Neuronale Maße und Korrelate bei Patienten mit Anosmie
Neural Responses and Measures with Anosmia
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (100%)
Keywords
-
Anosmia,
Olfactory Dysfunction,
Fmri,
Pain Stimulation,
Fmrs,
Chemosensory
Anosmie, der vollständige Verlust sensorischer Geruchswahrnehmung, ist eine weitverbreitete neurologische Erkrankung mit massiven Auswirkungen auf den Ernährungszustand der betroffenen Patienten. Bis zu 5% der Bevölkerung leidet unter einem totalen Verlust des Riechvermögens und immerhin 15% unter einem teilweise eingeschränktem Riechvermögen. Bis jetzt existiert noch keine therapeutische Methoden die olfaktorische Funktionen bei Patienten mit Ansomie wiederherzustellen. Erste Ansätze zeigen jedoch, dass durch olfaktorisches Wahrnehmungslernen die Geruchsfunktionen bei Anosmikern reaktiviert werden können (Hummel et al. 2009). Über die neuronale Basis dieser neuen Methode -- im Speziellen, wie das Erfahren von Gerüchen während des Trainings Prozesse der olfaktorischen Verarbeitung moduliert - ist jedoch genauso wenig bekannt, wie über die neuronale Verarbeitung von chemosensorischen Informationen bei Ansomiker allgemein. Ziel dieses Antrages ist es, einerseits die Enkodierung olfaktorischer Prozesse im Gehirn bei anosmischen Patienten zu verstehen und andererseits soll mittels unterschiedlicher experimenteller Strategien ein spezielles Augenmerk auf die therapeutische Basis des olfaktorischen Wahrnehmungslernens und die damit verbundenen Veränderungen von olfaktorische Funktionen gelegt werden. Weiters sollen schon bekannte adaptive plastische Veränderung bei anosmischen Patienten morphologisch dargestellt und quantifiziert werden. Die einzelnen Ziele des Projekts können wie folgt formuliert werden: ZIEL 1 des Projekts fokussiert auf die Erfassung und Messung der neuronalen Kodierung von Gerüchen im olfaktorischen Kortex (die neuronale Oszillation hervorgerufen durch den rhythmischen Mechanismus des Sniffings) unter Zuhilfenahme von funktioneller Bildgebung (fMRI) bei anosmischen Patienten und gesunden Kontrollprobanden. Im Speziellen wird untersucht, ob Ansomiker den neuronalen Mechanismus besitzen durch Sniffing (kurzes intensives Einatmen durch die Nase) getriggerte Oszillationen im olfaktorischen Kortex zu erzeugen. Als ZIEL 2 des Projekts soll die neuronale Basis des olfaktorischen Wahrnehmungslernens bei Anosmikern untersucht werden. Dazu wird den Patienten ein gezieltes Riechtraining angeboten und anschließend die durch olfaktorische Stimulation hervorgerufene kortikale Aktivität vor und nach dem Riechtraining mit fMRI verglichen. Ein spezieller Teil dieser Analyse wird darauf abzielen mögliche zusätzliche Strukturen des Gehirns zu erläutern, die zur Kompensation des Geruchverlusts aktiviert werden. Im ZIEL 3 des Projekts wird untersucht wie chemosensorische trigeminale Stimuli entlang der olfaktorischen Bahn bei Anosmikern im Vergleich zu gesunden Probanden verarbeitet werden und ob und wenn ja, in wie weit, Unterschiede auf Grund von Kompensierungsmechanismen nachweisbar sind. Im ZIEL 4 des Projekts werden schlußendlich die zugrundeliegenden biochemischen Mechanismen intranasaler trigeminaler Wahrnehmung und deren Variabilität durch Geruchsverlust untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien sollen dazu beitragen eine neuen Einblick zu erlangen in wie weit Anosmie die olfaktorische Verarbeitung beeinträchtigt und wie diese Prozessabläufe durch gezieltes Training modifiziert werden können. Daraus sollen dann mögliche Therapien entwickelt werden. Weiters wird ein besseres Verständnis des Geruchsystems dazu beitragen Veränderungen innerhalb des olfaktorischen Systems, hervorgerufen unter anderem durch neurodegenerative Erkrankungen, wie Parkinson oder Alzheimer, früher zu erfassen und daher den Erfolg entsprechender Therapien erhöhen
In dem vom FWF geförderten Projekt wurden die neuronalen Komponenten des Geruchsverlusts untersucht. Erstmals konnte gezeigt werden, dass es durch den Verlust des Geruchssinns zu einer Umorganisation der funktionellen Netzwerkstruktur des Gehirns kommt. Darüber hinaus konnte das Training des Geruchssinns über einen längeren Zeitraum die Riechfähigkeit von betroffenen Patienten nicht nur verbessern, sondern auch die zuständigen Verarbeitungsnetzwerke des Gehirns wieder aktivieren. Neben den neuronalen Komponenten der Geruchsverarbeitung wurden im Projekt auch psychophysiologische Masse betrachtet, wie zum Beispiel die Fähigkeit eigene Körpersignale wahrzunehmen (Interozeption), die Fähigkeit die eigene Geruchsleistung zu beurteilen, oder auch die Fähigkeit sich Gerüche merken zu können. Ergebnisse des Projekts verhalfen dazu, die Grundlagen des Geruchsverlusts in seiner Gesamtheit besser verstehen zu können. Nachfolgeprojekte, die auf einen personalisierten Ansatz abzielen, um betroffenen Patienten helfen zu können, sind in Arbeit.
