch in der Artabgrenzung verwendeten Datenquellen aufbauen und wichtige Vorarbeiten für das dritte, übergeordnete Ziel des Projekts ermöglichen. Drittens werden wir drei Fragen zur Evolution des Artenkomplexes bearbeiten: (i) Phylogenetischer Aufbau des Artenkomplexes? Falls die Arten eine exklusive Kronengruppe im Stammbaum ("species tree") bilden, kann Stasis (die Aufrechterhaltung anzestraler Morphologie) als ursächlich für die morphologische Ähnlichkeit der Arten abgeleitet werden. Falls die Arten zu mehr als einer Kronengruppe gehören, wird ein alternativer Ansatz benötigt: Die morphologische Krypsis könnte durch Konvergenz entstanden sein oder durch Stasis, die von einigen (jetzt nicht-kryptischen) Arten aufgegeben wurde. (ii) Verhältnis von morphologischer Ähnlichkeit zu evolutionärer Nähe? Die kryptischen Ameisenarten sind morphologisch ähnlich aber nicht identisch. Das ermöglicht, die Ausmaße morphologischer Ähnlichkeit und evolutionärer Nähe zu korrelieren. Dieser Ansatz kann Konvergenz im Fall von mehr als einer Kronengruppe glaubhaft machen. Falls die Arten eine exklusive Kronengruppe bilden, wäre eine von zwei neuen Erkenntnissen möglich: der graduelle Verlust von Ähnlichkeit mit abnehmender evolutionärer Nähe oder der fehlende Einfluss evolutionärer Nähe auf die Stasis. (iii) Verhältnis der Ähnlichkeiten in Morphologie und klimatischer Nische? Die treibenden Kräfte in der Diversifizierung der kryptischen Ameisenarten und die Mechanismen, die das Aufrechterhalten der Artintegritäten ermöglichen, sind unbekannt. Die Ökologie könnte beteiligt sein und die Arten könnten sich beispielsweise in ihren klimatischen Nischen unterscheiden. Das Muster der Ähnlichkeiten in klimatischer Nische und Morphologie könnte eine Rolle der Ökologie in der Evolution der Arten nahelegen. Das Projekt wird weiterreichende Relevanz haben. Die Integrative Taxonomie benötigt gut dokumentierte Fallstudien zur Verfeinerung operationaler Details. Unser innovatives 454-Technologie-basiertes Protokoll zur Etablierung hoch auflösender nuklearer Sequenzloci wird generell anwendbar sein. Die Erfahrungen aus der Entwicklung von Internet-Bestimmungsroutinen könnten bei anderen kryptischen Arten nützlich sein. Die evolutionsbiologischen Ergebnisse werden einen Grundstein für die Erforschung weiterer Evolutionsaspekte dieser Arten ermöglichen. Insgesamt könnte das Evolutionsprofil mithelfen, bisher unerkannte, aber weiter verbreitete Charakteristika der Evolution kryptischer Arten zu erkennen.

Kryptische Arten sind Arten, die einander so sehr ähneln, dass man sie kaum voneinander unterscheiden kann. In den letzten Jahren sind in immer mehr Organismengruppe kryptische Arten entdeckt worden, leider war ihre Erforschung jedoch vor allem deskriptiv. Im Gegensatz dazu haben wir bei der Bearbeitung des Tetramorium caespitum Ameisen-Artenkomplexes ein schlüssiges Protokoll der integrativen Taxonomie angewandt. Dabei wird Information von unterschiedlichen Datenquellen wie beispielsweise Morphometrie, nuklarer und mitochondrialer D N A zunächst separat ausgewertet und erst in einem weiteren Schritt integriert. Widersprüche zwischen den einzelnen Datenquellen werden anhand von evolutiven Szenarien, wie beispielsweise Hybridisierung, erklärt. Um die Artbestimmung des Tetramorium caespitum Artenkomplexes allen Interessierten zu ermöglichen, haben wir einen frei zugänglichen online Bestimmschlüssel entwickelt (siehe https://webapp.uibk.ac.at/ecology/tetramorium/). Ebenso wurde ein fibre-optic Nah-Infrarot Spektroskopie Bestimmungswerkzeug etabliert. Nach erfolgreicher Abgrenzung aller Arten wollten wir die evolutiven Hintergründe der Entstehung kryptischer Arten beleuchten. Wir fanden einen graduellen Verlust von morphologischer Ähnlichkeit im Laufe der Zeit Krypsis ist also ein Resultat von nur geringem Ähnlichkeitsverlust, genannt Stasis, und nicht von parallel entstehender Ähnlichkeit aufgrund von gleichem ökologischen Druck. Schließlich fanden wir Hinweise, dass Arten in hohen Lagen ähnlicher und schwerer zu unterscheiden sind als Arten im Tiefland.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Bernhard Seifert, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz - Deutschland
  • Jürgen Gadau, Westfälische Wilhelms-Universität - Deutschland
