Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Accelaration,
quality of work,
Organizational Change,
Stress
Die regelmäßig durchgeführten European Working Conditions Surveys zeigen, dass Arbeitnehmer/innen seit einigen Jahren eine kontinuierliche Zunahme von Arbeitsgeschwindigkeit und -intensität wahrnehmen. Arbeitnehmer/innen beschreiben eine Zunahmen des Arbeitsdrucks, der zeitlichen Intensität, aber auch Zunahmen von Flexibilisierung und De-Standardisierung von Arbeitsabläufen. Im Zusammenhang mit der Wahrnehmung einer steigenden Arbeitsintensität steht das Phänomen der Beschleunigung, welches vom Soziologen Hartmut Rosa (2005) mit seiner detaillierten Analyse der Veränderungen von Zeitstrukturen in der Moderne beschrieben wird. Rosa zeigt die Ursachen und Auswirkungen der Beschleunigung auf allen Ebenen der Gesellschaft anhand von Phänomenen wie technische Leistungssteigerungen, Wandel von Beschäftigungsverhältnissen und Verknappung von Zeitressourcen. Bislang fehlt eine Analyse dieser Phänomene aus der Perspektive der Arbeits- und Organisationspsychologie. Das vorliegende Projekt hat daher zum Ziel, das soziologisch beschriebene Phänomens der Beschleunigung in der Arbeitswelt zu untersuchen, empirisch zu überprüfen und mit bestehenden Modellen zur Beschreibung von und Umgang mit Anforderungen in der Arbeitswelt zu verknüpfen. Weiters soll auch untersucht werden, welche Folgen aus dieser neuen Anforderung für die Qualität des Arbeitslebens entstehen können. Das Projekt besteht aus drei aufeinander abgestimmten Forschungsmodulen: Beschleunigung im Arbeitsleben: Zunächst wird mittels eines Fragebogens die Wahrnehmung von und der Umgang mit Beschleunigung allgemein im Arbeitsleben erfasst. Eine Längsschnittstudie erlaubt die Analyse von kausalen Beziehungszusammenhängen zwischen beschleunigungsrelevanten Anforderungen, dem Umgang mit Beschleunigung und den Folgen auf die Qualität des Arbeitslebens. Beschleunigung im Arbeitsalltag: Eine genauere Analyse der neuen Anforderungen soll im Anschluss mit Hilfe von Tagebuchaufzeichnungen erfolgen. Dadurch kann eine vertiefte Beschreibung der neuen Anforderungen und ihrer Bedeutung im Arbeitsalltag sowie der alltäglichen Bewältigungsprozesse erfolgen. Beschleunigung in Berufsbiographien: Um die zeitliche Betrachtungsebene zu erweitern ist geplant im dritten Modul berufsbiographische Interviews zu führen. Dies ermöglicht z.B. Vergleiche zwischen der Wahrnehmung von älteren und jüngeren Arbeitnehmern und führt zu einer Erweiterung der beobachtbaren Zeitspanne und ermöglicht die Analyse langfristiger Auswirkungen.
Die Wahrnehmung, immer schneller immer mehr leisten und mit permanenten Veränderungen schritthalten zu müssen, wird von vielen Beschäftigten geteilt. Den Anforderungen eines zunehmenden Tempos in der Arbeitswelt ist das Projekt Beschleunigung im Arbeitsleben nachgegangen. Ziel des Projekts war es beschleunigungsbedingte Anforderungen in der Arbeit zu identifizieren und deren Auswirkungen für Beschäftigte und Organisationen zu untersuchen. Konkret wurden drei beschleunigungsbedingte Anforderungen ermittelt: Arbeitsintensivierung, gesteigerte Planungs- und Entscheidungsanforderungen und gesteigerte Lernanforderungen. Beschäftigte sind heutzutage gefordert, mehr Aufgaben in kürzeren Zeiträumen zu erledigen. Darüber hinaus erhalten sie zunehmend Managementaufgaben und organisationale Vorgaben werden reduziert. Dies führt dazu, dass Beschäftigte vermehrt Entscheidungen treffen und ihre Arbeit selbständig planen müssen. Schließlich geht der rasche technologische und organisationale Wandel mit der Anforderung einher, sich in kürzeren Abständen auf neue Technologien, Programme, Richtlinien etc. einstellen zu müssen. Daher sind Beschäftigte gefordert ihr Wissen und ihre Fähigkeiten laufend auf dem neusten Stand zu halten. Eine wiederholte Befragung von über 2.000 österreichischen Beschäftigten im Dienstleistungsbereich (Verwaltung, Gesundheitswesen, IT) zeigte, dass beschleunigungsbedingte Anforderungen unterschiedlich bewertet werden: Arbeitsintensivierung wurde mehrheitlich als Belastung eingeschätzt und ging mit einem geringen Wohlbefinden, geringer Arbeitszufriedenheit und Konflikten zwischen Arbeit und Privatleben einher. Gesteigerte Planungs- und Entscheidungsanforderungen wurden als Herausforderung gesehen und hatten sowohl positive (hohe Arbeitsmotivation und -zufriedenheit) als auch negative Auswirkungen (Erschöpfung). Gesteigerte Lernanforderungen wirkten hingegen durchwegs positiv: sie reduzierten Erschöpfungszustände und trugen zur Arbeitszufriedenheit bei. Im Umgang mit gesteigerten Anforderungen zeigten die Beschäftigten zwei unterschiedliche Handlungsmuster: Einerseits versuchten Beschäftigte aktiv die Anforderungen der Arbeit zu bewältigen. Sie erhöhten ihr Arbeitstempo, arbeiteten länger oder reduzieren Pausen. Andererseits zeigten Beschäftigte passive Handlungsmuster. Sie reduzierten die Qualität ihrer Arbeit um die gesteigerten Anforderungen zu bewältigen. Als hilfreich im Umgang mit gesteigerten Anforderungen erwiesen sich vor allem Unterstützungsmaßnahmen seitens der Unternehmen (z.B.: Einbeziehung der MitarbeiterInnen in wichtige Entscheidungen). Persönliche Fähigkeiten (wie Zeitmanagement) hatten keine entlastende Wirkung. Insofern sind Unternehmen gefordert, ihre MitarbeiterInnen durch entsprechende Rahmenbedingungen dabei zu unterstützen mit den gesteigerten Anforderungen bestmöglich umzugehen, um die Arbeitskraft langfristig zu erhalten und Weiterentwicklung in der Arbeit zu fördern.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 1062 Zitationen