- Universität Graz - 100%
- Martin Wiesmann, RWTH Aachen - Deutschland
- Johannes Frasnelli, Université du Quebec à Trois-Rivières - Kanada
Research Output
- 787 Zitationen
- 20 Publikationen
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2015
Titel Klinische Geruchstestungen – warum Befragungen alleine nicht ausreichen DOI 10.1007/s00106-015-0017-6 Typ Journal Article Autor Schöpf V Journal HNO Seiten 511-515 Link Publikation -
2015
Titel Intranasal insulin influences the olfactory performance of patients with smell loss, dependent on the body mass index: A pilot study DOI 10.4193/rhin15.065 Typ Journal Article Autor Schopf V Journal Rhinology journal Seiten 371-378 Link Publikation -
2015
Titel The inability to self-evaluate smell performance. How the vividness of mental images outweighs awareness of olfactory performance DOI 10.3389/fpsyg.2015.00627 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Frontiers in Psychology Seiten 627 Link Publikation -
2015
Titel Intranasal insulin influences the olfactory performance of patients with smell loss, dependent on the body mass index: A pilot study. DOI 10.4193/rhino15.065 Typ Journal Article Autor Schopf V Journal Rhinology Seiten 371-8 Link Publikation -
2013
Titel A systematic investigation of the invariance of resting-state network patterns: is resting-state fMRI ready for pre-surgical planning? DOI 10.3389/fnhum.2013.00095 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 95 Link Publikation -
2013
Titel Altered likelihood of brain activation in attention and working memory networks in patients with multiple sclerosis: An ALE meta-analysis DOI 10.1016/j.neubiorev.2013.09.005 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Neuroscience & Biobehavioral Reviews Seiten 2699-2708 Link Publikation -
2013
Titel Attention shifts the language network reflecting paradigm presentation DOI 10.3389/fnhum.2013.00809 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 809 Link Publikation -
2015
Titel Same Same but Different. Different Trigeminal Chemoreceptors Share the Same Central Pathway DOI 10.1371/journal.pone.0121091 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal PLOS ONE Link Publikation -
2015
Titel Stress matters! Psychophysiological and emotional loadings of pregnant women undergoing fetal magnetic resonance imaging DOI 10.1186/s12884-015-0448-9 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal BMC Pregnancy and Childbirth Seiten 25 Link Publikation -
2015
Titel Effects of chronic peripheral olfactory loss on functional brain networks DOI 10.1016/j.neuroscience.2015.09.045 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Neuroscience Seiten 589-599 Link Publikation -
2015
Titel Olfactory training induces changes in regional functional connectivity in patients with long-term smell loss DOI 10.1016/j.nicl.2015.09.004 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal NeuroImage: Clinical Seiten 401-410 Link Publikation -
2014
Titel The impact of sex hormone concentrations on decision-making in females and males DOI 10.3389/fnins.2014.00352 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal Frontiers in Neuroscience Seiten 352 Link Publikation -
2014
Titel Recovery of Olfactory Function Induces Neuroplasticity Effects in Patients with Smell Loss DOI 10.1155/2014/140419 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Neural Plasticity Seiten 140419 Link Publikation -
2014
Titel The impact of olfactory dysfunction on interoceptive awareness DOI 10.1111/psyp.12316 Typ Journal Article Autor Krajnik J Journal Psychophysiology Seiten 263-268 Link Publikation -
2014
Titel Gender effects and sexual-orientation impact on androstadienone-evoked behavior and neural processing DOI 10.3389/fnins.2014.00195 Typ Journal Article Autor Krajnik J Journal Frontiers in Neuroscience Seiten 195 Link Publikation -
2014
Titel Fetal functional imaging portrays heterogeneous development of emerging human brain networks DOI 10.3389/fnhum.2014.00852 Typ Journal Article Autor Jakab A Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 852 Link Publikation -
2017
Titel Neuronal correlates of cognitive function in patients with childhood cerebellar tumor lesions DOI 10.1371/journal.pone.0180200 Typ Journal Article Autor Reichert J Journal PLOS ONE Link Publikation -
2012
Titel Menstrual Cycle Phase and Duration of Oral Contraception Intake Affect Olfactory Perception DOI 10.1093/chemse/bjs084 Typ Journal Article Autor Derntl B Journal Chemical Senses Seiten 67-75 Link Publikation -
2017
Titel Self-esteem as an important factor in quality of life and depressive symptoms in anosmia: A pilot study DOI 10.1111/coa.12855 Typ Journal Article Autor Kollndorfer K Journal Clinical Otolaryngology Seiten 1229-1234 Link Publikation -
2014
Titel The relationship between eye movement and vision develops before birth DOI 10.3389/fnhum.2014.00775 Typ Journal Article Autor Schöpf V Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 775 Link Publikation