Das Zeusheiligtum in Velia
The sanctuary of Zeus at Velia
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
South Italy,
Sanctuaries,
Velia,
Zeus
Die archäologische Erforschung der Heiligtümer von Velia durch das Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien in den Jahren 2004-2008 hat die Lokalisierung von insgesamt neun Kultplätzen auf dem zentralen Höhenrücken der Stadt erlaubt und gleichzeitig eine solide Grundlage für weitere Forschungen gelegt. Am wenigsten erforscht ist der Kultplatz 8, die sgn. Zeusterrasse, die in herausragender Lage am östlichen Ende des Höhenrückens die Oststadt von Velia dominiert. Die frühesten Zeugnisse für dieses Heiligtum stellen drei Cippen für Zeus Ourios, Pompaios und Olympios Kairos dar, die aufgrund von palaeographischen Kriterien in die zweite Hälfte des 5. Jh. v. Chr. datiert werden. Vermutlich in frühhellenistischer Zeit wurde dieser Kultplatz zu einer monumentalen Terrasse umgebaut, der außer einem langen Altar sowie einer Umfassung mit Stelenbasen an der Ostseite keinerlei architektonische Reste zeigte. Bis jetzt wurde diese Terrasse immer als abgeschlossenes Heiligtum betrachtet, doch die Begehung des im Osten anschließenden erhöhten Teils (Kultplatz 9) nach einem großen Feuer im Jahr 2008 führten zu der Annahme, dass die dort angetroffenen Architekturreste noch ein Bestandteil des Zeusheiligtums sein könnten. Ziel des beantragten Projekts ist die vollständige Erforschung des Heiligtums sowie die Erarbeitung einer zuverlässigen Chronologie seiner Entwicklung. Ferner sind Untersuchungen von verschiedenen Aspekten der Zeusverehrung in Velia vorgesehen. Für den ersten Projektteil planen wir zwei Feldkampagnen, die sich auf Grabungen in dem noch weitgehend unerforschten Bereich des sogenannten Kultplatzes 9 konzentrieren werden und auch die Dokumentation der heute sichtbaren Reste einschließen werden. Die Arbeiten werden durch kleinere Untersuchen auf der Zeusterrasse selbst sowie durch die Bearbeitung von Funden, vor allem der Keramik und möglichen Tierknochen, ergänzt. Aus diesem neuen Kenntnisstand zur Gestalt und zur diachronischen Entwicklung des Platzes aufbauend, wird eine neue Interpretation des Heiligtums und des Zeuskults in Velia angestrebt, die auch die typologische Einordnung des Heiligtums in Vergleich mit anderen hellenistischen Anlagen umfasst. Ferner werden die Bedeutung des Zeuskults untersucht in Zusammenhang mit der poltischen Situation in Velia im 5. Jh., vor allem der Existenz einer Tyrannis und den Beziehungen der Stadt zu Athen, wie auch das neu erwachte Interesse in frühhellenistischer Zeit mit möglichen Beziehungen zu Epirus und dem Heiligtum von Dodona. In einem weiteren Rahmen werden nicht nur der religiöse Aspekt, sondern auch die Implikationen des Zeuskults auf das politische, kulturelle und sozio-ökonomische Leben der Stadt diskutiert.
Ziel des Projektes war eine topographische Studie zur sog. Zeusterrasse, einem der ältesten und gleichzeitig monumentalsten Heiligtümer in Velia, einer phokäischen Kolonie in Süditalien. Während dreier ausgedehnter Feldkampagnen (2011-2013) legten wir eine Fläche von insgesamt 1.800 m2 auf der großen Terrasse (Kultplatz 8) sowie dem anschließenden Kultplatz 9 frei. Dennoch stellte es sich als extrem schwierig heraus, die chronologische Entwicklung dieser Heiligtümer zu verfolgen, da ältere Ausgrabungen und Rekonstruktionen in den 1920er und 1930er Jahren den Befund schwer beeinträchtigt haben. Wir konnten feststellen, dass Kultplatz 9 in zwei Terrassen unterteilt war, von denen die obere eine große Halle und einen abgegrenzten Kultbezirk trug, die untere ein kleines Kultgebäude, während die große Zeusterrasse nur an der Ostseite einen monumentalen Altar aufwies. Die Untersuchung der Bautechnik der Terrassenmauern, aber auch die typologische Einordnung des Baukomplexes mit Parallelen in der östlichen Ägäis lassen uns eine Erbauung in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. annehmen und damit bereits in der Zeit der römischen Expansion nach Süditalien. Diese zeitliche Einordnung entspricht auch jener des berühmten Altars von Hieron II in Syrakus, der als Vorbild gedient haben könnte. Grabungen an der östlichen und westlichen Terrassenmauer brachten Hinweise auf eine große Erneuerung des gesamten Baukomplexes im 2. Jh. v. Chr. Unter dem großen Altar konnte ein älterer, kleinerer Vorgänger festgestellt werden, bei dem sich noch die Reste der Opferschicht fanden. Diese Reorganisation wurde von einem sog. Schließungsritual begleitet, bei dem die Reste der Kultbauten (vor allem der Dächer) gemeinsam mit dem bei Kultmählern verwendeten Geschirr (Kochtöpfen, Weinamphoren) rituell deponiert wurden. Stelen mit Inschriften für Zeus Ourios und andere Gottheiten, die in den 1950er Jahren gefunden wurden, lassen sich als Zeugnisse eines frühen Kultplatzes des 5. Jhs. v. Chr. interpretieren, von dem wir allerdings keine baulichen Reste feststellen konnten, da sie offenbar durch die Errichtung der späteren Terrasse völlig zerstört wurden. Wir entdeckten jedoch im Bereich des Kultplatzes 8 einen großen Steinbruch, der vermutlich mit der Errichtung der nahegelegenen Stadtmauern am Anfang des 4. Jhs. v. Chr. in Verbindung zu bringen ist. In dieselbe Zeit gehört auch eine Wasserleitung, welche die Wasserversorgung der Stadt seit dem frühen 4. Jh. v. Chr. sicherstellte.Die Grabungen auf Kultplatz 9 brachten außerdem ein massives Stratum zutage, welches afrikanische Sigillata sowie Kochtöpfe des 5. Jhs. n. Chr. enthielt. Auch einige aus Spolien errichtete Strukturen können vermutlich in diese Zeit datiert werden und geben damit neue, bisher unbekannte Einblicke in die Frequentierung dieses Bereichs, aber auch in die generelle Entwicklung der Stadt in der Spätantike.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 4 Publikationen
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2012
Titel Der Kultplatz 9 in Velia - ein Heiligtum des 3. Jh. v. Chr. Die Ergebnisse der Kampagne 2012. Typ Journal Article Autor Gassner V Journal Forum Archaeologiae -
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Titel Le aree sacre n. 8 e n. 9 sul crinale di Velia - le ricerche degli anni 2011-2013. Typ Other Autor Gassner V -
0
Titel L'area sacra n. 8 (la cd. Terrazza di Zeus) e area sacra n.9. Typ Other Autor Gassner V -
2014
Titel Die urbanistische Entwicklung von Elea in Grossgriechenland: Von den Anfängen bis zur Umgestaltung der Stadt im 5. Jh. v. Chr. Typ Book Chapter Autor Gassner V