Identifikation und Charakterisierung des HRV-C Rezeptors
IDENTIFICATION and CHARACTERIZATION of the HRV-C RECEPTOR(S)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (30%); Gesundheitswissenschaften (70%)
Keywords
-
Picornavirus,
Entry,
HRV-C,
3D-structure,
Receptor,
Interaction
Unter Verwendung moderner RT/PCR diagnostischer Verfahren, wurde eine Reihe von bisher unbekannten humanen Rhinovirus (HRV) Typen in klinischen Proben identifiziert. Die Sequenzierung ihrer RNA Genome zeigte, dass einige dieser Viren nur weitläufig mit den etablierten HRV Spezies A and B verwandt sind. Diese neuen Isolate wurden als HRV-C klassifiziert. Sie waren bisher nicht gefunden worden, weil sie sich in Zellkultur nicht vermehren. Sie verursachen Symptome ähnlich der Influenza, febrile obstruktive Bronchitis und Asthma und scheinen aggressiver zu sein als die "klassischen" HRVs. Vor kurzem wurde gezeigt, dass zumindest HRV-C102 in primären, aus Nasenschleimhaut gewonnenen Zellen vermehrt werden kann. Wenn das Erfordernis eines Rezeptors umgangen wird (via Transfektion mit viraler genomischer RNA, die in vitro von einem synthetischen cDNA Klon transkribiert wurde) wächst HRV-C102 auch in HeLa Zellen. Dies deutet darauf hin, dass HRV-Cs nicht die ubiquitär exprimierten Rezeptoren, das interzelluläre Adhesionsmolekül 1 und Vertreter der low-density lipoprotein Rezeptor Familie verwenden. Vielmehr erkennen sie höchst wahrscheinlich eine Struktur an der Zellmembran, die nur in wenigen Zellen der Nasenschleimhaut, des inneren Ohres und des unteren respiratorischen Traktes vorhanden ist. Diese Sicht wird durch 3D-Modelle des viralen Kapsids unterstützt: HRV-Cs fehlen die typischen Sequenzmotive und Schleifen, die von den bisher bekannten HRV Rezeptoren erkannt werden. Deshalb ist die Jagd auf diesen unbekannten Rezeptor eröffnet. Wir schlagen vor, den HRV-C Rezeptor (oder die Rezeptoren) zu identifizieren und zu charakterisieren und möglicherweise die 3D-Struktur eines Virus-Rezeptor Komplexes zu lösen um den Mechanismus der gegenseitigen Erkennung auf molekularer Ebene aufzuklären.
Rhinoviren (RV) sind hauptverantwortlich für Infektionen der oberen Atemwege, aber auch häufig an der Verschlechterung schon bestehender Erkrankungen der Lunge beteiligt. Sie werden in drei Spezies A, B und C untergliedert - mit insgesamt über 150 verschiedenen Vertretern. Eine Reihe epidemiologischer Studien hat gezeigt, dass RV-A und RV-C eine stärker ausgeprägte Virulenz als RV-B aufweisen und beispielsweise häufiger bei kindlichem Asthma nachgewiesen wurden. Für eine erfolgreiche Infektion muss sich das Rhinovirus zuerst an einen Rezeptor der Wirtszelle anheften. Danach wird es durch Endozytose ins Zellinnere geschleust wo es zur anschließenden Vermehrung sein genetisches Material (ein Einzelstrang-RNA Genom) aus dem schützenden Kapsid ins Zytosol freisetzt.Um diese frühen Vorgänge der viralen Infektion für die nur schwierig kultivierbaren RV-C besser erforschen zu können war eines unserer Ziele, die zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten RV-C Rezeptor(en) zu identifizieren. Dafür haben wir mit erheblichem Aufwand versucht, eine ausreichende Menge an Rhinovirus C15 für den Nachweis und Aufreinigung des Rezeptors zu erhalten. Trotz verschiedenartigster Ansätze konnte dieses Ziel aufgrund des außerordentlich geringen Ertrags an Virus jedoch nicht wie geplant erreicht werden. Im April 2015 haben amerikanische Forscher durch Einsatz von Methoden der Bioinformatik erstmals einen RV-C Rezeptor beschrieben. Aus diesem Grunde haben wir uns daraufhin konzentriert den Infektionsweg zweier Rhinoviren zu charakterisieren, welche zum Anheften denselben Rezeptor (ICAM-1) verwenden, aber den evolutionär unterschiedlichen Spezies A und B angehören. Überaschenderweise wurden diese nach erfolgter Endozytose zu verschiedenen Endosomen transportiert, wo sie dann auch ihr Genom freisetzten. Diese Beobachtung ist im Lichte der beschriebenen divergenten Pathogenizität von RV-A und RV-B von erheblicher Bedeutung. Wir haben des Weiteren einen neuartigen Test entwickelt der es erlaubt, eine experimentell ausgelöste Freisetzung der Einzelstrang-RNA aus dem Kapsid von Rhinoviren quantitativ zu verfolgen. Grundlage dafür ist die Messung der von einer speziellen Sonde (eine Art molekularer Leuchtturm) abgestrahlten Fluoreszenz gepaart mit CHIP Elektrophore. Dieser Test soll zukünftig dazu dienen, den genauen Mechanismus dieses noch wenig verstandenen Vorgangs aufzuklären. In Rahmen des Projektes haben wir zudem die Rolle der bei den meisten Picornaviren am Kapsidprotein VP4 angehefteten Fettsäure untersucht. Es zeigte sich dabei für Rhino-, Coxsackie- und andere Picornaviren, dass nach Hemmung der für diese Myristylierung verantwortlichen Enzyme mittels eines neuartigen Wirkstoffes die Infektiosität neu gebildeter Viren stark abnimmt. Als Ursache haben wir einen ineffizienten Zusammenbau des Virus und zudem ein massives Problem in der Freisetzung der Einzelstrang-RNA von den noch produzierten Viren aufgefunden. Diese Daten sind Grundlage zur Entwicklung einer komplett neuen antiviralen Therapie mit breiter Wirkung gegenüber vielen Picornaviren inklusive Rhinoviren der Spezies A-, B-, und C.