  • Floyd E. Dowell, Agricultural Research Service - Vereinigte Staaten von Amerika
  • F. James Rohlf, State University of New York - Vereinigte Staaten von Amerika
  • L. Lacey Knowles, University of Michigan - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 224 Zitationen
  • 14 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Genomic Resources Notes accepted 1 February 2015 – 31 March 2015
    DOI 10.1111/1755-0998.12419
    Typ Journal Article
    Autor Consortium G
    Journal Molecular Ecology Resources
    Seiten 1014-1015
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Major range loss predicted from lack of heat adaptability in an alpine Drosophila species
    DOI 10.1016/j.scitotenv.2019.133753
    Typ Journal Article
    Autor Kinzner M
    Journal Science of The Total Environment
    Seiten 133753
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Genomic Signature of Shifts in Selection in a Subalpine Ant and Its Physiological Adaptations
    DOI 10.1093/molbev/msaa076
    Typ Journal Article
    Autor Cicconardi F
    Journal Molecular Biology and Evolution
    Seiten 2211-2227
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Genomic signature of shifts in selection in a sub-alpine ant and its physiological adaptations
    DOI 10.1101/696948
    Typ Preprint
    Autor Cicconardi F
    Seiten 696948
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Evolution of morphological crypsis in the Tetramorium caespitum ant species complex (Hymenoptera: Formicidae)
    DOI 10.1038/s41598-018-30890-z
    Typ Journal Article
    Autor Wagner H
    Journal Scientific Reports
    Seiten 12547
    Link Publikation
  • 2015
    Titel A Falsification of the Citation Impediment in the Taxonomic Literature
    DOI 10.1093/sysbio/syv026
    Typ Journal Article
    Autor Steiner F
    Journal Systematic Biology
    Seiten 860-868
    Link Publikation
  • 2015
    Titel A near-infrared spectroscopy routine for unambiguous identification of cryptic ant species
    DOI 10.7717/peerj.991
    Typ Journal Article
    Autor Kinzner M
    Journal PeerJ
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Recent insertion/deletion (reINDEL) mutations: increasing awareness to boost molecular-based research in ecology and evolution
    DOI 10.1002/ece3.1330
    Typ Journal Article
    Autor Schlick-Steiner B
    Journal Ecology and Evolution
    Seiten 24-35
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Positive diversifying selection is a pervasive adaptive force throughout the Drosophila radiation
    DOI 10.1016/j.ympev.2017.04.023
    Typ Journal Article
    Autor Cicconardi F
    Journal Molecular Phylogenetics and Evolution
    Seiten 230-243
    Link Publikation
  • 2017
    Titel An Alpine ant’s behavioural polymorphism: monogyny with and without internest aggression in Tetramorium alpestre
    DOI 10.1080/03949370.2017.1343868
    Typ Journal Article
    Autor Krapf P
    Journal Ethology Ecology & Evolution
    Seiten 220-234
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Light at the end of the tunnel: Integrative taxonomy delimits cryptic species in the Tetramorium caespitum complex (Hymenoptera: Formicidae).
    Typ Journal Article
    Autor Schlick-Steiner Bc Et Al
  • 2017
    Titel Chemosensory adaptations of the mountain fly Drosophila nigrosparsa (Insecta: Diptera) through genomics’ and structural biology’s lenses
    DOI 10.1038/srep43770
    Typ Journal Article
    Autor Cicconardi F
    Journal Scientific Reports
    Seiten 43770
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Tetramorium indocile Santschi, 1927 stat. rev. is the proposed scientific name for Tetramorium sp. C sensu Schlick-Steiner et al. (2006) based on combined molecular and morphological evidence (Hymenoptera: Formicidae)
    DOI 10.1016/j.jcz.2014.06.002
    Typ Journal Article
    Autor Csosz S
    Journal Zoologischer Anzeiger - A Journal of Comparative Zoology
    Seiten 469-481
  • 2014
    Titel Take up the challenge! Opportunities for evolution research from resolving conflict in integrative taxonomy
    DOI 10.1111/mec.12868
    Typ Journal Article
    Autor Schlick-Steiner B
    Journal Molecular Ecology
    Seiten 4192-4194
    Link Publikation

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