- 20 Publikationen
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2012
Titel Diary Studies as a Macro-Ergonomic Evaluation Tool Development of a Shift Diary and its Application in Ergonomic Evaluations DOI 10.1109/seanes.2012.6299552 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Korunka C Seiten 1-6 Link Publikation -
2012
Titel Acceleration in the care of older adults: new demands as predictors of employee burnout and engagement DOI 10.1111/jan.12011 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal Journal of Advanced Nursing Seiten 1525-1538 -
2015
Titel Changes in work intensification and intensified learning: challenge or hindrance demands? DOI 10.1108/jmp-02-2013-0065 Typ Journal Article Autor Korunka C Journal Journal of Managerial Psychology Seiten 786-800 -
2015
Titel Control in Flexible Working Arrangements DOI 10.1027/1866-5888/a000121 Typ Journal Article Autor Gerdenitsch C Journal Journal of Personnel Psychology Seiten 61-69 -
2015
Titel Current Trends and Developments in Approaches to Job Demands DOI 10.1027/1866-5888/a000130 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal Journal of Personnel Psychology Seiten 4-7 -
2018
Titel Exploring the Ambivalence of Time Pressure in Daily Working Life DOI 10.1037/str0000044 Typ Journal Article Autor Prem R Journal International Journal of Stress Management Seiten 35-43 Link Publikation -
2016
Titel Cognitive Appraisal of Work Intensification DOI 10.1037/a0039689 Typ Journal Article Autor Paškvan M Journal International Journal of Stress Management Seiten 124-146 Link Publikation -
2016
Titel Regulatory job stressors and their within-person relationships with ego depletion: The roles of state anxiety, self-control effort, and job autonomy DOI 10.1016/j.jvb.2015.11.004 Typ Journal Article Autor Prem R Journal Journal of Vocational Behavior Seiten 22-32 Link Publikation -
2016
Titel Thriving on challenge stressors? Exploring time pressure and learning demands as antecedents of thriving at work DOI 10.1002/job.2115 Typ Journal Article Autor Prem R Journal Journal of Organizational Behavior Seiten 108-123 Link Publikation -
2013
Titel Acceleration in working life: An empirical test of a sociological framework DOI 10.1177/0961463x12471006 Typ Journal Article Autor Ulferts H Journal Time & Society Seiten 161-185 -
2013
Titel Beschleunigung im Arbeitsleben – neue Anforderungen und deren Folgen DOI 10.1007/978-3-658-01445-2_2 Typ Book Chapter Autor Korunka C Verlag Springer Nature Seiten 17-39 -
2015
Titel Does job complexity mitigate the negative effect of emotion-rule dissonance on employee burnout? DOI 10.1080/02678373.2015.1074954 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal Work & Stress Seiten 379-400 Link Publikation -
2015
Titel Arbeiten in Zeiten der Beschleunigung: Arbeitsintensivierung und ihre Folgen [Work in times of acceleration: Intensification of work and its consequences]. Typ Book Chapter Autor B. Braun & O. Neumaier (Eds.). Eile Mit Weile. Aspekte Der Be- Und Entschleunigung In Wissenschaft Und Kunst [Haste Makes Waste. Aspects Of Acceleration And De-Acceleration In Science And Art] -
2016
Titel Work Intensification and the Work-Home Interface DOI 10.1027/1866-5888/a000158 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal Journal of Personnel Psychology Seiten 76-89 -
2012
Titel The more you give, the more you get? Reciprocal relationships between work engagement and task-related, interpersonal, and organizational resources. Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal CIENCIA & TRABAJO -
2014
Titel Changing Working Conditions at the Onset of the Twenty-First Century: Facts from International Datasets DOI 10.1007/978-94-017-8854-0_3 Typ Book Chapter Autor Kubicek B Verlag Springer Nature Seiten 25-41 -
2014
Titel New ways of working and quality of working life: A macroergonomic approach. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Gerenditsch C Konferenz Broberg, O., Fallentin, N., Hasle, P., Jensen, P. L., Kabel, A., Larsen, M. E. & Weller, T. (Eds.). Human Factors in Organizational Design and Management IX, Santa Monica. -
2014
Titel The Impact of ICT on Quality of Working Life DOI 10.1007/978-94-017-8854-0 Typ Book editors Korunka C, Hoonakker P Verlag Springer Nature -
2014
Titel Too much job control? Two studies on curvilinear relations between job control and eldercare workers’ well-being DOI 10.1016/j.ijnurstu.2014.05.005 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal International Journal of Nursing Studies Seiten 1644-1653 -
2014
Titel Development and validation of an instrument for assessing job demands arising from accelerated change: The intensification of job demands scale (IDS) DOI 10.1080/1359432x.2014.979160 Typ Journal Article Autor Kubicek B Journal European Journal of Work and Organizational Psychology Seiten 898-913 Link Publikation