- Merja Roivainen, The Finnish National Public Health Institute - Finnland
- Abdul-Ghafoor Khan, National University of Sciences and Technology - Pakistan
- Ann C. Palmenberg, University of Wisconsin-Madison - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 260 Zitationen
- 16 Publikationen
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2018
Titel Cellular N-myristoyltransferases play a crucial picornavirus genus-specific role in viral assembly, virion maturation, and infectivity DOI 10.1371/journal.ppat.1007203 Typ Journal Article Autor Ramljak I Journal PLOS Pathogens Link Publikation -
2016
Titel Erratum to: In vitro RNA release from a human rhinovirus monitored by means of a molecular beacon and chip electrophoresis DOI 10.1007/s00216-016-9580-2 Typ Journal Article Autor Weiss V Journal Analytical and Bioanalytical Chemistry Seiten 4465-4465 Link Publikation -
2016
Titel ICAM-1 Binding Rhinoviruses A89 and B14 Uncoat in Different Endosomal Compartments DOI 10.1128/jvi.00712-16 Typ Journal Article Autor Conzemius R Journal Journal of Virology Seiten 7934-7942 Link Publikation -
2016
Titel Mechanism of human rhinovirus infections DOI 10.1186/s40348-016-0049-3 Typ Journal Article Autor Blaas D Journal Molecular and Cellular Pediatrics Seiten 21 Link Publikation -
2013
Titel Production of Human Rhinovirus Type C Virus Like Particles (VLPs). Typ Conference Proceeding Abstract Autor Corbic-Ramljak I Konferenz Poster presented at the 9th YSA Symposium at the Medical University of Vienna, Vienna, Austria -
2015
Titel Productive entry pathways of human rhinovirus types. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Conzemius R Konferenz Invited speaker (R.F.) abstract presented at the Symposium GUT, DGKJ München, Germany, Shanghai, China. -
2015
Titel Productive entry pathways of human rhinovirus types. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Conzemius R Konferenz Poster presented at the EMBO Conference, Mandelieu-la-Napoule, Frankreich. -
2015
Titel Productive entry pathways of human rhinovirus types. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Conzemius R Konferenz Invited speaker (R.F.) abstract, World Congress of Microbes, Shanghai, China -
2015
Titel ICAM-1 binding rhinoviruses HRV-A89 and HRV-B14 uncoat in different endosomal compartments. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Conzemius R Konferenz Invited speaker (R.F.) abstract, Virus-Cell Interactions, Seli, Finland. -
2014
Titel Distinct uncoating pathways of human rhinovirus types. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fuchs R Et Al Konferenz Invited speaker (R.F.) abstract, Early Events in Virus Infection, Ascona, Switzerland. -
2017
Titel ICAM-1 Binding Rhinoviruses Enter HeLa Cells via Multiple Pathways and Travel to Distinct Intracellular Compartments for Uncoating DOI 10.3390/v9040068 Typ Journal Article Autor Ganjian H Journal Viruses Seiten 68 Link Publikation -
2017
Titel A reversible haploid mouse embryonic stem cell biobank resource for functional genomics DOI 10.1038/nature24027 Typ Journal Article Autor Elling U Journal Nature Seiten 114-118 Link Publikation -
2016
Titel In vitro RNA release from a human rhinovirus monitored by means of a molecular beacon and chip electrophoresis DOI 10.1007/s00216-016-9459-2 Typ Journal Article Autor Weiss V Journal Analytical and Bioanalytical Chemistry Seiten 4209-4217 Link Publikation -
2016
Titel Viral entry pathways: the example of common cold viruses DOI 10.1007/s10354-016-0461-2 Typ Journal Article Autor Blaas D Journal Wiener Medizinische Wochenschrift Seiten 211-226 Link Publikation -
2012
Titel Production of Human Rhinovirus Type C Virus Like Particles. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Corbic-Ramljak I Konferenz Poster presented at the MFPL PhD and PostDoc Retreat in Sopron, Hungary -
2014
Titel Distinct uncoating pathways of human rhinovirus types. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Fuchs R Et Al Konferenz Invited speaker (R.F.) abstract, University of Jyväskylä, Finland.